Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 (Vorklasse der vierstufigen Wirtschaftsschule) · Schreiben (LehrplanPLUS)

Erzählen von Erlebnissen und Erdachtem: mit Reizwörtern, Bildern und erzählerischen Mitteln

Eine gute Erzählung fesselt die Leserinnen und Leser von Anfang bis Ende. Dafür braucht sie einen klaren Aufbau, einen spannenden Höhepunkt und eine lebendige Sprache. Auf dieser Seite lernst du, wie du eine Erzählung planst und aufbaust. Außerdem erfährst du, mit welchen Mitteln du sie anschaulich machst. Du erzählst dabei von eigenen Erlebnissen oder von Ausgedachtem, oft ausgehend von Reizwörtern oder einem Bild. Alle Mustertexte sind für diese Seite geschrieben.

1. Erlebnis oder Erdachtes: der Anlass zum Erzählen

Beim Erzählen berichtest du nicht nur, was passiert ist. Du willst die Leserinnen und Leser unterhalten und mitnehmen. Sie sollen sich das Geschehen vorstellen können und mitfiebern.

Eine Erlebniserzählung handelt von etwas, das du selbst erlebt hast. Eine Fantasieerzählung handelt von etwas Ausgedachtem. Beide folgen denselben Regeln für Aufbau und Sprache. Auch bei einem echten Erlebnis darfst du Einzelheiten ausschmücken, damit die Geschichte spannend wird.

Oft bekommst du einen Anlass vorgegeben. Das können Reizwörter sein. Das sind drei oder vier Wörter, die in deiner Geschichte vorkommen müssen. Ein Beispiel ist „Kasse, Regen, Wechselgeld“. Ein Anlass kann auch ein Bild sein, das eine Situation zeigt. Aus den Reizwörtern oder dem Bild entwickelst du eine eigene Handlung.

Wichtig ist, dass die Reizwörter eine echte Rolle spielen. Es genügt nicht, sie nur kurz zu erwähnen. Am besten hängt ein Reizwort mit dem Höhepunkt zusammen.

2. Planen: vom Einfall zum Schreibplan

Gute Erzählungen entstehen nicht beim ersten Hinschreiben. Zuerst sammelst du Ideen. Dann ordnest du sie in einem Schreibplan.

Stelle dir dafür die W-Fragen: Wer ist die Hauptfigur? Wo und wann spielt die Geschichte? Was geschieht? Was ist das Problem oder die Überraschung? Wie geht es aus? Notiere deine Antworten in Stichwörtern.

Beispiel, für diese Seite geschrieben (Schreibplan zu den Reizwörtern „Kasse, Regen, Wechselgeld“):
Hauptfigur: Lea, Kassenwartin der Schülerfirma
Ort und Zeit: Pausenstand im Schulhof, Freitag
Problem: Plötzlich Regen, die Kasse fällt in eine Pfütze
Höhepunkt: Das Wechselgeld ist verstreut, alle suchen
Schluss: Am Ende fehlt kein einziger Cent

Mit einem solchen Plan weißt du vor dem Schreiben, worauf deine Geschichte hinausläuft. So verlierst du nicht den roten Faden.

Der Plan darf sich beim Schreiben noch ändern. Vielleicht fällt dir eine bessere Wendung ein. Prüfe dann, ob der neue Einfall zum Anfang und zum Schluss passt. Passe deinen Plan an, bevor du weiterschreibst.

3. Der Aufbau: Einleitung, Hauptteil, Schluss

Eine Erzählung hat drei Teile. Jeder Teil hat eine eigene Aufgabe.

Die Einleitung ist kurz. Sie stellt die Hauptfigur vor und nennt Ort und Zeit. Sie weckt Neugier, verrät aber noch nicht das Ende.

Der Hauptteil ist der längste Teil. Hier steigert sich die Spannung Schritt für Schritt bis zum Höhepunkt. Der Höhepunkt ist der spannendste Moment der Geschichte. Erzähle ihn besonders ausführlich und langsam. Beschreibe, was die Figuren sehen, hören und fühlen.

Der Schluss ist wieder kurz. Er zeigt, wie die Geschichte ausgeht. Er kann auch einen Gedanken oder ein Gefühl der Hauptfigur enthalten.

Merke: Kurze Einleitung, ausführlicher Hauptteil mit Höhepunkt, kurzer Schluss. Der Höhepunkt wird am langsamsten erzählt.

4. Erzählerische Mittel: anschaulich und lebendig schreiben

Mit erzählerischen Mitteln machst du deine Geschichte lebendig. Die Leserinnen und Leser sollen das Geschehen wie einen Film vor sich sehen.

