Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 (vierstufige Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Partizipien als Adjektive und alle Wortarten im Überblick
Aus Verben lassen sich Wörter bilden, die wie Adjektive vor einem Nomen stehen. Man nennt sie Partizipien. Mit ihnen kannst du Informationen knapp und genau ausdrücken. Auf dieser Seite lernst du das Partizip Präsens und das Partizip Perfekt kennen und erfährst, wie du sie als Adjektive verwendest. Außerdem erhältst du einen Überblick über alle Wortarten und ihre Aufgaben im Satz. Alle Beispiele drehen sich um den Taschenverkauf einer Schülerfirma.
1. Was ein Partizip ist
Ein Partizip ist eine Form des Verbs, die auch wie ein Adjektiv gebraucht werden kann. Der Name kommt daher, dass es an beiden Wortarten teilhat. Es gibt zwei Partizipien: das Partizip Präsens, auch Partizip I genannt, und das Partizip Perfekt, auch Partizip II genannt.
| Grundform | Partizip Präsens | Partizip Perfekt |
|---|---|---|
| steigen | steigend | gestiegen |
| bestellen | bestellend | bestellt |
| druckend | gedruckt | |
| laufen | laufend | gelaufen |
Das Partizip Perfekt kennst du bereits aus den zusammengesetzten Zeitformen: „Wir haben die Taschen gedruckt.“ Neu ist, dass beide Partizipien auch vor einem Nomen stehen können.
Außerdem brauchst du das Partizip Perfekt für das Passiv. „Die Taschen werden gedruckt“ betont, was geschieht, nicht wer es tut. Auch hier steht die Form „gedruckt“. Wer die Partizipien sicher bildet, beherrscht deshalb gleich mehrere Bereiche der Grammatik.
2. Das Partizip Präsens
Das Partizip Präsens bildest du, indem du an die Grundform ein „d“ anhängst. Aus „steigen“ wird „steigend“, aus „lachen“ wird „lachend“.
Es beschreibt eine Handlung, die gerade abläuft. Die Person oder Sache, zu der es gehört, tut selbst etwas.
die steigende Nachfrage (die Nachfrage steigt)
die wartenden Kunden (die Kunden warten)
ein laufendes Projekt (ein Projekt läuft)
Steht das Partizip Präsens vor einem Nomen, bekommt es dieselben Endungen wie ein Adjektiv: „die steigende Nachfrage“, „wegen der steigenden Nachfrage“, „bei steigender Nachfrage“.
Das Partizip Präsens kann auch beschreiben, wie jemand etwas tut: „Lächelnd überreichte Lina der Kundin die Tasche.“ Hier steht es ohne Endung und ohne Nomen.
In Geschäftstexten begegnet dir oft eine besondere Form mit „zu“: „die zu liefernde Ware“, „der zu zahlende Betrag“. Sie bedeutet, dass etwas getan werden muss. „Die zu liefernde Ware“ ist die Ware, die noch geliefert werden muss.
3. Das Partizip Perfekt als Adjektiv
Das Partizip Perfekt bildest du meist mit „ge-“ und der Endung „-t“ oder „-en“: „gedruckt“, „gelaufen“. Bei Verben mit den Vorsilben „be-“, „ver-“ und „er-“ fällt „ge-“ weg: „bestellt“, „verkauft“.
Als Adjektiv beschreibt es meist etwas Abgeschlossenes. Mit der Person oder Sache ist schon etwas geschehen.
die bestellte Ware (die Ware wurde bestellt)
die gedruckten Taschen (die Taschen wurden gedruckt)
ein verkauftes Exemplar (ein Exemplar wurde verkauft)
Auch das Partizip Perfekt erhält vor einem Nomen Adjektivendungen: „die bestellte Ware“, „mit der bestellten Ware“.
Bei starken und unregelmäßigen Verben musst du die Form kennen. Es heißt „geschrieben“, „gebracht“ und „gefunden“. Im Zweifel hilft ein Wörterbuch, denn dort steht die Perfektform beim Stichwort.
Nicht immer bedeutet das Partizip Perfekt, dass etwas mit einer Sache gemacht wurde. Bei Verben, die das Perfekt mit „sein“ bilden, ist die Bedeutung aktiv. „Die angekommene Lieferung“ heißt: Die Lieferung ist angekommen. Abgeschlossen ist die Handlung aber auch hier.
| Merkmal | Partizip Präsens | Partizip Perfekt |
|---|---|---|
| Bildung | Grundform + d | ge- + Stamm + -t/-en |
| Bedeutung | etwas läuft gerade ab | etwas ist abgeschlossen |
| Beispiel | die druckende Maschine | die gedruckte Tasche |
Achte auf den Unterschied: „die druckende Maschine“ druckt gerade selbst. „Die gedruckte Tasche“ wurde bereits bedruckt.
