Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 (vier- und dreistufige Wirtschaftsschule) · Richtig schreiben (LehrplanPLUS)
Das Komma bei Infinitiv- und Partizipialsätzen
Beim Komma vor Infinitiv- und Partizipialsätzen sind viele unsicher. Das liegt daran, dass hier nicht immer ein Komma stehen muss. Manchmal ist es Pflicht, manchmal darfst du selbst entscheiden. Auf dieser Seite lernst du die festen Fälle kennen, in denen ein Komma stehen muss, und die Fälle, in denen es freigestellt ist. Du erfährst auch, warum ein Komma oft trotzdem sinnvoll ist. Die Regeln folgen dem amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung. Die Beispiele stammen aus einem erfundenen Onlinehandel.
1. Pflicht oder freigestellt?
Bei Nebensätzen mit gebeugtem Verb steht immer ein Komma, wie du es von Relativ- und Adverbialsätzen kennst. Bei Infinitiv- und Partizipialsätzen ist das anders. Das Regelwerk unterscheidet zwei Fälle.
| Fall | Komma | Beispiel |
|---|---|---|
| Pflichtfall | muss stehen | Sie ruft an, um den Termin zu bestätigen. |
| freigestellter Fall | darf stehen | Sie versprach(,) pünktlich zu liefern. |
Im freigestellten Fall sind beide Schreibweisen richtig. Ein Komma ist dort aber oft hilfreich, weil es den Satz übersichtlicher macht. Wer unsicher ist, setzt das Komma. Das ist im freigestellten Fall nie falsch.
Das Regelwerk lässt hier bewusst Freiheit. Wer schreibt, soll selbst entscheiden können, wie er seinen Satz gliedert. Die Freiheit hat aber Grenzen. In den Pflichtfällen ist ein fehlendes Komma ein Fehler.
2. Infinitivsätze: die drei Pflichtfälle
Bei Infinitivsätzen muss in drei Fällen ein Komma stehen. Diese drei Fälle solltest du sicher kennen, denn hier ist ein fehlendes Komma ein Fehler.
Erstens: Der Infinitivsatz wird mit „um“, „ohne“, „statt“, „anstatt“, „außer“ oder „als“ eingeleitet. Diese Einleitewörter sind am leichtesten zu erkennen. Wer sie sieht, setzt das Komma sofort.
Selin prüft die Adresse, um Fehler zu vermeiden.
Er verschickte das Paket, ohne die Rechnung beizulegen.
Anstatt zu warten, rief sie beim Kunden an.
Nichts ist wichtiger, als zufriedene Kunden zu haben.
Zweitens: Der Infinitivsatz hängt von einem Nomen ab. Er erklärt dieses Nomen genauer.
Sie hatte die Idee, die Verpackung zu verbessern.
Wir haben den Plan, im Herbst neue Produkte anzubieten.
Drittens: Im übergeordneten Satz steht ein Wort, das auf den Infinitivsatz verweist. Solche Verweiswörter sind zum Beispiel „es“, „daran“, „darauf“ und „dazu“.
Selin denkt daran, die Rechnung beizulegen.
Es ist wichtig, die Kunden schnell zu informieren.
Ein Verweiswort kann auch nach dem Infinitivsatz stehen. Dann steht das Komma vor dem Verweiswort: „Die Rechnungen zu prüfen, das ist Selins Aufgabe.“ Auch hier ist das Komma Pflicht.
3. Infinitivsätze: der freigestellte Fall
Trifft keiner der drei Pflichtfälle zu, ist das Komma freigestellt. Das betrifft vor allem Infinitivsätze, die direkt von einem Verb abhängen.
Sie versprach pünktlich zu liefern.
Sie versprach, pünktlich zu liefern.
Beide Sätze sind richtig. Das Komma kann aber helfen, Missverständnisse zu vermeiden. Vergleiche: „Er versprach seiner Chefin zu helfen.“ Hier ist unklar, ob er seiner Chefin etwas verspricht oder ob er ihr helfen will. Mit Komma wird es eindeutig.
| Fassung | Bedeutung |
|---|---|
| Er versprach, seiner Chefin zu helfen. | Er will der Chefin helfen. |
| Er versprach seiner Chefin, zu helfen. | Er verspricht es der Chefin. |
Besteht der Infinitiv nur aus „zu“ und dem Verb, ohne weitere Wörter, setzt man meist kein Komma: „Sie begann zu packen.“ Auch hier wäre ein Komma aber nicht falsch.
Steht ein Infinitivsatz mitten im übergeordneten Satz, setzt du entweder zwei Kommas oder gar keins. Es heißt „Er hat, die Ware zu prüfen, vergessen“ oder „Er hat die Ware zu prüfen vergessen“. Ein einzelnes Komma wäre falsch. Meist ist es aber besser, den Satz umzustellen: „Er hat vergessen, die Ware zu prüfen.“ Dann steht der Infinitivsatz am Ende, und der Satz ist leichter zu lesen.
