Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 10 · Mittlere-Reife-Klasse · Richtig schreiben (LehrplanPLUS)

Nominalisierung von Pronomen, Präpositionen und Konjunktionen

Wörter wie du, für oder aber schreibst du fast immer klein. In Bewerbungen, Berichten und Formularen tauchen sie aber auch als Nomen auf: Man spricht vom Für und Wider einer Entscheidung, von einem Aber oder von dem Du, das eine Ausbilderin anbietet. Dann gilt die Großschreibung. Die Grundregeln der Nominalisierung von Verben und Adjektiven sind aus Jahrgangsstufe 6 bekannt und werden hier vorausgesetzt. Diese Seite zeigt, wie du dieselbe Überlegung auf Pronomen, Präpositionen und Konjunktionen überträgst. Am Ende steht ein Textbeispiel aus einem Praktikum, an dem du dein Wissen selbst prüfen kannst.

1. Woran du ein Nomen erkennst, das eigentlich ein anderes Wort ist

Ein kleines Wort wird zum Nomen, sobald es wie ein Gegenstand oder Begriff gebraucht wird. Das erkennst du an einem Begleiter. Als Begleiter kommen infrage:

  • ein Artikel: das Ich, ein Aber, dem Nichts
  • ein Possessivpronomen: sein Ich, unser Wir
  • ein Adjektiv, das zum Wort gehört: das stille Du, ein leises Aber
  • eine Präposition mit Artikel: im Für und Wider, ohne Wenn und Aber, vor dem Nichts

Hilfreich ist die Artikelprobe: Lässt sich vor das Wort ein Artikel setzen, ohne dass der Satz sinnlos wird, und sprichst du über das Wort als Sache, dann schreibst du groß. Bleibt das Wort in seiner gewohnten Aufgabe, etwa als Verbindung zweier Sätze oder als Stellvertreter für eine Person, schreibst du klein.

Zusätzlich hilft dir die Frage nach dem Satzglied. Das Nomen bildet mit seinem Begleiter eine Wortgruppe, die im Satz als Subjekt oder Objekt auftritt. In Das Aber störte den Meister fragst du: Wer oder was störte den Meister? Die Antwort ist das Aber, also eine Wortgruppe mit Nomen. Fällt diese Frage sinnvoll aus, ist die Großschreibung begründet.

Merke: Nicht die Wortart entscheidet, sondern der Gebrauch im Satz. Ein Wort, das einen Begleiter hat und wie ein Nomen auftritt, wird großgeschrieben, auch wenn es sonst ein Pronomen, eine Präposition oder eine Konjunktion ist.
Satz Gebrauch des Wortes Schreibung
Die Meisterin sagte aber nichts dazu. Konjunktion, verbindet klein
Die Meisterin sagte ohne ein Aber zu. Nomen, Artikel davor groß
Hast du heute Zeit für mich? Pronomen, ersetzt eine Person klein
Der Geselle bot dem Lehrling das Du an. Nomen, Artikel davor groß

2. Pronomen als Nomen: das Ich, das Du, das Wir

Personalpronomen stehen im Satz anstelle einer Person oder Gruppe. Sobald du über die Anrede oder die Rolle selbst sprichst, werden sie zum Nomen. Dann bekommen sie einen Artikel und einen Großbuchstaben:

  • Die Ausbilderin bot dem Praktikanten das Du an.
  • Im Pflegeteam tritt das Ich des Einzelnen hinter das Wir zurück.

Auch das Indefinitpronomen nichts gehört in diese Gruppe. Als Pronomen schreibst du es klein: Auf der Baustelle lag nichts mehr herum. Steht es mit Begleiter, ist es ein Nomen mit der Bedeutung „Leere“ oder „Bedeutungslosigkeit“: Nach dem Wasserschaden stand die Werkstatt vor dem Nichts. Ebenso: Der Auftrag verschwand im Nichts.

Achte darauf, dass ein Pronomen am Satzanfang nur wegen des Satzanfangs großgeschrieben wird. In Ich bewerbe mich als Hilfskoch ist Ich ein ganz gewöhnliches Pronomen. Frage dich deshalb immer: Würde das Wort auch mitten im Satz groß stehen?

Pronomen als Nomen sind in Berufstexten selten, sie kommen aber vor, etwa im Praktikumsbericht, wenn über Teamarbeit oder die Anrede im Betrieb nachgedacht wird. Wichtig ist, dass du nicht bei jedem Pronomen zweifelst. Die große Mehrzahl bleibt klein. Nur wenn ein Begleiter da ist und das Wort selbst zur Sache wird, schreibst du groß.

3. Präpositionen und Konjunktionen als Nomen: das Für und Wider, das Aber

Präpositionen wie für, wider oder auf und Konjunktionen wie aber oder wenn verbinden sonst andere Wörter. Werden sie selbst zum Thema, steht der Begleiter davor und die Großschreibung folgt. Besonders häufig sind feste Paare:

Fügung Beispiel aus Beruf und Praktikum
das Für und Wider Vor der Berufswahl wog sie das Für und Wider eines Praktikums in der Küche ab.
das Auf und Ab Das Wetter brachte der Baustelle ein ständiges Auf und Ab.
ohne Wenn und Aber Der Lagerleiter verlangte, die Sicherheitsregeln ohne Wenn und Aber einzuhalten.
das Aber Im Gespräch hörte er schon am Tonfall ein Aber heraus.

