BwR Realschule Bayern · Klasse 7 · Lernbereich 3 (LehrplanPLUS)
Geschäftsbuchführung: Inventar, Bilanz und die ersten Buchungssätze
Hier fängt Buchführung an. Holzwerk Brandl zählt am 31. Dezember alles durch, was im Betrieb steht, und schreibt auf, wem was gehört. Daraus wird die Bilanz. Und danach lernst du, wie sich diese Bilanz verändert, sobald etwas passiert – und wie du das in einem Buchungssatz aufschreibst. Alles, was in Klasse 8, 9 und 10 kommt, baut auf diesen 17 Stunden auf.
Wichtig für Klasse 7: Die Konten haben hier noch keine Nummern. Sie heißen nur mit Kürzel – BK für Bank, VE für Verbindlichkeiten, EK für Eigenkapital. Die vierstelligen Nummern des Industriekontenrahmens (2800 BK, 4400 VE) kommen erst in Klasse 8.
1. Inventur, Inventar, Bilanz
Inventur ist die Tätigkeit: zählen, messen, wiegen. Das Inventurverzeichnis hält jede einzelne Position fest. Das Inventar ordnet alles nach Vermögen und Schulden. Die Bilanz fasst das Inventar in Kontoform zusammen – kurz, zweiseitig, auf einen Blick.
Vier Schritte, ein Ziel: zu wissen, was das Unternehmen besitzt und wem es gehört.
Der freie Raum auf der Passivseite ist mit der Buchhalternase abgeschlossen. Sie sorgt dafür, dass dort nachträglich nichts mehr eingetragen werden kann.
Merke: Links steht das Vermögen – geordnet danach, wie schnell es zu Geld wird: erst Grundstücke und Maschinen (Anlagevermögen), dann Vorräte, Forderungen, Bank und Kasse (Umlaufvermögen). Rechts steht das Kapital – erst das Eigenkapital, dann die Schulden, von langfristig nach kurzfristig.
2. Die Bilanzgleichung
Warum sind beide Seiten immer gleich hoch? Weil sie dasselbe Geld von zwei Seiten betrachten. Links steht, was das Unternehmen hat. Rechts steht, woher es kommt.
Vermögen 464.000,00 € = Eigenkapital 250.000,00 € + Fremdkapital 214.000,00 €
Nebenrechnung Eigenkapital
| Vermögen | 464.000,00 € |
| – Schulden (Fremdkapital) | 214.000,00 € |
| = Eigenkapital | 250.000,00 € |
Diese Rechnung ist gleichzeitig die Antwort auf eine beliebte Prüfungsfrage: Das Eigenkapital ist kein Geldbetrag in einem Tresor, sondern eine Rechengröße – das, was übrig bliebe, wenn alle Schulden bezahlt wären.
3. Vier Arten der Bestandsveränderung
Jetzt passiert etwas – und die Bilanz verändert sich. Es gibt genau vier Möglichkeiten, und jede hat einen Namen.
Zwei Fälle lassen die Bilanzsumme gleich, zwei verändern sie.
| Geschäftsvorfall | Art | Buchungssatz | Bilanzsumme |
|---|---|---|---|
| Ein Kunde überweist 12.000,00 € auf das Bankkonto | Aktivtausch | BK an FO | bleibt 464.000,00 € |
| 10.000,00 € kurzfristiger Bankkredit werden in einen langfristigen umgewandelt | Passivtausch | KBKV an LBKV | bleibt 464.000,00 € |
| Kauf einer Maschine für 30.000,00 € auf Ziel | Aktiv-Passiv-Mehrung | MA an VE | steigt auf 494.000,00 € |
| Tilgung von 20.000,00 € Darlehen per Bank | Aktiv-Passiv-Minderung | LBKV an BK | sinkt auf 474.000,00 € |
Merke: Die Namen sagen genau, was passiert: Tausch heißt, es bleibt auf einer Seite – die Summe ändert sich nicht. Mehrung und Minderung betreffen beide Seiten gleichzeitig – die Summe wächst oder schrumpft. Und immer sind es genau zwei Konten mit demselben Betrag.
4. Vom Vorfall zum Buchungssatz
Damit man nicht nach jedem Vorfall eine neue Bilanz schreiben muss, bekommt jeder Posten ein eigenes Konto. Aktivkonten und Passivkonten verhalten sich dabei spiegelbildlich.
Anfangsbestand und Zunahme stehen immer auf derselben Seite.
Ein Buchungssatz beantwortet drei Fragen: Welche zwei Konten sind betroffen? Welches steht im Soll, welches im Haben? Um welchen Betrag geht es? Geschrieben wird immer Soll an Haben.
