Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 (vierstufige Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Konjunktiv I und II und die indirekte Rede

Mit Verben kannst du nicht nur sagen, was geschieht. Du kannst auch ausdrücken, was jemand gesagt hat, was nur gedacht ist oder was höflich erbeten wird. Dafür gibt es den Konjunktiv. Auf dieser Seite lernst du den Konjunktiv I und den Konjunktiv II kennen. Du erfährst, wie du sie bildest, wann du sie brauchst und wie du mit ihrer Hilfe die Aussagen anderer korrekt in der indirekten Rede wiedergibst. Die Beispiele stammen aus einer Schülerfirma, die Stofftaschen verkauft.

1. Indikativ und Konjunktiv

Verben haben verschiedene Aussageweisen. Man nennt sie Modus. Der Indikativ ist die Wirklichkeitsform. Mit ihm stellst du etwas als tatsächlich dar: „Die Lieferung kommt am Montag.“

Der Konjunktiv ist die Möglichkeitsform. Mit ihm zeigst du, dass etwas nur berichtet, gewünscht oder gedacht ist. Es gibt zwei Formen: den Konjunktiv I und den Konjunktiv II.

Modus Beispiel Wirkung
Indikativ Die Lieferung kommt am Montag. als Tatsache dargestellt
Konjunktiv I Die Druckerei sagt, die Lieferung komme am Montag. als Aussage eines anderen wiedergegeben
Konjunktiv II Wenn die Lieferung käme, könnten wir drucken. nur gedacht, nicht wirklich

Der Konjunktiv ist kein Fehler und keine veraltete Form. Er hilft dir, genau zwischen Tatsache, fremder Aussage und Vorstellung zu unterscheiden. Gerade in Berichten und Geschäftsnachrichten ist diese Genauigkeit wichtig.

2. Den Konjunktiv I bilden

Den Konjunktiv I bildest du vom Stamm der Grundform. An den Stamm hängst du ein „e“ und die passende Personalendung.

Person Indikativ Konjunktiv I
ich komme komme
du kommst kommest
er, sie, es kommt komme
wir kommen kommen
ihr kommt kommet
sie kommen kommen

Am häufigsten brauchst du die dritte Person Einzahl. Sie ist leicht zu erkennen: „er komme“, „sie liefere“, „es gelte“. Besonders wichtig sind die Formen von „sein“ und „haben“: „er sei“ und „sie habe“.

Das Verb „sein“ ist ein Sonderfall. Seine Formen im Konjunktiv I unterscheiden sich in allen Personen vom Indikativ: „ich sei“, „du seist“, „er sei“, „wir seien“, „ihr seiet“, „sie seien“. Deshalb ist „sein“ in der indirekten Rede besonders gut zu erkennen.

Bei manchen Personen sehen Indikativ und Konjunktiv I gleich aus. Bei „ich komme“ und „wir kommen“ erkennt man den Konjunktiv nicht. Dann weichst du auf den Konjunktiv II aus. Das ist die Ersatzregel.

3. Die indirekte Rede

Mit der direkten Rede gibst du die Worte einer Person wörtlich wieder. Sie steht in Anführungszeichen. Mit der indirekten Rede gibst du wieder, was jemand gesagt hat, ohne seine Worte genau zu übernehmen.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Direkte Rede: Die Kundin sagt: „Die Tasche gefällt mir sehr.“
Indirekte Rede: Die Kundin sagt, die Tasche gefalle ihr sehr.

Beim Umformen achtest du auf drei Dinge. Erstens setzt du das Verb in den Konjunktiv I. Zweitens passt du die Pronomen an: Aus „mir“ wird „ihr“, aus „ich“ wird „er“ oder „sie“. Drittens entfallen die Anführungszeichen. Dafür trennt ein Komma die Redeeinleitung vom Rest.

Für die Redeeinleitung gibt es viele Verben. Statt immer „sagen“ kannst du „erklären“, „mitteilen“, „betonen“, „berichten“ oder „behaupten“ verwenden. Wähle das Verb genau. „Behaupten“ drückt Zweifel aus, „mitteilen“ ist neutral.

Die indirekte Rede kann auch mit „dass“ eingeleitet werden: „Die Kundin sagt, dass ihr die Tasche sehr gefalle.“ Dann steht das gebeugte Verb am Ende des Nebensatzes.

Fragen gibst du mit „ob“ oder mit dem Fragewort wieder. „Haben Sie die Tasche in Rot?“ wird zu: „Die Kundin fragt, ob wir die Tasche in Rot hätten.“ „Wann kommt die Lieferung?“ wird zu: „Sie fragt, wann die Lieferung komme.“

Gleichen sich Konjunktiv I und Indikativ, nimmst du den Konjunktiv II. „Die Kunden sagen, sie haben keine Zeit“ ist nicht eindeutig. Besser ist: „Die Kunden sagen, sie hätten keine Zeit.“ Ist auch der Konjunktiv II ungebräuchlich, kannst du die Form mit „würde“ verwenden.

4. Den Konjunktiv II bilden und verwenden

Den Konjunktiv II bildest du vom Präteritum. Bei starken Verben kommt oft ein Umlaut hinzu: „kam“ wird zu „käme“, „war“ zu „wäre“, „hatte“ zu „hätte“. Bei schwachen Verben sieht der Konjunktiv II wie das Präteritum aus: „kaufte“. Deshalb verwendet man hier oft die Umschreibung mit „würde“: „würde kaufen“.

Den Konjunktiv II brauchst du für drei Aufgaben:

Aufgabe Beispiel
Unwirkliches, nur Gedachtes Wenn wir mehr Stoff hätten, würden wir mehr drucken.
Wunsch Wäre die Lieferung doch schon da.
höfliche Bitte Könnten Sie uns die Rechnung bis Freitag schicken?

