Logarithmen und Exponentialgleichungen

Mathematik FOS/BOS 12 · Bayern · Analysis (Technik und Nichttechnik)

Im vorigen Kapitel blieb eine Frage offen: Wann fällt eine Konzentration unter einen Grenzwert? Solche Fragen führen auf eine Exponentialgleichung (die gesuchte Größe steht im Exponenten) – die gesuchte Größe steht im Exponenten. Das passende Werkzeug ist der Logarithmus: er beantwortet die Frage „Welcher Exponent?

Hilfsmittel-Hinweis (Bayern FOS/BOS): Die Logarithmus-Definition, die Rechenregeln und einfache Gleichungen mit ganzzahligem Ergebnis gehören in den hilfsmittelfreien Teil. Zahlenwerte von \(\ln\) (z. B. \(\ln 20\)) berechnen Sie im Teil mit Hilfsmittel.

1  Der Logarithmus: die Umkehrung des Potenzierens

Definition. Für \(b>0,\ b\neq 1\) und \(y>0\) ist \(\log_b(y)\) genau der Exponent \(x\), für den \(b^{x}=y\) gilt:

\(x=\log_b(y)\quad\Longleftrightarrow\quad b^{x}=y\)

Der Logarithmus zur Basis \(e\) heißt natürlicher Logarithmus und wird \(\ln\) geschrieben. Es gilt \(\ln(e^{x})=x\) und \(e^{\ln(y)}=y\) – \(e^{x}\) und \(\ln\) heben sich gegenseitig auf.

xy-3-2-11234-3-2-11234(0|1)(1|0)e^xln xy = x
\(e^{x}\) und \(\ln x\) sind Umkehrfunktionen: Ihre Graphen sind an der Geraden \(y=x\) gespiegelt.

Rechenregeln (Grundlage für das Lösen), hier für \(\ln\) mit \(u,v>0\):

Regel Formel
Produkt \(\ln(u\cdot v)=\ln u+\ln v\)
Quotient \(\ln\!\left(\tfrac{u}{v}\right)=\ln u-\ln v\)
Potenz (wichtigste!) \(\ln(u^{r})=r\cdot\ln u\)

Die Potenzregel holt den gesuchten Exponenten „nach vorne“ – damit wird die Gleichung lösbar.

2  Einfache Exponentialgleichungen

Stufe 2 · hilfsmittelfreiWenn man den Exponenten sieht

Beispiel A. Lösen Sie ohne Taschenrechner.

\(2^{x}=8 \;\Leftrightarrow\; 2^{x}=2^{3} \;\Rightarrow\; x=3\)
\(10^{x}=1000 \;\Rightarrow\; x=3\)
\(e^{2x-1}=e^{5} \;\Rightarrow\; 2x-1=5 \;\Rightarrow\; x=3\)
\(e^{x}=1 \;\Rightarrow\; x=\ln 1=0\)

Trick: gleiche Basis herstellen oder \(\ln(e^{x})=x\) nutzen – dann Exponenten vergleichen.

3  Allgemein lösen: logarithmieren

Stufe 3 · mit HilfsmittelDas Rezept für „Wann?“-Fragen

Rezept. Bei \(a\cdot b^{t}=c\):

  1. Die Potenz isolieren: \(b^{t}=\dfrac{c}{a}\).
  2. Auf beiden Seiten logarithmieren und die Potenzregel anwenden: \(t\cdot\ln b=\ln\!\left(\dfrac{c}{a}\right)\).
  3. Nach \(t\) auflösen: \(t=\dfrac{\ln\!\left(\frac{c}{a}\right)}{\ln b}\).

Beispiel B (Anschluss an das vorige Kapitel). Der Wirkstoff zerfällt gemäß \(f(t)=3{,}125\cdot 0{,}8^{t}\) (in mg/l, \(t\) in Stunden). Ab wann ist die Konzentration kleiner als \(1\) mg/l?

