BwR Realschule Bayern · Klasse 7 · Lernbereich 1 (LehrplanPLUS)
Haushaltsplan, Einnahmen und Ausgaben: der private Haushalt in BwR
Der Haushaltsplan ist dein erster Lernbereich in BwR – und der einzige, in dem es um dein Geld geht. Familie Brandl verdient, gibt aus und legt zurück. Du lernst, wie man das aufschreibt, wie man Belege prüft, womit man bezahlt und wie man Prozente rechnet. Buchungssätze kommen erst in Lernbereich 3.
Unser Betrieb auf dieser Seite: das Holzwerk Brandl e. Kfr., eine Möbelmanufaktur in Rosenheim. Inhaberin ist Katharina Brandl, eingetragene Kauffrau. Der Betrieb stellt zwei Produkte her: den Massivholztisch „Chiemsee“ und das Regalsystem „Wendelstein“. Auf dieser Seite geht es um den privaten Haushalt der Familie Brandl – um Einnahmen, Ausgaben und den Haushaltsplan.
1. Woher das Geld kommt
Nicht jedes Einkommen entsteht auf dieselbe Weise. Der Lehrplan unterscheidet drei Quellen – und fragt in der Prüfung nach der Art, nicht nur nach dem Betrag.
Familie Brandl hat alle drei Arten – das ist eher die Ausnahme.
| Art | Woher es kommt | Beispiele |
|---|---|---|
| Erwerbseinkommen | aus eigener Arbeitsleistung | Lohn, Gehalt, Gewinn aus dem eigenen Betrieb, Ausbildungsvergütung |
| Vermögenseinkommen | aus Besitz, ohne eigene Arbeit | Miete, Pacht, Zinsen, Dividende |
| Transfereinkommen | vom Staat, ohne Gegenleistung | Kindergeld, Wohngeld, BAföG, Elterngeld, Rente |
Achte auf das Wort netto. Vom Bruttolohn gehen Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge weg – im Haushaltsplan zählt nur, was auf dem Konto ankommt. Wie diese Abzüge im Einzelnen berechnet werden, lernst du in Klasse 8.
2. Der Haushaltsplan
Ein Haushaltsplan stellt Einnahmen und Ausgaben gegenüber. Er beantwortet eine einzige Frage: Bleibt am Monatsende etwas übrig?
Einnahmen im Monat
| Arbeitseinkommen (netto) | 3.100,00 € |
| Miete aus der Einliegerwohnung | 400,00 € |
| Kindergeld | 500,00 € |
| = Einnahmen gesamt | 4.000,00 € |
Regelmäßige Ausgaben
| Miete und Nebenkosten | 1.200,00 € |
| Strom und Heizung | 200,00 € |
| Versicherungen | 150,00 € |
| Lebensmittel | 700,00 € |
| Mobilität (Auto, Bus, Bahn) | 300,00 € |
| Telefon und Internet | 150,00 € |
| = regelmäßig gesamt | 2.700,00 € |
Dazu kommen die unregelmäßigen Ausgaben. Sie kommen selten, aber groß – Urlaub, Kleidung, die kaputte Waschmaschine. Familie Brandl legt dafür jeden Monat etwas zurück:
Rücklagen für unregelmäßige Ausgaben
| Rücklage Urlaub | 250,00 € |
| Rücklage Kleidung | 150,00 € |
| Rücklage Reparaturen | 100,00 € |
| = Rücklagen gesamt | 500,00 € |
Nebenrechnung Sparanteil
| Einnahmen | 4.000,00 € |
| – Ausgaben insgesamt | 3.200,00 € |
| = Sparanteil | 800,00 € |
800,00 € bleiben übrig – das ist die Sparquote.
Regelmäßig, unregelmäßig, sparen – so teilt sich das Einkommen auf.
Merke: Sparquote heißt: Wie viel Prozent der Einnahmen bleiben übrig? Rechenweg: Sparanteil · 100 : Einnahmen. Bei Familie Brandl sind das 800,00 € · 100 : 4.000,00 € = 20 %.
