BwR Realschule Bayern · Klasse 9 · Lernbereich 2 (LehrplanPLUS)

Anlagenbereich: Anschaffungskosten, Abschreibung und die Entscheidung vor dem Kauf

Eine Maschine kostet nicht nur einmal Geld – sie verliert jedes Jahr an Wert. Genau diesen Werteverzehr rechnet die Abschreibung in den Gewinn ein. Auf dieser Seite lernst du den kompletten Weg eines Anlageguts: Wie du die Anschaffungskosten aus einer Rechnung herausholst, wie du die jährliche und die zeitanteilige Abschreibung berechnest und buchst, wann ein Gerät nur ein Kleingut oder ein geringwertiges Wirtschaftsgut ist – und wie du schon vor dem Kauf rechnerisch begründest, welches Angebot das bessere ist.

Unser Betrieb auf dieser Seite: das Holzwerk Brandl e. Kfr., eine Möbelmanufaktur in Rosenheim. Inhaberin ist Katharina Brandl, eingetragene Kauffrau. Sie erweitert 2025 die Tischproduktion: eine neue CNC-Plattensäge, dazu ein Grundstück mit Lagerhalle. Alle Zahlen dieser Seite gehören zu ihrem Geschäftsjahr 2025.

1. Warum Anlagegüter abgeschrieben werden

Kauft Katharina Brandl eine Plattensäge für 60.000,00 €, dann ist das zunächst kein Aufwand, sondern ein Tausch: Aus Bankguthaben wird Anlagevermögen. Der Betrieb ist nicht ärmer geworden – er hat sein Vermögen nur anders gebunden. Erst durch Benutzung, Verschleiß und technischen Fortschritt verliert die Säge Jahr für Jahr an Wert. Dieser Werteverzehr ist der Aufwand, und er heißt Abschreibung.

Steuerlich sagt man dazu AfA – „Absetzung für Abnutzung“. Gemeint ist dasselbe: Die Anschaffungskosten werden auf die Jahre verteilt, in denen das Gerät genutzt wird. Das ist auch gerecht, denn die Säge verdient ja über mehrere Jahre Geld.

Der Abschreibungskreislauf 1. Kauf Plattensäge 60.000,00 € 2. Werteverzehr jedes Jahr 6.000,00 € 3. Abschreibung wird Aufwand (6520 ABSA) 4. Verkaufspreis Kunde zahlt sie mit 5. Geld fließt zurück bleibt im Betrieb 6. Ersatz neue Maschine bezahlbar Die Abschreibung mindert den Gewinn – aber es fließt kein Geld ab. Genau dieses Geld steht später für die Ersatzbeschaffung bereit.

Der Kunde bezahlt die Abschreibung über den Verkaufspreis mit. Weil aber kein Geld abfließt, bleibt genau dieser Betrag im Betrieb und finanziert später die neue Maschine.

Daraus ergeben sich die drei Wirkungen, nach denen die Prüfung fragt: Selbstfinanzierung (das Geld für die Ersatzbeschaffung bleibt im Betrieb), Substanzerhaltung (der Betrieb kann seine Anlagen erneuern, statt zu verfallen) und Steuerersparnis (die Abschreibung mindert den Gewinn, also auch die Steuer auf diesen Gewinn).

Merke: Abschreibung = Werteverzehr eines Anlageguts als Aufwand des Jahres. Es fließt dabei kein Geld ab. Wirkungen: Selbstfinanzierung, Substanzerhaltung, Steuerersparnis.

2. Anschaffungskosten: was alles dazugehört

Abgeschrieben wird nie „der Kaufpreis“, sondern immer die Anschaffungskosten. Dazu gehört alles, was nötig war, um das Gerät betriebsbereit an seinen Platz zu bringen: Transport, Montage, Fundament, Installation. Preisnachlässe wie Rabatt oder Skonto ziehst du dagegen ab. Die Vorsteuer gehört nie dazu – gerechnet wird netto.

