Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 (Vorklasse der vierstufigen Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Redewendungen, Sprichwörter und Sprachebenen: Umgangssprache, Standardsprache, Jugendsprache

Wir sprechen nicht immer gleich. Mit Freunden in der Pause klingt es anders als in einem Brief an die Schulleitung. Außerdem benutzen wir oft feste Wendungen, deren Sinn man nicht wörtlich verstehen darf. Auf dieser Seite lernst du, was Redewendungen und Sprichwörter sind und wie du sie richtig verstehst. Du erfährst außerdem, welche Sprachebenen es gibt und wann welche passt. Alle Beispiele sind für diese Seite erfunden.

1. Redewendungen: feste Wendungen mit übertragener Bedeutung

Eine Redewendung ist eine feste Verbindung aus mehreren Wörtern. Ihre Bedeutung ergibt sich nicht aus den einzelnen Wörtern. Man muss sie im übertragenen Sinn verstehen.

Redewendung wörtlich verstanden gemeint ist
jemandem die Daumen drücken mit der Hand die Daumen pressen jemandem Glück wünschen
etwas auf die lange Bank schieben etwas auf eine Bank legen etwas immer wieder aufschieben
ins Fettnäpfchen treten in einen Topf mit Fett steigen ungeschickt etwas Unpassendes sagen
jemandem unter die Arme greifen jemanden unter den Armen festhalten jemandem helfen

Redewendungen machen die Sprache bildhaft und lebendig. Sie können aber zu Missverständnissen führen. Wer eine Wendung nicht kennt, versteht sie vielleicht wörtlich. Das passiert besonders Menschen, die Deutsch neu lernen.

Auch in der Schülerfirma begegnen dir Redewendungen. „Den Überblick behalten“ heißt, dass man weiß, was gerade wichtig ist. „Etwas unter Dach und Fach bringen“ bedeutet, eine Aufgabe erfolgreich abzuschließen. Wer „alle Hände voll zu tun hat“, ist sehr beschäftigt. Wenn du eine Wendung nicht kennst, schlage sie in einem Wörterbuch nach.

Eine Redewendung ist kein vollständiger Satz. Man baut sie in einen eigenen Satz ein und passt das Verb an. Aus „jemandem unter die Arme greifen“ wird zum Beispiel: „Mia greift Tom beim Aufbau unter die Arme.“

2. Sprichwörter: kurze Lebensweisheiten

Ein Sprichwort ist ein fester, vollständiger Satz. Es enthält eine allgemeine Lebensweisheit oder einen Rat. Viele Sprichwörter sind sehr alt und werden seit Generationen weitergegeben.

Beispiele:
Übung macht den Meister.
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Viele Köche verderben den Brei.
Ende gut, alles gut.

„Übung macht den Meister“ bedeutet: Wer etwas oft übt, kann es irgendwann gut. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ heißt: Wer früh da ist, ist auch zuerst an der Reihe. „Viele Köche verderben den Brei“ meint: Wenn zu viele mitbestimmen, wird das Ergebnis oft schlechter.

Um ein Sprichwort zu erklären, gehst du in zwei Schritten vor. Zuerst beschreibst du das Bild, das darin steckt. Dann überträgst du es auf eine allgemeine Situation. Bei „Viele Köche verderben den Brei“ geht es nicht ums Kochen. Gemeint ist jede Gruppe, in der zu viele gleichzeitig entscheiden wollen.

Merkmal Redewendung Sprichwort
Form Wortgruppe vollständiger Satz
Inhalt bildhafte Beschreibung allgemeine Lebensweisheit
Gebrauch wird in einen Satz eingebaut wird meist unverändert zitiert

Sprichwörter stehen oft am Anfang oder am Ende eines Gesprächs. Sie fassen eine Erfahrung kurz zusammen. Nach einem anstrengenden Verkaufstag passt zum Beispiel „Ende gut, alles gut“. Benutze Sprichwörter aber nicht zu oft, sonst wirken sie wie leere Floskeln.

3. Gesprochene und geschriebene Sprache

Beim Sprechen und beim Schreiben verwenden wir die Sprache unterschiedlich. Wer spricht, sieht sein Gegenüber. Er kann nachfragen, auf etwas zeigen und mit der Stimme betonen. Deshalb sind gesprochene Sätze oft kurz und unvollständig.

Wer schreibt, hat diese Hilfen nicht. Die Leserin kann nicht nachfragen. Deshalb müssen geschriebene Texte vollständiger und genauer sein. Sätze werden zu Ende geführt, und Wörter wie „das da“ oder „hier drüben“ helfen nicht weiter.

Ein Unterschied besteht auch zwischen einer Notiz für dich selbst und einem Text für andere. Für dich genügen Stichwörter wie „Tische, acht Uhr, Aula“. Wer deine Notiz nicht kennt, versteht sie aber nicht. Für andere schreibst du deshalb ganze Sätze mit allen wichtigen Angaben.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Gesprochen: „Stell das da hin, neben die Kiste.“
Geschrieben: „Bitte stelle den Karton mit den Bechern neben die Getränkekiste.“

4. Drei Sprachebenen

Je nach Situation wählen wir unterschiedliche Sprachebenen. Man unterscheidet vor allem drei.

