Mathematik · Mittelschule Bayern · Klasse 9 · Regelklasse und M-Zug · Lernbereich 6: Wahrscheinlichkeiten · LehrplanPLUS

Wahrscheinlichkeiten: Laplace, Gegenereignis und Baumdiagramm

In Klasse 8 hast Du Zufallsversuche ausprobiert und die relative Häufigkeit gezählt. Jetzt rechnest Du die Wahrscheinlichkeit vorher aus – ohne einen einzigen Wurf. Dafür brauchst Du drei Werkzeuge: die Laplace-Formel, das Gegenereignis und das Baumdiagramm.

Du bist an einer anderen Schulart? Dasselbe Thema gibt es auf dem jeweiligen Niveau auch für Realschule Klasse 9 · Wirtschaftsschule Klasse 6.

Regelklasse oder M-Zug? Der Grundstoff ist für beide Züge gleich und ist Quali-Stoff. Der M-Zug hat einen Abschnitt zusätzlich – er ist unten gekennzeichnet.

1. Ergebnismenge und Ereignis

Merke: die beiden Grundbegriffe

  • Die Ergebnismenge enthält alle möglichen Ausgänge. Beim Würfel: \( \{1;\,2;\,3;\,4;\,5;\,6\} \) – sechs Ergebnisse.
  • Ein Ereignis ist eine Auswahl daraus, beschrieben durch eine Bedingung. „Gerade Augenzahl“ ist das Ereignis \( \{2;\,4;\,6\} \) – drei günstige Ergebnisse.

\( P(E) = \dfrac{\text{Anzahl der günstigen Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}} \)

Voraussetzung: Alle Ergebnisse müssen gleich wahrscheinlich sein – ein Laplace-Experiment. Bei einem Glücksrad mit ungleich großen Feldern gilt die Formel nicht.

Beispiel: Würfel und Urne

a) Ein fairer Würfel wird einmal geworfen. Wie wahrscheinlich ist eine gerade Augenzahl?

\( P(\text{gerade}) = \dfrac{3}{6} = \dfrac{1}{2} = 0{,}5 = 50\ \% \)

b) In einer Urne liegen 3 rote und 2 blaue Kugeln. Es wird einmal gezogen.

\( P(\text{rot}) = \dfrac{3}{5} = 0{,}6 = 60\ \% \)

Drei Schreibweisen, ein Wert: Bruch, Dezimalzahl, Prozent. In der Prüfung wird oft ausdrücklich nach einer bestimmten verlangt – lies die Aufgabe genau.

2. Das Gegenereignis

Merke

Das Gegenereignis \( \overline{E} \) enthält alles, was nicht zu \( E \) gehört. Zusammen decken beide die ganze Ergebnismenge ab:

\( P(\overline{E}) = 1 – P(E) \)

Wann es sich lohnt: immer bei dem Wort „mindestens“. Statt viele Fälle einzeln zu addieren, rechnest Du einmal das Gegenteil aus und ziehst es von 1 ab.

Beispiel

a) Aus der Urne mit 3 roten und 2 blauen Kugeln:

\( P(\text{nicht rot}) = 1 – 0{,}6 = 0{,}4 = 40\ \% \)

Kontrolle über das direkte Abzählen: 2 von 5 Kugeln sind blau, also \( \frac{2}{5} = 0{,}4 \). Beide Wege führen zum selben Ergebnis.

b) Ein Würfel wird geworfen. Wie wahrscheinlich ist „mindestens 3“?

Das Gegenteil von „mindestens 3“ ist „höchstens 2“, also \( \{1;\,2\} \):

\( P(\text{mindestens } 3) = 1 – \dfrac{2}{6} = \dfrac{4}{6} = \dfrac{2}{3} \approx 66{,}7\ \% \)

Vorsicht mit der Sprache: „Mindestens 3“ schließt die 3 mit ein. Das Gegenteil ist also „höchstens 2“ und nicht „höchstens 3“.

3. Das Baumdiagramm

K Z ½ ½ K Z K Z ½½½½ P(KK) = ¼P(KZ) = ¼P(ZK) = ¼P(ZZ) = ¼

Merke: die beiden Pfadregeln

  • Entlang eines Pfades wird multipliziert.
  • Zwischen mehreren günstigen Pfaden wird addiert.

Kontrolle: Alle Pfadwahrscheinlichkeiten zusammen ergeben immer 1. Und die Wahrscheinlichkeiten, die von einem Knoten weggehen, ergeben ebenfalls 1.

