Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 8 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)

Pro-Formen: Wiederholungen vermeiden und Sätze sicher verknüpfen

Ein Artikel für die Schülerzeitung beginnt so: „Die Forscher-AG hat einen Roboter gebaut. Der Roboter kann Treppen steigen. Der Roboter hat sechs Beine. Mit dem Roboter will die Forscher-AG an einem Wettbewerb teilnehmen.“ Inhaltlich ist alles richtig, doch das ständige der Roboter wirkt eintönig. Besser: „Die Forscher-AG hat einen Roboter gebaut, der Treppen steigen kann. Er hat sechs Beine. Damit will die AG an einem Wettbewerb teilnehmen.“ Wörter wie der, er und damit stehen für etwas, das schon genannt wurde. Man nennt sie Pro-Formen. Auf dieser Seite lernst du ihre Arten kennen, erfährst, wie sie einen Text zusammenhalten, und übst, sie so einzusetzen, dass ihr Bezug immer eindeutig ist.

1. Was Pro-Formen leisten

Eine Pro-Form steht stellvertretend für ein Wort, eine Wortgruppe oder sogar einen ganzen Gedanken. Sie greift etwas auf, das im Text schon vorkam, und verbindet so die Sätze miteinander. Dadurch vermeidet sie Wiederholungen und sorgt zugleich für Textkohärenz, also für einen erkennbaren Zusammenhang. Der Leser muss bei jeder Pro-Form im Kopf zurückgehen und herausfinden, wofür sie steht. Gelingt das mühelos, wirkt der Text flüssig und verständlich. Muss er dagegen lange suchen oder raten, stockt das Lesen, und im schlimmsten Fall versteht er etwas Falsches.

Die Pronomen, die du seit der Jahrgangsstufe 5 kennst, sind die wichtigsten Pro-Formen. Daneben gibt es weitere Wörter mit dieser Aufgabe, die du in der Jahrgangsstufe 8 genauer kennenlernst. Ihre gezielte Verwendung ist eine wichtige Grundlage für gute Berichte, Beschreibungen, Inhaltsangaben und Erörterungen in allen Fächern.

Der lateinische Fachbegriff: pro heißt für oder anstelle von. Eine Pro-Form steht also anstelle eines anderen Ausdrucks. Auch das Wort Pronomen bedeutet wörtlich anstelle eines Nomens.

2. Die Arten der Pro-Formen

Personalpronomen wie er, sie, es und ihn ersetzen Personen und Dinge: „Der Roboter hat sechs Beine. Er kann Treppen steigen.“ Demonstrativpronomen wie dieser, jener oder der weisen nachdrücklicher auf etwas hin: „Dieser Roboter ist der schnellste.“ Mit dieser und jener kannst du zwei Dinge auseinanderhalten: dieser bezieht sich auf das zuletzt Genannte, jener auf das zuerst Genannte. Possessivpronomen wie sein oder ihr zeigen eine Zugehörigkeit an, Relativpronomen wie der, die, das oder welcher verbinden einen Nebensatz mit seinem Bezugswort.

Eine wichtige Gruppe sind die Pronominaladverbien. Sie bestehen aus da(r) oder wo(r) und einer Präposition: damit, darauf, dafür, darüber, womit, worauf. Sie stehen für Dinge, Sachverhalte oder ganze Gedanken: „Die AG hat einen Roboter gebaut. Damit will sie am Wettbewerb teilnehmen.“ Bei Personen verwendest du dagegen Präposition und Pronomen: „Wir sprachen mit der Leiterin. Mit ihr planten wir den Auftritt.“

Schließlich gibt es Proadverbien wie dort, da, damals, so und deshalb, die Orte, Zeiten, Umstände oder Gründe aufgreifen, und Wörter wie dies und das, die einen ganzen vorangehenden Satz bündeln: „Der Roboter fiel zweimal um. Das ärgerte die Gruppe.“

Pronominaladverbien können auch vorausweisen. Dann kündigen sie einen Gedanken an, der erst im folgenden Nebensatz steht: „Es kommt darauf an, dass der Roboter nicht umfällt.“ „Wir freuen uns darüber, dass die Jury kommt.“ Hier steht darauf oder darüber stellvertretend für den dass-Satz. In der gesprochenen Umgangssprache werden Pronominaladverbien manchmal getrennt, etwa in da weiß ich nichts von. In geschriebenen Texten verwendest du die zusammenhängende Form: Davon weiß ich nichts.

