Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 · nur Mittlere-Reife-Klasse · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Attribute und Schachtelsätze

In Stellenanzeigen, Berichten und Formularen stehen Sätze, die auf kleinem Raum viel sagen: Der erfahrene Meister der Werkstatt sucht einen neuen Praktikanten. Die Angaben vor und hinter den Nomen machen genauer, wer oder was gemeint ist. Sie heißen Attribute. Schieben sich in einem Satz mehrere Nebensätze ineinander, entsteht ein Schachtelsatz, den man nur mit Mühe versteht. Auf dieser Seite erkennst du beides, baust es selbst und löst es wieder auf.

1. Das Attribut: eine nähere Angabe zum Nomen

Ein Attribut gibt zu einem Nomen eine nähere Angabe und gehört fest zu ihm. Es ist kein eigenes Satzglied, sondern ein Teil eines Satzglieds. Du findest es mit einer Frage, die du an das Nomen stellst: Was für ein …? Welcher …? Wessen …?

Ein Beispiel: Der erfahrene Meister zeigt dem Praktikanten die Maschine des Betriebs. Der Satz hat vier Satzglieder: Der erfahrene Meister, zeigt, dem Praktikanten und die Maschine des Betriebs. Zwei davon enthalten ein Attribut. Was für ein Meister? Ein erfahrener. Wessen Maschine? Die des Betriebs.

Zwei Proben bestätigen das. Bei der Umstellprobe wandert das Attribut mit seinem Nomen: Die Maschine des Betriebs zeigt der erfahrene Meister dem Praktikanten. Allein lässt es sich nicht verschieben. Bei der Weglassprobe bleibt der Satz vollständig, er wird nur ungenauer: Der Meister zeigt dem Praktikanten die Maschine.

Merke: Ein Attribut ist Teil eines Satzglieds. Du erfragst es beim Nomen mit Was für ein?, Welcher? oder Wessen?, und es wandert bei der Umstellprobe mit seinem Nomen.

2. Vorangestellte und nachgestellte Attribute

Ein Attribut steht entweder vor seinem Nomen oder dahinter. Die vorangestellten Attribute sind meist Adjektive. Sie passen ihre Endung dem Nomen an: der rostige Nagel, die rostigen Nägel. Auch ein Partizip kann so vor einem Nomen stehen und verhält sich dann wie ein Adjektiv: der laufende Motor.

Die nachgestellten Attribute folgen dem Nomen. Das Genitivattribut steht im Genitiv: das Werkzeug des Meisters. Das Präpositionalattribut beginnt mit einer Präposition: der Schlüssel zum Lager. Der Attributsatz ist ein Nebensatz, der ein Nomen näher bestimmt. Er beginnt mit einem Relativpronomen (der, die, das), das ihn an das Nomen anschließt, und wird durch Kommas abgetrennt: die Kiste, die im Regal steht.

Art Frage Stellung Beispiel
Adjektivattribut, auch als Partizip Was für ein? vorangestellt die rostige Schraube, der laufende Motor
Genitivattribut Wessen? nachgestellt das Werkzeug des Meisters
Präpositionalattribut Was für ein? Welcher? nachgestellt der Schlüssel zum Lager
Attributsatz Was für ein? Welcher? nachgestellt die Kiste, die im Regal steht

Nicht jedes Wort neben einem Nomen ist ein Attribut. Der Artikel begleitet das Nomen, gibt aber keine nähere Angabe. Und ein Adjektiv nach ist steht nicht beim Nomen, sondern sagt etwas über das Subjekt aus: In Die Kiste ist schwer ist schwer kein Attribut. In die schwere Kiste ist es eines.

3. Attribute bilden und auflösen

Du kannst einen Satz mit Attributen ausbauen. Aus Der Schlüssel liegt im Schrank. wird mit zwei Attributen Der alte Schlüssel zum Lager liegt im Schrank. Frage dich dabei, was der Leser über das Nomen wissen muss: Wie sieht es aus, wem gehört es, wohin gehört es?