Beispiel: zweimal Münze werfen

\( P(\text{zweimal Kopf}) = \dfrac{1}{2} \cdot \dfrac{1}{2} = \dfrac{1}{4} = 25\ \% \)

\( P(\text{genau einmal Kopf}) = \dfrac{1}{4} + \dfrac{1}{4} = \dfrac{1}{2} = 50\ \% \)

\( P(\text{mindestens einmal Kopf}) = 1 – P(ZZ) = 1 – \dfrac{1}{4} = \dfrac{3}{4} = 75\ \% \)

Kontrolle: \( \frac{1}{4} + \frac{1}{4} + \frac{1}{4} + \frac{1}{4} = 1 \) – das Baumdiagramm ist vollständig.

Bei „genau einmal“ sind es zwei Pfade: KZ und ZK. Wer nur einen zählt, halbiert das Ergebnis.

4. Gewinnchancen vergleichen

Beispiel: zwei Lostrommeln

Trommel A enthält 200 Lose, davon 30 Gewinne. Trommel B enthält 500 Lose, davon 70 Gewinne. Wo ist die Chance besser?

A: \( \dfrac{30}{200} = 0{,}15 = 15\ \% \qquad \) B: \( \dfrac{70}{500} = 0{,}14 = 14\ \% \)

Antwort: Trommel A ist besser, obwohl sie weniger Gewinne enthält. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern der Anteil. Genau diese Verwechslung nutzt Werbung gern aus.

Nur für den M-Zug: zwei unterscheidbare Würfel

Dieser Abschnitt gehört zum Lehrplan der Mittlere-Reife-Klasse M9. In der Regelklasse wird er nicht verlangt.

Merke: 36 statt 11 Ergebnisse

Werden zwei Würfel geworfen, denken viele zuerst an die Augensummen von 2 bis 12 – also elf Ergebnisse. Das ist kein Laplace-Experiment, denn die Summe 7 kommt viel häufiger vor als die Summe 2.

Richtig ist, die Würfel als unterscheidbar zu behandeln, zum Beispiel einen roten und einen blauen. Dann gibt es \( 6 \cdot 6 = 36 \) gleich wahrscheinliche Ergebnispaare – und die Laplace-Formel gilt wieder.

+ 123456 123456 777777 36 Felder P(Summe 7) = 6/36 = 1/6

Beispiel: vier Fragen an die 36er-Tabelle

a) Augensumme 7? In der Tabelle liegen sechs Felder auf der Diagonale:

\( P = \dfrac{6}{36} = \dfrac{1}{6} \approx 16{,}7\ \% \)

b) Pasch, also zweimal dieselbe Zahl? Das sind die Paare (1,1) bis (6,6):

\( P = \dfrac{6}{36} = \dfrac{1}{6} \)

c) Augensumme mindestens 10? Günstig sind (4,6), (5,5), (5,6), (6,4), (6,5) und (6,6):

\( P = \dfrac{6}{36} = \dfrac{1}{6} \)

d) Mindestens eine 6? Hier lohnt sich das Gegenereignis: „keine 6“ bedeutet, dass beide Würfel eine der Zahlen 1 bis 5 zeigen, also \( 5 \cdot 5 = 25 \) Fälle:

\( P = 1 – \dfrac{25}{36} = \dfrac{11}{36} \approx 30{,}6\ \% \)

Warum nicht \( \frac{2}{6} \)? Weil der Fall „zwei Sechsen“ sonst doppelt gezählt würde. Bei solchen Aufgaben ist das Gegenereignis fast immer der sichere Weg.

Typische Fehler

  • Bei „genau einmal“ nur einen Pfad gezählt.
  • Pfade addiert statt multipliziert.
  • Die Laplace-Formel bei ungleichen Feldern benutzt.
  • Eine Wahrscheinlichkeit größer als 1 angegeben.
  • Gewinnchancen über die Anzahl statt den Anteil verglichen.
  • Bei zwei Würfeln mit 11 statt 36 Ergebnissen gerechnet.

So machst Du es richtig

  • Alle günstigen Pfade einzeln markieren.
  • Entlang mal, zwischen plus.
  • Erst prüfen, ob alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind.
  • Kontrolle: \( P \) liegt zwischen 0 und 1.
  • Immer den Anteil bilden, dann vergleichen.
  • Würfel unterscheidbar denken: 36 Paare.

Die Formeln dieser Seite auf einen Blick

\( P(E) = \dfrac{\text{Anzahl der günstigen Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}} \)

Schreib Dir diese Formeln heraus. In der Prüfung gibt es schon Punkte für die richtig hingeschriebene Formel – auch dann, wenn sich beim Rechnen ein Fehler einschleicht.

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Grundlage: LehrplanPLUS Bayern, Mittelschule, Jahrgangsstufe 9, Lernbereich 6 „Wahrscheinlichkeiten“ (Fachlehrplan Mathematik, Regelklasse und Mittlere-Reife-Klasse). Alle Rechenbeispiele sind eigene Aufgaben und maschinell gegengerechnet.

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