Die Rechnung der Maschinenfabrik vom 04.09.2025 sieht so aus:

Nebenrechnung: Anschaffungskosten der CNC-Plattensäge

Listenpreis netto 60.000,00 €
− Rabatt 5 % 3.000,00 €
Zielpreis (Anschaffungspreis) 57.000,00 €
+ Transportkosten 1.200,00 €
+ Montage und Inbetriebnahme 1.800,00 €
Anschaffungskosten 60.000,00 €
So entstehen die Anschaffungskosten Listenpreis (netto) 60.000,00 € Rabatt 5 % 3.000,00 € Zielpreis (Anschaffungspreis) 57.000,00 € + Transport 1.200,00 € Montage 1.800,00 € = Anschaffungsnebenkosten Anschaffungskosten 60.000,00 € Das ist der Wert, der aktiviert wird.

Preisminderungen abziehen, Nebenkosten dazuzählen – erst das Ergebnis wird aktiviert und später abgeschrieben.

Auf die Anschaffungskosten kommen noch 19 % Umsatzsteuer: 60.000,00 € + 11.400,00 € = 71.400,00 €. Die Maschine wird auf Ziel gekauft:

Buchungssatz zum Rechnungseingang am 04.09.2025

0700 MA 60.000,00 €
2600 VORST 11.400,00 € an 4400 VE 71.400,00 €

Prüfungsgriff: In der Rechnung stehen mehrere Positionen – Maschine, Transport, Installation. Sie werden zusammengerechnet und landen gemeinsam auf dem Anlagekonto. Ein eigener Aufwandsposten für die Montage wäre falsch. Genau so war es in der Abschlussprüfung 2025.

Merke: Anschaffungskosten = Anschaffungspreis − Preisminderungen + Anschaffungsnebenkosten. Alles netto. Diese Summe steht im Soll des Anlagekontos und ist die Grundlage jeder späteren Abschreibung.

3. Grundstück und Gebäude: Nebenkosten aufteilen

Beim Kauf eines Grundstücks mit Gebäude gibt es eine Besonderheit: Der Grund und Boden nutzt sich nicht ab – er wird nie abgeschrieben. Das Gebäude dagegen schon. Deshalb müssen beide getrennt bewertet werden, und die Nebenkosten werden anteilig auf beide verteilt.

Das Holzwerk Brandl übernimmt am 01.07.2025 ein Grundstück mit Lagerhalle. Im Kaufvertrag sind ausgewiesen: Grundstück 150.000,00 €, Gebäude 250.000,00 €. Dazu kommen Grunderwerbsteuer und Notarkosten – beides aktivierungspflichtige Anschaffungsnebenkosten, kein Aufwand.

Nebenrechnung 1: Anschaffungsnebenkosten

Kaufpreis gesamt 400.000,00 €
Grunderwerbsteuer 3,5 % von 400.000,00 € 14.000,00 €
+ Notar- und Grundbuchkosten 6.000,00 €
Anschaffungsnebenkosten 20.000,00 €

Nebenrechnung 2: Verteilung im Verhältnis der Kaufpreise

Anteil Grundstück: 150.000,00 € von 400.000,00 € 37,50 %
davon Nebenkosten: 20.000,00 € × 37,50 % 7.500,00 €
Anteil Gebäude: 250.000,00 € von 400.000,00 € 62,50 %
davon Nebenkosten: 20.000,00 € × 62,50 % 12.500,00 €
Position Kaufpreis + Nebenkosten = Anschaffungskosten Abschreibung?
Grundstück (0500 GR) 150.000,00 € 7.500,00 € 157.500,00 € nein – nutzt sich nicht ab
Lagerhalle (0530 BVG) 250.000,00 € 12.500,00 € 262.500,00 € ja – 50 Jahre, 5.250,00 € je Jahr

Buchungssatz zum Kaufvertrag am 01.07.2025

0500 GR 157.500,00 €
0530 BVG 262.500,00 € an 4400 VE 420.000,00 €

Keine Umsatzsteuer! Der Kauf eines Grundstücks ist umsatzsteuerfrei – hier gibt es also keine Vorsteuer. Wer trotzdem 2600 VORST bucht, verliert den Punkt. In der Abschlussprüfung 2024 war genau das die Falle.

