Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 8 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)
Formen der Redewiedergabe: Paraphrase, indirekte Rede, Infinitivkonstruktion, Modalverb
Bei einer Expertenrunde zum Insektensterben im Naturkundemuseum sagt eine Biologin: „Wir haben in den letzten Jahren deutlich weniger Wildbienen gezählt.“ Ein Schüler, der für die Schülerzeitung berichtet, hat mehrere Möglichkeiten, diese Aussage wiederzugeben. Er kann schreiben: Die Biologin berichtete, man habe deutlich weniger Wildbienen gezählt. Oder: Nach Angaben der Biologin ist die Zahl der Wildbienen deutlich gesunken. Oder: Die Biologin gab an, deutlich weniger Wildbienen gezählt zu haben. In der Jahrgangsstufe 7 hast du die indirekte Rede mit dem Konjunktiv I kennengelernt. In der Jahrgangsstufe 8 erweiterst du dein Repertoire um weitere Formen der Redewiedergabe und lernst, sie abwechslungsreich und genau einzusetzen.
1. Die indirekte Rede als Ausgangspunkt
Die Biologin berichtete, man habe deutlich weniger Wildbienen gezählt. Dieser Satz nutzt genau die Form, die du bereits aus der Jahrgangsstufe 7 kennst: ein redeeinleitendes Verb und den Konjunktiv I. Er gibt die Aussage sehr genau wieder und zeigt zugleich deutlich, dass sie nicht vom Berichterstatter stammt.
Die indirekte Rede ist die genaueste Form der Wiedergabe nach dem wörtlichen Zitat. Sie eignet sich besonders dann, wenn der genaue Wortlaut wichtig ist, etwa bei Behauptungen, Versprechen oder Forderungen. Ihr Nachteil zeigt sich in längeren Texten: Wer viele Aussagen hintereinander auf diese Weise wiedergibt, schreibt schnell eintönig. Satz für Satz mit sagte, dass und dem Konjunktiv wirkt schwerfällig. Deshalb lohnt es sich, weitere Formen zu kennen und abzuwechseln. Für die Bildung des Konjunktivs I und die Ersatzform gelten weiterhin die Regeln, die du bereits gelernt hast; hier geht es vor allem darum, die passende Form für den jeweiligen Zweck auszuwählen.
Merke: Fremde Aussagen kannst du mit indirekter Rede, Paraphrase, Infinitivkonstruktion oder Modalverb wiedergeben. Wechsle zwischen den Formen und kennzeichne immer deutlich, dass es sich um fremde Aussagen handelt.
2. Die Paraphrase
Nach Angaben der Biologin ist die Zahl der Wildbienen deutlich gesunken. Hier steht kein Konjunktiv, und die Formulierung weicht deutlich vom Original ab. Trotzdem ist klar, dass die Aussage von der Biologin stammt: Dafür sorgt die Wendung nach Angaben der Biologin.
Eine Paraphrase gibt den Inhalt einer Aussage sinngemäß in eigenen Worten wieder. Sie kann kürzer sein als das Original und mehrere Aussagen zusammenfassen. Damit der Leser erkennt, wessen Meinung gemeint ist, brauchst du einen Hinweis auf die Quelle: nach Angaben von, laut, wie die Biologin betont, aus Sicht der Biologin, der Expertin zufolge. Paraphrasen eignen sich besonders, wenn es auf den Inhalt und nicht auf den genauen Wortlaut ankommt, etwa in Inhaltsangaben und Zusammenfassungen. Achte dabei unbedingt darauf, den Sinn nicht zu verändern: Wer aus deutlich weniger einfach alle verschwunden macht, verfälscht die Aussage der Biologin.
3. Infinitivkonstruktion und Modalverb
Die Biologin gab an, deutlich weniger Wildbienen gezählt zu haben. Ein Besucher behauptete, als Kind noch viel mehr Schmetterlinge gesehen zu haben. Hier steht statt eines dass-Satzes jeweils eine Infinitivgruppe mit zu. Und: Ein Gutachten soll die Ursachen klären. Der Besucher will früher viel mehr Schmetterlinge gesehen haben.
Die Infinitivkonstruktion ist möglich, wenn das Subjekt der Aussage dasselbe ist wie das Subjekt des redeeinleitenden Verbs: Die Biologin gab an, sie habe gezählt, wird zu: Die Biologin gab an, gezählt zu haben. Sie wirkt knapp und elegant und kommt ohne Konjunktiv aus. Auch die Modalverben sollen und wollen können eine Wiedergabe kennzeichnen. Mit sollen gibst du wieder, was andere über jemanden behaupten: Der Wildbienenbestand soll sich halbiert haben, also: Es wird behauptet, er habe sich halbiert. Mit wollen gibst du wieder, was jemand über sich selbst behauptet: Er will früher mehr Schmetterlinge gesehen haben. Beide Formen enthalten oft einen leisen Zweifel: Der Schreiber übernimmt die Aussage nicht als gesichert.