4. Mit Partizipien knapp formulieren
Partizipien helfen dir, Informationen zu verdichten. Statt eines Relativsatzes steht dann nur ein Wort vor dem Nomen.
mit Relativsatz: die Ware, die wir gestern bestellt haben
mit Partizip: die gestern bestellte Ware
Die zweite Fassung ist kürzer. Sie eignet sich besonders für Listen, Überschriften und Geschäftsnachrichten. In erzählenden Texten wirkt der Relativsatz dagegen oft lebendiger.
Partizipien können sogar selbst zu Nomen werden. Dann schreibst du sie groß. Bekannte Beispiele aus der Arbeitswelt sind „die Auszubildenden“, „der Angestellte“ und „die Reisenden“. Aus „die auszubildenden Personen“ ist so ein eigenes Nomen geworden. Es wird aber weiter wie ein Adjektiv gebeugt: „ein Angestellter“, „der Angestellte“.
Übertreibe es aber nicht. Lange Wortgruppen vor dem Nomen sind schwer zu lesen: „die von der Klasse am Montag im Kunstraum sorgfältig bedruckten Taschen“. Hier ist ein Relativsatz verständlicher. Als Faustregel gilt: Stehen mehr als drei Wörter zwischen Artikel und Nomen, prüfst du die Umformung.
5. Alle Wortarten im Überblick
Partizipien zeigen, dass Wörter zwischen Wortarten wechseln können. Ein Überblick über alle Wortarten hilft dir, Wörter sicher zu bestimmen.
| Wortart | Aufgabe im Satz | Beispiel |
|---|---|---|
| Verb | sagt, was geschieht | drucken, verkaufen |
| Nomen | benennt Dinge, Personen, Begriffe | Tasche, Kundin, Preis |
| Artikel | begleitet das Nomen | der, eine |
| Adjektiv | beschreibt Eigenschaften | bunt, günstig |
| Pronomen | vertritt oder begleitet ein Nomen | sie, unser, dieser |
| Adverb | gibt Umstände an | heute, dort, gern |
| Präposition | zeigt Verhältnisse an | mit, für, wegen |
| Konjunktion | verbindet Wörter und Sätze | und, weil, dass |
| Interjektion | drückt Gefühle aus | oh, ach |
Die ersten fünf Wortarten sind flektierbar. Sie verändern ihre Form. Die letzten vier sind nicht flektierbar. Sie bleiben immer gleich.
Manche Grammatiken zählen auch die Zahlwörter als eigene Wortart, zum Beispiel „zwei“, „vierzig“ oder „erste“. Andere ordnen sie den Adjektiven zu. Für das Bestimmen im Unterricht genügt es, wenn du ihre Aufgabe erkennst: Sie geben eine Menge oder eine Reihenfolge an.
Ein Partizip vor einem Nomen bestimmst du nach seiner Aufgabe im Satz. In „die bestellte Ware“ beschreibt „bestellte“ die Ware. Es wird gebraucht wie ein Adjektiv.
So brauchst du es im Beruf
In Geschäftsnachrichten zählt jedes Wort. Partizipien helfen dir, Informationen kurz und genau zu formulieren. Die Schülerfirma schreibt eine Übersicht für die Lehrkraft.
Stand der Bestellungen: 40 bestellte Taschen, davon 25 gedruckte und 15 noch offene. Wegen der steigenden Nachfrage bitten wir um zusätzliche Stunden im Kunstraum. Die bereits verkauften Taschen sind abgerechnet.
| Partizip | Art | Was es leistet |
|---|---|---|
| „bestellte“ | Partizip Perfekt | abgeschlossen: wurde bestellt |
| „gedruckte“ | Partizip Perfekt | abgeschlossen: wurde gedruckt |
| „steigenden“ | Partizip Präsens | läuft gerade: die Nachfrage steigt |
| „verkauften“ | Partizip Perfekt | abgeschlossen: wurde verkauft |
Die Lehrkraft erfasst die Lage in wenigen Sekunden. Ohne Partizipien wären für dieselben Angaben mehrere Relativsätze nötig. Die Zahlen stimmen zusammen: 25 gedruckte und 15 offene Taschen ergeben 40 Bestellungen. Genau so knapp sind Übersichten im Betrieb.
Auch in Rechnungen und Lieferscheinen stehen viele Partizipien. Wendungen wie „gelieferte Menge“, „berechneter Betrag“ oder „noch zu zahlender Rest“ kommen dort ständig vor. Wer sie sicher versteht, liest Geschäftspapiere schneller und genauer.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| die steigene Nachfrage | die steigende Nachfrage | Das Partizip Präsens endet auf „-end“. |
| die gebestellte Ware | die bestellte Ware | Bei „be-“ fällt „ge-“ weg. |
| die druckende Tasche | die gedruckte Tasche | Die Tasche wurde bedruckt, sie druckt nicht selbst. |
| mit der bestellte Ware | mit der bestellten Ware | Das Partizip erhält Adjektivendungen. |
| sehr lange Wortgruppe vor dem Nomen | Relativsatz verwenden | Zu lange Partizipgruppen überfordern den Leser. |
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