Bei Paaren wie Für und Wider werden beide Teile großgeschrieben, das verbindende und aber bleibt klein. Es ist dort eine gewöhnliche Konjunktion.

Ein festes Paar wird als Einheit gelesen. Das Für und Wider meint die Gesamtheit der Gründe, die dafür und dagegen sprechen. Weil beide Teile zusammen ein einziges Nomen bilden, schreibst du beide groß. Das gilt auch dann, wenn sich zwischen Artikel und Paar ein Adjektiv schiebt: das lange Für und Wider.

Eine zweite Kontrolle ist die Ersatzprobe. Lässt sich die Fügung durch ein gewöhnliches Nomen ersetzen, ohne dass der Satz seinen Sinn verliert, handelt es sich um ein Nomen. Statt das Für und Wider kannst du die Abwägung einsetzen, statt ein Aber zum Beispiel ein Bedenken. Ein gewöhnliches aber zwischen zwei Sätzen lässt sich dagegen nicht auf diese Weise ersetzen.

Vorsicht bei aber und wenn im Satzgefüge. In Er wollte kommen, aber der Bus fiel aus verbindet aber zwei Sätze und bleibt klein. In Er wollte kommen, doch es gab ein Aber hat das Wort einen Artikel und ist ein Nomen.

4. Den eigenen Text in drei Schritten prüfen

Beim Überarbeiten von Bewerbung, Praktikumsbericht oder Formular hilft ein fester Ablauf:

  • Schritt 1: Markiere kleine Wörter, vor denen ein Artikel, ein Possessivpronomen oder eine Präposition mit Artikel steht.
  • Schritt 2: Setze die Artikelprobe ein und frage: Wird hier über das Wort als Sache gesprochen oder erfüllt es seine gewohnte Aufgabe?
  • Schritt 3: Entscheide und schreibe groß oder klein. Bei festen Paaren kontrollierst du beide Teile.

Prüfe diese Schritte besonders bei Texten, die andere lesen: Bewerbung, Antrag, Bericht. Lies den Text dazu einmal nur mit Blick auf kleine Wörter durch und lass andere Fehlerarten vorerst außer Acht. So behältst du die Aufmerksamkeit für die Frage, die hier zählt.

Wenn du unsicher bleibst, schlage das Wort im Wörterbuch nach. Wie das geht, zeigt die Seite zu den Zweifelsfällen der Rechtschreibung.

So prüfst du es im Quali

Den Abschnittsnamen tragen alle Seiten dieser Reihe, für die Mittlere-Reife-Klasse zählt dabei die Abschlussprüfung am Ende der Jahrgangsstufe 10. Der folgende Text aus einem Praktikum enthält mehrere Wörter, die du nach dieser Seite sicher erkennen solltest. Suche sie zuerst selbst.

Im Praktikum in der Pflege fragte mich die Stationsleiterin nach dem Für und Wider der Frühschicht. Ich antwortete ohne Wenn und Aber, dass ich sie gern übernehme. Nach einer Woche bot sie mir das Du an. Seitdem ist aus dem Ich ein Wir im Team geworden. Nur das Aber vom ersten Tag, die Sorge vor dem Nachtdienst, war noch nicht ganz verschwunden.
Fundstelle im Text Ursprüngliche Wortart Woran du es erkennst
dem Für und Wider Präposition Artikel dem davor, beide Teile groß
ohne Wenn und Aber Konjunktion Präposition ohne davor, beide Teile groß
das Du Personalpronomen Artikel das davor
dem Ich, ein Wir Personalpronomen Artikel dem und ein davor
das Aber Konjunktion Artikel das davor

Wer diese Wörter sicher erkennt, schreibt in der Abschlussprüfung der Mittleren-Reife-Klasse am Ende der Jahrgangsstufe 10 auch dann richtig, wenn ein kleines Wort wie ein Nomen auftritt.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Er bot mir das du an. Er bot mir das Du an. Der Artikel das macht das Pronomen zum Nomen.
Wir wogen das für und wider ab. Wir wogen das Für und Wider ab. Beide Teile des Paares sind Nomen, nur und bleibt klein.
Ohne wenn und aber sagte er zu. Ohne Wenn und Aber sagte er zu. Die Präposition ohne verlangt ein Nomen.
Der Betrieb stand vor dem nichts. Der Betrieb stand vor dem Nichts. vor dem ist ein Begleiter, also Nomen.
Er hat Nichts gesehen. Er hat nichts gesehen. Hier steht kein Begleiter, nichts ist ein Pronomen.
Es gab ein ständiges auf und ab. Es gab ein ständiges Auf und Ab. Das Adjektiv ständiges und der Artikel ein machen beide Teile zu Nomen.

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