Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 · Regelklasse und Mittlere-Reife-Klasse · Schreiben (LehrplanPLUS)

Zitate und indirekte Rede in den eigenen Text einbauen

Wer über einen Text schreibt, belegt seine Aussagen an der Textstelle. Ein Zitat allein überzeugt aber nicht, denn es muss in deinen Satz passen und zu deiner Aussage gehören. Das Kennzeichnen von Zitaten kennst du aus Jahrgangsstufe 7. Hier lernst du, sie anzukündigen, zu kürzen, die Fundstelle anzugeben und zu entscheiden, wann du lieber die indirekte Rede nimmst. Wie die indirekte Rede gebildet wird, setzt diese Seite voraus; das steht auf der Seite „Die indirekte Rede“.

1. Das Zitat belegt eine Aussage

Als Arbeitsgrundlage dient ein Auszug aus dem Erfahrungsbericht „Vier Wochen im Lager“ von Kerem Dobler. Titel, Verfasser und Text sind frei erfunden. Die Zeilen sind einzeln durchgezählt.

1Am ersten Tag stand ich zwischen den hohen Regalen und wusste nicht, wo ich anfangen sollte.

2Der Lagerleiter gab mir eine Liste und sagte: „Fang einfach an.“

3Schon nach einer Woche kannte ich jeden Gang im Lager.

4Die Arbeit war anstrengend, aber sie hat mir von Tag zu Tag mehr Spaß gemacht.

5Besonders gut gefiel mir, dass im Team jeder dem anderen geholfen hat.

6Am Ende der vier Wochen habe ich gemerkt, dass ich gern in einem Lager arbeiten würde.

7Das Praktikum war für mich, ehrlich gesagt, eine Probezeit, in der ich viel über mich selbst gelernt habe.

8Ich kann es jedem empfehlen, der noch nicht weiß, was er werden will.

Ein Textbeleg hat drei Teile. Zuerst steht deine Aussage über den Text. Dann folgt das Zitat als Beweis. Zuletzt erklärst du in eigenen Worten, was die Stelle zeigt. Ein Beispiel: Zu Beginn ist der Verfasser unsicher, denn er „wusste nicht, wo [er] anfangen sollte“ (Z. 1). Das zeigt, dass ihn die Größe des Lagers überfordert. Der erste Teil sagt, was du behauptest, der zweite belegt es, und der dritte deutet die Stelle.

Mit einem Verb des Sagens kündigst du an, was der Verfasser tut. Der Verfasser erzählt in der Ich-Form und in der Vergangenheit. Du schreibst trotzdem im Präsens und über ihn in der dritten Person: Der Verfasser berichtet. Das Verb wählst du nach der Absicht der Stelle.

Einleitungsverb Es passt, wenn der Verfasser …
schreibt, berichtet, erzählt etwas ohne besondere Wertung mitteilt
nennt, beschreibt etwas benennt oder darstellt
betont, hebt hervor etwas für besonders wichtig hält
erklärt, begründet einen Grund angibt
stellt fest eine Tatsache nüchtern festhält

2. Das Zitat in den eigenen Satz einbauen

Du kennst zwei Wege aus Jahrgangsstufe 7: Das Zitat steht als ganzer Satz nach einer Ankündigung, oder es ist ein Teil deines eigenen Satzes. Neu ist, dass dein Satz zusammen mit dem Zitat stimmen muss. Das Zitat selbst darfst du nicht verändern. Also passt du deinen Satz an das Zitat an und nicht umgekehrt. Der Verfasser nennt das Praktikum „eine Probezeit“ (Z. 7). Lies solch einen Satz am Ende einmal im Ganzen. Er muss richtig klingen, ohne dass im Zitat ein Wort geändert wurde.

Ein ganzer Satz wird mit einem Doppelpunkt angekündigt und beginnt groß. Die Fundstelle nennst du dann am besten schon in der Ankündigung: In Zeile 3 heißt es: „Schon nach einer Woche kannte ich jeden Gang im Lager.“ Ist das Zitat nur ein Teil deines Satzes, setzt du die Stelle in Klammern dahinter: Die Arbeit ist laut Verfasser „anstrengend“ (Z. 4). Der Punkt gehört dann zu deinem Satz und steht nach der Klammer.

Weg Beispiel Was du beachtest
ganzer Satz nach Doppelpunkt In Zeile 3 heißt es: „Schon nach einer Woche kannte ich jeden Gang im Lager.“ Doppelpunkt, großer Anfang, Punkt im Zitat; die Stelle steht in der Ankündigung
Satzteil im eigenen Satz Die Arbeit ist laut Verfasser „anstrengend“ (Z. 4). kein Doppelpunkt, kein Punkt im Zitat; die Stelle steht in Klammern, der Punkt danach

Merke: Das Zitat bleibt unverändert, dein Satz richtet sich nach ihm. Lass ein Zitat nie allein stehen: Davor steht deine Aussage, danach deine Deutung.

