BwR Realschule Bayern · Klasse 8 · Lernbereich 5 (LehrplanPLUS)

Lohnabrechnung buchen: Entgeltabrechnung, Sozialversicherung und Personalbeschaffung

Eine Lohnabrechnung zu lesen und zu buchen ist der Kern dieses Lernbereichs. Holzwerk Brandl beschäftigt sechs Personen in der Werkstatt. Am Monatsende muss Katharina Brandl abrechnen: Was bekommt jede und jeder überwiesen, was geht ans Finanzamt, was an die Krankenkasse? In diesem Lernbereich lernst du die Entgeltabrechnung und ihre Buchung – und warum Personal den Arbeitgeber deutlich mehr kostet als die Summe der Bruttolöhne.

Unser Betrieb auf dieser Seite: das Holzwerk Brandl e. Kfr., eine Möbelmanufaktur in Rosenheim. Inhaberin ist Katharina Brandl, eingetragene Kauffrau. Der Betrieb stellt zwei Produkte her: den Massivholztisch „Chiemsee“ und das Regalsystem „Wendelstein“. Wir rechnen die Löhne und Gehälter ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab.

1. Von brutto zu netto

Das Bruttoentgelt ist das, was im Arbeitsvertrag steht. Davon behält der Arbeitgeber Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ein und leitet sie weiter. Übrig bleibt das Nettoentgelt – das Geld auf dem Konto.

Entgeltabrechnung eines Facharbeiters

Bruttoentgelt 3.200,00 €
– Lohnsteuer 400,00 €
– Kirchensteuer (8 % der Lohnsteuer) 32,00 €
– Sozialversicherung Arbeitnehmeranteil (20 %) 640,00 €
= Nettoentgelt 2.128,00 €
Von brutto zu netto – eine Entgeltabrechnung Bruttoentgelt3.200,00 €– Lohnsteuer400,00 €– Kirchensteuer (8 % der Lohnsteuer)32,00 €– Sozialversicherung AN (20 %)640,00 €Nettoentgelt2.128,00 € Vom Bruttoentgelt bleiben 2.128,00 € übrig – 33,50 % gehen als Abzüge weg.

Von 3.200,00 € brutto bleiben 2.128,00 € netto – die Abzüge machen 33,50 % aus.

Woher kommen die Prozentsätze? Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeitrag stehen in der Prüfung immer in der Angabe. Die 20 % oben sind ein gerundeter Beispielwert – die Beitragssätze ändern sich fast jedes Jahr. Fest ist dagegen die Kirchensteuer: in Bayern 8 % von der Lohnsteuer, nicht vom Bruttoentgelt. Das ist eine beliebte Falle.

2. Die Lohnabrechnung buchen

Für alle 6 Beschäftigten zusammen ergibt sich diese Abrechnung:

Monatsabrechnung gesamt

Bruttolöhne 24.000,00 €
– Lohnsteuer 3.000,00 €
– Kirchensteuer 240,00 €
– Sozialversicherung Arbeitnehmeranteil 4.800,00 €
= Nettolöhne (Überweisung) 15.960,00 €

Buchungssatz Entgeltabrechnung

6200 LG 24.000,00 € an 2800 BK 15.960,00 €
4830 VFA 3.240,00 €
4840 VSV 4.800,00 €
Wer bekommt das Geld? Bruttoentgelt 6200 LG · 3.200,00 € Beschäftigte 2.128,00 € 2800 BK Finanzamt 432,00 € 4830 VFA Sozialkassen 640,00 € 4840 VSV Das Unternehmen behält Steuern und Beiträge ein und leitet sie weiter. Aufwand ist immer das Bruttoentgelt – nicht das, was überwiesen wird. Deshalb steht 6200 LG mit 3.200,00 € im Soll, obwohl nur 2.128,00 € das Konto verlassen. 4830 VFA und 4840 VSV sind Verbindlichkeiten – Geld, das noch weitergegeben werden muss.

