BwR · Fachoberschule Bayern · Jahrgangsstufe 12 · alter Lehrplan / Übergang
MaterialwirtschaftFOS/BOS BayernUNTERNEHMER AG
Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern und dem vorhandenen lern.de-Skriptbestand.
Materialwirtschaft – Materialien bedarfsgerecht, sicher und wirtschaftlich beschaffen
Materialwirtschaft stellt benötigte Werkstoffe in ausreichendem Maß, zum richtigen Zeitpunkt und zu möglichst niedrigen Kosten bereit. Im vorhandenen Skript werden die Bereiche Disposition, Einkauf und Lagerhaltung miteinander verbunden.
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Aufgaben und Zielkonflikte der Materialwirtschaft
- Bedarfsermittlung
- Bestellpunktverfahren und Meldebestand
- Lagerkennzahlen
- Optimale Bestellmenge
- ABC-Analyse
- Angebotsvergleich
- Lieferantenmatrix
- Vom Bedarf bis zur Lieferantenentscheidung
- Großfall UNTERNEHMER AG
- Typische Fehler
- Lagerkennzahlen als zusammenhängendes Steuerungssystem
- Optimale Bestellmenge: Zielkonflikt rechnerisch und grafisch
- ABC-Analyse: Wertanteile erkennen und Maßnahmen ableiten
- Angebotsvergleich: Preis und Qualität gemeinsam beurteilen
- Lieferantenmatrix: gewichtete Entscheidung transparent machen
- Gesamtfall: Beschaffung bei der UNTERNEHMER AG
- Prüfungstraining
- Zusammenfassung
1. Aufgaben und Zielkonflikte der Materialwirtschaft
Die drei im Skript genannten Bereiche sind eng verknüpft: Die Disposition ermittelt Art, Menge und Zeitpunkt des Bedarfs, der Einkauf beschafft die Materialien, die Lagerhaltung sichert die Versorgung zwischen Beschaffung und Produktion.
Das Fünfeck ist „magisch“, weil nicht alle Ziele gleichzeitig maximal erreicht werden können: Hohe Sicherheitsbestände erhöhen die Versorgungssicherheit, binden aber Kapital und verursachen Lagerkosten.
2. Bedarfsermittlung
| bedarfsgesteuert | verbrauchsgesteuert |
|---|---|
| zukunftsorientiert; an vorhandenen Kundenaufträgen bzw. geplantem Bedarf orientiert | vergangenheitsorientiert; aus früheren Materialverbräuchen abgeleitet |
3. Bestellpunktverfahren und Meldebestand
Beim Bestellpunktverfahren löst das Erreichen des Meldebestands eine Bestellung aus. Die Lieferung trifft nach der Beschaffungszeit ein. Der Sicherheitsbestand soll ungeplante Verzögerungen oder Mehrverbräuche auffangen.
\(Meldebestand=Tagesverbrauch\cdot Beschaffungszeit+Sicherheitsbestand\)
4. Lagerkennzahlen
\(\text{Umschlagshäufigkeit}=\frac{Jahresverbrauch}{\varnothing Lagerbestand}\qquad \varnothing Lagerdauer=\frac{360}{Umschlagshäufigkeit}\)
\(\varnothing Lagerbestand=\frac{Bestellmenge}{2}+Mindestbestand\)
| Kennzahl | Formel / Aussage |
|---|---|
| Bestellmenge | Höchstbestand − Mindestbestand |
| Ø Kapitalbindung | Ø Lagerbestand · Einstandspreis |
| Lagerzinssatz | Jahreszins · Ø Lagerdauer / 360 |
| Lagerzinsen | Lagerzinssatz · Ø Kapitalbindung |
| Ø Lagerkosten | Ø Lagerbestand · Lagerkosten je Stück |
5. Optimale Bestellmenge
Viele kleine Bestellungen senken den durchschnittlichen Lagerbestand, erhöhen aber die Bestellkosten. Große Bestellmengen wirken umgekehrt. Gesucht wird das Kostenminimum.
