Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 5 und 6 · Schreiben (LehrplanPLUS)
Was passiert zuerst, was danach? Vorgänge sachbezogen beschreiben
Ein Mitschüler sagt in der Werkstatt: „Du machst das Ding da dran, dann geht es irgendwie.“ Ein anderer sagt: „Man steckt den Dübel ins Bohrloch und dreht dann die Schraube ein.“ Nur die zweite Aussage hilft jemandem, der den Ablauf noch nie gesehen hat. Auf dieser Seite lernst du, einen Vorgang, also einen Ablauf aus mehreren Schritten, sachlich zu beschreiben. In Jahrgangsstufe 6 kommen Angaben dazu, die einen solchen Text noch hilfreicher machen.
1. Zuerst, dann, danach: Schritte in die richtige Reihe bringen
Eine Schraube soll in der Werkstattwand halten. Dazu gehören vier Schritte, doch sie stehen durcheinander:
- Man dreht die Schraube in den Dübel.
- Man bohrt ein Loch in die Wand.
- Man bläst den Staub aus dem Loch.
- Man steckt den Dübel in das Loch.
Die Reihenfolge gibt die Sache selbst vor. Ohne Loch hält kein Dübel, und ohne Dübel hält keine Schraube. Der Staub muss vor dem Dübel aus dem Loch, denn danach kommt man nicht mehr heran.
So findest du die richtige Folge: Frage bei jedem Schritt, was vorher schon geschehen sein muss. Setze dann jeden Schritt in einen eigenen Satz.
Damit man die Folge erkennt, stehen am Satzanfang Wörter, die die Zeit angeben. Die Tabelle zeigt eine Auswahl.
| Stelle im Ablauf | Passende Wörter | Beispiel aus der Werkstatt |
|---|---|---|
| Anfang | zuerst, als Erstes | Zuerst bohrt man das Loch. |
| Mitte | dann, danach, anschließend | Danach bläst man den Staub heraus. |
| Ende | zuletzt, zum Schluss | Zuletzt dreht man die Schraube ein. |
Wechsle die Wörter ab. Fünfmal „dann“ hintereinander klingt eintönig.
Merke: Jeder Schritt bekommt einen eigenen Satz. Die Sätze folgen der Reihenfolge, in der man handelt. Wörter wie zuerst, danach und zuletzt machen die Folge sichtbar.
2. Warum klingt die zweite Fassung sachlicher?
Zwei Schüler beschreiben, wie man im Stall die Tränke der Ziegen füllt.
Fassung A: „Ich habe gestern die Tränke gefüllt, und das war echt nervig. Ich nahm einen Eimer und goss das Wasser in die blöde Schüssel.“
Fassung B: „Man nimmt einen sauberen Eimer und füllt ihn am Hahn mit frischem Wasser. Dann gießt man das Wasser langsam in die Tränke.“
Fassung B erzählt kein Erlebnis. Sie sagt, wie der Vorgang immer abläuft. Das zeigt sich an drei Merkmalen:
- Präsens: Verben, also Wörter für Tätigkeiten, wie nimmt, füllt und gießt stehen im Präsens, der Gegenwartsform. Ein Vorgang, der immer gleich abläuft, steht im Präsens.
- Das Wort man: Es kommt nicht darauf an, wer etwas tut. Deshalb steht kein ich im Text.
- Keine Wertung: Wörter wie nervig und blöde sagen, was jemand meint. Sie sagen nichts darüber, wie der Vorgang abläuft.
Auch das Wort du bleibt draußen, denn eine Beschreibung spricht niemanden direkt an. Trotzdem darf sie anschaulich sein. Genaue Verben wie knetet, schüttet oder dreht machen den Text lebendig, ohne etwas zu bewerten.
Gefühle, Ausrufe und Urteile bleiben draußen. Auch „zum Glück“ und „leider“ sind kleine Wertungen.
| Persönlich und wertend | Sachlich |
|---|---|
| „Ich finde es total anstrengend, den Eimer zu schleppen.“ | „Man trägt den Eimer zur Tränke.“ |
| „Gestern habe ich die Tränke geputzt.“ | „Man putzt die Tränke mit einer Bürste.“ |
| „Zum Glück ist der Hahn leicht zu öffnen.“ | „Man öffnet den Hahn.“ |
Merke: Sachbezogen heißt: Präsens, man statt ich, kein Urteil.