3. Kürzen, ergänzen und Zitat im Zitat

Du darfst ein Zitat kürzen, wenn die Aussage gleich bleibt. Was du weglässt, ersetzt du durch drei Punkte in eckigen Klammern. Das Original in Zeile 7 lautet: Das Praktikum war für mich, ehrlich gesagt, eine Probezeit, in der ich viel über mich selbst gelernt habe. Gekürzt wird daraus: Er schreibt: „Das Praktikum war für mich […] eine Probezeit“ (Z. 7). Nimm nur so viel, wie du für den Beleg brauchst, und kürze nie so, dass sich der Sinn ändert.

Passt ein Wort des Originals nicht in deinen Satz, ersetzt du es in eckigen Klammern. In Zeile 1 steht ich, du schreibst aber über den Verfasser. Deshalb heißt es „wusste nicht, wo [er] anfangen sollte“. Alles in eckigen Klammern stammt von dir, alles in Anführungszeichen vom Verfasser.

Steht im Zitat selbst wörtliche Rede, setzt du dafür einfache Anführungszeichen. In Zeile 2 sagt der Lagerleiter: „Fang einfach an.“ Zitierst du den ganzen Satz, wird daraus: In Zeile 2 heißt es: „Der Lagerleiter gab mir eine Liste und sagte: ‚Fang einfach an.‘“

Zeichen Bedeutung Beispiel
„ “ Anfang und Ende des wörtlichen Zitats „anstrengend“
[…] Auslassung: Wörter des Originals fehlen „Das Praktikum war für mich […] eine Probezeit“
[er] ein Wort ersetzt oder ergänzt, es stammt von dir „wusste nicht, wo [er] anfangen sollte“
‚ ‘ Zitat im Zitat „… sagte: ‚Fang einfach an.‘“

4. Die Stelle angeben

Jedes Zitat bekommt eine Stellenangabe, damit man es im Text wiederfindet. Die Klammer steht direkt hinter dem schließenden Anführungszeichen und vor dem Schlusspunkt deines Satzes. Beim ersten Zitat nennst du außerdem Titel und Verfasser in einem Einleitungssatz. Danach genügt die Stellenangabe. Bei sinngemäßer Wiedergabe und bei indirekter Rede schreibst du vgl. davor, die Abkürzung für vergleiche.

Textform Angabe Beispiel
Text mit durchgezählten Zeilen, eine Zeile (Z. 4) Die Arbeit ist laut Verfasser „anstrengend“ (Z. 4).
mehrere Zeilen, als Wiedergabe in eigenen Worten (vgl. Z. 4–5) Für den Verfasser zählen Spaß an der Arbeit und Teamgeist (vgl. Z. 4–5).
Text mit Seitenzahlen (anderer erfundener Text) (S. 12) Die Broschüre nennt den Zusammenhalt „das Wichtigste“ (S. 12).
Text mit Absätzen (anderer erfundener Text) (Abs. 2) Die Broschüre nennt den Zusammenhalt „das Wichtigste“ (Abs. 2).
sinngemäße Wiedergabe, indirekte Rede (vgl. Z. 2) Der Verfasser berichtet, der Lagerleiter habe ihm eine Liste gegeben (vgl. Z. 2).

5. Zitat oder indirekte Rede?

Nicht jede Stelle musst du wörtlich zitieren. Die Wahl hängt davon ab, was du zeigen willst. Beides darfst du in einem Absatz mischen: ein kurzes Zitat für das treffende Wort und indirekte Rede für den Rest.

Situation Besser Warum
Der genaue Wortlaut ist der Beweis oder besonders treffend. Zitat Nur das Zitat zeigt, was wirklich dasteht.
Die Stelle ist lang und umständlich, es zählt nur der Inhalt. indirekte Rede Du fasst in eigenen Worten kurz zusammen und lässt Ballast weg.
Du gibst eine Aussage weiter, ohne sie zu deiner eigenen zu machen. indirekte Rede Sie hält Abstand: Der Verfasser berichtet, …
Ein einzelnes Wort ist auffällig oder wertend. kurzes Zitat im Satz Das Wort bleibt erkennbar fremd und steht in Anführungszeichen.

Zwei Beispiele zu Zeile 2 und Zeile 8: Der Verfasser berichtet, der Lagerleiter habe ihm eine Liste gegeben und gesagt, er solle einfach anfangen (vgl. Z. 2). Der Verfasser betont, er könne das Praktikum jedem empfehlen, der noch nicht wisse, was er werden wolle (vgl. Z. 8). Die indirekte Rede steht ohne Anführungszeichen, durch ein Komma von der Einleitung getrennt, und die Stelle bekommt ein vgl.

