BwR Realschule Bayern · Klasse 8 · Lernbereich 6 (LehrplanPLUS)

Unternehmen und Staat: Umsatzsteuerzahllast, Gewerbesteuer und Gebühren

Holzwerk Brandl kauft mit Vorsteuer ein und verkauft mit Umsatzsteuer. Am 10. des Monats will das Finanzamt Geld sehen – aber wie viel? In diesem Lernbereich lernst du, die Umsatzsteuerzahllast zu berechnen und zu buchen, die Gewerbesteuer zu ermitteln und zu unterscheiden, welche Abgaben den Gewinn mindern und welche nur durchlaufen.

1. Die Umsatzsteuer ist eine Endverbrauchsteuer

Die Umsatzsteuer wird auf jeder Stufe berechnet, aber getragen wird sie erst am Ende – vom Endverbraucher. Jedes Unternehmen führt nur die Steuer auf den Wert ab, den es selbst hinzugefügt hat. Beim Regelsatz sind das 19 %, bei bestimmten Leistungen wie Lebensmitteln, Büchern oder Trinkwasser nur 7 %.

Der Mehrwert von Holzwerk Brandl

Verkauf von Tischen (netto) 25.000,00 €
– Einkauf von Buchenholz (netto) 10.000,00 €
= Mehrwert 15.000,00 €
Die Umsatzsteuer wandert durch die Kette Sägewerkverkauft Holznetto 10.000,00 €Holzwerk Brandlbaut Tischenetto 25.000,00 €Möbelhändlerverkauft weiterEndverbraucherzahlt und trägt Mehrwert 15.000,00 € Holzwerk Brandl führt nicht die ganze Umsatzsteuer ab, sondern nur die Steuer auf den eigenen Mehrwert: 19 % von 15.000,00 € = 2.850,00 € Für Unternehmen ist die Umsatzsteuer daher ein Durchlaufposten – bezahlt wird sie am Ende der Kette.

19 % von 15.000,00 € sind 2.850,00 € – genau die Zahllast.

Merke: Für das Unternehmen ist die Umsatzsteuer ein Durchlaufposten. 4800 UST ist eine Schuld gegenüber dem Finanzamt, 2600 VORST eine Forderung an das Finanzamt. Keines der beiden Konten ist Aufwand oder Ertrag – das ist der wichtigste Satz dieses Lernbereichs.

2. Die Umsatzsteuerzahllast berechnen und buchen

Am Monatsende stehen alle Beträge auf den beiden Konten. Die Vorsteuer wird auf das Umsatzsteuerkonto umgebucht, dann bleibt genau die Zahllast übrig. So sieht das Konto von Holzwerk Brandl im November aus:

Soll 4800 UST Haben
2600 VORST 2.850,00 € 2400 FO 4.750,00 €
2400 FO 1.900,00 €

Nebenrechnung Umsatzsteuerzahllast

Umsatzsteuer (4.750,00 € + 1.900,00 €) 6.650,00 €
– Vorsteuer 2.850,00 €
= Umsatzsteuerzahllast 3.800,00 €
So entsteht die Zahllast Umsatzsteuer aus Verkäufen 6.650,00 € Haben – Vorsteuer aus Einkäufen 2.850,00 € Soll = Zahllast 3.800,00 € Buchung der Überweisung: 4800 UST an 2800 BK 3.800,00 €

Die Zahllast ist der Überhang der Umsatzsteuer über die Vorsteuer.

Buchungssatz Überweisung der Zahllast an das Finanzamt

4800 UST 3.800,00 € an 2800 BK 3.800,00 €

Und wenn die Vorsteuer größer ist?

Das kommt vor, wenn ein Unternehmen viel investiert und wenig verkauft hat. Beispiel: Umsatzsteuer 1.200,00 €, Vorsteuer 3.000,00 €. Dann entsteht ein Vorsteuerüberhang von 1.800,00 € – das Finanzamt erstattet diesen Betrag, statt Geld zu bekommen.

Die Anmeldung heißt Umsatzsteuervoranmeldung und wird elektronisch übermittelt, in der Regel monatlich bis zum 10. des Folgemonats. In der Prüfung wird bisher nur die Berechnung der Zahllast und der Buchungssatz der Überweisung verlangt.

3. Die Gewerbesteuer: eine Ertragsteuer

Anders als die Umsatzsteuer trägt Holzwerk Brandl die Gewerbesteuer selbst. Sie hängt vom Gewinn ab und geht an die Gemeinde. Gerechnet wird in drei Schritten, und die Gemeinde bestimmt über den Hebesatz mit.

