BwR Realschule Bayern · Klasse 7 · Lernbereich 2 (LehrplanPLUS)
Das Unternehmen: Gründung, Rechtsform, Produktionsfaktoren und Funktionsbereiche
In Lernbereich 1 ging es um den Haushalt der Familie Brandl. Jetzt wechselst du die Seite: Katharina Brandl gründet eine Möbelmanufaktur. Was braucht sie dafür? Wo baut sie die Werkstatt hin? Welche Rechtsform wählt sie – und was heißt das für ihr Privatvermögen? Dieses Unternehmen begleitet dich bis zur Abschlussprüfung in Klasse 10.
Unser Betrieb auf dieser Seite: das Holzwerk Brandl e. Kfr., eine Möbelmanufaktur in Rosenheim. Inhaberin ist Katharina Brandl, eingetragene Kauffrau. Der Betrieb stellt zwei Produkte her: den Massivholztisch „Chiemsee“ und das Regalsystem „Wendelstein“. Wir sehen uns an, wie Frau Brandl ihr Unternehmen gegründet hat und welche Rechtsform sie gewählt hat.
1. Wirtschaftsbereiche
Nicht jedes Unternehmen macht dasselbe. Für BwR ist die Unterscheidung zwischen Fertigungsunternehmen und Dienstleistungsunternehmen die wichtigste – der ganze Lehrplan der Klassen 7 bis 10 handelt von einem Fertigungsunternehmen.
Holzwerk Brandl steht in der Mitte: Es kauft Rohstoffe und macht daraus etwas Neues.
Merke: Das Merkmal der Fertigung ist die Umwandlung: Aus Holz wird ein Tisch – etwas anderes als vorher. Ein Möbelhaus, das denselben Tisch nur weiterverkauft, ist ein Handelsunternehmen. Eine Spedition, die ihn transportiert, ist ein Dienstleistungsunternehmen.
2. Unternehmensziele
Warum gründet jemand ein Unternehmen? Der Lehrplan unterscheidet drei Zielarten – und verlangt, dass du sie begründest und Zielkonflikte erkennst.
Ökonomische, soziale und ökologische Ziele stehen oft gegeneinander.
Nebenrechnung Gewinn und Umsatzrendite
| Umsatz im Jahr | 500.000,00 € |
| – Kosten | 420.000,00 € |
| = Gewinn | 80.000,00 € |
| 80.000,00 € · 100 : 500.000,00 € | 16 % |
Existenzsicherung steht vor allen anderen Zielen: Ein Betrieb, der keinen Gewinn macht, kann weder Löhne zahlen noch in Umweltschutz investieren. Umgekehrt gilt aber auch: Ein Betrieb, der nur auf Gewinn schaut, verliert Fachkräfte und Kunden. Genau diese Abwägung will die Prüfung sehen.
Zertifizierung heißt: Eine unabhängige Stelle prüft und bestätigt, dass ein Betrieb bestimmte Standards einhält. Der Lehrplan nennt ISO und EMAS als Beispiele für Umwelt- und Qualitätsstandards. Für Holzwerk Brandl ist das ein Verkaufsargument – und ein Kostenfaktor.
3. Von der Geschäftsidee zum Businessplan
Am Anfang steht eine Idee: Massivholzmöbel aus heimischem Holz, in Handarbeit gefertigt. Damit daraus ein Unternehmen wird, müssen drei Arten von Voraussetzungen stimmen.
| Voraussetzung | Was dahintersteckt | Bei Katharina Brandl |
|---|---|---|
| persönlich | Fachwissen, Erfahrung, Belastbarkeit, Durchhaltevermögen | Schreinermeisterin mit zehn Jahren Berufserfahrung |
| sachlich | Werkstatt, Maschinen, Material, Kapital | gemietete Halle, Maschinen, erste Holzvorräte |
| rechtlich | Gewerbeanmeldung, Meisterbrief, Genehmigungen, Versicherungen | Eintrag in die Handwerksrolle, Gewerbeanmeldung, Betriebshaftpflicht |
200.000,00 € braucht die Gründung – davon nur 40 % aus eigener Tasche.
Nebenrechnung Kapitalbedarf
| Maschinen für die Werkstatt | 120.000,00 € |
| Geschäftsausstattung | 40.000,00 € |
| erste Holzvorräte | 24.000,00 € |
| Reserve für den Start | 16.000,00 € |
| = Kapitalbedarf | 200.000,00 € |
Der Businessplan schreibt all das auf: Geschäftsidee, Kunden, Wettbewerb, Standort, Kapitalbedarf und eine Vorschau auf Umsatz und Kosten. Ohne ihn gibt keine Bank einen Kredit.
| Chancen einer Gründung | Risiken einer Gründung |
|---|---|
| eigener Chef sein, selbst entscheiden | keine Sicherheit, kein festes Gehalt |
| Gewinn bleibt im eigenen Betrieb | Verluste trägt man selbst – bei Holzwerk Brandl mit dem Privatvermögen |
| eigene Ideen verwirklichen | lange Arbeitszeiten, hohe Verantwortung |
| Arbeitsplätze schaffen | Nachfrage kann ausbleiben, Konkurrenz kann günstiger sein |
4. Standortfaktoren
Wo soll die Werkstatt stehen? Zwei Grundstücke stehen zur Wahl. Weil nicht jedes Kriterium gleich wichtig ist, bekommt jedes ein Gewicht von 1 bis 3 und jede Bewertung 1 bis 5 Punkte.