Ein Kunde überweist 12.000,00 € (Aktivtausch)
| BK | 12.000,00 € | an | FO | 12.000,00 € |
Kauf einer Maschine für 30.000,00 € auf Ziel
| MA | 30.000,00 € | an | VE | 30.000,00 € |
So findest du den Buchungssatz in vier Schritten: (1) Welche zwei Konten sind betroffen? (2) Sind es Aktiv- oder Passivkonten? (3) Nimmt jedes zu oder ab? (4) Zunahme beim Aktivkonto heißt Soll, Zunahme beim Passivkonto heißt Haben. Diese vier Fragen tragen dich durch die ganze Buchführung – bis zur Abschlussprüfung in Klasse 10.
Die Gegenprobe geht auch rückwärts: Aus dem Buchungssatz LBKV an BK liest du ab, dass eine langfristige Bankschuld kleiner wird und gleichzeitig Geld vom Bankkonto abfließt – das Unternehmen hat also einen Kredit getilgt. Genau das verlangt der Lehrplan: Geschäftsvorfälle aus Buchungssätzen wieder herauslesen.
5. Die Umsatzsteuer kommt dazu
Auf fast jeder Rechnung steht Umsatzsteuer. Für dich heißt das: Der Rechnungsbetrag besteht aus zwei Teilen, und beide werden getrennt gebucht.
Nebenrechnung Verkaufsrechnung
| Warenwert (20 Tische zu 500,00 €) | 10.000,00 € |
| + Umsatzsteuer 19 % | 1.900,00 € |
| = Rechnungsbetrag | 11.900,00 € |
Derselbe Aufbau gilt für jede Rechnung, die du im Leben in die Hand bekommst.
Einkauf von Rohstoffen für 8.000,00 € netto auf Ziel
| Vorräte | 8.000,00 € | |||
| VORST | 1.520,00 € | an | VE | 9.520,00 € |
Verkauf von Fertigerzeugnissen auf Ziel
| FO | 11.900,00 € | an | UEFE | 10.000,00 € |
| UST | 1.900,00 € |
Merke: Beim Einkauf heißt die Steuer Vorsteuer (VORST) – das Unternehmen bekommt sie vom Finanzamt zurück. Beim Verkauf heißt sie Umsatzsteuer (UST) – die muss ans Finanzamt abgeführt werden. Es ist dieselbe Steuer, nur aus zwei Blickrichtungen.
Und wenn nur der Bruttobetrag gegeben ist, rechnest du zurück: 11.900,00 € : 1,19 = 10.000,00 €. Die Differenz von 1.900,00 € ist die Umsatzsteuer.
6. Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
Buchführung ist kein Notizzettel. Es gibt Regeln, an die sich jedes Unternehmen halten muss – die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, kurz GoB.
Die wichtigste Regel steht links: keine Buchung ohne Beleg.
Aus diesen Regeln folgen die kleinen Eigenheiten, die dir in der Buchführung begegnen: Es wird nicht radiert, sondern durchgestrichen, sodass das Alte lesbar bleibt. Beträge werden nicht nachträglich geändert, sondern mit einer neuen Buchung korrigiert. Und freier Raum in einer Bilanz oder einem Konto wird mit der Buchhalternase abgeschlossen, damit dort niemand etwas hineinschreiben kann.
7. Warum dieser Lernbereich alles trägt
Wozu brauchst du das? Weil hier das Fundament liegt. Die Bilanzgleichung, die vier Bestandsveränderungen und die Regel „Aktivkonto nimmt im Soll zu“ brauchst du in jeder einzelnen Prüfungsaufgabe bis zum Abschluss in Klasse 10 – und zwar jedes Mal. Wer das hier sicher kann, hat drei Jahre lang weniger Arbeit. Und privat: Jede Rechnung, die du je bekommst, ist nach demselben Muster gebaut.
In der Abschlussprüfung Klasse 10 gibt es keine eigene Aufgabe zu diesem Lernbereich – er steckt in allen Aufgaben. Jeder Buchungssatz dort folgt genau den Regeln, die du hier lernst; nur die Konten haben dann Nummern und es kommen Erfolgskonten dazu.
Merke: Vier Dinge musst du sicher können: (1) Aktiva = Passiva, immer. (2) Die vier Arten der Bestandsveränderung und ihre Wirkung auf die Bilanzsumme. (3) Aktivkonto nimmt im Soll zu, Passivkonto im Haben. (4) Warenwert plus Umsatzsteuer ergibt den Rechnungsbetrag – und zurück geteilt durch 1,19.
Als Nächstes kommt Lernbereich 4: Dort lernst du die Erfolgskonten kennen – Aufwand und Ertrag – und buchst den Einkauf von Werkstoffen und den Verkauf von Fertigerzeugnissen vollständig.
Weiterlernen: Der Weg durch die Buchführung:
- Aufwand und Ertrag buchen – Klasse 7
- Abschluss über GUV und SBK – Klasse 7
- Kontenrahmen und Belege – Klasse 8
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