Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 5 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Gerade, gestern, vorhin: Verben in Präsens, Präteritum und Perfekt

Der Mechaniker repariert das Mofa. Gestern reparierte er das Fahrrad, und vorgestern hat er die Kette geölt. In allen drei Sätzen steckt ein Verb, also ein Wort für eine Tätigkeit. Nur die Zeitform ändert sich, also die Form, die zeigt, wann etwas geschieht. Auf dieser Seite lernst du das Präsens als Zeitform der Gegenwart, das Präteritum und das Perfekt als Zeitformen der Vergangenheit.

1. Was geschieht gerade in der Schulküche?

Die Köchin schneidet die Zwiebeln. Ihr Helfer rührt die Soße. Beide Verben beschreiben, was jetzt geschieht.

Diese Zeitform heißt Präsens. Du bildest sie aus dem Stamm des Verbs, also dem Wortteil ohne -en, und einer Endung.

In der Werkstatt geschieht vieles zugleich: Der Mechaniker schraubt, die Nachbarin feilt, der Hund wartet. Alle drei Verben stehen im Präsens.

Beim Verb rühren ist rühren die Grundform und rühr der Stamm. Die Endung wechselt mit der Person, also mit ich, du, er, wir, ihr und sie.

Person rühren fahren
ich rühre fahre
du rührst fährst
er, sie, es rührt fährt
wir rühren fahren
ihr rührt fahrt
sie rühren fahren

So bildest du die Form. Nimm die Grundform und streiche -en. Aus pflanzen entsteht der Stamm pflanz- und daraus du pflanzt.

Manche Verben ändern im Präsens auch den Selbstlaut im Stamm, wie fahren in der Tabelle. Dann heißt es du fährst und er fährt.

Du nutzt das Präsens für das, was jetzt geschieht, und für das, was regelmäßig geschieht. Ein Beispiel ist Der Hahn kräht am Morgen.

Merke: Das Präsens sagt, was jetzt oder regelmäßig geschieht. Die Endung zeigt die Person.

2. Wie erzählst du, was gestern auf dem Hof geschah?

Gestern mähte der Nachbar die Wiese. Dann fütterte er die Hasen und rief seinen Hund.

Diese Verben stehen im Präteritum, einer Zeitform der Vergangenheit. Das Präteritum nutzt du vor allem beim schriftlichen Erzählen.

Regelmäßige Verben behalten ihren Stamm und bekommen die Endung -te: mähen – mähte, füttern – fütterte.

Unregelmäßige Verben verändern den Stamm: rufen – rief, schneiden – schnitt, fahren – fuhr. Diese Formen lernst du am besten auswendig.

Das Präteritum erkennst du beim regelmäßigen Verb am t vor der Endung. Beim unregelmäßigen Verb hörst du einen anderen Selbstlaut im Stamm.

Eine Geschichte im Präteritum klingt zum Beispiel so: Der Hund bellte, die Hennen flatterten, und der Bauer rief.

Grundform Präteritum (er, sie, es) Gruppe
mähen mähte regelmäßig
füttern fütterte regelmäßig
schrauben schraubte regelmäßig
rufen rief unregelmäßig
fahren fuhr unregelmäßig
braten briet unregelmäßig

Auch im Präteritum wechselt die Endung mit der Person. Die zweite Tabelle zeigt ein regelmäßiges und ein unregelmäßiges Verb.

Person kochen rufen
ich kochte rief
du kochtest riefst
er, sie, es kochte rief
wir kochten riefen
ihr kochtet rieft
sie kochten riefen

Merke: Regelmäßige Verben bekommen im Präteritum ein -te am Stamm. Bei unregelmäßigen Verben musst du die Form lernen.

3. Hat gebaut, ist gefahren: Wie entsteht das Perfekt?

Der Nachbar hat das Gartenhaus gebaut. Seine Tochter ist mit dem Fahrrad gefahren.

Beide Sätze stehen im Perfekt, einer weiteren Zeitform der Vergangenheit. Das Perfekt hat zwei Teile: ein Hilfsverb und das Partizip II.

Das Hilfsverb hilft beim Bilden der Zeit. Es ist haben oder sein und steht als hat oder ist an zweiter Stelle im Satz.

Das Partizip II ist die Verbform mit ge-, zum Beispiel gebaut. Es steht am Ende des Satzes.

Die meisten Verben bilden das Perfekt mit haben. Verben der Bewegung nehmen oft sein, zum Beispiel ist gelaufen oder ist gefahren.

Regelmäßige Verben bilden das Partizip II mit ge- und -t: gebaut, gekocht. Unregelmäßige enden meist auf -en: gerufen, geschnitten.

Verben auf -ieren haben kein ge-. Es heißt hat repariert, nicht hat gerepariert.

Fehlt ein Teil, ist der Satz unvollständig. Zwischen Hilfsverb und Partizip II stehen die anderen Satzteile: Der Mechaniker hat gestern das Mofa repariert.

Prüfe drei Dinge. Steht das Hilfsverb an zweiter Stelle? Steht das Partizip II am Ende? Passt haben oder sein?