Treffende Verben: Statt „gehen“ schreibst du „rennen“, „schleichen“ oder „stolpern“. Jedes dieser Verben zeigt genauer, was passiert.

Anschauliche Adjektive: Statt „ein Regen“ schreibst du „ein heftiger, kalter Regen“. Adjektive helfen, sich Dinge vorzustellen. Setze sie aber gezielt ein und nicht in jeden Satz.

Gefühle und Gedanken: Zeige, was die Hauptfigur fühlt. Statt „Lea hatte Angst“ kannst du schreiben: „Leas Herz klopfte bis zum Hals.“

Wörtliche Rede: Wenn Figuren sprechen, wird die Szene lebendig. Ein kurzer Ruf wie „Halt, die Kasse!“ wirkt stärker als ein langer Bericht.

Vergleiche: Mit „wie“ verbindest du zwei Dinge, um etwas anschaulich zu machen. Zum Beispiel: „Die Münzen glitzerten wie kleine Sterne in der Pfütze.“

Orts- und Zeitangaben: Wörter wie „plötzlich“, „im selben Moment“ oder „neben dem Stand“ ordnen das Geschehen und erhöhen die Spannung.

Mustertext, für diese Seite geschrieben (Höhepunkt):
Plötzlich prasselte ein heftiger Regen auf den Schulhof. Lea griff nach der Kasse, doch ihre Finger rutschten ab. Mit einem lauten Platsch landete die Kasse in einer Pfütze. Der Deckel sprang auf. Münzen rollten in alle Richtungen und glitzerten wie kleine Sterne im Wasser. „Schnell, alle helfen!“, rief Lea.

5. Zeitform und Erzählperspektive

Erzählungen schreibt man meist im Präteritum, also in der einfachen Vergangenheit. Beispiele sind „sie rief“, „er lief“ und „die Kasse fiel“. Bleibe beim Präteritum und wechsle nicht ohne Grund in das Präsens.

Die wörtliche Rede steht dagegen oft im Präsens, denn so sprechen die Figuren in dem Moment. „Schnell, alle helfen!“ ist deshalb richtig, auch wenn der übrige Text im Präteritum steht.

Außerdem entscheidest du, wer erzählt. In der Ich-Form erzählt die Hauptfigur selbst: „Ich griff nach der Kasse.“ In der Er-Form oder Sie-Form erzählt jemand von außen: „Lea griff nach der Kasse.“ Wähle eine Form und bleibe in der ganzen Geschichte dabei. Ein Wechsel mitten im Text verwirrt die Leserinnen und Leser.

Zuletzt suchst du eine passende Überschrift. Sie soll neugierig machen, aber das Ende nicht verraten. „Die verschwundene Kasse“ ist spannender als „Wie wir das Geld wiederfanden“.

So brauchst du es im Beruf

Auch in Firmen werden Geschichten erzählt, zum Beispiel in einer Zeitung für die Mitarbeitenden. Die Schülerfirma schreibt für die Schülerzeitung eine kurze Erzählung über ihren ersten Verkaufstag.

Mustertext, für diese Seite geschrieben:
Es war Freitag, der erste Verkaufstag unserer Schülerfirma. Ich stand nervös hinter dem Stand und zählte das Wechselgeld. Plötzlich bildete sich eine lange Schlange. Meine Hände zitterten wie Blätter im Wind. Doch nach zehn Minuten lief alles wie von selbst. Am Ende war jeder Muffin verkauft.
Stelle im Text erzählerisches Mittel Woran du es erkennst
„Es war Freitag, … unserer Schülerfirma.“ Einleitung Ort und Zeit werden genannt
„Ich stand nervös …“ Ich-Form Die Hauptfigur erzählt selbst
„Plötzlich bildete sich …“ Zeitangabe erhöht die Spannung
„wie Blätter im Wind“ Vergleich Verbindung mit „wie“
„Am Ende war jeder Muffin verkauft.“ Schluss zeigt den Ausgang

Die Erzählung ist kurz, aber vollständig. Sie macht neugierig auf die Schülerfirma und zeigt, wie der erste Tag ablief.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Den Höhepunkt in einem Satz erzählen den Höhepunkt ausführlich und langsam erzählen Er ist der spannendste Teil.
Zwischen Präteritum und Präsens springen durchgehend im Präteritum erzählen Sonst wird die Geschichte unklar.
Mitten im Text von „ich“ zu „sie“ wechseln bei einer Erzählform bleiben Ein Wechsel verwirrt.
Die Reizwörter nur am Rand erwähnen die Reizwörter in die Handlung einbauen Sie sollen eine echte Rolle spielen.
Die Überschrift verrät das Ende. Die Überschrift macht neugierig. Sonst fehlt die Spannung.

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