Ein Attribut lässt sich in einen Attributsatz umwandeln. Das nennt man Auflösen. Aus die rostige Schraube wird die Schraube, die rostig ist. Aus das Werkzeug des Meisters wird das Werkzeug, das dem Meister gehört. Aus der Schlüssel zum Lager wird der Schlüssel, der zum Lager passt.

Es geht auch in die Gegenrichtung. Der Motor, der läuft wird zum vorangestellten Attribut der laufende Motor. Dabei fällt das Relativpronomen weg, und das Verb wird zum Partizip vor dem Nomen.

Attribute machen Berichte und Anzeigen genau. Ein Satz mit vielen Attributen wirkt aber schwerfällig, weil der Leser lange auf das Verb warten muss. Setze deshalb nur die Angaben, die für den Leser wichtig sind.

4. Der Schachtelsatz: Nebensätze ineinander

Ein Satzgefüge besteht aus einem Hauptsatz und mindestens einem Nebensatz. Hängt ein Nebensatz nicht am Hauptsatz, sondern an einem anderen Nebensatz, ist ein Schachtelsatz entstanden. Die Nebensätze stecken dann ineinander wie Schachteln. Den Nebensatz am Hauptsatz nennt man Nebensatz ersten Grades, den Nebensatz am Nebensatz Nebensatz zweiten Grades.

Ein Beispiel von einer Behörde: Der Ausbilder teilt mit, dass der Praktikant, der sich im Betrieb beworben hat, erst kommen darf, wenn die Unterlagen vollständig sind. Zähle die gebeugten Verben: teilt … mit, hat … beworben, darf, sind. Das sind vier Teilsätze, also ein Hauptsatz und drei Nebensätze.

Teilsatz Art Hängt an
Der Ausbilder teilt mit Hauptsatz –
dass der Praktikant … erst kommen darf Nebensatz ersten Grades dem Hauptsatz
der sich im Betrieb beworben hat Nebensatz zweiten Grades (Attributsatz) dem dass-Satz, Bezugswort Praktikant
wenn die Unterlagen vollständig sind Nebensatz zweiten Grades dem dass-Satz

Du erkennst einen Schachtelsatz also an mehreren gebeugten Verben und an Nebensätzen, die nicht alle am Hauptsatz hängen. Mehrere Kommas allein genügen nicht. Auch eine Aufzählung wie Hammer, Zange, Feile hat Kommas, ohne dass Nebensätze vorkommen.

Schachtelsätze findest du in Bescheiden, Verträgen und Hausordnungen. Sie packen viel Information in einen Satz, sind aber schwer zu lesen, weil der Leser die Zusammengehörigkeit selbst herausfinden muss. Ein Schachtelsatz ist nicht falsch. Zu viele Ebenen machen ihn aber unübersichtlich.

5. Schachtelsätze auflösen und bilden

Zum Auflösen eines Schachtelsatzes gehst du in vier Schritten vor. Erstens unterstreichst du die gebeugten Verben und grenzt die Teilsätze an Kommas und Einleitewörtern ab. Zweitens fragst du bei jedem Nebensatz, an welchem Satz er hängt. Drittens machst du aus jedem Teilsatz einen eigenen Satz: Das Einleitewort entfällt, das Relativpronomen wird durch ein Nomen oder Pronomen ersetzt, und das Verb rückt an die zweite Stelle. Viertens bringst du die Sätze in eine sinnvolle Reihenfolge und ergänzst bei Bedarf Verbindungswörter.

Der Beispielsatz von oben wird so zu drei kurzen Sätzen: Der Praktikant hat sich im Betrieb beworben. Er darf erst kommen, wenn seine Unterlagen vollständig sind. Das teilt der Ausbilder mit. Jeder Satz hat nun höchstens einen Nebensatz.