\(\text{optimale Bestellmenge}=\sqrt{\frac{2\cdot Jahresbedarf\cdot fixe\ Bestellkosten}{Einstandspreis\cdot Lagerhaltungskostensatz}}\)
Im Skript gilt: Lagerhaltungskostensatz = Zinssatz + Lagerkostensatz.
| Bestellmenge | Bestellkosten | Lagerkosten | Gesamtkosten |
|---|---|---|---|
| 400 | 58 € | 160 € | 218 € |
| 200 | 88 € | 80 € | 168 € |
| 100 | 118 € | 40 € | 158 € |
| 50 | 148 € | 20 € | 168 € |
| 25 | 178 € | 10 € | 188 € |
6. ABC-Analyse
Das Skript ordnet Werkstoffe nach ihrem Anteil am Gesamtverbrauchswert. A-Güter binden den größten Wertanteil und benötigen besonders genaue Disposition und Kontrolle; B- und C-Güter werden mit abgestuftem Aufwand gesteuert.
| Gruppe | Wertanteil laut Skript | Disposition |
|---|---|---|
| A | ca. 75–80 % | sehr genau; ggf. Just-in-Time |
| B | ca. 10–20 % | mittlere Kontrolle; z. B. optimale Bestellmenge/Bestellpunkt |
| C | ca. 5 % | vereinfachte Kontrolle; höhere Sicherheitsbestände möglich |
7. Angebotsvergleich
Der quantitative Angebotsvergleich führt vom Listeneinkaufspreis über Rabatt und Skonto zum Bezugspreis. Erst auf dieser Basis sind Angebote mit unterschiedlichen Konditionen sinnvoll vergleichbar.
| Rechenschritt | Betrag |
|---|---|
| Listeneinkaufspreis | 100.000 € |
| − 10 % Liefererrabatt | − 10.000 € |
| = Zieleinkaufspreis | 90.000 € |
| − 2 % Liefererskonto | − 1.800 € |
| = Bareinkaufspreis | 88.200 € |
| + Bezugskosten | 2.800 € |
| = Bezugspreis | 91.000 € |
8. Lieferantenmatrix
Das Skript betont ausdrücklich: Das billigste Angebot muss nicht die beste Beschaffungsentscheidung sein. Preis, Qualität, Lieferzuverlässigkeit und weitere Kriterien können gewichtet und bewertet werden.
| Kriterium | Gewicht | Lieferant A Punkte | gewichtet | Lieferant B Punkte | gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Preis | 40 % | 5 | 2,00 | 4 | 1,60 |
| Qualität | 30 % | 3 | 0,90 | 5 | 1,50 |
| Lieferzuverlässigkeit | 20 % | 3 | 0,60 | 5 | 1,00 |
| Nachhaltigkeit/Service | 10 % | 3 | 0,30 | 4 | 0,40 |
| Summe | 100 % | 3,80 | 4,50 |
Lieferant B erreicht trotz eines schwächeren Preisurteils die höhere gewichtete Gesamtpunktzahl. Die Matrix macht Werturteile transparent; die Wahl der Gewichte bleibt eine unternehmerische Entscheidung.
9. Vom Bedarf bis zur Lieferantenentscheidung
10. Großfall UNTERNEHMER AG
- Bestimmen Sie Tagesverbrauch, Sicherheitsbestand und Meldebestand.
- Ermitteln Sie Umschlagshäufigkeit und durchschnittliche Lagerdauer.
- Berechnen Sie durchschnittlichen Lagerbestand und Kapitalbindung.
- Bestimmen Sie die optimale Bestellmenge.
- Ordnen Sie Materialien anhand ihrer Verbrauchswerte einer ABC-Analyse zu.
- Führen Sie einen Bezugspreisvergleich durch.
- Bewerten Sie die Lieferanten anschließend mit einer gewichteten Lieferantenmatrix.
- Beurteilen Sie Zielkonflikte zwischen Kosten, Versorgungssicherheit, Qualität, Kapitalbindung und Umweltschutz.