Die Halle steht ab Juli zur Verfügung, also werden 2025 sechs Monate abgeschrieben: 5.250,00 € × 6 : 12 = 2.625,00 €. Der Restbuchwert der Halle beträgt am 31.12.2025 damit 259.875,00 €.

Merke: Grund und Boden wird nie abgeschrieben, das Gebäude schon. Anschaffungsnebenkosten werden im Verhältnis der Kaufpreise auf beide verteilt. Grunderwerbsteuer und Notarkosten sind aktivierungspflichtig – sie erhöhen die Anschaffungskosten.

4. Anlagenkarte und lineare Abschreibung

Für jedes Anlagegut führt der Betrieb eine Anlagenkarte. Sie enthält Inventarnummer, Anschaffungsdatum, Anschaffungskosten, die voraussichtliche Nutzungsdauer und für jedes Jahr Abschreibungsbetrag und Restbuchwert. Wie lange ein Gerät genutzt wird, steht in der AfA-Tabelle des Finanzamts – bei einer Plattensäge sind es 10 Jahre.

Beim linearen Abschreibungsverfahren wird jedes Jahr derselbe Betrag abgeschrieben. Du brauchst nur eine Division:

Nebenrechnung: Abschreibungsbetrag und Abschreibungssatz

Anschaffungskosten : Nutzungsdauer = 60.000,00 € : 10
Abschreibungsbetrag je Jahr 6.000,00 €
Abschreibungssatz: 100 % : 10 Jahre 10,00 %
Jahr Datum Abschreibungsbetrag Restbuchwert
2025 31.12.2025 2.000,00 € 58.000,00 €
2026 31.12.2026 6.000,00 € 52.000,00 €
2027 31.12.2027 6.000,00 € 46.000,00 €
2034 31.12.2034 6.000,00 € 4.000,00 €
2035 31.12.2035 3.999,00 € 1,00 €
Restbuchwert der Plattensäge Jahr für Jahr AK20252026202720282029203020312032203320342035 2025 nur 4 Monate (2.000,00 €), dann 9 volle Jahre zu 6.000,00 €, im letzten Jahr 3.999,00 €. Am Ende bleibt der Erinnerungswert von 1,00 € stehen – solange die Säge im Betrieb ist.

Der Restbuchwert sinkt gleichmäßig – nur das erste und das letzte Jahr fallen aus der Reihe.

Beachte das letzte Jahr: Die Säge wird nicht auf null abgeschrieben. Es bleibt der Erinnerungswert von 1,00 € stehen, solange das Gerät im Betrieb ist. So sieht jeder in der Bilanz: Die Maschine ist noch da, auch wenn sie buchhalterisch nichts mehr wert ist.

Merke: Abschreibungsbetrag = Anschaffungskosten : Nutzungsdauer. Abschreibungssatz = 100 % : Nutzungsdauer. Im letzten Jahr wird nur bis zum Erinnerungswert von 1,00 € abgeschrieben.

5. Zeitanteilige Abschreibung: der Kaufmonat zählt mit

Die Plattensäge wurde am 04.09.2025 gekauft – sie hat 2025 also gar nicht das ganze Jahr gearbeitet. Deshalb wird im Anschaffungsjahr monatsgenau abgeschrieben. Wichtig: Der Monat der Anschaffung zählt voll mit, egal ob am 1. oder am 30. gekauft wurde.

Kauf am 4. September 2025 – wie viele Monate zählen? Geschäftsjahr 2025 ab Geschäftsjahr 2026 4 Monate volle Jahre mit je 6.000,00 € 31.12. 4. Sep. 2025 Nutzungsdauer 10 Jahre Sep, Okt, Nov, Dez = 4 Monate · 6.000,00 € : 12 = 500,00 € je Monat Abschreibung 2025 4 × 500,00 € = 2.000,00 € Restbuchwert 31.12.2025 58.000,00 €

September bis Dezember sind vier Monate. Erst ab 2026 wird der volle Jahresbetrag abgeschrieben.

