Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 · nur Mittlere-Reife-Klasse · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Alle Wortarten mit den Modalformen
Auf einer Baustelle hörst du Sätze wie Du musst den Helm tragen und Du darfst das Gerät nicht anfassen. Beide Sätze nennen eine Tätigkeit, doch erst das kleine Wort davor sagt, ob sie Pflicht, Erlaubnis oder Verbot ist. Solche Wörter heißen Modalverben. Auf dieser Seite wiederholst du zuerst in einer Übersicht die Wortarten aus den Jahrgangsstufen 5 bis 7. Danach liegt der Schwerpunkt auf den sechs Modalverben und auf der Bedeutung, die sie einem Satz geben.
1. Die Wortarten im Überblick
Jedes Wort im Satz gehört zu einer Wortart. Die ersten sieben Wortarten der Tabelle kennst du aus den Jahrgangsstufen 5 bis 7. Adverb und Interjektion kommen hinzu, damit die Übersicht vollständig ist. Die Tabelle wiederholt nur, woran du jede Wortart erkennst.
| Wortart | Woran du sie erkennst | Beispiele |
|---|---|---|
| Nomen | bezeichnet Lebewesen, Dinge und Gedanken; hat einen Artikel; wird großgeschrieben | der Meister, die Werkstatt, die Geduld |
| Verb | sagt, was jemand tut oder was geschieht; wird nach Person und Zeit gebeugt | arbeiten: er arbeitet, wir arbeiteten |
| Adjektiv | sagt, wie etwas ist; passt seine Endung dem Nomen an | die schwere Kiste, ein kleiner Raum |
| Artikel | begleitet das Nomen und zeigt Geschlecht und Fall | der, die, das, ein, eine |
| Pronomen | steht für ein Nomen oder begleitet es | er, sie, unser, dieser |
| Präposition | steht vor einem Nomen, verlangt einen Fall und nennt Ort, Zeit oder Grund | in, auf, mit, wegen |
| Konjunktion | verbindet Wörter und Sätze | und, aber, weil, dass |
| Adverb | nennt Ort, Zeit oder Art; ändert seine Form nicht nach Fall, Zahl oder Person | heute, dort, gern |
| Interjektion | Ausruf oder Empfindungswort, steht oft allein | oh, ach, aua |
Merke: Veränderbar sind Nomen, Verb, Adjektiv, Artikel und Pronomen. Unveränderbar sind Präposition, Konjunktion, Adverb und Interjektion.
Welche Wortart ein Wort hat, entscheidet der Satz. In Wir essen in der Pause ist essen ein Verb. In Das Essen steht auf dem Tisch ist Essen ein Nomen, denn es hat einen Artikel und steht am Anfang groß. Frage dich deshalb bei jedem Wort dreimal: Kann ich einen Artikel davorsetzen? Lässt sich das Wort beugen? Welche Aufgabe hat es in diesem Satz?
Ein ganzer Satz zeigt das Vorgehen: Der junge Koch schneidet heute gern Zwiebeln, weil sie frisch sind. Der ist ein Artikel, junge ein Adjektiv, Koch und Zwiebeln sind Nomen. Schneidet und sind sind Verben. Heute und gern sind Adverbien, weil ist eine Konjunktion und sie ein Pronomen. Frisch steht nach sind und sagt, wie die Zwiebeln sind. Auch das ist ein Adjektiv.
2. Die Modalverben: Formen und Satzbau
Ein Modalverb steht zusammen mit einem zweiten Verb und sagt, wie das Geschehen gemeint ist: möglich, nötig, erlaubt oder gewollt. Es gibt sechs Modalverben: können, müssen, dürfen, sollen, wollen, mögen. Sie bilden keine eigene Wortart, sondern eine Gruppe innerhalb der Verben. Sie werden wie andere Verben gebeugt, haben aber in der Einzahl eine Besonderheit: Die erste und die dritte Person haben dieselbe Form, und es fehlt die Endung -t.
| Grundform | ich | du | er, sie, es | wir | ihr | sie |
|---|---|---|---|---|---|---|
| können | kann | kannst | kann | können | könnt | können |
| müssen | muss | musst | muss | müssen | müsst | müssen |
| dürfen | darf | darfst | darf | dürfen | dürft | dürfen |
| sollen | soll | sollst | soll | sollen | sollt | sollen |
| wollen | will | willst | will | wollen | wollt | wollen |
| mögen | mag | magst | mag | mögen | mögt | mögen |
Im Präteritum fällt bei können, müssen, dürfen und mögen der Umlaut weg, und es folgt -te: konnte, musste, durfte, mochte. Bei sollen und wollen heißt es sollte und wollte. Zu mögen gehört auch die Form möchte. Sie klingt höflicher als will: Ich möchte ein Praktikum machen.