Art Beispiele greift auf
Personalpronomen er, sie, es, ihn Personen und Dinge
Demonstrativpronomen dieser, jener, der mit Nachdruck Genanntes
Pronominaladverb damit, darauf, darüber Dinge und Sachverhalte
Proadverb dort, damals, deshalb Ort, Zeit, Grund
zusammenfassendes dies, das Das ärgerte alle. einen ganzen Gedanken

3. Den Bezug eindeutig machen

Eine Pro-Form ist nur dann hilfreich, wenn klar ist, worauf sie sich bezieht. Missverständnisse entstehen vor allem, wenn zwei mögliche Bezugswörter in Frage kommen: „Lena zeigte Mia den Roboter. Sie war begeistert.“ Wer war begeistert, Lena oder Mia? In solchen Fällen hilft es, das Bezugswort zu wiederholen, ein Synonym zu wählen oder den Satz umzubauen: „Mia war begeistert, als Lena ihr den Roboter zeigte.“

Achte außerdem auf die Übereinstimmung in Genus und Numerus. Ein Pronomen richtet sich nach seinem Bezugswort: „die AG … sie“, „das Team … es“, „die Schüler … sie“. Fehler entstehen leicht, wenn das Bezugswort weit entfernt steht. Und halte den Abstand zwischen Bezugswort und Pro-Form möglichst klein. Je weiter beide auseinanderliegen, desto schwerer findet der Leser den richtigen Bezug, besonders in langen Absätzen.

4. Pro-Form, Synonym oder Wiederholung?

Pro-Formen sind nicht das einzige Mittel, um auf Genanntes zurückzugreifen. Du kannst auch Synonyme und Oberbegriffe verwenden: der Roboter, die Maschine, das Gerät, die Erfindung. Solche Wiederaufnahmen bringen Abwechslung und können zusätzliche Informationen oder Bewertungen enthalten. Manchmal ist auch die bewusste Wiederholung richtig, etwa in Sachtexten, wo ein Fachbegriff aus Gründen der Genauigkeit gleich bleiben soll.

Ein guter Text mischt diese Mittel. Pro-Formen sorgen für Knappheit, Synonyme für Abwechslung, Wiederholungen für Eindeutigkeit. Prüfe beim Überarbeiten jeden Absatz: Wiederholt sich ein Wort zu oft? Ist jede Pro-Form eindeutig? Passt das gewählte Synonym zum Gemeinten? So wird dein Text abwechslungsreich und zugleich klar. Eine hilfreiche Methode ist, alle Pro-Formen eines Absatzes farbig zu markieren und mit einem Pfeil mit ihrem Bezugswort zu verbinden. Wo ein Pfeil sehr lang wird oder auf zwei mögliche Wörter zeigen könnte, solltest du umformulieren. Auch beim Lesen fremder Texte hilft diese Methode, schwierige Passagen zu entschlüsseln, etwa in Sachbüchern oder älteren literarischen Texten mit langen Sätzen.

Form und Wirkung: So deutest du es im Text

Ein überarbeiteter Schülerzeitungsartikel: Die Forscher-AG hat einen Roboter gebaut, der Treppen steigen kann. Das Gerät hat sechs Beine und wiegt kaum mehr als ein Schulranzen. Damit will die Gruppe beim Wettbewerb antreten. Dort trifft sie auf Teams aus ganz. Das macht alle ein wenig nervös.

Beobachtung Mittel Wirkung
der Treppen steigen kann Relativpronomen Information knapp angeschlossen
das Gerät Synonym als Wiederaufnahme Abwechslung statt Wiederholung
damit Pronominaladverb Sätze logisch verbunden
dort Proadverb Ort aufgegriffen
das macht alle nervös zusammenfassendes das ganzer Gedanke gebündelt

So wird aus einer Reihe gleichförmiger Sätze ein zusammenhängender Text, in dem jeder Satz an den vorigen anknüpft. Vergleiche die beiden Fassungen vom Anfang dieser Seite noch einmal: Die erste besteht aus vier Sätzen mit derselben Wortgruppe, die zweite verbindet dieselben Informationen mit einem Relativpronomen, einem Personalpronomen und einem Pronominaladverb. Sie ist kürzer, abwechslungsreicher und trotzdem ganz genauso klar. Genau diese Wirkung solltest du in deinen eigenen Texten anstreben.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Mit was hast du das gebaut? Womit hast du das gebaut? Bei Sachen das Pronominaladverb verwenden.
Lena zeigte Mia den Roboter. Sie war begeistert. Mia war begeistert, als Lena ihr den Roboter zeigte. Der Bezug muss eindeutig sein.
Das Team trainiert. Sie sind gut vorbereitet. Das Team trainiert. Es ist gut vorbereitet. Genus und Numerus stimmen überein.
Wir sprachen mit der Leiterin. Damit planten wir. Wir sprachen mit der Leiterin. Mit ihr planten wir. Bei Personen Präposition und Pronomen.
In jedem Satz steht der Roboter. Pro-Formen und Synonyme abwechseln. Wiederholungen wirken eintönig.

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