Neben diesen Formen gibt es natürlich das wörtliche Zitat, das den genauen Wortlaut in Anführungszeichen übernimmt. Es ist dann angebracht, wenn eine Formulierung so treffend oder so bedeutsam ist, dass jede Umformung sie verfälschen würde. Setze Zitate aber nur sparsam und gezielt ein; ein Bericht, der nur aus Zitaten besteht, zeigt nicht, dass du den Inhalt verstanden hast. Wie du richtig zitierst und Zitate in deinen Text einbaust, lernst du auf einer eigenen Seite dieser Jahrgangsstufe.
| Form | Beispiel | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| indirekte Rede | Sie berichtete, man habe weniger Bienen gezählt. | wenn der Wortlaut wichtig ist |
| Paraphrase mit Quellenhinweis | Nach Angaben der Biologin ist die Zahl gesunken. | wenn es auf den Inhalt ankommt |
| Infinitivkonstruktion | Sie gab an, weniger Bienen gezählt zu haben. | bei gleichem Subjekt, knapp |
| Modalverb sollen | Der Bestand soll sich halbiert haben. | fremde Behauptung über etwas, Distanz |
| Modalverb wollen | Er will mehr Falter gesehen haben. | Behauptung über sich selbst, Zweifel |
4. Das redeeinleitende Verb wählen
Die Biologin sagte, die Lage sei ernst. Die Biologin warnte, die Lage sei ernst. Die Biologin räumte ein, die Lage sei ernst. Der Inhalt ist in allen drei Sätzen derselbe, doch das einleitende Verb verändert deutlich, wie der Leser die Aussage auffasst.
Redeeinleitende Verben wie sagen, berichten, betonen, warnen, einräumen, behaupten, bestreiten oder kritisieren zeigen, welche Absicht der Sprecher hatte. Sie können aber auch eine Wertung des Berichterstatters enthalten. Behaupten lässt Zweifel anklingen, betonen unterstreicht die Wichtigkeit, einräumen zeigt ein Zugeständnis. Wähle das einleitende Verb deshalb immer genau und mit Bedacht: Es soll die Absicht des Sprechers treffen, ohne deine eigene Meinung unbemerkt einzuschmuggeln. In Inhaltsangaben und Berichten ist das besonders wichtig, denn dort sollst du sachlich bleiben. In der Jahrgangsstufe 9 lernst du, wie du dich von Aussagen bewusst distanzierst und sie gezielt wertest.
Form und Wirkung: So deutest du es im Text
Der Bericht in der Schülerzeitung lautet: Die Biologin warnte, der Rückgang der Wildbienen sei alarmierend. Ihr zufolge fehlen vor allem blühende Wiesen. Ein Landwirt räumte ein, auch er beobachte weniger Insekten. Ein Besucher will dagegen keinen Unterschied bemerkt haben.
| Stelle | Form der Redewiedergabe | Wirkung |
|---|---|---|
| warnte, … sei alarmierend | indirekte Rede, Verb warnen | Dringlichkeit wird betont |
| Ihr zufolge fehlen … | Paraphrase mit Quellenhinweis | Ursache knapp wiedergegeben |
| räumte ein, … beobachte | indirekte Rede, Verb einräumen | Zugeständnis eines Betroffenen |
| will … bemerkt haben | Modalverb wollen | leiser Zweifel an der Aussage |
| Wechsel der Formen | Abwechslung | Bericht bleibt lebendig |
Durch den Wechsel der Formen bleibt der Bericht lebendig, und durch die Wahl der Verben erkennt der Leser die Haltungen der Beteiligten. Gleichzeitig zeigt das Modalverb wollen, dass der Schreiber die Aussage des Besuchers nicht für gesichert hält. Wer selbst berichtet, sollte solche Signale bewusst und sparsam setzen. Ein Bericht über eine Diskussion kann also mit denselben Inhalten ganz unterschiedlich wirken: sachlich, wenn neutrale Verben und einfache Wiedergaben überwiegen, oder deutlich wertend, wenn Verben wie behaupten oder Modalverben wie wollen gehäuft auftreten. Prüfe deshalb beim Überarbeiten, ob deine Wortwahl den Sprechern gerecht wird.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Die Zahl der Bienen ist gesunken. (ohne Quelle) | Nach Angaben der Biologin ist die Zahl gesunken. | Paraphrase braucht einen Quellenhinweis. |
| Sie gab an, dass sie gezählt habe, und sagte, dass …, und meinte, dass … | Formen abwechseln. | Sonst eintönig. |
| Er gab an, sie habe es gesehen zu haben. | Er gab an, es gesehen zu haben. | Infinitivkonstruktion nur bei gleichem Subjekt. |
| Der Bestand will sich halbiert haben. | Der Bestand soll sich halbiert haben. | Sollen für Behauptungen anderer. |
| Die Biologin behauptete, … (bei sachlicher Aussage) | Die Biologin berichtete, … | Behaupten wertet unbemerkt. |
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