Sprachebene Wann sie passt Beispiel, für diese Seite geschrieben
Standardsprache in Briefen, Berichten, im Unterricht, mit fremden Erwachsenen „Könnten Sie uns bitte einen Tisch leihen?“
Umgangssprache im Alltag mit Familie und Bekannten „Kannst du uns mal kurz ’nen Tisch geben?“
Jugendsprache unter Gleichaltrigen „Der Stand war echt krass voll.“

Die Standardsprache ist die allgemein verbindliche Form des Deutschen. Sie folgt den Regeln der Grammatik und Rechtschreibung. Alle verstehen sie, egal woher sie kommen.

Die Umgangssprache ist lockerer. Sie verkürzt Wörter und lässt manches weg. Im Gespräch mit vertrauten Menschen wirkt sie natürlich.

Die Jugendsprache benutzen junge Menschen untereinander. Sie enthält eigene Wörter und Ausdrücke, die sich schnell verändern. Sie zeigt, dass man zu einer Gruppe gehört.

Die Grenzen zwischen den Ebenen verschieben sich mit der Zeit. Manche Wörter der Jugendsprache verschwinden nach wenigen Jahren wieder. Andere gelangen in die Umgangssprache, und alle benutzen sie. In der Schule und im Beruf bleibt die Standardsprache aber der Maßstab.

5. Die passende Sprachebene wählen

Keine Sprachebene ist schlecht. Wichtig ist, dass sie zur Situation passt. Frage dich vor dem Sprechen oder Schreiben: Wer ist mein Gegenüber? Wie gut kenne ich die Person? Ist die Situation offiziell oder privat?

Mit deinen Freundinnen und Freunden darfst du locker sprechen. In einem Brief an die Schulleitung oder an einen Lieferanten verwendest du die Standardsprache. Dort wirkt Jugendsprache unhöflich oder unernst. Umgekehrt klingt sehr förmliche Sprache unter Freunden seltsam.

Auch Redewendungen brauchen eine passende Situation. In einem Gespräch machen sie die Sprache lebendig. In einer sachlichen Mitteilung setzt du sie sparsam ein. Dort ist es besser, genau zu sagen, was gemeint ist.

Vergleiche zwei Fassungen derselben Nachricht. An eine Freundin schreibst du vielleicht: „Kommst du morgen früher? Wir brauchen dich beim Aufbau.“ An die Schulleitung schreibst du: „Wir bitten um Erlaubnis, den Stand bereits um sieben Uhr aufzubauen.“ Der Inhalt ist ähnlich. Ton, Wortwahl und Satzbau unterscheiden sich aber deutlich.

Wenn du unsicher bist, wähle lieber die Standardsprache. Sie ist nie falsch und wird überall verstanden. Zu lockere Sprache kann dagegen leicht unhöflich wirken.

Merke: Redewendung: bildhafte Wortgruppe. Sprichwort: vollständiger Satz mit Lebensweisheit. Standardsprache für Offizielles, Umgangssprache für den Alltag, Jugendsprache unter Gleichaltrigen.

So brauchst du es im Beruf

Wer für eine Firma schreibt, wählt die Standardsprache. Die Schülerfirma bittet den Hausmeister schriftlich um Hilfe beim Aufbau.

Mustertext, für diese Seite geschrieben:
Sehr geehrter Herr Brandl, am Freitag findet unser Flohmarkt in der Aula statt. Wir benötigen dafür vier zusätzliche Tische. Könnten Sie uns die Tische bitte bis acht Uhr bereitstellen? Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Mit freundlichen Grüßen, die Schülerfirma der Klasse 6a
Stelle im Text Sprachebene Woran du sie erkennst
„Sehr geehrter Herr Brandl“ Standardsprache höfliche, vollständige Anrede
„Wir benötigen dafür vier zusätzliche Tische.“ Standardsprache genaue Angabe, vollständiger Satz
„Könnten Sie uns die Tische bitte … bereitstellen?“ Standardsprache Höflichkeitsform „Sie“, Bitte als Frage

Die Bitte ist höflich und genau. Der Hausmeister weiß sofort, was gebraucht wird und bis wann.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
„Daumen drücken“ wörtlich verstehen Es bedeutet „Glück wünschen“. Redewendungen haben eine übertragene Bedeutung.
Ein Sprichwort ist eine Wortgruppe. Ein Sprichwort ist ein vollständiger Satz. Das unterscheidet es von der Redewendung.
Im Brief an die Schulleitung „voll krass“ schreiben sachliche Standardsprache verwenden Jugendsprache passt nicht in offizielle Texte.
„Stell das da hin“ in einer schriftlichen Anleitung genau sagen, was wohin gehört Leser können nicht nachfragen.
Umgangssprache ist falsches Deutsch. Sie passt in den Alltag. Entscheidend ist die Situation.

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