Die höfliche Bitte ist im Berufsleben besonders wichtig. „Schicken Sie uns die Rechnung“ klingt wie ein Befehl. „Könnten Sie uns die Rechnung schicken?“ klingt freundlich und respektvoll.

Besonders häufig sind die Konjunktiv-II-Formen der Modalverben: „könnte“, „müsste“, „dürfte“, „sollte“ und „möchte“. Sie machen Vorschläge und Bitten weicher: „Wir sollten mehr Stoff bestellen.“ „Dürfte ich kurz stören?“

Achte darauf, „würde“ nicht in jedem Satz zu verwenden. „Wenn ich Zeit haben würde, würde ich kommen“ wirkt schwerfällig. Besser ist: „Wenn ich Zeit hätte, käme ich.“ Oder: „Wenn ich Zeit hätte, würde ich kommen.“

5. Zeitstufen in der indirekten Rede

Auch in der indirekten Rede kannst du Vergangenheit und Zukunft ausdrücken.

Zeitstufe direkte Rede indirekte Rede
Gegenwart „Der Stoff ist da.“ Er sagt, der Stoff sei da.
Vergangenheit „Wir haben geliefert.“ Sie sagt, sie hätten geliefert.
Zukunft „Die Ware wird morgen kommen.“ Er sagt, die Ware werde morgen kommen.

Für die Vergangenheit gibt es in der indirekten Rede nur eine Form. Sie wird mit „habe“ oder „sei“ und der Perfektform gebildet: „er habe geliefert“, „sie sei gekommen“. Ob die direkte Rede im Präteritum oder Perfekt stand, spielt keine Rolle.

Merke: Konjunktiv I für die indirekte Rede: „er sei“, „sie habe“, „es komme“. Gleicht er dem Indikativ, nimmst du den Konjunktiv II: „sie hätten“. Konjunktiv II auch für Unwirkliches, Wünsche und höfliche Bitten: „wäre“, „hätte“, „könnten Sie“. Die Form mit „würde“ hilft, wenn die eigentliche Form ungebräuchlich ist.

Lies einen Text mit indirekter Rede am Ende noch einmal durch. Prüfe, ob alle Pronomen angepasst sind. Ein vergessenes „ich“ macht aus der fremden Aussage plötzlich deine eigene.

So brauchst du es im Beruf

Im Betrieb gibst du oft weiter, was andere gesagt haben. Das geschieht in Gesprächsnotizen, Protokollen und E-Mails an Kollegen. Mit der indirekten Rede machst du deutlich, dass es sich um die Aussage eines anderen handelt und nicht um eine geprüfte Tatsache.

Mustertext, für diese Seite geschrieben (Telefonnotiz):
Herr Lorenz von der Druckerei hat angerufen. Er sagt, die Farbe sei ausverkauft. Die neue Lieferung komme voraussichtlich am Donnerstag. Er fragt, ob wir solange mit Schwarz drucken könnten. Er bittet um Rückruf bis morgen.
Stelle Form Was sie leistet
„die Farbe sei ausverkauft“ Konjunktiv I gibt die Aussage des Anrufers wieder
„komme voraussichtlich“ Konjunktiv I zeigt, dass der Termin nicht gesichert ist
„ob wir … drucken könnten“ Konjunktiv II gibt eine Frage wieder

Wer die Notiz liest, erkennt sofort: Das sind die Angaben der Druckerei. Ob die Lieferung wirklich am Donnerstag kommt, ist nicht sicher. Diese Genauigkeit vermeidet Missverständnisse im Team.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Sie sagt, die Tasche gefällt ihr. Sie sagt, die Tasche gefalle ihr. In der indirekten Rede steht der Konjunktiv I.
Er sagt, ich komme morgen. Er sagt, er komme morgen. Die Pronomen werden angepasst.
Die Kunden sagen, sie haben keine Zeit. Die Kunden sagen, sie hätten keine Zeit. Gleicht der Konjunktiv I dem Indikativ, nimmt man den Konjunktiv II.
Schicken Sie uns die Rechnung. Könnten Sie uns die Rechnung schicken? Der Konjunktiv II macht die Bitte höflich.
Wenn ich Zeit haben würde, würde ich kommen. Wenn ich Zeit hätte, würde ich kommen. Zu viele „würde“-Formen wirken schwerfällig.

✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator

Erzeuge dir zu diesem Thema beliebig viele Übungsaufgaben mit Lösung – passend zu Deutsch Wirtschaftsschule Bayern und deiner Jahrgangsstufe.

Aufgaben erzeugen →

🎮 Live-Quiz für die Klasse

Teste dein Wissen im interaktiven Quiz – mit Sofort-Erklärung nach jeder Frage. Für Lehrkräfte: eigenes Klassen-Quiz starten.

Live-Quiz entdecken →

💡 Mehr auf lern.de

Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:

Nach oben scrollen

Betriebsferien vom
31.07. bis 14.09.2026

Liebe Kunden/Besucher,

Ihre digitalen Zugänge funktionieren wie gewohnt. Nach der Buchung erhalten Sie den Zugang sofort und automatisch – dafür ist keine Bearbeitung durch uns nötig.

Persönlich sind wir vom 31.07. bis 14.09.2026 nicht erreichbar. E-Mails beantworten wir ab dem 15.09.2026 in der Reihenfolge des Eingangs. Terminvereinbarungen sind ab dann wieder möglich.

Ihr lern.de – Team

💡 Mehr auf lern.de

Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:

MathematikErklärseiten, Aufgabengenerator & Live-QuizEnglischKostenlose Erklärseiten nach LehrplanPLUS