Drei Empfänger, ein Bruttobetrag – so entsteht der Buchungssatz.

Merke: Aufwand ist das Bruttoentgelt auf 6200 LG, nicht die Überweisung. Die einbehaltenen Steuern (4830 VFA) und Beiträge (4840 VSV) sind Verbindlichkeiten – das Unternehmen hält das Geld nur kurz und gibt es weiter.

3. Der Arbeitgeberanteil – die versteckten Kosten

Jetzt kommt der Teil, den viele übersehen. Zur Sozialversicherung zahlt der Arbeitgeber denselben Betrag wie die Beschäftigten. Dieser Anteil steht auf keiner Lohnabrechnung, ist für Holzwerk Brandl aber echter Aufwand.

Buchungssatz Arbeitgeberanteil

6400 AGASV 4.800,00 € an 4840 VSV 4.800,00 €
Die vier Zweige der Sozialversicherung Beitrag 9.600,00 € im Monat Kranken-versicherungArzt, Klinik, MedikamentePflege-versicherungPflege im AlterRenten-versicherungRente, RehaArbeitslosen-versicherungArbeitslosengeld Arbeitnehmeranteil 4.800,00 € · 4840 VSV Arbeitgeberanteil 4.800,00 € · 6400 AGASV Beide zahlen die Hälfte – abgeführt wird die Summe von 9.600,00 €.

Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung – vier Zweige, ein gemeinsamer Beitrag.

Damit stehen auf dem Konto 4840 VSV jetzt beide Anteile, und die Krankenkasse bekommt die Summe:

Buchungssatz Abführung der Sozialversicherungsbeiträge

4840 VSV 9.600,00 € an 2800 BK 9.600,00 €

Buchungssatz Abführung der Steuern an das Finanzamt

4830 VFA 3.240,00 € an 2800 BK 3.240,00 €
Vier Buchungen, ein Monat von der Abrechnung bis zur letzten Überweisung Abrechnung6200 LG an 2800 BK,4830 VFA, 4840 VSVAG-Anteil6400 AGASVan 4840 VSVBeiträge ab4840 VSVan 2800 BK 9.600,00 €Steuern ab4830 VFAan 2800 BK Nach der letzten Buchung sind 4830 VFA und 4840 VSV wieder ausgeglichen. Als Aufwand bleiben 6200 LG und 6400 AGASV stehen – zusammen 28.800,00 €.

Vier Buchungen – danach sind die beiden Verbindlichkeitskonten wieder leer.

Nebenrechnung Personalkosten

Bruttolöhne 24.000,00 €
+ Arbeitgeberanteil (20 % vom Brutto) 4.800,00 €
= Personalkosten 28.800,00 €
Was Personal den Arbeitgeber kostet Bruttolöhne 24.000,00 € 6200 LG + AG-Anteil 4.800,00 € 6400 AGASV · 20 % vom Brutto Personalkosten 28.800,00 € Bei 6 Beschäftigten sind das 4.800,00 € je Kopf und Monat. Der Arbeitgeberanteil steht in keiner Lohnabrechnung – er kostet trotzdem.

28.800,00 € für 6 Beschäftigte – 4.800,00 € je Kopf und Monat.

Merke: Merksatz für die Prüfung: Personalkosten = Bruttolohn + Arbeitgeberanteil. Wer nur den Bruttolohn rechnet, unterschätzt die Kosten um 20 %.

4. Entgeltformen: Zeit oder Leistung?

Wie das Entgelt berechnet wird, ist eine Entscheidung des Unternehmens. Beim Zeitentgelt zählt die Anwesenheitszeit, beim Leistungsentgelt die erbrachte Menge. Dazu kommt als dritte Form die Gewinnbeteiligung.