Gleichung für den Grenzfall \(f(t)=1\)

\(3{,}125\cdot 0{,}8^{t}=1\) \(|:3{,}125\)
\(0{,}8^{t}=0{,}32\) \(|\ln\)
\(t\cdot\ln 0{,}8=\ln 0{,}32\) \(|:\ln 0{,}8\)
\(t=\dfrac{\ln 0{,}32}{\ln 0{,}8}\approx 5{,}1\)

Antwort: Nach etwa \(5{,}1\) Stunden fällt die Konzentration unter \(1\) mg/l. (Beachten Sie: Da durch \(\ln 0{,}8<0\) geteilt wird, dreht sich bei der Ungleichung das Zeichen – für \(t>5{,}1\) ist \(f(t)<1\).)

xy246810123t ≈ 5,1f(0)=3,125y = 1t in h
Der gesuchte Zeitpunkt ist der Schnittpunkt des Graphen mit der Linie \(y=1\).

4  Modellierung mit \(f(t)=a\cdot e^{ct}\)

Stufe 4 · PrüfungsniveauWachstumskonstante und Verdopplungszeit

Wachstums-/Zerfallsmodell. \(f(t)=a\cdot e^{ct}\) mit Anfangswert \(a=f(0)\) und Wachstumskonstante \(c\) (\(c>0\) Wachstum, \(c<0\) Zerfall).

\(\bullet\) Verdopplungszeit (Wachstum): \(T_2=\dfrac{\ln 2}{c}\)   \(\bullet\) Halbwertszeit (Zerfall): \(T_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{|c|}\)

Beispiel C. Eine Bakterienkultur wächst exponentiell. Zu Beginn sind es \(500\) Bakterien, nach \(4\) Stunden \(2000\). Bestimmen Sie die Wachstumskonstante, die Verdopplungszeit und den Zeitpunkt, zu dem \(10\,000\) Bakterien vorhanden sind.

Wachstumskonstante \(c\) aus den Daten

\(f(t)=500\cdot e^{ct}\), Bedingung \(f(4)=2000\)
\(500\cdot e^{4c}=2000\) \(|:500\)
\(e^{4c}=4\) \(|\ln\)
\(4c=\ln 4 \;\Rightarrow\; c=\dfrac{\ln 4}{4}=\dfrac{\ln 2}{2}\approx 0{,}347\)

Verdopplungszeit

\(T_2=\dfrac{\ln 2}{c}=\dfrac{\ln 2}{\frac{\ln 2}{2}}=2\ \text{Stunden}\)

Zeitpunkt für \(10\,000\) Bakterien

\(500\cdot e^{ct}=10\,000\) \(|:500\)
\(e^{ct}=20\) \(|\ln\)
\(t=\dfrac{\ln 20}{c}\approx\dfrac{3{,}00}{0{,}347}\approx 8{,}6\ \text{h}\)

Antwort: \(c\approx 0{,}347\), die Kultur verdoppelt sich alle \(2\) Stunden und erreicht nach rund \(8{,}6\) Stunden \(10\,000\) Bakterien.

Typische Fehler in der Prüfung

✗ Falsch

\(\ln(u+v)=\ln u+\ln v\) verwenden.

✓ Richtig

Für Summen gibt es keine Regel. Nur Produkt, Quotient und Potenz lassen sich zerlegen.

✗ Falsch

Sofort logarithmieren, obwohl noch ein Faktor vor der Potenz steht.

✓ Richtig

Erst die Potenz isolieren (\(b^{t}=\tfrac{c}{a}\)), dann logarithmieren.

✗ Falsch

Beim Teilen durch \(\ln b<0\) (Zerfall) das Ungleichheitszeichen stehen lassen.

✓ Richtig

Division durch eine negative Zahl dreht das Ungleichheitszeichen um.

✗ Falsch

Halbwertszeit mit negativem \(c\) berechnen und ein negatives \(T\) erhalten.

✓ Richtig

Zeiten sind positiv: \(T_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{|c|}\) mit dem Betrag von \(c\).

Auf einen Blick

  • Logarithmus: \(x=\log_b(y)\Leftrightarrow b^{x}=y\); \(\ln\) ist die Basis \(e\); \(\ln(e^{x})=x\).
  • Regeln: Produkt → Summe, Quotient → Differenz, Potenz → Faktor. Keine Regel für Summen.
  • „Wann?“-Rezept: Potenz isolieren → logarithmieren → nach \(t\) auflösen.
  • Modell \(a\cdot e^{ct}\): \(c\) aus Daten per \(\ln\); \(T_2=\tfrac{\ln 2}{c}\), \(T_{1/2}=\tfrac{\ln 2}{|c|}\).

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