Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 (vier- und dreistufige Wirtschaftsschule) · Schreiben (LehrplanPLUS)

Karikaturen, Schaubilder und Plakate beschreiben und deuten

Bilder transportieren Botschaften oft schneller als lange Texte. Eine Karikatur bringt einen Missstand auf den Punkt, ein Schaubild macht Zahlen sichtbar, ein Plakat lädt zu einer Veranstaltung ein oder wirbt für ein Produkt. Wer über eine bildliche Darstellung schreibt, muss zweierlei leisten: genau beschreiben, was zu sehen ist, und begründet deuten, was es bedeuten soll. Auf dieser Seite lernst du den Aufbau einer solchen Bildbeschreibung mit Deutung kennen, die passende Reihenfolge und die sprachlichen Mittel. Da hier keine Bilder abgedruckt werden, sind alle Darstellungen in Worten beschrieben und eigens für diese Seite erfunden.

1. Drei Arten bildlicher Darstellungen

Der Lehrplan nennt für diese Jahrgangsstufe drei Arten von Bildern, die du beschreiben und deuten sollst. Sie haben unterschiedliche Absichten, und daran richtet sich auch dein Text.

Darstellung was sie zeigt Absicht
Karikatur eine gezeichnete, bewusst zugespitzte Szene mit kurzem Text einen Missstand kritisieren, zum Nachdenken anregen
Schaubild Zahlen und Zusammenhänge in grafischer Form sachlich informieren
Plakat Bild, Überschrift und wenige Angaben auf großer Fläche auf etwas aufmerksam machen, auffordern

Bei einer Karikatur liegt der Schwerpunkt auf der Deutung, denn ihre Aussage steckt hinter dem Gezeichneten. Bei einem Schaubild liegt er auf der genauen Wiedergabe der Angaben. Bei einem Plakat fragst du vor allem, wie Bild und Text zusammenwirken, um eine bestimmte Gruppe anzusprechen. Für alle drei gilt dieselbe Grundregel: Erst beschreiben, dann deuten. Wer sofort deutet, übersieht oft wichtige Einzelheiten und kann seine Deutung später nicht belegen.

2. Der Aufbau: Einleitung, Beschreibung, Deutung, Stellungnahme

Eine Bildbeschreibung mit Deutung hat einen festen Aufbau aus vier Teilen.

Teil Inhalt Beispielsatz
Einleitung Art der Darstellung, Thema, Quelle, falls bekannt „Die Karikatur behandelt das Thema Kundenservice am Telefon.“
Beschreibung was zu sehen ist, geordnet und sachlich „Im Vordergrund sitzt eine Frau mit einem Telefonhörer.“
Deutung was die Darstellung aussagen will, mit Belegen „Damit wird kritisiert, dass …“
Stellungnahme eigene, begründete Einschätzung „Ich halte die Kritik für berechtigt, weil …“

Die Teile bleiben klar getrennt. In der Beschreibung schreibst du nur, was jede andere Person auf dem Bild ebenfalls sehen würde. Erst in der Deutung kommen deine Schlussfolgerungen hinzu, und erst in der Stellungnahme deine Meinung. Diese Trennung macht deinen Text nachvollziehbar: Leserinnen und Leser können jede Deutung an der Beschreibung überprüfen.

3. Beschreiben: vom Vordergrund zum Hintergrund

Damit eine Beschreibung übersichtlich bleibt, gehst du nach einer festen Reihenfolge vor. Bewährt hat sich der Weg vom Vorder- zum Hintergrund: zuerst das, was im Bild vorn und groß zu sehen ist, dann die Mitte, zuletzt der Hintergrund und kleine Einzelheiten. Texte im Bild, etwa Sprechblasen, Schilder oder eine Bildunterschrift, gibst du wörtlich wieder.

Für die Sprache der Beschreibung gelten klare Regeln. Du schreibst im Präsens, weil du beschreibst, was im Bild zu sehen ist. Du verwendest genaue Ortsangaben wie „im Vordergrund“, „am linken Bildrand“, „in der Bildmitte“, „im Hintergrund rechts“. Und du bleibst sachlich: Wörter wie „lustig“ oder „schlimm“ gehören nicht in die Beschreibung.

