BwR Realschule Bayern · Klasse 7 · Lernbereich 5 (LehrplanPLUS)

Reingewinn ermitteln: Abschluss über GUV, Eigenkapital und Schlussbilanzkonto

Das Geschäftsjahr ist vorbei. Auf den Konten von Holzwerk Brandl stehen jetzt lauter Zahlen – und daraus muss eine einzige Antwort werden: Hat sich das Jahr gelohnt? In diesem Lernbereich lernst du, die Konten in der richtigen Reihenfolge abzuschließen, den Reingewinn zu ermitteln und die Schlussbilanz aufzustellen. Damit ist der Kreis geschlossen, der in Lernbereich 3 mit der Eröffnungsbilanz begonnen hat.

Unser Betrieb auf dieser Seite: das Holzwerk Brandl e. Kfr., eine Möbelmanufaktur in Rosenheim. Inhaberin ist Katharina Brandl, eingetragene Kauffrau. Der Betrieb stellt zwei Produkte her: den Massivholztisch „Chiemsee“ und das Regalsystem „Wendelstein“. Wir strukturieren ihre Geschäftsbuchführung: Konten eröffnen, abschließen und den Erfolg ermitteln.

1. Die Reihenfolge des Abschlusses

Ein Geschäftsjahr läuft immer gleich ab. Die letzten beiden Schritte sind der Abschluss – und ihre Reihenfolge ist nicht beliebig.

Vier Schritte durch das Geschäftsjahr 1. EröffnenAnfangsbestände ausder Eröffnungsbilanz2. Buchenlaufende Fälle imGrund- und Hauptbuch3. ErfolgAufwand und Ertragan GUV4. BeständeBestandskontenan SBK Die Reihenfolge ist Pflicht: erst der Erfolg, dann die Bestände. Sonst fehlt dem Eigenkapital der Gewinn und die Bilanz geht nicht auf. Schritt 3 und 4 heißen zusammen: der Abschluss.

Erst der Erfolg, dann die Bestände – nie umgekehrt.

Schritt Was passiert Warum in dieser Reihenfolge
1 Anfangsbestände in die Bestandskonten übernehmen aus der Eröffnungsbilanz, Aktivkonten im Soll, Passivkonten im Haben
2 laufende Geschäftsfälle buchen jeder Beleg zuerst ins Grundbuch, dann ins Hauptbuch
3 Aufwands- und Ertragskonten über GUV abschließen erst danach steht der Reingewinn fest
4 GUV über EK abschließen und Bestandskonten über SBK das Eigenkapital muss den Gewinn enthalten, sonst geht die Bilanz nicht auf

2. Das Konto GUV und der Reingewinn

Alle Aufwandskonten wandern auf die Sollseite des GUV-Kontos, alle Ertragskonten auf die Habenseite. Was zum Ausgleich fehlt, ist der Erfolg.

Nebenrechnung Reingewinn

Erträge (UEFE) 18.000,00 €
– Aufwendungen (AWR 9.000,00 €, AWF 1.000,00 €, AWH 400,00 €, AWB 600,00 €) 11.000,00 €
= Reingewinn 7.000,00 €
Das Konto GUV Soll Haben Aufwendungen 11.000,00 € Reingewinn 7.000,00 € Erträge 18.000,00 € Der Reingewinn ist kein Ertrag – er ist der Saldo, der beide Seiten gleich macht. Buchung: GUV an EK 7.000,00 € Bei einem Reinverlust wäre es umgekehrt: EK an GUV.

Die kleinere Seite wird durch den Saldo aufgefüllt – hier die Sollseite.

Abschluss der Aufwandskonten

GUV 11.000,00 € an AWR 9.000,00 €
AWF 1.000,00 €
AWH 400,00 €
AWB 600,00 €

Abschluss des Ertragskontos

UEFE 18.000,00 € an GUV 18.000,00 €

Merke: Beim Abschluss wird jedes Konto auf der schwächeren Seite ausgeglichen. Ein Aufwandskonto hat seinen Bestand im Soll – also wird es im Haben ausgeglichen, und der Betrag landet im Soll des GUV-Kontos. Beim Ertragskonto ist es umgekehrt.

3. Das Eigenkapital als Nahtstelle

Jetzt kommt der wichtigste Satz dieses Lernbereichs: Der Gewinn gehört der Inhaberin. Er wird deshalb nicht ausgezahlt, sondern dem Eigenkapital zugeschlagen – das Unternehmen ist um diesen Betrag mehr wert.

Abschluss des GUV-Kontos

GUV 7.000,00 € an EK 7.000,00 €

Nebenrechnung Eigenkapital

Eigenkapital am Jahresanfang 250.000,00 €
+ Reingewinn 7.000,00 €
= Eigenkapital am Jahresende 257.000,00 €
Das Eigenkapital ist die Nahtstelle Bestandskonten GR, MA, FO, BK, VE … was das Unternehmen hat Erfolgskonten AWR, AWF, AWH, AWB, UEFE was es verbraucht und verdient GUV EK 257.000,00 € Gewinn Über das Eigenkapital treffen sich beide Welten: Der Gewinn aus der Erfolgsrechnung fließt hinein, und von dort geht es in die Bilanz. Deshalb ist das Eigenkapital am Jahresende ein anderes als am Jahresanfang.

Über das Eigenkapital treffen sich Bestandsrechnung und Erfolgsrechnung.

Deshalb nennt der Lehrplan das Eigenkapital ausdrücklich die Nahtstelle. Es ist das einzige Konto, das sowohl in der Bilanz steht als auch den Gewinn aus der Erfolgsrechnung aufnimmt. Bei einem Reinverlust läuft es genau umgekehrt: EK an GUV – das Eigenkapital wird kleiner.