Nebenrechnung: zeitanteiliger Abschreibungsbetrag

6.000,00 € × 4 Monate : 12
Abschreibung 2025 2.000,00 €
Restbuchwert 31.12.2025: 60.000,00 € − 2.000,00 € 58.000,00 €

So schreibt es die amtliche Lösung: „Zeitanteiliger Abschreibungsbetrag in Euro“, darunter der Bruch mit Monaten und 12, dann der Restbuchwert. In der Abschlussprüfung 2025 gab es für das richtige Ermitteln der Monate einen eigenen Punkt – schreibe die Monate also hin.

Merke: Zeitanteilige Abschreibung = Jahresbetrag × Monate : 12. Der Anschaffungsmonat zählt immer voll mit. Zähle die Monate einzeln ab: Sep, Okt, Nov, Dez = 4.

6. Die Abschreibung buchen

Gebucht wird die direkte Abschreibung: Der Betrag wandert vom Anlagekonto direkt ins Aufwandskonto 6520 ABSA. Das Anlagekonto zeigt danach genau den Restbuchwert – deshalb heißt es „direkt“.

Vorbereitende Abschlussbuchung am 31.12.2025: Plattensäge

6520 ABSA 2.000,00 € an 0700 MA 2.000,00 €

Für die Lagerhalle läuft es genauso – nur mit dem Gebäudekonto im Haben:

Vorbereitende Abschlussbuchung am 31.12.2025: Lagerhalle

6520 ABSA 2.625,00 € an 0530 BVG 2.625,00 €

Im Haben steht immer das Konto des Gegenstands, der an Wert verliert: 0700 MA bei Maschinen, 0530 BVG bei Gebäuden, 0840 FP beim Fuhrpark. Die Abschlussprüfung 2026 hat genau das mit einem Gabelstapler gefragt – dort war 0840 FP richtig.

Merke: Buchungssatz der Abschreibung: 6520 ABSA an Anlagekonto. Umsatzsteuer kommt dabei nie vor – es ist ja kein Kauf, sondern reiner Werteverzehr.

7. Kleingüter und geringwertige Wirtschaftsgüter

Nicht jeder Bohrer bekommt eine eigene Anlagenkarte. Für günstige Gegenstände gibt es Vereinfachungen, und zwar nach dem Nettowert gestaffelt:

Wie teuer war das Gerät? (immer netto!) Kauf eines Gegenstands, der länger als ein Jahr hält bis 250,00 € Kleingut z. B. Handtacker 60,00 € 250,01 € bis 800,00 € geringwertiges Wirtschaftsgut z. B. Akkuschrauber 480,00 € über 800,00 € normales Anlagegut z. B. Plattensäge 60.000,00 € sofort Aufwand 6800 BMK erst aktivieren, am 31.12. 0890 GWG → 6540 ABGWG aktivieren und jährlich abschreiben: 6520 ABSA Maßstab ist immer der Nettowert – die Vorsteuer zählt bei den Wertgrenzen nie mit.

Die Wertgrenzen von 250,00 € und 800,00 € stehen in § 6 Abs. 2 EStG. Entscheidend ist immer der Nettowert.

Kleingut: sofort Aufwand

Ein Handtacker für 60,00 € netto wird gar nicht erst aktiviert, sondern sofort als Aufwand gebucht:

Kauf des Handtackers, bar vom Geschäftsbankkonto

6800 BMK 60,00 €
2600 VORST 11,40 € an 2800 BK 71,40 €

Geringwertiges Wirtschaftsgut: erst aktivieren, am Jahresende abschreiben

Ein Akkuschrauber für 480,00 € netto liegt über 250,00 €, aber unter 800,00 €. Er kommt auf das Konto 0890 GWG:

Kauf des Akkuschraubers am 12.05.2025

0890 GWG 480,00 €
2600 VORST 91,20 € an 2800 BK 571,20 €

Am 31.12.2025 weist das Konto 0890 GWG alle Anschaffungen des Jahres aus – beim Holzwerk Brandl 3.600,00 €. Dieser gesamte Bestand wird in einem Schritt abgeschrieben, das Konto ist danach leer:

Vorbereitende Abschlussbuchung am 31.12.2025

6540 ABGWG 3.600,00 € an 0890 GWG 3.600,00 €

Genau so gefragt: In der Abschlussprüfung 2023 hieß es sinngemäß: „Das Konto 0890 GWG weist Anschaffungen aus dem aktuellen Geschäftsjahr aus.“ Verlangt war nur ein Buchungssatz – 6540 ABGWG an 0890 GWG, ohne Umsatzsteuer, ohne Monatsrechnung. Im selben Jahr war ein Bürodrehstuhl für 275,00 € netto zu buchen: über 250,00 €, also 0890 GWG.

Merke: Bis 250,00 € netto: sofort Aufwand auf 6800 BMK. Über 250,00 € bis 800,00 € netto: erst 0890 GWG, am 31.12. dann 6540 ABGWG an 0890 GWG. Über 800,00 € netto: normales Anlagegut mit Anlagenkarte und jährlicher Abschreibung.

8. Reparatur, Miete, Versicherung

Rund um Anlagegüter fallen laufend Kosten an. Die Frage, die du dir immer stellen musst: Wird das Gerät dadurch mehr wert – oder wird nur sein Zustand erhalten? Reparaturen erhalten nur den Zustand, sie sind deshalb sofort Aufwand und wandern nie auf das Anlagekonto.

Reparatur der Kantenanleimmaschine durch eine Fremdfirma, auf Ziel

6160 FRI 900,00 €
2600 VORST 171,00 € an 4400 VE 1.071,00 €

Mietet der Betrieb eine Maschine oder eine Halle, statt sie zu kaufen, gibt es kein Anlagegut und keine Abschreibung – nur Mietaufwand:

Monatsmiete für die zusätzliche Lagerfläche, per Lastschrift

6700 AWMP 2.000,00 €
2600 VORST 380,00 € an 2800 BK 2.380,00 €

Beitrag zur Maschinenversicherung (umsatzsteuerfrei)

6900 VBEI 1.200,00 € an 2800 BK 1.200,00 €

Merke: Reparatur, Miete und Versicherung sind Aufwand (6160 FRI, 6700 AWMP, 6900 VBEI) – sie erhöhen den Wert des Anlageguts nicht. Nur was das Gerät überhaupt erst betriebsbereit macht, gehört in die Anschaffungskosten. Versicherungsbeiträge sind ohne Umsatzsteuer.

9. Vor dem Kauf rechnen: Kostenvergleich und Amortisation

Katharina Brandl hatte zwei Angebote für die Plattensäge. Der niedrigere Kaufpreis ist dabei nicht automatisch die bessere Wahl – entscheidend sind die Kosten pro Jahr. Die Kostenvergleichsrechnung stellt beide Angebote gegenüber.

Zu den fixen Kosten gehören die Abschreibung und die kalkulatorischen Zinsen. Die rechnest du immer vom halben Anschaffungswert, denn im Durchschnitt der Nutzungsdauer ist nur die Hälfte des Kapitals gebunden. Der Zinssatz beträgt hier 6 %:

Nebenrechnung: kalkulatorische Zinsen Angebot 1

60.000,00 € × 6 : (100 × 2)
kalkulatorische Zinsen je Jahr 1.800,00 €
Kostenvergleich (je Jahr) Angebot 1 „Holzmaster HM-3“ Angebot 2 „SägePro S-40“
Anschaffungskosten 60.000,00 € 50.000,00 €
Nutzungsdauer 10 Jahre 10 Jahre
Abschreibung 6.000,00 € 5.000,00 €
+ kalkulatorische Zinsen (6 %) 1.800,00 € 1.500,00 €
= fixe Kosten 7.800,00 € 6.500,00 €
+ variable Kosten 42.000,00 € 43.500,00 €
= Gesamtkosten 49.800,00 € 50.000,00 €
Gesamtkosten pro Jahr im Vergleich fixe Kosten 7.800,00 € variable Kosten 42.000,00 € Angebot 1 „Holzmaster HM-3“ 49.800,00 € fixe Kosten 6.500,00 € variable Kosten 43.500,00 € Angebot 2 „SägePro S-40“ 50.000,00 € Fast gleich hoch – entschieden wird im Detail: Angebot 1 ist um 200,00 € günstiger.

Angebot 2 ist billiger in der Anschaffung, aber teurer im Betrieb – über das Jahr gerechnet dreht sich das Bild.

Angebot 1 ist um 200,00 € je Jahr günstiger. Das Holzwerk Brandl entscheidet sich deshalb für die „Holzmaster HM-3“ – die Maschine aus Abschnitt 2.

Amortisationsrechnung: Wann hat sich die Maschine bezahlt gemacht?

Die zweite Rechnung fragt nach der Zeit: Wie lange dauert es, bis das eingesetzte Geld wieder im Betrieb ist? Zurück fließen jedes Jahr die Abschreibung, die kalkulatorischen Zinsen und der Gewinn, den die Maschine erwirtschaftet.

Nebenrechnung: Amortisationszeit Angebot 1

Abschreibung je Jahr 6.000,00 €
+ kalkulatorische Zinsen je Jahr 1.800,00 €
+ Gewinn je Jahr 7.200,00 €
Rückfluss je Jahr 15.000,00 €
Amortisationszeit: 60.000,00 € : 15.000,00 € 4,00 Jahre

Nach 4,00 Jahren hat sich die Säge bezahlt gemacht – bei 10 Jahren Nutzungsdauer ist das ein gutes Zeichen. Je kürzer die Amortisationszeit, desto geringer das Risiko.

Merke: Kalkulatorische Zinsen = Anschaffungskosten × Zinssatz : (100 × 2). Gesamtkosten = fixe + variable Kosten. Amortisationszeit = Anschaffungskosten : (Abschreibung + kalkulatorische Zinsen + Gewinn). Kurze Amortisationszeit = geringes Risiko.

10. Investitionsziele: nicht nur Geld entscheidet

Die Prüfung fragt fast jedes Jahr nach dem Investitionsziel – und erwartet genau eines dieser drei Wörter:

Investitionsziel Worum es geht Beim Holzwerk Brandl
ökonomisch Gewinn, Kosten, Produktivität Die neue Säge schneidet schneller und spart Material.
sozial Sicherheit und Gesundheit der Belegschaft Die Schutzhaube senkt die Unfallgefahr in der Werkstatt.
ökologisch Umwelt, Energie, Emissionen Die neue Absaugung verbraucht weniger Strom.

Signalwörter: „Produktivität“, „Kosten senken“ → ökonomisch. „Unfallgefahr“, „Belegschaft“, „Sicherheit am Arbeitsplatz“ → sozial. „emissionsarm“, „Strom“, „Umwelt“ → ökologisch. Genau daran hingen die Punkte in den Prüfungen 2023, 2024, 2025 und 2026.

11. So fragt die Abschlussprüfung

Wozu brauchst du das? Weil jedes größere Gerät an Wert verliert – dein Auto, dein Laptop, die Maschine im Betrieb. Wer Abschreibung versteht, weiß, was ein Gebrauchtwagen nach vier Jahren noch wert ist und warum Leasingraten so hoch sind, wie sie sind. Und in der Prüfung steht die Anlagenkarte fast jedes Jahr.