3. Statt „das Ding“ das richtige Wort suchen
In der Schulküche hängt ein Zettel: „Man macht das Gemüse klein und tut es in das Teil.“ Wer das liest, muss raten. Besser ist: „Man schneidet die Möhren in Scheiben und legt sie in den Topf.“
Im ersten Satz sind zwei Arten von Wörtern zu ungenau. Verben wie machen und tun sagen nicht, welcher Handgriff gemeint ist. Wörter wie Ding und Teil nennen weder Material noch Werkzeug.
Genaue Wörter sagen, was man womit tut. Die Tabelle zeigt Beispiele.
| Zu ungenau | Genauer |
|---|---|
| das Ding | der Gabelschlüssel |
| das Teil an der Kette | das Kettenglied |
| macht fest | zieht fest |
| tut Wasser rein | gießt Wasser ein |
| ein bisschen Öl | einen Tropfen Öl |
| ein paar Minuten warten | fünf Minuten warten |
Genau sein heißt auch, Mengen, Orte und Richtungen zu nennen. Nicht „etwas Wasser“, sondern „einen halben Liter Wasser“. Nicht „irgendwo hin“, sondern „in die linke Ecke der Kiste“.
Für Werkzeug und Material gilt: Nenne den richtigen Namen. Ein Fachwort ist erlaubt, wenn du es erklären kannst. Ein Gabelschlüssel ist ein Werkzeug mit einer offenen Gabel, die eine Schraubenmutter fasst.
Merke: Das Verb nennt den Handgriff. Das Nomen, also das Wort für einen Gegenstand, nennt Werkzeug oder Material. Beide müssen genau sein.
4. Jahrgangsstufe 6: Was braucht, wer es zum ersten Mal macht?
Jan soll im Schulgarten einen Salatsetzling einpflanzen. Sein Nachbar sagt: „Man gräbt ein Loch, setzt den Salat hinein und gießt ihn.“ Jan fragt zurück: „Womit grabe ich? Wie hole ich den Salat aus dem Topf? Worauf muss ich achten?“
Diese Fragen zeigen, was der kurzen Beschreibung fehlt. Ein informierender Text soll jemanden unterrichten, nicht unterhalten. Dafür gehören ab Jahrgangsstufe 6 drei Angaben dazu.
- Material und Werkzeug vorweg. Am Anfang steht, was bereitliegen muss: „Man braucht einen Setzling, eine Handschaufel und eine Gießkanne.“ Wer das vorher weiß, muss mitten im Ablauf nichts mehr holen.
- Zwischenschritte benennen. Ein Zwischenschritt ist ein kleiner Schritt innerhalb eines größeren, den man leicht vergisst. Der Hauptschritt lautet: „Man nimmt den Setzling aus dem Topf.“ Dazu gehört dieser Zwischenschritt: „Man drückt den Topf an den Seiten leicht zusammen und kippt ihn.“
- Hinweise auf Gefahren. Eine Gefahr ist etwas, wobei man sich verletzen oder etwas beschädigen kann. In der Schulküche heißt es zum Beispiel: „Beim Abgießen steigt heißer Dampf auf. Man hält das Gesicht vom Sieb fern.“ Der Hinweis nennt die Gefahr und sagt, wie man sich schützt.
Der Hinweis steht vor dem Schritt, zu dem er gehört. Er bleibt sachlich und kommt ohne Ausrufezeichen aus.
| Angabe | Wo im Text | Welche Frage sie beantwortet |
|---|---|---|
| Material und Werkzeug | vor dem ersten Schritt | Was muss bereitliegen? |
| Zwischenschritt | innerhalb eines Hauptschritts | Was geschieht dabei im Einzelnen? |
| Hinweis auf eine Gefahr | vor dem betroffenen Schritt | Wobei muss man aufpassen? |
Merke: Alles aus den Abschnitten 1 bis 3 gilt in Jahrgangsstufe 6 weiter. Neu hinzu kommen Material und Werkzeug vorweg, Zwischenschritte und Hinweise auf Gefahren.