Mustertext, für diese Seite geschrieben (Beschreibung einer erfundenen Karikatur):
Im Vordergrund sitzt eine ältere Frau in einem Sessel und hält einen Telefonhörer ans Ohr. Zwischen dem Hörer und ihrer Schulter hat eine Spinne ein Netz gespannt, und ihre Haare reichen bis zum Boden. Aus dem Hörer kommt eine Sprechblase mit dem Satz „Ihr Anruf ist uns wichtig. Bitte bleiben Sie in der Leitung.“ Am linken Bildrand steht ein Kalender, auf dem viele Tage durchgestrichen sind. Im Hintergrund hängt ein Bild, auf dem dieselbe Frau noch jung zu sehen ist.

Achte darauf, dass jeder Satz eine neue Angabe bringt und die Reihenfolge nachvollziehbar bleibt. Eine Leserin, die das Bild nicht kennt, sollte es sich nach deiner Beschreibung vorstellen können.

4. Deuten: vom Bild zur Aussage

In der Deutung erklärst du, was die Darstellung aussagen will. Bei einer Karikatur hilft die Frage, welche Merkmale überzeichnet sind, also stärker dargestellt, als sie in Wirklichkeit vorkommen. Gerade dort steckt meist die Kritik. Außerdem fragst du nach dem Gegensatz zwischen Bild und Text: Passt das, was gesagt wird, zu dem, was zu sehen ist?

Im Beispiel sind das Spinnennetz, die langen Haare und der Kalender überzeichnet: Niemand wartet in Wirklichkeit Monate am Telefon. Der Gegensatz zwischen der Ansage „Ihr Anruf ist uns wichtig“ und der endlosen Wartezeit ist der Schlüssel zur Deutung. Die Karikatur kritisiert Unternehmen, die ihren Kundinnen und Kunden Wertschätzung versprechen, sie aber lange in Warteschleifen hängen lassen. Das Bild der jungen Frau im Hintergrund verstärkt den Eindruck, dass ein ganzes Leben vergeht.

Formuliere deine Deutung so, dass der Bezug zur Beschreibung erkennbar ist: „Der Gegensatz zwischen der Ansage und der endlosen Wartezeit zeigt, dass …“ Verwende vorsichtige Formulierungen wie „Die Karikatur will vermutlich zeigen“ oder „Damit wird kritisiert“, denn eine Deutung bleibt eine begründete Annahme.

Bei einem Schaubild fällt die Deutung kürzer aus. Hier fasst du die wichtigste Aussage der Zahlen zusammen und nennst mögliche Gründe nur, wenn das Schaubild selbst Hinweise gibt. Wie man einzelne Werte, Vergleiche und Entwicklungen genau in Sätze fasst, zeigt die Seite zum Verbalisieren von Diagrammen. Bei einem Plakat deutest du, an wen es sich richtet und mit welchen Mitteln es diese Gruppe ansprechen will, etwa mit Farben, einer kurzen Überschrift oder einer direkten Aufforderung.

5. Stellung nehmen und den Text überprüfen

Am Schluss bewertest du die Darstellung oder ihre Aussage. Bei einer Karikatur nimmst du Stellung zur Kritik: Ist sie berechtigt, zu stark zugespitzt oder einseitig? Begründe deine Meinung mit einem Argument und, wenn möglich, mit einem Beispiel aus deiner Erfahrung. Bei einem Plakat kannst du beurteilen, ob es seine Zielgruppe erreicht. Bei einem Schaubild prüfst du, ob die Darstellung übersichtlich ist und alle nötigen Angaben enthält.

Bevor du deinen Text abgibst, prüfst du ihn anhand einer kurzen Liste. Stehen Einleitung, Beschreibung, Deutung und Stellungnahme in der richtigen Reihenfolge? Ist die Beschreibung im Präsens und frei von Wertungen? Sind die Ortsangaben genau? Ist jede Deutung mit einer Stelle aus der Beschreibung belegt? Ist die Stellungnahme begründet? Wenn du alle Fragen mit Ja beantwortest, ist dein Text vollständig.

