BwR Realschule Bayern · Klasse 7 · Lernbereich 4 (LehrplanPLUS)
Aufwand und Ertrag buchen: Werkstoffe einkaufen, Fertigerzeugnisse verkaufen
In Lernbereich 3 hast du nur Bestände verschoben – die Bilanzsumme änderte sich, der Gewinn nicht. Jetzt kommt der Teil, der den Erfolg verändert: Holzwerk Brandl kauft Holz, verarbeitet es zu Tischen und verkauft sie. Dabei entstehen Aufwand und Ertrag – und daraus der Gewinn.
Unser Betrieb auf dieser Seite: das Holzwerk Brandl e. Kfr., eine Möbelmanufaktur in Rosenheim. Inhaberin ist Katharina Brandl, eingetragene Kauffrau. Der Betrieb stellt zwei Produkte her: den Massivholztisch „Chiemsee“ und das Regalsystem „Wendelstein“. Wir erfassen den Produktionsprozess buchhalterisch – vom Einkauf der Werkstoffe bis zum Verkauf der Erzeugnisse.
Wie in Lernbereich 3 haben die Konten hier noch keine Nummern. AWR, AWF, AWH, AWB und UEFE sind die amtlichen Kürzel des Lehrplans für Klasse 7.
1. Der betriebliche Produktionsprozess
Jedes Fertigungsunternehmen arbeitet nach demselben Muster: einkaufen, herstellen, verkaufen. Für die Buchführung sind davon zwei Stationen wichtig – die erste kostet Geld, die letzte bringt Geld.
Beschaffung erzeugt Aufwand, Absatz erzeugt Ertrag.
Merke: Aufwand ist der Wert dessen, was das Unternehmen verbraucht. Ertrag ist der Wert dessen, was es erwirtschaftet. Beides hat mit Geld zu tun, aber nicht mit dem Zeitpunkt der Zahlung: Eine Rechnung auf Ziel ist sofort Aufwand, auch wenn erst in vier Wochen gezahlt wird.
2. Vier Werkstoffarten
Bevor du buchen kannst, musst du wissen, was gekauft wurde. Der Lehrplan unterscheidet vier Arten, und jede hat ihr eigenes Aufwandskonto.
Buchenholz ist Rohstoff, Leim ist Hilfsstoff – der Unterschied liegt im Anteil am fertigen Tisch.
| Werkstoffart | Was sie ist | Beispiel bei Holzwerk Brandl | Konto |
|---|---|---|---|
| Rohstoffe | Hauptbestandteil des Erzeugnisses | Buchenholz | AWR |
| Fremdbauteile | fertig zugekauftes Teil | Beschläge, Rollen | AWF |
| Hilfsstoffe | Nebenbestandteil, geht mit ein | Leim, Schrauben, Lack | AWH |
| Betriebsstoffe | wird beim Herstellen verbraucht | Maschinenöl, Strom, Sägeblätter | AWB |
Die Prüfungsfrage lautet fast immer: „Nenne die Werkstoffart und begründe.“ Die Begründung bringt den Punkt: „Rohstoff, weil das Buchenholz Hauptbestandteil des Tisches wird.“
3. Vor dem Einkauf: Angebote vergleichen
Zwei Sägewerke bieten dasselbe Holz an – aber zu unterschiedlichen Preisen und mit unterschiedlichem Sofortrabatt. Gebraucht werden 200 Quadratmeter.
Angebot 1
| Listenpreis (200 m² zu 50,00 €) | 10.000,00 € |
| – Sofortrabatt 10 % | 1.000,00 € |
| = Warenwert | 9.000,00 € |
Angebot 2
| Listenpreis (200 m² zu 48,00 €) | 9.600,00 € |
| – Sofortrabatt 5 % | 480,00 € |
| = Warenwert | 9.120,00 € |
Angebot 1 ist um 120,00 € günstiger.
Antwortsatz für die Prüfung: Holzwerk Brandl sollte Angebot 1 wählen, weil der Warenwert mit 9.000,00 € um 120,00 € niedriger ist als bei Angebot 2.
Merke: Der Preis ist nicht alles. Der Lehrplan verlangt ausdrücklich, auch nichtmonetäre Faktoren zu berücksichtigen: Qualität des Holzes, Lieferzeit, Zuverlässigkeit, Entfernung, Nachhaltigkeit. Wenn das billigere Sägewerk erst in sechs Wochen liefert, ist es das teurere.