Grundform Präsens (er) Präteritum (er) Perfekt (er)
bauen baut baute hat gebaut
kochen kocht kochte hat gekocht
reparieren repariert reparierte hat repariert
rufen ruft rief hat gerufen
schneiden schneidet schnitt hat geschnitten
gießen gießt goss hat gegossen
fahren fährt fuhr ist gefahren
laufen läuft lief ist gelaufen

Merke: Im Perfekt steht das Hilfsverb vorn und das Partizip II hinten.

4. Welche Zeitform passt zu welchem Text?

Im Gespräch sagst du: Ich habe den Zaun gestrichen. Im Vereinsbericht schreibst du: Ich strich den Zaun. Beide Sätze meinen dasselbe.

Wenn du mündlich erzählst, nimmst du meist das Perfekt. Wenn du schriftlich erzählst, nimmst du meist das Präteritum.

Beschreibst du, was jetzt geschieht, passt das Präsens. Auch in einer Anleitung, zum Beispiel einem Rezept, steht oft das Präsens.

Situation Zeitform Beispiel
Gespräch über Vergangenes Perfekt Ich habe die Beete gegossen.
schriftliche Erzählung Präteritum Ich goss die Beete.
Beschreibung dessen, was jetzt geschieht Präsens Ich gieße die Beete.

Wechsle die Zeitform nicht ohne Grund mitten im Text. Wer von gestern erzählt, bleibt bei der Vergangenheit. Dieser Satz springt dagegen: Gestern kochte die Köchin Suppe und schneidet danach Brot.

Manchmal ist ein Wechsel richtig, nämlich wenn sich die Zeit ändert. Gestern haben wir den Zaun gestrichen. Heute ist er trocken. Der erste Satz meint Vergangenes, der zweite die Gegenwart.

Drei Fragen helfen bei der Wahl. Wann geschieht es? Spreche ich oder schreibe ich? Erzähle ich von früher oder beschreibe ich, was jetzt vor sich geht?

Merke: Frage dich zuerst, wann etwas geschieht. Frage danach, ob der Text gesprochen oder geschrieben ist.

5. Probier es selbst: Was passiert auf dem Hof?

Im Vereinsbuch steht: Der Nachbar mäht die Wiese. Gestern fütterte er die Hasen. Vorgestern hat er den Zaun gestrichen. Bestimme die Zeitform jedes Verbs, bevor du weiterliest.

Lösung: mäht steht im Präsens, fütterte im Präteritum und hat gestrichen im Perfekt.

Forme nun den ersten Satz um. Im Präteritum lautet er Der Nachbar mähte die Wiese, im Perfekt Der Nachbar hat die Wiese gemäht.

Eine zweite Aufgabe: Setze die Verben in die richtige Form. Gestern (kochen) die Köchin die Suppe, und heute (schneiden) sie das Brot. Lösung: kochte im Präteritum, schneidet im Präsens.

Schreibe einen eigenen Satz aus der Werkstatt in allen drei Zeitformen auf. Prüfe, ob du Hilfsverb und Partizip II richtig gesetzt hast.

So prüfst du es im Quali

Lies die Einträge aus dem Küchenbuch der Schulküche.

Heute schneidet die Köchin Zwiebeln. Gestern briet sie Fisch. Den Salat hat sie schon gewaschen. Ihr Helfer rührt die Soße.

Suche zuerst alle Verben im Text. Prüfe dann bei jedem Verb, ob es allein steht oder mit hat oder ist. Achte auf Wörter wie heute und gestern.

Verbform Zeitform Woran du es erkennst
schneidet Präsens Stamm schneid- mit der Endung -t, passt zu heute
briet Präteritum Der Stamm hat sich verändert: braten ergibt briet
hat gewaschen Perfekt Hilfsverb hat und Partizip II gewaschen
rührt Präsens Stamm rühr- mit der Endung -t

Übe mit eigenen Einträgen. Schreibe vier Sätze über einen Tag in der Schulküche und wähle für jeden Satz bewusst eine Zeitform. Lass danach jemanden die Zeitformen bestimmen.

Zeitformen sicher zu bestimmen und zu bilden gehört zur Vorbereitung auf die Quali, den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule. Dort trägt Teil B den Titel „Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben“.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Bei den Zeitformen kommen diese sechs Fehler vor.

Falsch Richtig Warum
Gestern fahrte ich zum Markt. Gestern fuhr ich zum Markt. Fahren ist unregelmäßig, der Stamm ändert sich.
Die Mechanikerin hat den Motor gerepariert. Die Mechanikerin hat den Motor repariert. Verben auf -ieren bilden das Partizip II ohne ge-.
Der Nachbar hat zum Markt gelaufen. Der Nachbar ist zum Markt gelaufen. Verben der Bewegung bilden das Perfekt oft mit sein.
Der Gärtner hat das Beet gegrabt. Der Gärtner hat das Beet gegraben. Graben ist unregelmäßig, das Partizip II endet auf -en.
Die Köchin schneidete den Kohl. Die Köchin schnitt den Kohl. Schneiden ist unregelmäßig, es bekommt kein -te.
Gestern strich ich den Zaun und fahre dann zum Markt. Gestern strich ich den Zaun und fuhr dann zum Markt. Beide Handlungen geschahen gestern, die Zeitform bleibt gleich.

Lies deinen Text am Schluss noch einmal nur auf die Verben hin. Passt jede Form zur Zeit, von der du erzählst? Dann hast du die meisten Fehler gefunden.

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