Im freigestellten Fall entscheidest du nach der Lesbarkeit. Ein langer Infinitivsatz mit vielen Wörtern wird durch ein Komma übersichtlicher. Ein sehr kurzer Infinitivsatz kommt meist ohne Komma aus.
4. Das Komma bei Partizipialsätzen
Bei Partizipialsätzen ist das Komma meist freigestellt. Das gilt besonders, wenn der Partizipialsatz am Satzanfang steht.
Von der Kundin gelobt(,) packte Selin weiter.
Mit dem Ergebnis zufrieden(,) schloss sie den Karton.
Ein Komma muss dagegen stehen, wenn der Partizipialsatz als Zusatz eingeschoben oder nachgestellt ist. Er liefert dann eine zusätzliche Information und wird mit Kommas abgetrennt.
Einen solchen Zusatz erkennst du mit der Weglassprobe. Lässt du ihn weg, bleibt ein vollständiger und sinnvoller Satz übrig: „Selin packte weiter.“ Die Kommas stehen genau dort, wo du den Zusatz herausgenommen hast.
Selin, von der Kundin gelobt, packte weiter.
Wir senden Ihnen die Ware zu, sorgfältig verpackt und versichert.
Steht dagegen nur ein einzelnes Partizip ohne weitere Wörter, setzt man kein Komma: „Lachend kam sie ins Büro.“
5. Sicher entscheiden mit einer Prüfreihenfolge
Mit drei Fragen entscheidest du beim Infinitivsatz in wenigen Sekunden.
| Frage | Wenn ja |
|---|---|
| Steht „um“, „ohne“, „statt“, „anstatt“, „außer“ oder „als“ davor? | Komma muss stehen. |
| Hängt der Infinitivsatz von einem Nomen ab? | Komma muss stehen. |
| Gibt es ein Verweiswort wie „es“, „daran“, „darauf“? | Komma muss stehen. |
| Keine der drei Fragen trifft zu? | Komma ist freigestellt. |
Beim Partizipialsatz fragst du: Ist er eingeschoben oder nachgestellt und liefert eine Zusatzinformation? Dann setzt du Kommas. Steht er am Anfang, darfst du entscheiden.
Verlass dich nicht auf Schreibprogramme. Sie erkennen fehlende Pflichtkommas bei Infinitivsätzen oft nicht, weil sie den Satzbau nicht sicher erfassen. Die drei Prüffragen helfen dir zuverlässiger. Auch lautes Lesen kann helfen: Wo du eine Pause machst, steht oft ein Komma. Entscheidend bleibt aber die Regel.
So brauchst du es im Beruf
In Geschäftsbriefen sind Kommas ein Zeichen von Sorgfalt. Gerade bei Infinitivsätzen schaffen sie Klarheit. Selin schreibt eine kurze Mitteilung an einen Kunden.
Um Ihnen die Rücksendung zu erleichtern, legen wir ein Rücksendeetikett bei. Wir bitten Sie, das Etikett gut sichtbar aufzukleben. Sorgfältig verpackt, kommt die Ware sicher bei uns an.
| Stelle | Fall | Komma |
|---|---|---|
| „Um Ihnen die Rücksendung zu erleichtern“ | Einleitewort „um“ | Pflicht |
| „das Etikett gut sichtbar aufzukleben“ | Infinitivsatz nach Verb | freigestellt, hier gesetzt |
| „Sorgfältig verpackt“ | Partizipialsatz am Satzanfang | freigestellt, hier gesetzt |
Selin setzt auch in den freigestellten Fällen ein Komma, damit alle drei Sätze gleich gegliedert sind. Das ist richtig und macht die Mitteilung leichter lesbar. Im Geschäftsverkehr ist das üblich, weil Kunden einen Text beim ersten Lesen verstehen sollen.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Sie ruft an um den Termin zu bestätigen. | Sie ruft an, um den Termin zu bestätigen. | Bei „um … zu“ ist das Komma Pflicht. |
| Sie hatte die Idee die Verpackung zu verbessern. | Sie hatte die Idee, die Verpackung zu verbessern. | Der Infinitivsatz hängt vom Nomen „Idee“ ab. |
| Selin denkt daran die Rechnung beizulegen. | Selin denkt daran, die Rechnung beizulegen. | Das Verweiswort „daran“ macht das Komma zur Pflicht. |
| Selin von der Kundin gelobt packte weiter. | Selin, von der Kundin gelobt, packte weiter. | Ein eingeschobener Zusatz steht zwischen Kommas. |
| Lachend, kam sie ins Büro. | Lachend kam sie ins Büro. | Ein einzelnes Partizip steht ohne Komma. |
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