Der Anlagenbereich ist einer der zuverlässigsten Punktelieferanten der ganzen Prüfung – er war in jeder der letzten vier Abschlussprüfungen vertreten, meist gleich mit mehreren Teilaufgaben:

Aufgabentyp Was du können musst Zuletzt gefragt
Investitionsziel nennen ein Wort: ökonomisch, sozial oder ökologisch (1 Punkt) 2023, 2024, 2025, 2026
Anschaffungskosten aus einer Rechnung alle Positionen zusammenzählen, dann 0700 MA und 2600 VORST an 4400 VE (3 Punkte) 2023, 2025, 2026
Anlagenkarte auswerten Monate zählen, zeitanteilig abschreiben, Restbuchwert berechnen (3–4 Punkte) 2025, 2026
Abschreibung buchen 6520 ABSA an das richtige Anlagekonto (0700 MA, 0530 BVG, 0840 FP) 2025, 2026
GWG buchen Kauf auf 0890 GWG, am 31.12. 6540 ABGWG an 0890 GWG (2 Punkte) 2023
Kostenvergleichsrechnung kalkulatorische Zinsen vom halben Wert, dann fixe + variable Kosten (3 Punkte) 2023
Amortisationszeit Anschaffungskosten : (Abschreibung + kalkulatorische Zinsen + Gewinn) (2 Punkte) 2025
Grundstück mit Gebäude 0500 GR und 0530 BVG, ohne Vorsteuer; Grunderwerbsteuer aktivieren (3 Punkte) 2024

Punkteverteilung: Eine Anlagenkarten-Aufgabe bringt 3 bis 4 Punkte – je einen für die Monatszahl, den Rechenweg, den Restbuchwert und den Buchungssatz. Die Nebenrechnung gehört sichtbar aufs Blatt: Für das Ermitteln der Abschreibungsmonate wird laut Korrekturhinweis 2025 ein eigener Punkt vergeben.

12. Typische Fehler – und wie du die Punkte rettest

  1. Nebenkosten vergessen. Transport, Montage und Installation gehören in die Anschaffungskosten. Rechne die Rechnung immer zu Ende, bevor du buchst.
  2. Brutto abgeschrieben. Abgeschrieben wird der Nettowert. Die Vorsteuer ist beim Kauf schon verrechnet worden.
  3. Den Kaufmonat nicht mitgezählt. Wer am 4. September kauft, schreibt vier Monate ab – September zählt voll mit, nicht anteilig nach Tagen.
  4. Das Grundstück abgeschrieben. Grund und Boden nutzt sich nicht ab. Nur das Gebäude bekommt eine Abschreibung.
  5. Beim Grundstückskauf Vorsteuer gebucht. Der Kauf ist umsatzsteuerfrei – kein 2600 VORST im Buchungssatz.
  6. Falsches Anlagekonto im Haben. Bei der Abschreibung steht im Haben immer der abgeschriebene Gegenstand: 0700 MA, 0530 BVG oder 0840 FP.
  7. GWG einzeln abgeschrieben. Am 31.12. wird der gesamte Bestand des Kontos 0890 GWG in einem einzigen Buchungssatz abgeschrieben.
  8. Kalkulatorische Zinsen vom vollen Wert. Es wird durch 200 geteilt, nicht durch 100 – gebunden ist im Schnitt nur das halbe Kapital.
  9. Auf null abgeschrieben. Im letzten Jahr bleibt der Erinnerungswert von 1,00 € stehen.

Merke: Drei Griffe tragen fast jede Aufgabe dieses Lernbereichs: die Anschaffungskosten sauber zusammenrechnen, die Monate abzählen und das richtige Anlagekonto ins Haben setzen. Wer das sicher hat, holt hier Jahr für Jahr verlässlich Punkte.

Grundlagen nicht mehr sicher? Dann frische zuerst auf: die doppelte Buchführung mit Soll und Haben aus Klasse 7 sowie die Umsatzsteuer mit der Vorsteuer aus Klasse 8. Und wenn der Anlagenbereich sitzt, hast du das Fundament für den Jahresabschluss in Klasse 10 – dort taucht die Abschreibung als kalkulatorische Abschreibung in der Kostenrechnung sofort wieder auf.

Weiterlernen: Vorher und nachher:

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