Im Aussagesatz steht das Modalverb an zweiter Stelle. Das zweite Verb steht im Infinitiv ohne zu am Satzende: Mia muss die Kisten zählen. Beide Verben zusammen bilden das Prädikat. Das gebeugte Modalverb richtet sich nach dem Subjekt: Die Praktikantin darf, aber die Praktikanten dürfen. In einer Frage ohne Fragewort rückt das Modalverb an den Anfang: Darf ich die Maschine einschalten? Im Nebensatz steht das gebeugte Modalverb ganz am Ende: Der Meister sagt, dass Mia die Kisten zählen muss.
Merke: Nach einem Modalverb steht das zweite Verb im Infinitiv ohne zu. Das Modalverb trägt die Endung, das zweite Verb bleibt unverändert.
3. Welche Bedeutung ein Modalverb dem Satz gibt
Dieselbe Tätigkeit bedeutet etwas anderes, je nachdem, welches Modalverb davorsteht. Der Satz Mia packt die Ware aus sagt nur, dass es geschieht. Mit einem Modalverb sagt er, wie es gemeint ist: Mia muss die Ware auspacken ist eine Pflicht. Mia darf die Ware auspacken ist eine Erlaubnis. Mia soll die Ware auspacken ist der Auftrag eines anderen. Mia will die Ware auspacken ist ihr eigener Wunsch.
| Modalverb | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| können | Fähigkeit oder Möglichkeit | Der Geselle kann Fliesen verlegen. Die Lieferung kann heute noch kommen. |
| müssen | Notwendigkeit, Pflicht | Auf der Baustelle musst du einen Helm tragen. |
| dürfen | Erlaubnis | Nach der Einweisung darf die Praktikantin die Spülmaschine bedienen. |
| sollen | Auftrag oder Anweisung eines anderen | Die Köchin sagt, ich soll die Zwiebeln schneiden. |
| wollen | Absicht, Wunsch | Ben will Maler werden. |
| mögen, möchten | Vorliebe; höflicher Wunsch | Ich mag die Arbeit im Lager. Ich möchte mich um einen Praktikumsplatz bewerben. |
Vorsicht ist bei nicht nötig, denn nicht müssen und nicht dürfen sagen sehr Verschiedenes. Du musst die Tür nicht abschließen heißt: Es ist nicht nötig. Du darfst die Tür nicht abschließen heißt: Es ist verboten. Statt nicht müssen kannst du auch nicht brauchen mit zu sagen: Du brauchst die Tür nicht abzuschließen.
| Satz mit nicht | Bedeutung |
|---|---|
| Du musst nicht kommen. | Es ist nicht nötig, dass du kommst. |
| Du darfst nicht kommen. | Es ist dir verboten zu kommen. |
| Du kannst nicht kommen. | Es ist dir nicht möglich zu kommen. |
| Du sollst nicht kommen. | Jemand hat dir den Auftrag gegeben, wegzubleiben. |
| Du willst nicht kommen. | Du hast nicht die Absicht zu kommen. |
Merke: Nicht müssen heißt: nicht nötig. Nicht dürfen heißt: verboten.
Auch bei sollen und wollen lohnt sich der genaue Blick. Ich will nennt den eigenen Wunsch, du sollst den Auftrag eines anderen. In einem Bericht gibst du solche Aufträge oft weiter: Der Polier sagt, ich soll morgen früh kommen. Wer das Modalverb verwechselt, ändert die Frage, wessen Wille gemeint ist.
In Hausordnungen, Arbeitsanweisungen und Sicherheitsregeln entscheiden Modalverben über den Ton. Handschuhe müssen getragen werden ist eine Pflicht, Handschuhe dürfen getragen werden eine Erlaubnis. Wer eine Anweisung schreibt, wählt das Modalverb deshalb mit Bedacht. Zu viele müssen lassen den Text streng wirken. Mit können bleibt offen, ob etwas Pflicht oder nur möglich ist.
4. Modalverb, Vollverb und andere Wortarten
Manche Modalverben können auch allein stehen. Dann sind sie Vollverben und tragen die ganze Bedeutung selbst: Sie kann Englisch. Ich mag Tee. Er will ein ruhiges Zimmer. Steht dagegen ein zweites Verb im Infinitiv dabei, ist das Wort ein Modalverb: Ich mag nicht länger warten. Suche also immer zuerst, ob am Satzende ein zweites Verb im Infinitiv steht.
