Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 · Regelklasse und Mittlere-Reife-Klasse · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Die indirekte Rede

In der Werkstatt sagt der Meister etwas, und du gibst es an die Kollegen der Spätschicht weiter. Dabei wiederholst du seinen Satz nicht Wort für Wort, sondern berichtest, was er gesagt hat. Diese Form heißt indirekte Rede. Auf dieser Seite lernst du, sie zu erkennen und eine Äußerung richtig wiederzugeben. Wie der Konjunktiv gebildet wird, setzen wir voraus: Den Konjunktiv I kennst du aus der Jahrgangsstufe 7.

1. Wörtliche und indirekte Rede unterscheiden

Bei der wörtlichen Rede steht genau das, was jemand gesagt hat, in Anführungszeichen: Der Meister sagt: „Der Motor läuft wieder.“ Vor der Rede steht ein Doppelpunkt, und die sprechende Person redet aus ihrer eigenen Sicht, meist in der Ich-Form. Bei der indirekten Rede gibst du dieselbe Äußerung als Bericht weiter: Der Meister sagt, der Motor laufe wieder. Der Inhalt bleibt gleich, aber die Form ändert sich an mehreren Stellen zugleich.

Merkmal Wörtliche Rede Indirekte Rede
Anführungszeichen ja nein
Zeichen vor der Äußerung Doppelpunkt Komma
Person aus Sicht der Sprechenden: ich, wir, du aus Sicht der Berichtenden: er, sie
Verbform Indikativ meist Konjunktiv I
Beispiel Die Köchin sagt: „Ich bin fertig.“ Die Köchin sagt, sie sei fertig.

Fast immer gehört zur indirekten Rede eine Redeeinleitung. Sie nennt die sprechende Person und sagt, wie gesprochen wurde, etwa mit sagt, meint, erklärt, berichtet, fragt oder bittet. Sie steht meistens vorn, kann aber auch am Ende stehen: Der Motor laufe wieder, sagt der Meister. Dann trennt ebenfalls ein Komma die Redeeinleitung von der wiedergegebenen Äußerung.

Merke: Die indirekte Rede erkennst du an der Redeeinleitung, am fehlenden Anführungszeichen und am Konjunktiv. Dazu kommt der Wechsel der Person: Aus ich wird er oder sie.

Die fehlenden Anführungszeichen allein beweisen noch nichts. Ein Satz wie Der Motor läuft wieder. ist eine gewöhnliche Aussage, in der niemand zitiert wird. Von indirekter Rede sprichst du erst dann, wenn eine Person als Sprecherin oder Sprecher genannt wird und ihre Äußerung weitergegeben wird. Frage dich deshalb immer zuerst: Wer sagt das, und wird seine Äußerung wiedergegeben?

2. Aussagen wiedergeben: Schritt für Schritt

Eine Aussage gibst du in vier Schritten wieder. Erstens schreibst du die Redeeinleitung mit der sprechenden Person und einem Komma. Zweitens lässt du die Anführungszeichen weg. Drittens setzt du die Personen aus der Sicht der Berichtenden ein: Aus ich wird er oder sie, aus wir wird sie, aus mein wird sein oder ihr. Viertens setzt du das gebeugte Verb in den Konjunktiv I.

Ein Beispiel aus der Pflege: Die Pflegerin sagt: „Ich übernehme die Spätschicht.“ wird zu Die Pflegerin sagt, sie übernehme die Spätschicht. Ein zweites aus dem Lager: Der Lagerleiter sagt: „Meine Lieferung kommt morgen.“ wird zu Der Lagerleiter sagt, seine Lieferung komme morgen. Du kannst die Wiedergabe auch mit dass anschließen: Die Pflegerin sagt, dass sie die Spätschicht übernehme. Im dass-Satz rückt das Verb ans Ende.

Manchmal sieht der Konjunktiv I genauso aus wie der Indikativ. Das passiert vor allem, wenn aus wir das Wort sie wird, denn sie haben ist beides zugleich. Dann würde man in der Wiedergabe keinen Unterschied hören. Deshalb weichst du auf den Konjunktiv II aus, der in der Jahrgangsstufe 8 neu dazukommt. Die Gesellen sagen: „Wir haben Pause.“ wird zu Die Gesellen sagen, sie hätten Pause.

Klingt der Konjunktiv II wie das Präteritum, zum Beispiel bei sie packten, nimmst du die Form mit würden und dem Infinitiv: Die Gesellen sagen, sie würden die Kisten packen. Die Bildung der beiden Konjunktive ist nicht das Thema dieser Seite. Hier zählt, wann du welche Form brauchst.

Merke: Zuerst prüfst du den Konjunktiv I. Sieht er aus wie der Indikativ, nimmst du den Konjunktiv II. Sieht auch der wie das Präteritum aus, schreibst du würde mit dem Infinitiv.

3. Fragen und Aufforderungen wiedergeben

Auch Fragen und Aufforderungen lassen sich indirekt wiedergeben. Bei einer Frage ohne Fragewort steht ob: Die Pflegerin fragt den Praktikanten: „Kommst du morgen zur Übergabe?“ wird zu Die Pflegerin fragt den Praktikanten, ob er morgen zur Übergabe komme. Bei einer Frage mit Fragewort bleibt das Fragewort stehen: Der Polier fragt: „Wann liefert der Betonmischer?“ wird zu Der Polier fragt, wann der Betonmischer liefere. Das Fragezeichen fällt weg, am Ende steht ein Punkt.

Eine Aufforderung gibst du mit sollen wieder: Der Meister sagt zum Praktikanten: „Räum das Lager auf!“ wird zu Der Meister sagt dem Praktikanten, er solle das Lager aufräumen. Das Ausrufezeichen und die Befehlsform verschwinden. Dafür steht er solle im Konjunktiv I.

