Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 5 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)

Deklination, Komparation, Konjugation: wie Wörter ihre Form ändern

In der Sternwarte erklärt eine Astronomin: „Der Jupiter ist größer als die Erde. Die Monde des Jupiters kreisen um den Planeten. Gestern beobachteten wir den größten Mond durch das Teleskop.“ Das Wort Jupiter erscheint einmal als Jupiter, einmal als Jupiters. Aus groß wird größer und größten. Und aus beobachten wird beobachteten. Wörter verändern ihre Form, damit sie in den Satz passen und genau ausdrücken, was gemeint ist. Am Gymnasium lernst du für diese Veränderungen drei lateinische Fachbegriffe: Deklination, Komparation und Konjugation. Auf dieser Seite erfährst du, was sie bedeuten und wie du sie sicher anwendest.

1. Deklination: Nomen in vier Fällen

Vergleiche diese vier Sätze: „Der Planet leuchtet hell.“ „Die Bahn des Planeten ist lang.“ „Wir nähern uns dem Planeten.“ „Wir beobachten den Planeten.“ Das Nomen Planet und sein Artikel verändern sich, je nachdem, welche Rolle sie im Satz spielen. Diese Veränderung nennt man in der Grammatik Deklination.

Das Deutsche hat vier Kasus, also Fälle. Den Nominativ erfragst du mit wer oder was?, den Genitiv mit wessen?, den Dativ mit wem? und den Akkusativ mit wen oder was?. Außerdem verändert sich das Nomen im Numerus, also in der Zahl: Es steht im Singular (Einzahl) oder im Plural (Mehrzahl): der Planet, die Planeten. Jedes Nomen hat außerdem ein festes Genus, ein grammatisches Geschlecht: maskulin (der Mond), feminin (die Sonne) oder neutrum (das Teleskop). Auch Artikel, Pronomen und Adjektive werden dekliniert, wenn sie ein Nomen begleiten.

Der lateinische Fachbegriff: declinare heißt abwandeln, comparare vergleichen, coniugare verbinden. casus bedeutet Fall, numerus Zahl, genus Geschlecht. Der Dativ kommt von dare, geben, der Akkusativ von accusare, anklagen.

Vielleicht ist dir aufgefallen, dass Planet in allen Fällen außer dem Nominativ die Endung -en erhält: des Planeten, dem Planeten, den Planeten. So verhalten sich einige männliche Nomen, etwa der Astronom, der Mensch, der Held oder der Bär. Fehler entstehen hier leicht, weil man in der gesprochenen Sprache die Endung oft weglässt. In geschriebenen Texten heißt es aber korrekt: Wir sprachen mit dem Astronomen, nicht mit dem Astronom.

2. Komparation: Adjektive vergleichen

Die Erde ist groß. Der Saturn ist größer als die Erde. Der Jupiter ist der größte Planet unseres Sonnensystems. In diesen drei Sätzen wird dasselbe Adjektiv in drei Stufen verwendet. Diese Steigerung heißt Komparation.

Die Grundstufe heißt Positiv: groß. Die erste Steigerungsstufe heißt Komparativ: größer. Mit ihm vergleichst du zwei Dinge, die verschieden sind, und verwendest dabei als: größer als die Erde. Die höchste Stufe heißt Superlativ: am größten oder der größte. Bei Gleichheit verwendest du den Positiv mit wie: so groß wie. Manche Adjektive haben unregelmäßige Formen, die du dir merken musst: gut, besser, am besten; viel, mehr, am meisten; gern, lieber, am liebsten. Einige Adjektive lassen sich nicht sinnvoll steigern, etwa tot, einzig oder dreieckig, weil es von ihnen keine Abstufungen gibt.

Gerade in Sachtexten sind Vergleiche besonders hilfreich, weil sie Unvorstellbares greifbar machen. Dass der Jupiter riesig ist, sagt wenig. Dass er größer ist als alle anderen Planeten zusammen, bleibt im Gedächtnis. Achte beim Vergleichen darauf, dass der Vergleich stimmt und nachprüfbar ist, und übertreibe nicht mit Superlativen. Wer jede Aussage steigert, nimmt seinen Steigerungen die Wirkung.

3. Konjugation: Verben in Person, Zahl und Zeit

Ich beobachte den Himmel. Du beobachtest ihn. Sie beobachteten ihn gestern. Wir werden ihn morgen beobachten. Das Verb verändert seine Form, je nachdem, wer etwas tut und wann es geschieht. Diese Veränderung heißt Konjugation.