| Standortfaktor | Gewicht | Standort A | Standort B | Punkte A | Punkte B |
|---|---|---|---|---|---|
| Nähe zu den Kunden | 3 | 5 | 3 | 15 | 9 |
| Verkehrsanbindung | 2 | 3 | 5 | 6 | 10 |
| Grundstückspreis | 2 | 2 | 4 | 4 | 8 |
| Fachkräfte in der Region | 3 | 4 | 3 | 12 | 9 |
| Summe | 10 | 37 | 36 |
Ergebnis: Standort A erreicht 37 von 50 möglichen Punkten, Standort B nur 36. Katharina Brandl wählt Standort A – vor allem wegen der Nähe zu den Kunden und der Fachkräfte in der Region.
Merke: Weitere Standortfaktoren, die der Lehrplan meint: Verkehrsanbindung, Grundstücks- und Mietpreise, Nähe zu Lieferanten und Kunden, verfügbare Arbeitskräfte, Löhne, Gewerbesteuerhebesatz der Gemeinde, Umweltauflagen und Erweiterungsmöglichkeiten. In der Prüfung sollst du zwei bis drei davon nennen und auf den Fall anwenden – nicht alle aufzählen.
5. Rechtsform, Firma und Handelsregister
Die Rechtsform entscheidet über Haftung, Kapital und Entscheidungswege. Für Klasse 7 sind zwei wichtig: das Einzelunternehmen und die GmbH.
Der entscheidende Unterschied steht in der Zeile Haftung.
Bei der GmbH schreibt das Gesetz ein Stammkapital von 25.000,00 € vor; bei der Gründung müssen mindestens 12.500,00 € eingezahlt sein. Dafür haftet die Gesellschaft nur mit ihrem Vermögen – das Privatvermögen der Gesellschafter bleibt außen vor. Beim Einzelunternehmen ist es umgekehrt: kein Mindestkapital, aber volle Haftung auch mit dem privaten Haus und Konto.
Firma und Handelsregister
Firma ist nicht dasselbe wie Unternehmen. Die Firma ist der Name, unter dem ein Kaufmann seine Geschäfte betreibt und unterschreibt. Sie wird ins Handelsregister eingetragen – ein öffentliches Verzeichnis beim Amtsgericht, in das jeder hineinschauen kann.
| Bestandteil | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Firmenkern | Name, Sachbezeichnung oder Fantasiename | Holzwerk Brandl |
| Rechtsformzusatz | muss die Rechtsform erkennbar machen | e. K. beim eingetragenen Kaufmann, GmbH bei der Gesellschaft |
| Handelsregister | Abteilung A für Einzelkaufleute und Personengesellschaften, Abteilung B für Kapitalgesellschaften | Holzwerk Brandl e. Kfr. steht in Abteilung A |
Der Rechtsformzusatz ist Pflicht – jeder Geschäftspartner soll sofort erkennen, mit wem er es zu tun hat und wer haftet. Genau deshalb heißt unser Modellunternehmen Holzwerk Brandl e. Kfr.: Katharina Brandl ist eingetragene Kauffrau und haftet unbeschränkt.
6. Produktionsfaktoren und Funktionsbereiche
Damit in der Werkstatt ein Tisch entsteht, müssen drei Dinge zusammenkommen – die Elementarfaktoren. Zusammengehalten werden sie von der Unternehmensleitung, dem dispositiven Faktor.
Arbeit, Betriebsmittel, Werkstoffe – und die Leitung, die sie kombiniert.
Merke: Der Unterschied zwischen Betriebsmitteln und Werkstoffen wird gern gefragt: Betriebsmittel werden benutzt und bleiben (Maschine, Halle, Werkzeug), Werkstoffe werden verbraucht und gehen in das Erzeugnis ein (Holz, Leim, Beschläge).
Ein Unternehmen gliedert sich außerdem in Funktionsbereiche. Jeder Bereich hat eine Aufgabe – und jeder Lernbereich in BwR gehört zu einem davon.
Vier Bereiche im Ablauf, drei Querschnittsbereiche für alle.
7. Was du sicher können musst
Wozu brauchst du das? Weil du hier das Unternehmen kennenlernst, das dich vier Jahre begleitet. Jede spätere Aufgabe spielt in einem Fertigungsunternehmen – wer weiß, wie so ein Betrieb aufgebaut ist, versteht schneller, worum es geht. Und falls du dich später selbstständig machst: Rechtsform, Haftung und Kapitalbedarf sind die ersten drei Fragen, die dir jede Bank stellt.
Merke: Vier Dinge musst du sicher können: (1) Fertigungs- und Dienstleistungsunternehmen unterscheiden und begründen, (2) ökonomische, soziale und ökologische Ziele nennen und einen Zielkonflikt erklären, (3) Einzelunternehmen und GmbH nach Haftung und Kapital unterscheiden, (4) die drei Elementarfaktoren und den dispositiven Faktor.
Im nächsten Lernbereich beginnt die Buchführung: Du zählst das Vermögen von Holzwerk Brandl, stellst die erste Bilanz auf und lernst die ersten Buchungssätze.
Weiterlernen: Passend dazu:
- Der private Haushalt – Klasse 7
- Bilanz und erste Buchungssätze – Klasse 7
- Privatkonto buchen – Klasse 9
Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.
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