Nebenrechnung Gewerbesteuer

Gewinn (Gewerbeertrag) 180.000,00 €
– Freibetrag 24.500,00 €
= steuerpflichtiger Gewerbeertrag 155.500,00 €
Gewerbesteuermessbetrag: 3,50 % · 155.500,00 € : 100 5.442,50 €
Gewerbesteuer: 400 % · 5.442,50 € : 100 21.770,00 €
Gewerbesteuer in drei Schritten Gewinn (Gewerbeertrag)180.000,00 €– Freibetrag24.500,00 €steuerpflichtiger Gewerbeertrag155.500,00 €Messbetrag (3,50 %)5.442,50 €Gewerbesteuer (Hebesatz 400 %)21.770,00 € Der Hebesatz wird von der Gemeinde festgelegt – deshalb ist die Steuer örtlich verschieden.

Freibetrag, Messzahl, Hebesatz – die Reihenfolge ist fest.

Buchungssatz Gewerbesteuer

7000 GWST 21.770,00 € an 2800 BK 21.770,00 €

Merke: Der Freibetrag von 24.500,00 € gilt für Einzelunternehmen und Personengesellschaften, nicht für Kapitalgesellschaften. Der Hebesatz ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden – deshalb zahlt derselbe Gewinn in Rosenheim einen anderen Betrag als im Nachbarort. Für Unternehmen ist das ein Argument bei der Standortwahl.

4. Weitere Steuern und Gebühren

Holzwerk Brandl zahlt noch mehr an den Staat. Für jede Abgabe gibt es ein eigenes Aufwandskonto:

Abgabe Wofür Konto Betrag
Gewerbesteuer Gewinn des Betriebs 7000 GWST 21.770,00 €
Grundsteuer Betriebsgrundstück 7020 GRST 1.200,00 €
Kfz-Steuer Transporter 7030 KFZST 480,00 €
Gebühren Trinkwasser, Müll, Grundbuch 6730 GEB 500,00 €

Buchungssatz Grundsteuer

7020 GRST 1.200,00 € an 2800 BK 1.200,00 €

Buchungssatz Kfz-Steuer

7030 KFZST 480,00 € an 2800 BK 480,00 €

Bei Gebühren ist eine Besonderheit zu beachten: Sie sind eine Gegenleistung für eine konkrete Leistung – und damit oft umsatzsteuerpflichtig. Der Trinkwasserbescheid über 535,00 € enthält 7 % Umsatzsteuer:

Nebenrechnung Gebührenbescheid

Rechnungsbetrag (inkl. 7 %) 535,00 €
Netto: 535,00 € : 1,07 500,00 €
Vorsteuer 35,00 €

Buchungssatz Gebührenbescheid

6730 GEB 500,00 €
2600 VORST 35,00 € an 4400 VE 535,00 €

Steuer oder Gebühr? Eine Steuer zahlst du ohne Anspruch auf eine bestimmte Gegenleistung. Eine Gebühr zahlst du für eine konkrete Leistung – Trinkwasser, Müllabfuhr, Eintrag ins Grundbuch. Genau diese Unterscheidung wurde 2024 und 2026 abgefragt.

Was mindert den Gewinn – und was nicht? Aufwand kein Aufwand 7000 GWST Gewerbesteuer 21.770,00 € 7020 GRST Grundsteuer 1.200,00 € 7030 KFZST Kfz-Steuer 480,00 € 6730 GEB Gebühren 500,00 € zusammen 23.950,00 € 4800 UST Umsatzsteuer 2600 VORST Vorsteuer Beide sind Verrechnungskonten: Schuld oder Forderung, nie Aufwand Prüfungsfrage: „Erläutere die Auswirkung der Gewerbesteuer auf den Erfolg.“ Antwort: Sie ist Aufwand, verringert den Gewinn und damit das Eigenkapital.

Als Aufwand wirken 23.950,00 € – die Umsatzsteuer nicht.

5. Direkte und indirekte Steuern

Für die Einordnung reicht eine Frage: Zahlt derjenige die Steuer, der sie am Ende auch trägt? Bei direkten Steuern ja, bei indirekten Steuern nein.

Direkte und indirekte Steuern Steuern direkte Steuern Zahler = Träger indirekte Steuern Zahler ist nicht der Träger Einkommensteuer Gewerbesteuer · 7000 GWST Grundsteuer · 7020 GRST Kfz-Steuer · 7030 KFZST Umsatzsteuer · 4800 UST Energiesteuer Tabaksteuer Kaffeesteuer Direkte Steuern trägt das Unternehmen selbst – sie mindern den Gewinn. Die Umsatzsteuer wird nur weitergeleitet und ist kein Aufwand.