Vergleich für einen Monat

Zeitentgelt: 160 Stunden zu 20,00 € 3.200,00 €
Leistungsentgelt: 320 Tischplatten zu 10,00 € 3.200,00 €
bei 352 Platten (10 % mehr) 3.520,00 €

Bei Normalleistung sind beide Formen gleich hoch. Schafft der Beschäftigte zehn Prozent mehr, verdient er 320,00 € zusätzlich – beim Zeitentgelt nicht.

Entgeltform Vorteil Nachteil
Zeitentgelt planbar, kein Druck, gut bei sorgfältiger Arbeit kein Anreiz, schneller zu arbeiten
Leistungsentgelt leistungsgerecht, Anreiz zu höherer Menge Gefahr für Qualität und Gesundheit
Gewinnbeteiligung bindet Beschäftigte an den Unternehmenserfolg unsicher – in schlechten Jahren gibt es nichts

Die Höhe des Entgelts hängt von mehreren Bestimmungsfaktoren ab: Qualifikation und Ausbildung, Berufserfahrung, Verantwortung, Belastung der Tätigkeit, Tarifvertrag, Branche und Region sowie der Lage am Arbeitsmarkt.

Lohngerechtigkeit

Gleiche Arbeit sollte gleich bezahlt werden. Tatsächlich verdienen Frauen in Deutschland im Durchschnitt weniger als Männer. Ein Rechenbeispiel, wie es in der Prüfung vorkommt:

Nebenrechnung Entgeltlücke

Entgelt A 3.200,00 €
Entgelt B 2.944,00 €
Unterschied: 256,00 € · 100 : 3.200,00 € 8 %

Bei solchen Aufgaben wird eine begründete Beurteilung erwartet, keine Meinung. Argumentiere mit den Bestimmungsfaktoren: Sind Qualifikation, Erfahrung und Verantwortung gleich, ist ein Entgeltunterschied nicht sachlich begründet.

5. Personalbeschaffung und Arbeitsformen

Eine Mitarbeiterin geht in Rente. Katharina Brandl kann die Stelle intern besetzen – durch Versetzung oder eine interne Stellenausschreibung – oder extern über eine Stellenanzeige, die Bundesagentur für Arbeit oder eine Zeitarbeitsfirma.

Woher kommt die neue Mitarbeiterin? Stelle ist frei intern extern Versetzung interne Stellenausschreibung Aufstieg nach Weiterbildung Stellenanzeige Bundesagentur für Arbeit Zeitarbeitsfirma schnell, günstig, motiviert aber: die alte Stelle ist jetzt frei frische Ideen, große Auswahl aber: teurer, Einarbeitung nötig

Beide Wege haben Vor- und Nachteile – in der Prüfung wird die Begründung bewertet, nicht die Wahl.

Bei der Bewerberauswahl zählen zwei Arten von Qualifikation. Fachliche Qualifikationen sind Ausbildung, Zeugnisse, Berufserfahrung, Zusatzkenntnisse. Überfachliche Qualifikationen sind Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Sorgfalt, Belastbarkeit, Freundlichkeit. Für eine Möbelmanufaktur zählt beides: Wer nicht sorgfältig arbeitet, produziert teuren Ausschuss.

Arbeitsform Was das bedeutet Chance / Risiko
Normalarbeitsverhältnis unbefristet, in Vollzeit, sozialversicherungspflichtig Sicherheit und volle Ansprüche / wenig Flexibilität
Teilzeit verkürzte Arbeitszeit vereinbar mit Familie oder Pflege / weniger Entgelt und weniger Rente
geringfügige Beschäftigung Minijob mit Entgeltgrenze einfacher Einstieg, kaum Abzüge / kaum soziale Absicherung
Leiharbeit Anstellung bei einer Zeitarbeitsfirma schneller Einstieg, Flexibilität für den Betrieb / unsicher, häufige Wechsel

Arbeit und Digitalisierung gehört ausdrücklich zum Lernbereich: Homeoffice und mobiles Arbeiten sparen Wege und erleichtern die Vereinbarkeit mit der Familie, erschweren aber die Trennung von Arbeit und Freizeit. In der Werkstatt von Holzwerk Brandl ist Homeoffice ohnehin nicht möglich – im Büro schon.

