Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 8 · Lernbereich 2 (gültigen Lehrplan)

Nachricht, Kommentar, Glosse und Blog: journalistische Textsorten unterscheiden

Die Stadt hat eine Straße in der Innenstadt zur Fahrradstraße erklärt. An einem einzigen Tag erscheinen dazu vier Texte, die für diese Seite ausgedacht sind. Die Lokalzeitung meldet: „Seit Montag gilt die Bahnhofstraße als Fahrradstraße.“ Daneben kommentiert ein Redakteur: „Ein überfälliger Schritt.“ Auf der letzten Seite spottet eine Glosse über Autofahrer, die nun jeden Morgen verwirrt vor dem neuen Schild stehen. Und eine Radfahrerin schreibt in ihrem Blog, wie sich ihr Schulweg seitdem anfühlt. Viermal dasselbe Thema, viermal ein ganz anderer Text mit einer anderen Absicht. In der Jahrgangsstufe 8 lernst du, journalistische Textsorten zu erkennen, ihre Absicht zu bestimmen und ihre Glaubwürdigkeit einzuschätzen.

1. Informieren oder meinen: die Grundunterscheidung

Die Meldung nennt Ort, Zeitpunkt und Regel, ohne irgendetwas zu werten. Der Kommentar sagt, was der Redakteur davon hält. Die Glosse macht sich lustig. Der Blog erzählt von persönlichen Erlebnissen.

Journalistische Texte lassen sich zunächst grob in zwei große Gruppen ordnen. Informierende Texte wie die Nachricht und der Bericht wollen sachlich mitteilen, was geschehen ist. Meinungsbetonte Texte wie der Kommentar und die Glosse wollen eine Haltung zu einem Ereignis vermitteln. Seriöse Zeitungen und Nachrichtenseiten halten diese beiden Gruppen getrennt, damit Leser wissen, ob sie gerade Tatsachen oder Meinungen lesen. Der Blog steht außerhalb dieser Ordnung: Er ist eine Veröffentlichung im Internet, oft von Privatpersonen, und mischt häufig Information, Erlebnis und Meinung. Für jeden Text lohnt sich deshalb die erste Frage: Was will er erreichen? Erst wenn du die Absicht kennst, kannst du entscheiden, wie du ihn lesen und wie sehr du ihm vertrauen solltest.

Merke: Nachrichten informieren sachlich nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide. Kommentare vertreten eine begründete Meinung, Glossen eine zugespitzte, oft ironische. Blogs sind persönliche Internetveröffentlichungen, die meist nicht redaktionell geprüft sind.

2. Die Nachricht

Die Meldung der Lokalzeitung beginnt mit dem Wichtigsten: Seit Montag ist die Bahnhofstraße eine Fahrradstraße. Danach folgen die weiteren Einzelheiten der neuen Regelung: Autos dürfen nur noch als Anlieger fahren, Radfahrer dürfen nebeneinander fahren, die Stadt erhofft sich mehr Sicherheit auf dem Schulweg.

Die Nachricht ist die knappste und strengste journalistische Textsorte. Sie beantwortet die wichtigsten W-Fragen und ist nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide aufgebaut: Das Wichtigste steht ganz vorn, weniger Wichtiges folgt nach hinten. So erfährt auch, wer nur den ersten Satz liest, das Entscheidende, und die Redaktion kann bei Platzmangel von hinten kürzen. Die Sprache ist sachlich, verzichtet auf Wertungen und nennt oft die Herkunft von Angaben, etwa mit laut der Stadtverwaltung. Typisch sind außerdem kurze, klare Sätze, genaue Angaben zu Zeit und Ort und eine informierende Überschrift. Ein Bericht ist ähnlich aufgebaut, aber ausführlicher und kann Hintergründe erläutern.

Textsorte Erkennungszeichen Absicht
Nachricht W-Fragen, Wichtigstes zuerst, neutral schnell und sachlich informieren
Kommentar Name des Verfassers, Meinung mit Gründen eine Position vertreten
Glosse Ironie, Übertreibung, Pointe unterhaltsam kritisieren
Blog persönliche Einträge, Ich-Form, Kommentarfunktion Erfahrungen und Ansichten teilen
Bericht ausführlicher, mit Hintergründen umfassend informieren

Neben Nachricht und Bericht gibt es weitere Formen. Die Reportage lässt den Leser ein Geschehen miterleben: Ein Reporter beschreibt anschaulich, was er vor Ort sieht und hört, und verbindet Tatsachen mit Eindrücken. Das Interview gibt ein Gespräch in Frage und Antwort wieder. Beide informieren, sind aber persönlicher gefärbt als die Nachricht. Achte bei ihnen deshalb darauf, wo Fakten enden und Eindrücke beginnen.