Die Umsatzsteuer ist die bekannteste indirekte Steuer – der Kunde trägt sie, das Unternehmen führt sie ab.

Der Staat braucht diese Einnahmen für Aufgaben, von denen Holzwerk Brandl selbst profitiert: Straßen und Brücken für die Auslieferung, Schulen und Berufsschulen für die Ausbildung der Fachkräfte, Gerichte, Polizei, Feuerwehr, soziale Sicherung. In den Prüfungen wird dazu gern eine Statistik der Steuereinnahmen vorgelegt, aus der ein prozentualer Anteil oder ein Anstieg zu berechnen ist.

6. Rechtliche Rahmenbedingungen und Subventionen

Der Staat kassiert nicht nur, er setzt auch Regeln – und er fördert. Drei Rechtsgebiete solltest du zuordnen können:

Der Staat setzt die Spielregeln Arbeitsrecht Kündigungsschutz Mindestlohn Arbeitszeit, Urlaub Jugendarbeitsschutz Wettbewerbsrecht Verbot von Preisabsprachen Kartellverbot Verbot irreführender Werbung Markenschutz Umweltschutz Abfalltrennung Grenzwerte für Emissionen Lärmschutz Holz aus nachhaltiger Forst Der Staat fördert auch: Subventionen und Zuschüsse für Investitionen, Ausbildung, Energieeffizienz Vorschriften kosten Geld – sie schützen aber Beschäftigte, Kunden und Umwelt.

Arbeitsrecht, Wettbewerbsrecht, Umweltschutz – dazu Subventionen als Förderung.

Diese Vorschriften kosten Geld und wirken damit auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit: Wer hohe Umweltstandards und Löhne einhält, produziert teurer als ein Betrieb in einem Land ohne solche Regeln. Umgekehrt entstehen dadurch Qualität, Sicherheit und ein Ruf, für den Kunden zahlen. Mit Subventionen gleicht der Staat einen Teil dieser Belastung aus – etwa mit Zuschüssen für energieeffiziente Maschinen oder für die Ausbildung.

Antwortmuster für die Prüfung: Nenne die konkrete Vorschrift, nenne ihre Wirkung auf das Unternehmen (Kosten, Aufwand, Einschränkung) und nenne ihren Zweck (Schutz von Beschäftigten, Kunden oder Umwelt). Damit sind die Punkte vollständig.

7. So prüft die Abschlussprüfung

Wozu brauchst du das? Weil du jeden Tag Umsatzsteuer zahlst, ohne es zu merken – bei jedem Einkauf. Hier siehst du, wohin dieses Geld läuft, warum ein Unternehmen es nur weiterleitet und wofür der Staat es verwendet. Und ohne diesen Lernbereich verstehst du in Klasse 9 und 10 keinen einzigen Buchungssatz mit Vorsteuer.

Prüfung Aufgabe Was verlangt wurde
2024 Haupttermin Aufgabe 7 Aussagen zu Steuern als richtig oder falsch bewerten, prozentualen Anstieg der Steuereinnahmen berechnen, Gewerbesteuer aus Gewinn 176.300 €, Freibetrag 24.500 €, Messzahl 3,5 % und Hebesatz 390 %, Auswirkung der Gewerbesteuer auf den Erfolg erläutern, Kaminkehrergebühren über 6730 GEB buchen
2026 Haupttermin Aufgabe 7 Staatsaufgabe nennen, Aussagen bewerten, Anteil der Lohn- und Einkommensteuer berechnen, Zahllast aus einem vorgelegten T-Konto ermitteln und die Überweisung buchen, Trinkwassergebühren mit 7 % Umsatzsteuer buchen, Gewerbesteuer aus Gewinn 228.300 € und Hebesatz 320 %

Merke: Vier Dinge musst du sicher können: (1) Umsatzsteuerzahllast = Umsatzsteuer minus Vorsteuer, (2) die Überweisung 4800 UST an 2800 BK, (3) die Gewerbesteuer über Freibetrag, Messbetrag und Hebesatz, (4) die Unterscheidung Steuer gegen Gebühr und Aufwand gegen Durchlaufposten.

Dieser Lernbereich ist die Grundlage für alles, was danach kommt. Jede Eingangsrechnung in Klasse 9 und 10 trägt Vorsteuer, jede Ausgangsrechnung Umsatzsteuer, und bei jedem Forderungsausfall wird die Umsatzsteuer korrigiert. Wenn du hier sicher bist, verstehst du die Hälfte aller späteren Buchungssätze von selbst.

Weiterlernen: Die Umsatzsteuerzahllast begleitet diese Lernbereiche:

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