Satzart in der wörtlichen Rede Wiedergabe in der indirekten Rede Redeeinleitung
Aussage Hauptsatz oder dass-Satz im Konjunktiv sagt, erklärt, meint
Frage ohne Fragewort Nebensatz mit ob fragt
Frage mit Fragewort Nebensatz mit dem Fragewort fragt
Aufforderung Hauptsatz mit sollen sagt, bittet

Bei Fragen und Aufforderungen gilt dasselbe wie bei Aussagen: Die Personen werden aus Sicht der Berichtenden gesetzt, und die Verben stehen im Konjunktiv I. Sieht dieser wie der Indikativ aus, weichst du auch hier aus: Die Köche fragen: „Haben wir Hilfe?“ wird zu Die Köche fragen, ob sie Hilfe hätten.

4. Wann du die indirekte Rede brauchst

Du brauchst die indirekte Rede immer dann, wenn du berichtest, was eine andere Person gesagt hat. In einem Praktikumsbericht schreibst du nicht jedes Wort des Meisters mit Anführungszeichen auf, sondern fasst zusammen, was er erklärt hat. Bei der Übergabe an die nächste Schicht gibst du Hinweise der Kollegen weiter. Nach einem Termin bei der Berufsberatung hältst du in einer Notiz fest, was die Beraterin geraten hat: Die Beraterin rät, er solle sich um ein Praktikum bewerben.

Die Wahl der Redeeinleitung gehört dazu. Sagt und erklärt geben eine Aussage weiter, fragt eine Frage, bittet eine Aufforderung. Passt die Redeeinleitung nicht zur Satzart, stimmt der ganze Satz nicht.

Prüfe jede Wiedergabe mit fünf Fragen. Steht eine Redeeinleitung mit Komma davor? Fehlen die Anführungszeichen? Stimmt die Person? Steht der Konjunktiv I, und wenn er nicht zu erkennen ist, der Konjunktiv II? Passt das Einleitewort zur Satzart?

Ein Beispiel aus der Küche: Die Köchin sagt: „Ich brauche die Zwiebeln sofort.“ Die Wiedergabe lautet: Die Köchin sagt, sie brauche die Zwiebeln sofort. Alle fünf Fragen lassen sich mit ja beantworten.

Äußerungen aus der Vergangenheit lassen sich ebenfalls wiedergeben. Das gehört zum sicheren Berichten längerer Texte, das du in der Jahrgangsstufe 9 weiter übst, und wird auf dieser Seite nicht geübt.

So prüfst du es im Quali

Wer indirekte Rede bestimmt und begründet, betrachtet Sprache, statt sie nur zu benutzen. Diese Fähigkeit gehört zu dem Teil der Quali, der „Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben“ heißt. Lies den folgenden eigenen Text aus einer Werkstatt und suche, wo jemand etwas wiedergibt.

Der Meister sagt, der Praktikant solle zuerst das Werkzeug sortieren. Die Gesellin fragt, ob die Bohrmaschine schon geölt sei. Der Lagerarbeiter meint, die Lieferung komme erst am Nachmittag. Zwei Kollegen erklären, sie hätten keine Zeit für eine Pause. Dann ruft der Meister: „Wir fangen jetzt an!“

Textstelle Art Woran du es erkennst
„der Praktikant solle … sortieren“ Aufforderung, indirekt Redeeinleitung sagt, keine Anführungszeichen, solle im Konjunktiv I, kein du
„ob die Bohrmaschine schon geölt sei“ Frage, indirekt Einleitewort ob, Konjunktiv I sei, Punkt statt Fragezeichen
„die Lieferung komme erst am Nachmittag“ Aussage, indirekt Redeeinleitung meint, Komma, Konjunktiv I komme
„sie hätten keine Zeit“ Aussage, indirekt sie haben wäre wie der Indikativ, deshalb Konjunktiv II hätten
„Wir fangen jetzt an!“ wörtliche Rede Anführungszeichen, Ausrufezeichen, Wir-Form

Redeeinleitung finden, Anführungszeichen prüfen, Verbform bestimmen: Mit diesen drei Blicken bereitest du Teil B der Quali vor.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Diese Fehler treten bei der indirekten Rede am häufigsten auf. Lies zuerst nur die Spalte Falsch und versuche, den Fehler selbst zu finden, bevor du die beiden anderen Spalten liest.

Falsch Richtig Warum
Der Meister sagt, ich habe keine Zeit. Der Meister sagt, er habe keine Zeit. Die Person wird aus Sicht der Berichtenden gesetzt: Aus ich wird er.
Der Meister sagt er sei krank. Der Meister sagt, er sei krank. Zwischen Redeeinleitung und Wiedergabe steht ein Komma.
Der Meister sagt, „er sei krank“. Der Meister sagt, er sei krank. Die indirekte Rede steht ohne Anführungszeichen.
Die Köche sagen, sie haben keine Zeit. Die Köche sagen, sie hätten keine Zeit. Die Form sie haben lässt sich vom Indikativ nicht unterscheiden. Wo der Konjunktiv I wie der Indikativ aussieht, brauchst du den Konjunktiv II.
Der Polier fragt, dass der Beton komme. Der Polier fragt, ob der Beton komme. Eine Frage ohne Fragewort wird mit ob wiedergegeben, nicht mit dass.
Der Meister sagt dem Praktikanten, räum das Lager auf. Der Meister sagt dem Praktikanten, er solle das Lager aufräumen. Eine Aufforderung wird mit sollen wiedergegeben, die Befehlsform fällt weg.

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