Die Bedeutung eines Modalverbs lässt sich auch mit anderen Wortarten ausdrücken. Daran siehst du, dass es um die Haltung zur Tätigkeit geht und nicht um die Tätigkeit selbst.
| Satz mit Modalverb | Umschreibung | Wortart des Schlüsselworts |
|---|---|---|
| Mia muss Handschuhe tragen. | Für Mia sind Handschuhe Pflicht. | Nomen: Pflicht |
| Mia darf den Raum betreten. | Für Mia ist der Zutritt erlaubt. | Adjektiv: erlaubt |
| Die Lieferung kann heute kommen. | Die Lieferung kommt vielleicht heute. | Adverb: vielleicht |
| Ben will Maler werden. | Ben hat die Absicht, Maler zu werden. | Nomen: Absicht |
Vielleicht ist kein Modalverb, auch wenn es etwas Ähnliches ausdrückt wie kann. Ein Verb erkennst du daran, dass es sich nach Person und Zeit verändert. Vielleicht bleibt immer gleich und ist deshalb ein Adverb.
So prüfst du es im Quali
Sprachbetrachtung bedeutet, ein Wort zu bestimmen und die Bestimmung zu begründen. Das Wort steht auch im Titel von Teil B der Quali: „Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben“. Prüfe zuerst die Wortart, dann die Wirkung im Satz, und probiere es an einem eigenen Text von der Baustelle.
Tarik macht ein Praktikum bei einem Zimmerer. Er darf schon die Bretter sägen, aber er muss dabei einen Gehörschutz tragen. Der Polier sagt, Tarik soll morgen früh kommen. Tarik will später selbst Zimmerer werden. Vielleicht kann er im Sommer im Betrieb bleiben.
| Textstelle | Wortart und Form | Bedeutung oder Erkennungszeichen |
|---|---|---|
| darf … sägen | Modalverb dürfen; sägen steht im Infinitiv am Satzende | Erlaubnis |
| aber | Konjunktion | verbindet zwei Hauptsätze und ändert sich nie |
| muss … tragen | Modalverb müssen; tragen im Infinitiv ohne zu | Pflicht |
| soll … kommen | Modalverb sollen | Auftrag des Poliers |
| will … werden | Modalverb wollen | Absicht von Tarik |
| Vielleicht | Adverb, kein Verb | bleibt unverändert; drückt Unsicherheit aus |
| Gehörschutz | Nomen | Artikel möglich (der Gehörschutz) und großgeschrieben |
So gehst du bei einem Text wie diesem vor. Erstens unterstreichst du die gebeugten Verben. Zweitens suchst du am Satzende nach einem Infinitiv ohne zu, denn dann ist das gebeugte Verb ein Modalverb. Drittens benennst du, was es ausdrückt: Pflicht, Erlaubnis, Auftrag, Absicht oder Möglichkeit. Viertens bestimmst du die übrigen Wörter mit der Tabelle aus Abschnitt 1.
Wer das zweite Verb sucht, das Modalverb bestimmt und seine Bedeutung benennt, bereitet sich auf Teil B der Quali vor und kann jede Antwort begründen.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
Lies zuerst nur die Spalte Falsch und suche den Fehler selbst. Erst danach lohnt sich der Blick auf die beiden anderen Spalten.
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Mia muss die Kisten zu zählen. | Mia muss die Kisten zählen. | Nach einem Modalverb steht der Infinitiv ohne zu. |
| Er kannt die Maschine bedienen. | Er kann die Maschine bedienen. | In der dritten Person Einzahl hat ein Modalverb keine Endung -t. |
| Im Lager musst du nicht rauchen. (gemeint ist ein Verbot) | Im Lager darfst du nicht rauchen. | Nicht müssen heißt: nicht nötig. Ein Verbot sagst du mit nicht dürfen. |
| Vielleicht ist ein Modalverb. | Vielleicht ist ein Adverb. | Ein Verb verändert sich nach Person und Zeit. Vielleicht bleibt immer gleich. |
| Ich will Sie um einen Praktikumsplatz bitten. | Ich möchte Sie um einen Praktikumsplatz bitten. | Will klingt wie eine Forderung. Möchte ist die höfliche Form für einen Wunsch. |
| Das Modalverb ist eine eigene Wortart. | Modalverben sind Verben. | Sie werden gebeugt und bilden mit dem zweiten Verb zusammen das Prädikat. |
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