Zum Bilden gehst du umgekehrt vor. Aus Der Bewohner wohnt im zweiten Stock. Er braucht Hilfe beim Duschen. Das berichtet die Pflegerin. wird: Die Pflegerin berichtet, dass der Bewohner, der im zweiten Stock wohnt, Hilfe beim Duschen braucht. Der Relativsatz steht direkt hinter seinem Bezugswort Bewohner, und der dass-Satz enthält ihn.

Merke: Bilde Schachtelsätze nur, wenn sie gut lesbar bleiben. Reichen zwei Ebenen nicht aus, teile die Information lieber auf mehrere Sätze auf.

So prüfst du es im Quali

Wie ein Satz gebaut ist, siehst du erst, wenn du ihn in seine Teile zerlegst. Dieses Zerlegen ist Sprachbetrachtung, und die steht im Titel des Quali-Teils „Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben“. Lies den folgenden eigenen Text aus einer Pflegeeinrichtung und suche Attribute und den Schachtelsatz.

Die Pflegerin zeigt dem neuen Praktikanten den kleinen Raum hinter der Küche. Dort hängt der Schlüssel zum Lager. Sie erklärt, dass der Praktikant, der heute beginnt, erst morgen allein arbeiten darf, wenn die Einweisung abgeschlossen ist. Er notiert sich die wichtigen Hinweise. Am Ende des Tages liest er die Notizen noch einmal.

Textstelle Was es ist Woran du es erkennst
„neuen“ vorangestelltes Adjektivattribut Was für ein Praktikant? Die Endung passt zum Nomen.
„der Schlüssel zum Lager“ nachgestelltes Präpositionalattribut Welcher Schlüssel? Der zum Lager.
„Ende des Tages“ nachgestelltes Genitivattribut Wessen Ende? Das des Tages. Es wandert mit seinem Nomen.
„wichtigen“ vorangestelltes Adjektivattribut Was für Hinweise? Wichtige.
dritter Satz Schachtelsatz vier gebeugte Verben: erklärt, beginnt, darf, ist – der Relativsatz und der wenn-Satz hängen am dass-Satz

Nomen suchen, Frage stellen, Teilsätze zählen: So gehst du Sätze für Teil B der Quali Schritt für Schritt durch.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Die folgenden Fehler passieren beim Bestimmen von Attributen und beim Auflösen von Schachtelsätzen am häufigsten. Versuche zuerst selbst, den Fehler in der Spalte Falsch zu finden.

Falsch Richtig Warum
Jedes Adjektiv ist ein Attribut. Nur ein Adjektiv beim Nomen ist ein Attribut: die schwere Kiste. In Die Kiste ist schwer ist es keines. Ein Attribut steht beim Nomen. Nach ist sagt das Adjektiv etwas über das Subjekt aus.
Ein Attribut ist ein eigenes Satzglied. Ein Attribut ist Teil eines Satzglieds. Bei der Umstellprobe wandert es mit seinem Nomen.
Der Artikel ist ein Attribut. Der Artikel begleitet das Nomen. Ein Attribut gibt eine nähere Angabe, ein Artikel nicht.
Ein Schachtelsatz ist jeder Satz mit zwei Kommas. Ein Schachtelsatz hat einen Nebensatz, der an einem anderen Nebensatz hängt. Kommas stehen auch in Aufzählungen. Zähle die gebeugten Verben und prüfe, woran jeder Nebensatz hängt.
Der Praktikant, der sich beworben hat. Er darf kommen. Der Praktikant hat sich beworben. Er darf kommen. Beim Auflösen muss jeder Teilsatz ein vollständiger Hauptsatz werden, mit dem Verb an zweiter Stelle.
Die Kiste die im Regal steht ist schwer. Die Kiste, die im Regal steht, ist schwer. Ein Attributsatz wird durch Kommas vom übrigen Satz abgetrennt.

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