So schreibst du es im Quali
Hier steht ein selbst erfundener Mustertext, der alle Bausteine aus Jahrgangsstufe 5 und 6 enthält. Sieh ihn dir zuerst an und danach die Tabelle. Achte dabei auf die Bausteine in der ersten Spalte.
Eine Fahrradkette ölen
Man braucht Kettenöl, zwei saubere Lappen und einen Ständer, der das Hinterrad vom Boden hebt.
Hinweis: Beim Drehen der Pedale greift man nicht in die Kette. Kein Öl darf auf Bremsbeläge, Felgen oder Bremsscheiben gelangen. Das Rad bremst sonst schlechter.
Zuerst stellt man das Fahrrad so auf den Ständer, dass sich das Hinterrad frei drehen lässt. Dann wischt man die Kette mit einem Lappen ab. Dabei dreht man die Pedale rückwärts, bis die ganze Kette sauber ist. Anschließend gibt man auf jedes Kettenglied einen Tropfen Öl. Auch dabei dreht man die Pedale langsam rückwärts. Danach wartet man fünf Minuten, damit das Öl einziehen kann. Zuletzt wischt man überschüssiges Öl mit dem zweiten Lappen ab.
| Baustein | Wo im Mustertext | Woran man ihn erkennt |
|---|---|---|
| Überschrift | oberste Zeile | Sie nennt den Vorgang. |
| Material und Werkzeug (Jahrgangsstufe 6) | erster Absatz | Aufzählung vor dem ersten Schritt |
| Hinweise auf Gefahren (Jahrgangsstufe 6) | zweiter Absatz | Sie stehen vor dem ersten Schritt, sachlich und ohne Ausrufezeichen. |
| Schritte in der Reihenfolge des Handelns | dritter Absatz | zuerst, dann, anschließend, danach, zuletzt |
| Zwischenschritt (Jahrgangsstufe 6) | „Dabei dreht man die Pedale rückwärts, bis die ganze Kette sauber ist.“ | kleiner Schritt innerhalb des Hauptschritts „Dann wischt man die Kette ab“ |
| Zeitform und Person | durchgehend | Präsens und man, kein ich |
| Genaue Wörter ohne Wertung | Kettenglied, Tropfen, Lappen, Bremsbeläge | Namen statt Ding und Teil |
Der Prüfungsteil D der Quali, des Qualifizierenden Abschlusses der Mittelschule, trägt den Namen Schreiben. Mit Texten wie diesem übst du schon in Jahrgangsstufe 5 und 6 das genaue und geordnete Schreiben. So bereitest du dich auf diesen Teil vor.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
Diese sechs Fehler sind beim Beschreiben von Vorgängen typisch. Die Tabelle zeigt, wie es richtig geht.
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| „Gestern pumpte ich den Reifen auf.“ | „Man pumpt den Reifen auf.“ | Ein Vorgang steht im Präsens und mit man, nicht als persönliches Erlebnis in der Vergangenheit. |
| „Das ist total einfach und macht richtig Spaß.“ | „Man öffnet den Hahn und lässt Wasser einlaufen.“ | Wertungen und Gefühle gehören nicht in eine sachliche Beschreibung. |
| „Man tut das Ding an die Schraube.“ | „Man setzt den Gabelschlüssel an die Schraubenmutter an.“ | Genaue Wörter nennen Werkzeug und Handgriff. |
| „Zuletzt bohrt man das Loch. Zuerst dreht man die Schraube ein.“ | „Zuerst bohrt man das Loch. Zuletzt dreht man die Schraube ein.“ | Die Schritte stehen in der Reihenfolge, in der man handelt. |
| „Dreh die Mutter ab.“ | „Man dreht die Mutter ab.“ | Eine Beschreibung berichtet, wie ein Vorgang abläuft. Sie gibt keinen Befehl. |
| Der Text beginnt gleich mit dem ersten Schritt. Werkzeug und Gefahr fehlen. | Zuerst steht, was man braucht. Der Hinweis auf die Gefahr steht vor dem betroffenen Schritt. | Wer es zum ersten Mal macht, muss vorher wissen, was bereitliegt und wo Gefahr droht. |
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