3. Kommentar und Glosse

Der Kommentar argumentiert dagegen ganz sachlich: Die Fahrradstraße mache den Schulweg sicherer und sei deshalb richtig. Die Glosse dagegen erzählt nun mit gespieltem Mitleid von einem Autofahrer, der seit Tagen vor dem Schild steht und auf eine Erklärung wartet, die nie kommt.

Der Kommentar gibt die Meinung eines namentlich genannten Verfassers wieder und begründet sie; wie man selbst einen Kommentar schreibt, lernst du in der Jahrgangsstufe 9. Die Glosse ist eine kurze, zugespitzte Form der Meinungsäußerung. Sie arbeitet mit Ironie, also dem Gegenteil des Gemeinten, mit Übertreibung und mit überraschenden Wendungen und endet oft mit einer Pointe. Glossen behandeln besonders häufig kleine Ärgernisse des Alltags und wollen unterhalten, aber auch zum Nachdenken anregen. Beim Lesen musst du die Ironie unbedingt erkennen, sonst missverstehst du die Glosse: Wenn sie die armen Autofahrer bedauert, meint sie das nicht ernst. Wer eine Glosse wörtlich nimmt, liest das Gegenteil dessen heraus, was gemeint ist.

4. Der Blog und die Frage der Glaubwürdigkeit

Die Radfahrerin schreibt in ihrem Blog: Seit Montag fahre ich viel entspannter zur Schule. Unter dem Eintrag stehen zahlreiche Kommentare anderer Leser, manche zustimmend, manche verärgert. Am Ende verlinkt sie einen Fahrradhelm, den sie empfiehlt.

Ein Blog ist eine Internetseite mit regelmäßigen, meist datierten Einträgen, die oft eine Einzelperson verfasst. Blogs sind häufig persönlich und in der Ich-Form geschrieben, bieten eine Kommentarfunktion und verlinken auf andere Seiten. Sie können durchaus wertvolle Einblicke geben, etwa in persönliche Erfahrungen oder in Fachgebiete. Anders als Zeitungstexte werden sie aber meist nicht redaktionell geprüft. Prüfe deshalb immer genau, wer schreibt, ob ein Impressum vorhanden ist, ob Behauptungen belegt werden und ob der Text Werbung enthält. Werbliche Inhalte müssen gekennzeichnet werden; eine Empfehlung mit Link zu einem Produkt kann auch ein bezahlter Hinweis sein. Ein Blog ist also insgesamt eine Quelle, die man mit wachem Blick lesen sollte. Ähnliches gilt für Beiträge in sozialen Netzwerken, die oft noch kürzer und noch weniger geprüft sind. Wer Texte im Netz sicher einordnen kann, ist weniger anfällig für Falschmeldungen.

Form und Wirkung: So deutest du es im Text

Der Schluss der Glosse lautet: Und so steht er noch heute dort, unser tapferer Autofahrer, und wartet, bis die Fahrradstraße wieder verschwindet. Man sollte ihm einen Stuhl bringen.

Stelle Mittel Wirkung
unser tapferer Autofahrer Ironie Spott über Ratlosigkeit
steht er noch heute dort Übertreibung, Märchenanklang komisch, unwirklich
wartet, bis die Fahrradstraße wieder verschwindet Zuspitzung Kritik an Widerstand gegen Neues
Man sollte ihm einen Stuhl bringen. Pointe überraschender, witziger Abschluss
insgesamt kurz und zugespitzt Merkmal der Glosse unterhaltsame Kritik

Die Glosse kritisiert also, ohne im eigentlichen Sinn zu argumentieren. Sie macht eine Haltung lächerlich, statt sie zu widerlegen. Gerade deshalb muss der Leser die Ironie erkennen: Der tapfere Autofahrer ist nicht tapfer, und der Stuhl ist kein ernst gemeinter Vorschlag. Vergleicht man die Glosse mit dem Kommentar zum selben Thema, zeigt sich der Unterschied deutlich: Der Kommentar überzeugt mit Gründen, die Glosse mit einem Lächeln. Beide vertreten dieselbe Haltung, wählen aber ganz verschiedene Wege, um ihre Leser zu erreichen.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Eine Glosse wörtlich nehmen Ironie erkennen und das Gemeinte erschließen Sonst wird das Gegenteil verstanden.
Kommentar und Nachricht verwechseln auf Wertung und Namen des Verfassers achten Meinung und Tatsache trennen.
Blogs wie geprüfte Zeitungstexte behandeln Verfasser, Belege und Werbung prüfen Meist keine redaktionelle Prüfung.
In der Nachricht das Wichtigste am Ende suchen Nachricht von vorn nach hinten lesen Umgekehrte Pyramide.
Jede Meinung als Kommentar bezeichnen Kommentar, Glosse und Blog unterscheiden Unterschiedliche Formen der Meinungsäußerung.

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