Freiwillige betriebliche Sozialleistungen sind Zusatzleistungen ohne gesetzliche Pflicht: Fahrtkostenzuschuss, betriebliche Altersvorsorge, Weiterbildung, Jobrad, Essenszuschuss. Sie kosten Geld, binden aber Fachkräfte – ein Argument, das in Beurteilungsaufgaben gut trägt.

6. So prüft die Abschlussprüfung

Wozu brauchst du das? Weil du deine erste Lohnabrechnung verstehen willst. Genau dann fragt man sich, warum von 3.200 € nur 2.128 € ankommen und wer die Differenz bekommt. Hier steht die Antwort. Und in der Abschlussprüfung ist die Entgeltbuchung eine der sichersten Punktequellen in Teil A.

Der Personalbereich steht regelmäßig in den Pflichtaufgaben, und die Entgeltbuchung ist dort der Punktebringer. Die Rechenwege oben sind genau in der amtlichen Form aufgeschrieben:

Prüfung Aufgabe Was verlangt wurde
2024 Haupttermin Aufgabe 2 Art der Personalbeschaffung benennen, Auswahlkriterium nennen, Führungsstil aus einer Beschreibung erkennen, Buchungssatz Entgeltabrechnung mit 6200 LG, 4830 VFA und 4840 VSV, Buchungssatz Arbeitgeberanteil, Abführung der Beiträge, prozentualer Anstieg aus einer Statistik
2026 Haupttermin Aufgabe 4 Angaben aus einem Liniendiagramm entnehmen, Arbeitsform benennen, Nettoentgelt aus dem Bruttoentgelt ermitteln, Buchungssatz Entgeltabrechnung und Arbeitgeberanteil, Organisationsform (Mehrliniensystem) begründen

Das ISB stellt zu diesem Lernbereich außerdem eine kommentierte Leistungsaufgabe bereit (Stand 30.07.2020) mit den drei Anforderungsbereichen Reproduktion, Reorganisation und Problemlösung. Diese Formate kommen dort vor:

Format So klingt die Frage
Fachbegriff wiedergeben Nenne zwei Wege der internen Personalbeschaffung.
Auswahlkriterien zusammenstellen Stelle vier Kriterien zusammen, nach denen Holzwerk Brandl die Bewerbungen vorauswählen kann – fachliche und überfachliche.
Chancen und Risiken erläutern Erläutere je eine Chance und ein Risiko der Teilzeitarbeit für eine Beschäftigte mit kleinen Kindern.
Infografik auswerten Entnimm der Grafik den Anteil der Teilzeitbeschäftigten und berechne die Veränderung in Prozent.
Entgelthöhe begründen Begründe anhand von zwei Bestimmungsfaktoren, warum der Meister mehr verdient als der Auszubildende.
Lohngerechtigkeit beurteilen Beurteile den Entgeltunterschied zwischen zwei Beschäftigten mit gleicher Qualifikation.

Merke: Vier Dinge der Lohnabrechnung musst du sicher können: (1) brutto minus Lohnsteuer minus Kirchensteuer minus Sozialversicherung, (2) die Kirchensteuer von der Lohnsteuer, nicht vom Brutto, (3) den Buchungssatz mit 6200 LG im Soll und drei Konten im Haben, (4) den Arbeitgeberanteil über 6400 AGASV als zusätzlichen Aufwand.

Damit hast du den Personalbereich zusammen. Wie die Löhne später in die Kostenrechnung einfließen, siehst du in Klasse 10: Dort werden aus den Fertigungslöhnen die Fertigungskosten – und aus den Verwaltungsgehältern die Verwaltungsgemeinkosten.

Weiterlernen: Die Lohnabrechnung hängt mit diesen Lernbereichen zusammen:

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

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