Beim Konjugieren richtet sich das Verb nach der Person (ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie) und nach dem Numerus (Singular oder Plural). Außerdem zeigt es das Tempus, also die Zeit, an. Die Grundform eines Verbs heißt Infinitiv: beobachten, sehen, sein. Die Form, die sich nach Person und Zahl richtet, heißt Personalform oder finite Form. Man unterscheidet regelmäßige Verben wie beobachten, beobachtete, beobachtet und unregelmäßige Verben, die ihren Stammvokal ändern: sehen, sah, gesehen.

Fachbegriff betrifft Beispiel
Deklination Nomen, Artikel, Pronomen, Adjektiv der Planet, des Planeten
Kasus vier Fälle Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ
Komparation Adjektive groß, größer, am größten
Konjugation Verben ich beobachte, du beobachtest
Flexion Oberbegriff für alle Formveränderungen Deklination, Komparation, Konjugation

4. Die Formen sicher bestimmen

Im Satz „Den hellsten Stern sahen wir erst spät.“ kannst du alle drei Veränderungen entdecken. Den Stern steht im Akkusativ, Singular, maskulin. Hellsten ist der Superlativ von hell und wird dabei dekliniert. Sahen ist die Personalform von sehen in der ersten Person Plural, Präteritum, und das Verb ist unregelmäßig.

Wenn du eine Form bestimmen willst, gehe in Schritten vor. Frage zuerst nach der Wortart: Ist es ein Nomen, ein Adjektiv oder ein Verb? Bei Nomen bestimmst du Kasus, Numerus und Genus, bei Adjektiven die Steigerungsstufe, bei Verben Person, Numerus und Tempus. Die Fragewörter wer, wessen, wem und wen helfen dir zuverlässig beim Bestimmen des Kasus. Für das Genus hilft der Artikel im Nominativ Singular weiter. Den Oberbegriff für alle diese Formveränderungen nennt man übrigens Flexion, vom lateinischen flectere, biegen.

Diese Begriffe brauchst du nicht nur im Deutschunterricht. In Latein, Französisch und Englisch gibt es ebenfalls Fälle, Steigerungen und Verbformen, die mit denselben Fachwörtern beschrieben werden. Wer sie im Deutschen gründlich verstanden hat, erkennt sie in jeder neuen Sprache viel leichter wieder.

Form und Wirkung: So deutest du es im Text

Ein Text für eine Ausstellung über das Sonnensystem beginnt: Der Jupiter ist der größte Planet. Er ist größer als alle anderen Planeten zusammen. Sein Großer Roter Fleck ist ein riesiger Sturm, der seit mindestens 150 Jahren beobachtet wird.

Beobachtung Formveränderung Wirkung
der größte Planet Superlativ Jupiter wird hervorgehoben
größer als alle anderen zusammen Komparativ eindrucksvoller Vergleich
sein Großer Roter Fleck Deklination des Possessivpronomens Zugehörigkeit zum Jupiter
beobachtet wird Präsens, dritte Person der Sturm wirkt gegenwärtig
seit mindestens 150 Jahren Dativ Plural lange Dauer wird betont

Die Steigerungsformen machen den Text eindrucksvoll, die Verbform im Präsens lässt den Sturm lebendig erscheinen. So tragen die Formveränderungen nicht nur zur Richtigkeit, sondern auch zur Wirkung bei. Wenn du selbst einen Sachtext schreibst, prüfe beim Überarbeiten drei Dinge: Stimmen die Fälle nach Präpositionen und Verben? Sind die Vergleiche mit als und wie richtig gebildet? Passt die Verbform zu Person, Zahl und Zeit? Mit diesen drei einfachen Fragen findest du die häufigsten Fehler in deinem Text erstaunlich schnell.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Der Jupiter ist größer wie die Erde. Der Jupiter ist größer als die Erde. Nach dem Komparativ steht als.
Das ist der beste Teleskop. Das ist das beste Teleskop. Teleskop ist neutrum.
Wir nähern uns den Planet. Wir nähern uns dem Planeten. Nach sich nähern steht der Dativ.
Er seht den Mond. Er sieht den Mond. Sehen ändert den Stammvokal.
Dieser Stern ist am einzigsten. Dieser Stern ist der einzige. Einzig lässt sich nicht steigern.

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