4. Schlussbilanzkonto und Schlussbilanz

Zum Schluss werden die Bestandskonten abgeschlossen. Ihre Schlussbestände sammeln sich im Schlussbilanzkonto – einem ganz normalen Konto mit Soll und Haben.

Abschluss eines Aktivkontos (Beispiel Bank)

SBK 39.286,00 € an BK 39.286,00 €

Abschluss eines Passivkontos (Beispiel Verbindlichkeiten)

VE 45.900,00 € an SBK 45.900,00 €
Schlussbilanzkonto und Schlussbilanz Schlussbilanzkonto (SBK) Soll Haben alle Aktiva alle Passiva 486.320,00 € 486.320,00 € ein Konto in der Buchführung Schlussbilanz Aktiva Passiva Vermögen Kapital 486.320,00 € 486.320,00 € ein Bericht nach außen Dieselben Zahlen, zwei Zwecke: Das Konto gehört in die Buchführung, die Bilanz ist der Bericht für Bank, Finanzamt und Inhaberin. Merke: Soll entspricht Aktiva, Haben entspricht Passiva.

Das SBK ist ein Konto, die Schlussbilanz ein Bericht – die Zahlen sind identisch.

Schlussbilanz zum 31.12. Aktiva Passiva GR Grundstücke200.000,00 €MA Maschinen120.000,00 €BGA Geschäftsausstattung40.000,00 €Vorräte Rohstoffe24.000,00 €FO Forderungen57.420,00 €VORST Vorsteuer2.090,00 €BK Bankguthaben39.286,00 €KA Kassenbestand3.524,00 €EK Eigenkapital257.000,00 €LBKV Darlehen (langfristig)150.000,00 €KBKV Bankkredit (kurzfristig)30.000,00 €VE Verbindlichkeiten45.900,00 €UST Umsatzsteuer3.420,00 € 486.320,00 € 486.320,00 € Aktiva = Passiva – die Probe ist bestanden.

Der freie Raum auf der Passivseite ist mit der Buchhalternase abgeschlossen, damit dort nichts nachgetragen werden kann.

Nebenrechnung Vergleich der Bilanzen

Bilanzsumme am Jahresanfang 464.000,00 €
Bilanzsumme am Jahresende 486.320,00 €
= Wachstum 22.320,00 €

Der Lehrplan verlangt, die beiden Bilanzen zu vergleichen und zu interpretieren. Für Holzwerk Brandl heißt das: Die Bilanzsumme ist um 22.320,00 € gewachsen, das Eigenkapital um 7.000,00 € (2,80 %). Das Unternehmen hat also verdient. Aber Vorsicht bei der Antwort: Ein großer Teil des Wachstums steckt in den Forderungen (57.420,00 €) – das Geld ist noch nicht auf dem Konto. Genau solche Einschränkungen bringen in der Beurteilung die Punkte.

5. Inventurdifferenzen

Am Jahresende wird gezählt – und manchmal stimmt der gezählte Bestand nicht mit dem überein, was die Buchführung sagt. Die Buchführung liefert den Sollbestand, die Inventur den Istbestand.

Nebenrechnung Inventurdifferenz

Sollbestand laut Buchführung 24.000,00 €
– Istbestand laut Inventur 23.400,00 €
= Fehlbestand 600,00 €
Wenn die Inventur etwas anderes sagt Sollbestand laut Buchführung 24.000,00 € Istbestand laut Inventur 23.400,00 € – 600,00 € Mögliche Ursachen: Schwund, Bruch, Diebstahl, Messfehler bei der Inventur oder ein Buchungsfehler. Gilt immer der Istbestand: Was gezählt wurde, ist da – der Rest ist weg.

600,00 € fehlen – das sind 2,50 % des Sollbestands.

Mögliche Ursache Beispiel bei Holzwerk Brandl
Schwund Holz trocknet aus und verliert an Gewicht
Bruch und Verderb eine Platte reißt beim Transport
Diebstahl Material verschwindet aus dem Lager
Messfehler bei der Inventur falsch gezählt oder falsch gemessen
Buchungsfehler ein Beleg wurde übersehen oder doppelt erfasst

Merke: In die Bilanz kommt immer der Istbestand. Was nicht mehr da ist, kann nicht mehr aufgeführt werden – auch wenn es in den Büchern steht. Die Differenz wird als Aufwand erfasst.

6. Was du sicher können musst

Wozu brauchst du das? Weil hier zum ersten Mal die Frage beantwortet wird, um die es in der ganzen Buchführung geht: Hat sich das Jahr gelohnt? Genau diese Rechnung – Erträge minus Aufwendungen, Gewinn ins Eigenkapital – machst du in Klasse 10 in der Abschlussprüfung wieder, dann nur mit mehr Konten. Und privat ist es dieselbe Rechnung wie bei deinem eigenen Konto: Was kam rein, was ging raus, was bleibt übrig?

Merke: Vier Dinge musst du sicher können: (1) die Reihenfolge – erst GUV, dann EK, dann SBK. (2) Aufwendungen im Soll des GUV, Erträge im Haben, der Saldo ist der Erfolg. (3) Reingewinn: GUV an EK, Reinverlust: EK an GUV. (4) Aktiva stehen im Soll des SBK, Passiva im Haben – und beide Summen müssen gleich sein.

Damit ist die Buchführung der Klasse 7 komplett: Lernbereich 3 hat die Bilanz und die Bestandskonten gebracht, Lernbereich 4 die Erfolgskonten, Lernbereich 5 den Abschluss. In Klasse 8 kommt derselbe Kreislauf noch einmal – dann mit dem Industriekontenrahmen und vierstelligen Kontonummern.

Weiterlernen: Das gehört dazu:

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