3. Wenn die Ausgaben größer werden
Jetzt zieht ein Kind aus und das andere braucht ein Auto, der Strom wird teurer, eine Rate kommt dazu. Die Ausgaben steigen um 1.000,00 € im Monat:
Nebenrechnung Fehlbetrag
| Einnahmen | 4.000,00 € |
| – neue Ausgaben | 4.200,00 € |
| = Fehlbetrag im Monat | 200,00 € |
Ein Fehlbetrag heißt: Jeden Monat fehlt Geld. Wer ihn mit einem Kredit oder dem Dispo überbrückt, zahlt Zinsen – und die Ausgaben steigen dadurch weiter. Genau das ist der Weg in die Überschuldung: Die Schulden wachsen schneller, als man sie zurückzahlen kann.
Der Lehrplan verlangt, Ausgabewünsche kritisch zu bewerten. Drei Fragen helfen: Brauche ich das wirklich, oder will ich es nur? Kann ich es bezahlen, ohne einen Kredit aufzunehmen? Was kostet es dauerhaft – ein Auto kostet nicht nur beim Kauf, sondern jeden Monat. Wer in Zahlungsschwierigkeiten gerät, kann sich an eine Schuldnerberatung wenden; diese Beratung ist in Deutschland in der Regel kostenlos.
Für Konsumentscheidungen nennt der Lehrplan ausdrücklich diese Kriterien: Notwendigkeit, Prestige und Trends, Kosten, Qualität und Nachhaltigkeit. In der Prüfung sollst du sie gegeneinander abwägen – nicht die eine richtige Antwort nennen, sondern begründen.
4. Belege prüfen
Jede Ausgabe hinterlässt einen Beleg. Vier Arten solltest du unterscheiden können – und wissen, was drauf stehen muss.
| Beleg | Wann du ihn bekommst | Wofür er wichtig ist |
|---|---|---|
| Kassenbon | beim Bezahlen im Laden | Nachweis für Umtausch, Garantie und Gewährleistung |
| Quittung | als Bestätigung einer Barzahlung | beweist, dass du bezahlt hast |
| Rechnung | bei Lieferung auf Ziel | sagt, was du bis wann zahlen musst |
| Kontoauszug | von der Bank | zeigt alle Bewegungen auf dem Konto |
Prüfen heißt: Stimmen Menge und Ware? Stimmt der Endbetrag rechnerisch? Sind Datum, Anschrift und Umsatzsteuer angegeben? Wer einen Beleg wegwirft, hat später kein Recht auf Umtausch und keinen Nachweis gegenüber der Bank.
5. Womit bezahlen?
Barzahlung, Girocard, Überweisung, Lastschrift, Bezahlen mit dem Handy – jede Art hat Vor- und Nachteile.
Die vier Kriterien stehen so im Lehrplan – nach ihnen wird gefragt.
| Zahlungsart | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Barzahlung | keine Gebühren, keine Daten, guter Überblick | bei Verlust weg, unpraktisch bei großen Beträgen |
| Girocard | schnell, überall, kein Bargeld nötig | Bank sieht jeden Kauf, PIN muss geheim bleiben |
| Überweisung | du bestimmst Zeitpunkt und Betrag selbst | dauert einen Tag, Zahlendreher sind schwer rückgängig zu machen |
| Lastschrift | bequem bei wiederkehrenden Zahlungen | der Empfänger bestimmt den Betrag – Konto im Blick behalten |
| Bezahlen mit dem Handy | sehr schnell, kein Kartenlesegerät nötig | Datenspur, Gerät muss geladen und gesichert sein |
Merke: Es gibt keine beste Zahlungsart. Die Prüfungsfrage lautet immer: Welche passt zu dieser Situation? Für die monatliche Miete ist der Dauerauftrag richtig, für den Bäcker das Bargeld, für die Stromrechnung die Lastschrift. Begründe mit den vier Kriterien, dann stimmt die Antwort.