Merke: Einleitung, Beschreibung, Deutung, Stellungnahme. Beschreiben im Präsens vom Vorder- zum Hintergrund, deuten mit Belegen, Stellung nehmen mit Begründung.

So brauchst du es im Beruf

Auch im Büro werden bildliche Darstellungen beschrieben, etwa wenn ein Plakatentwurf mit Kolleginnen und Kollegen besprochen wird, die ihn noch nicht gesehen haben. Die Übungsfirma plant einen Stand auf einer Ausbildungsmesse. Ein Mitglied des Teams beschreibt den Plakatentwurf in einer E-Mail an die Leitung:

Mustertext, für diese Seite geschrieben:
Der Plakatentwurf zeigt im Vordergrund drei lachende Jugendliche, die gemeinsam einen großen Karton tragen. Darüber steht in großer grüner Schrift die Überschrift „Wir packen die Zukunft an“. In der Bildmitte nennt eine Zeile Ort und Zeit: „Halle 2, Stand 14, Samstag ab 10 Uhr“. Im Hintergrund ist ein helles Büro mit großen Fenstern zu sehen. Das Plakat richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die einen Ausbildungsplatz suchen, und lädt sie mit der Überschrift direkt zum Mitmachen ein.
Bauteil Stelle im Mustertext woran du es erkennst
Einleitung Der Plakatentwurf zeigt … Art der Darstellung wird genannt
Beschreibung im Vordergrund, darüber, in der Bildmitte, im Hintergrund feste Reihenfolge, genaue Ortsangaben, Präsens
wörtliche Wiedergabe „Wir packen die Zukunft an“, „Halle 2, Stand 14 …“ Text im Bild steht in Anführungszeichen
Deutung Das Plakat richtet sich an … und lädt … ein Zielgruppe und Absicht werden erschlossen

Weil die Beschreibung genau und geordnet ist, kann die Leitung den Entwurf beurteilen, ohne ihn vor sich zu haben. Eine ungenaue Beschreibung würde dagegen zu Rückfragen und Missverständnissen führen.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Sofort mit der Deutung beginnen. Erst beschreiben, dann deuten. Ohne Beschreibung fehlen die Belege.
Im Bild war ein Mann zu sehen. Im Bild ist ein Mann zu sehen. Die Beschreibung steht im Präsens.
Irgendwo sitzt ein Mann. Im Vordergrund links sitzt ein Mann. Genaue Ortsangaben ordnen die Beschreibung.
Der Mann sieht lustig aus. Der Mann hat einen weit geöffneten Mund. Wertungen gehören nicht in die Beschreibung.
Ich finde die Karikatur gut. Ich halte die Kritik für berechtigt, weil … Eine Stellungnahme braucht eine Begründung.

✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator

Erzeuge dir zu diesem Thema beliebig viele Übungsaufgaben mit Lösung – passend zu Deutsch Wirtschaftsschule Bayern und deiner Jahrgangsstufe.

Aufgaben erzeugen →

🎮 Live-Quiz für die Klasse

Teste dein Wissen im interaktiven Quiz – mit Sofort-Erklärung nach jeder Frage. Für Lehrkräfte: eigenes Klassen-Quiz starten.

Live-Quiz entdecken →

💡 Mehr auf lern.de

Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:

Nach oben scrollen

Betriebsferien vom
31.07. bis 14.09.2026

Liebe Kunden/Besucher,

Ihre digitalen Zugänge funktionieren wie gewohnt. Nach der Buchung erhalten Sie den Zugang sofort und automatisch – dafür ist keine Bearbeitung durch uns nötig.

Persönlich sind wir vom 31.07. bis 14.09.2026 nicht erreichbar. E-Mails beantworten wir ab dem 15.09.2026 in der Reihenfolge des Eingangs. Terminvereinbarungen sind ab dann wieder möglich.

Ihr lern.de – Team

💡 Mehr auf lern.de

Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:

MathematikErklärseiten, Aufgabengenerator & Live-QuizEnglischKostenlose Erklärseiten nach LehrplanPLUS