4. Einkäufe buchen
Holzwerk Brandl nimmt Angebot 1. Die Rechnung sieht so aus:
Der Sofortrabatt wird abgezogen, bevor die Umsatzsteuer berechnet wird.
Eingangsrechnung Buchenholz, 9.000,00 € netto, auf Ziel
| AWR | 9.000,00 € | |||
| VORST | 1.710,00 € | an | VE | 10.710,00 € |
Die drei anderen Werkstoffarten laufen genauso – nur mit anderem Konto und anderer Zahlungsart:
Beschläge für 1.000,00 € netto auf Ziel
| AWF | 1.000,00 € | |||
| VORST | 190,00 € | an | VE | 1.190,00 € |
Leim und Schrauben für 400,00 € netto, bar bezahlt
| AWH | 400,00 € | |||
| VORST | 76,00 € | an | KA | 476,00 € |
Maschinenöl für 600,00 € netto, per Bank
| AWB | 600,00 € | |||
| VORST | 114,00 € | an | BK | 714,00 € |
Merke: Das Muster ist immer gleich: Aufwandskonto und Vorsteuer im Soll, das Zahlungskonto im Haben. Nur zwei Dinge ändern sich – welches AW-Konto (je nach Werkstoffart) und welches Gegenkonto (VE bei Ziel, KA bei bar, BK bei Bank).
5. Verkäufe buchen
Aus dem Holz entstehen Tische. Holzwerk Brandl verkauft 30 Stück zu je 600,00 € auf Ziel.
Nebenrechnung Ausgangsrechnung
| Warenwert (30 Tische zu 600,00 €) | 18.000,00 € |
| + Umsatzsteuer 19 % | 3.420,00 € |
| = Rechnungsbetrag | 21.420,00 € |
Ausgangsrechnung Fertigerzeugnisse
| FO | 21.420,00 € | an | UEFE | 18.000,00 € |
| UST | 3.420,00 € |
Aufwand und Ertrag verhalten sich spiegelbildlich – wie Aktiv- und Passivkonto.
Der häufigste Fehler: den Bruttobetrag als Ertrag buchen. Auf UEFE steht immer nur der Warenwert. Die Umsatzsteuer gehört dem Finanzamt und ist kein Ertrag des Unternehmens.
6. Aufwand und Ertrag zum Periodenerfolg verrechnen
Am Ende der Periode stellst du gegenüber, was hereingekommen und was verbraucht worden ist.
Nebenrechnung Periodenerfolg
| Erträge (UEFE) | 18.000,00 € |
| – Aufwendungen (AWR 9.000,00 €, AWF 1.000,00 €, AWH 400,00 €, AWB 600,00 €) | 11.000,00 € |
| = Gewinn | 7.000,00 € |
7.000,00 € bleiben übrig – das sind 38,89 % vom Ertrag.
Das ist der Periodenerfolg: der Gewinn oder Verlust eines bestimmten Zeitraums. Wie diese Zahl buchhalterisch über das Konto GUV ermittelt und ins Eigenkapital überführt wird, lernst du in Lernbereich 5.
7. Was du sicher können musst
Wozu brauchst du das? Weil hier zum ersten Mal Gewinn entsteht – und Gewinn ist der Grund, warum es Unternehmen überhaupt gibt. Wer den Unterschied zwischen Aufwand und Ertrag verstanden hat, versteht später jede Gewinn- und Verlustrechnung. Und ganz praktisch: Diese vier Buchungssätze sind dieselben, die dir in Klasse 8, 9 und 10 immer wieder begegnen – dann nur mit Kontonummern.
Merke: Vier Dinge musst du sicher können: (1) die vier Werkstoffarten und ihre Konten AWR, AWF, AWH, AWB, (2) den Warenwert nach Abzug des Sofortrabatts, (3) Aufwandskonto und Vorsteuer im Soll gegen das Zahlungskonto, (4) beim Verkauf steht nur der Warenwert auf UEFE, die Umsatzsteuer getrennt auf UST.
Wenn dir die Umsatzsteuer noch Mühe macht, geh zurück in Lernbereich 3 – dort steht der Aufbau jeder Rechnung. Und in Lernbereich 5 werden alle Konten, die du hier kennengelernt hast, ordentlich abgeschlossen.
Weiterlernen: Vorher und nachher:
- Bilanz und erste Buchungssätze – Klasse 7
- Abschluss über GUV und SBK – Klasse 7
- Einstandspreis berechnen – Klasse 8
Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.
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