6. Prozentrechnung
Prozente begegnen dir überall: Rabatt, Umsatzsteuer, Preiserhöhung, Sparquote. Drei Größen musst du auseinanderhalten – Grundwert (das Ganze, 100 %), Prozentsatz (wie viel Prozent) und Prozentwert (der Anteil in Euro).
Prozentsatz gesucht
Der Strompreis steigt
| vorher | 200,00 € |
| nachher | 230,00 € |
| Erhöhung 30,00 € · 100 : 200,00 € | 15 % |
Vermehrter Grundwert
Beim Aufschlag ist der Grundwert 100 % und das Ergebnis mehr als 100 %. Ein Handy kostet netto 500,00 €, dazu kommen 19 % Umsatzsteuer:
Nebenrechnung vermehrter Grundwert
| Nettopreis · 100 % | 500,00 € |
| + Umsatzsteuer · 19 % | 95,00 € |
| = Bruttopreis · 119 % | 595,00 € |
Verminderter Grundwert
Beim Abschlag ist es umgekehrt – und hier passiert der häufigste Fehler. Eine Jacke ist um 20 % reduziert und kostet jetzt 96,00 €. Was hat sie vorher gekostet?
Nebenrechnung verminderter Grundwert
| jetziger Preis · 80 % | 96,00 € |
| 96,00 € : 80 · 100 | 120,00 € |
Der Grundwert ist immer das, was 100 % entspricht.
Der Fehler, den fast alle machen: 20 % von 96,00 € rechnen und dazuzählen. Das ergibt 115,20 € – und ist falsch. Die 20 % beziehen sich auf den alten Preis, nicht auf den neuen. Frag dich immer zuerst: Wovon werden die Prozente gerechnet?
7. Infografiken lesen
In fast jeder BwR-Aufgabe steckt eine Grafik, aus der du Zahlen entnehmen sollst. Wer weiß, woraus eine Grafik besteht, findet die richtige Zahl schneller.
Titel, Einheit, Quelle, Zeitraum – ohne diese vier Angaben ist eine Grafik nicht zu beurteilen.
| Diagrammart | Wofür sie gemacht ist | Beispiel |
|---|---|---|
| Säulendiagramm | Werte vergleichen | Ausgaben nach Kategorien |
| Balkendiagramm | Vergleich mit langen Beschriftungen | Umfrageergebnisse |
| Liniendiagramm | Entwicklung über die Zeit zeigen | Strompreis über zehn Jahre |
| Kreisdiagramm | Anteile an einem Ganzen | Aufteilung des Einkommens |
Merke: Zwei Fragen bringen in der Prüfung die Punkte: Was sagt die Grafik – und was sagt sie nicht? Eine Grafik über steigende Preise sagt nichts darüber, ob auch die Einkommen gestiegen sind.
8. Was du sicher können musst
Wozu brauchst du das? Weil dieser Lernbereich als einziger direkt von deinem eigenen Leben handelt. Den Haushaltsplan brauchst du, sobald du das erste eigene Geld hast – im Ferienjob, in der Ausbildung, in der ersten eigenen Wohnung. Und die Prozentrechnung von hier läuft durch alle vier Jahre BwR: Rabatt, Skonto, Umsatzsteuer, Zinsen, Abschreibung – alles Prozentrechnung.
Merke: Vier Dinge musst du sicher können: (1) die drei Einkommensarten und sie an Beispielen erkennen, (2) den Haushaltsplan aufstellen und die Sparquote berechnen, (3) Zahlungsarten mit den vier Kriterien begründet auswählen, (4) den verminderten Grundwert – geteilt durch den Prozentsatz, mal 100.
Im nächsten Lernbereich wechselst du die Perspektive: vom privaten Haushalt zum Unternehmen. Dort geht es um Geschäftsideen, Rechtsformen und die Frage, was ein Betrieb überhaupt braucht, um produzieren zu können.
Weiterlernen: So geht es weiter – vom Haushalt zum Unternehmen:
- Das Unternehmen – Klasse 7
- Bilanz und erste Buchungssätze – Klasse 7
- Umsatzsteuerzahllast – Klasse 8
Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.
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