So schreibst du es im Quali

Die Quali am Ende der Jahrgangsstufe 9 hat einen Prüfungsteil, den die Bekanntmachung „Teil D Schreiben“ nennt. Beziehst du dich dort auf einen vorgegebenen Text, gelten für jedes Zitat die Regeln dieser Seite. Der folgende eigene Ausschnitt bezieht sich auf den erfundenen Bericht aus Abschnitt 1.

Kerem Dobler beschreibt in seinem erfundenen Erfahrungsbericht „Vier Wochen im Lager“, wie sich sein Blick auf die Arbeit verändert. Zu Beginn ist er unsicher, denn er „wusste nicht, wo [er] anfangen sollte“ (Z. 1). Der Verfasser berichtet, der Lagerleiter habe ihm eine Liste gegeben und gesagt, er solle einfach anfangen (vgl. Z. 2). Die Arbeit ist zwar „anstrengend“, macht ihm aber „von Tag zu Tag mehr Spaß“ (Z. 4). Er schreibt: „Das Praktikum war für mich […] eine Probezeit“ (Z. 7). Mit diesem Wort macht er deutlich, dass er die Wochen im Lager nicht als Pflicht, sondern als Ausprobieren erlebt hat.

Bauteil Im Mustertext Woran du es erkennst
Einleitungssatz Kerem Dobler beschreibt in seinem erfundenen Erfahrungsbericht … nennt Verfasser, Titel und Thema; der Titel steht in Anführungszeichen
Zitat als Satzteil mit Ergänzung er „wusste nicht, wo [er] anfangen sollte“ (Z. 1) [er] ersetzt ich; die Stelle steht vor dem Punkt
indirekte Rede mit Stelle Der Verfasser berichtet, … (vgl. Z. 2) keine Anführungszeichen; vgl. vor der Zeile
zwei kurze Zitate „anstrengend“ und „von Tag zu Tag mehr Spaß“ (Z. 4) beide sind Satzteile; der Punkt steht erst nach der Klammer
Zitat mit Auslassung Er schreibt: „Das Praktikum war für mich […] eine Probezeit“ (Z. 7). […] zeigt, dass Wörter fehlen
eigene Deutung Mit diesem Wort macht er deutlich, … ein Satz in eigenen Worten, kein Zitat

Aussage, Beleg, Stelle, Deutung: Mit dieser Reihenfolge baust du jeden Absatz auf. So bereitest du dich auf Teil D der Quali vor, den Teil Schreiben.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Die Beispiele beziehen sich auf den Bericht aus Abschnitt 1. Suche in der Spalte Falsch zuerst selbst den Fehler und prüfe ihn dann am Original.

Falsch Richtig Warum
Der Verfasser nennt die Arbeit „sehr anstrengend“ (Z. 4). Der Verfasser nennt die Arbeit „anstrengend“ (Z. 4). In Zeile 4 steht nur anstrengend. Ein Zitat bleibt wortgetreu, es kommt kein Wort dazu.
Die Arbeit macht ihm „von Tag zu Tag mehr Spaß“. Die Arbeit macht ihm „von Tag zu Tag mehr Spaß“ (Z. 4). Ohne Stellenangabe findet niemand die Stelle im Text.
Der Verfasser nennt das Praktikum eine „Probezeit.“ (Z. 7) Der Verfasser nennt das Praktikum eine „Probezeit“ (Z. 7). Der Punkt gehört zu deinem Satz, nicht zum Zitat. Er steht erst nach der Klammer.
Er schreibt: „Das Praktikum war für mich eine Probezeit“ (Z. 7). Er schreibt: „Das Praktikum war für mich […] eine Probezeit“ (Z. 7). Weggelassene Wörter kennzeichnest du mit […]. Sonst sieht es aus, als stünde die Stelle so im Text.
Der Verfasser berichtet, „der Lagerleiter habe ihm eine Liste gegeben“. Der Verfasser berichtet, der Lagerleiter habe ihm eine Liste gegeben (vgl. Z. 2). Indirekte Rede ist kein wörtliches Zitat und steht ohne Anführungszeichen. Die Stelle bekommt ein vgl.
In Zeile 2 heißt es: „Der Lagerleiter gab mir eine Liste und sagte: „Fang einfach an.““ In Zeile 2 heißt es: „Der Lagerleiter gab mir eine Liste und sagte: ‚Fang einfach an.‘“ Wörtliche Rede innerhalb eines Zitats steht in einfachen Anführungszeichen.

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