11. Typische Fehler
| Fehler | Korrektur |
|---|---|
| Sicherheitsbestand in Tagen direkt zum Meldebestand addieren | zuerst in Stück umrechnen |
| Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer verwechseln | Einheiten prüfen |
| nur Bestellkosten minimieren | Bestell- und Lagerkosten gemeinsam betrachten |
| ABC-Klassen nach Stückzahl statt Verbrauchswert bilden | Verbrauchswert und Kumulation verwenden |
| billigsten Listenpreis auswählen | Bezugspreis und qualitative Kriterien prüfen |
14. Lagerkennzahlen als zusammenhängendes Steuerungssystem
Die Lagerkennzahlen dürfen nicht isoliert gelernt werden. Sie beschreiben gemeinsam, wie stark Kapital im Lager gebunden ist und wie schnell sich der durchschnittliche Bestand erneuert. Für die UNTERNEHMER AG beträgt der Jahresverbrauch im Ausgangsfall 18.000 Stück und der durchschnittliche Lagerbestand 1.000 Stück.
| Kennzahl | Formel | Beispiel | Interpretation |
|---|---|---|---|
| Lagerumschlag | Jahresverbrauch / durchschnittlicher Lagerbestand | 18.000 / 1.000 = 18 | Der durchschnittliche Bestand wird 18-mal pro Jahr umgesetzt. |
| durchschnittliche Lagerdauer | 360 / Lagerumschlag | 360 / 18 = 20 Tage | Material liegt durchschnittlich 20 Tage im Lager. |
| Lagerzinssatz | Jahreszinssatz × Lagerdauer / 360 | abhängig vom Zinssatz | macht die zeitanteilige Kapitalbindung sichtbar. |
| Lagerzinsen | durchschnittliche Kapitalbindung × Lagerzinssatz / 100 | abhängig von Einstandspreis und Zinssatz | Kosten der Kapitalbindung im Lager. |
15. Optimale Bestellmenge: Zielkonflikt rechnerisch und grafisch
Mit steigender Bestellmenge sinkt die Zahl der Bestellungen und damit die Summe der Bestellkosten. Gleichzeitig wächst der durchschnittliche Lagerbestand und damit die Lagerhaltungskosten. Die optimale Bestellmenge liegt dort, wo die Summe beider Kostenarten minimal ist.
\\(q_{opt}=\\sqrt{\\frac{2\\cdot Jahresbedarf\\cdot fixe\\ Bestellkosten}{Einstandspreis\\cdot Lagerhaltungskostensatz}}\\)
mit: Lagerhaltungskostensatz = Lagerkostensatz + Zinssatz
16. ABC-Analyse: Wertanteile erkennen und Maßnahmen ableiten
Die ABC-Analyse konzentriert die Aufmerksamkeit auf Materialien mit unterschiedlicher wirtschaftlicher Bedeutung. Im Ausgangsbeispiel des Skripts werden 200 Materialien betrachtet: 20 A-Materialien verursachen rund 85 % bzw. 204 Mio. € des Verbrauchswerts, 60 B-Materialien rund 10 % bzw. 24 Mio. €; die verbleibenden 120 C-Materialien entfallen auf den Rest.
| Klasse | typische Bedeutung | Steuerungsansatz |
|---|---|---|
| A | wenige Positionen, sehr hoher Wertanteil | intensive Planung, genaue Bestandskontrolle, sorgfältige Lieferantenauswahl |
| B | mittlere Bedeutung | regelmäßige Kontrolle mit angemessenem Aufwand |
| C | viele Positionen, geringer Wertanteil | vereinfachte Verfahren und wirtschaftliche Prozessgestaltung |
17. Angebotsvergleich: Preis und Qualität gemeinsam beurteilen
Der günstigste Listenpreis ist nicht automatisch das wirtschaftlichste Angebot. Zunächst wird ein quantitativer Angebotsvergleich bis zum Bezugspreis durchgeführt. Danach werden qualitative Kriterien einbezogen.
| Rechenschritt | Angebot A | Angebot B |
|---|---|---|
| Listeneinkaufspreis | 50.000 € | 49.000 € |
| − Liefererrabatt | 5.000 € | 2.450 € |
| = Zieleinkaufspreis | 45.000 € | 46.550 € |
| − Liefererskonto | 900 € | 931 € |
| = Bareinkaufspreis | 44.100 € | 45.619 € |
| + Bezugskosten | 1.300 € | 300 € |
| = Bezugspreis | 45.400 € | 45.919 € |
Die quantitative Rechnung ist nur die erste Stufe. Lieferqualität, Termintreue, Service, Nachhaltigkeitsanforderungen oder Abhängigkeiten können die Entscheidung verändern.
18. Lieferantenmatrix: gewichtete Entscheidung transparent machen
Eine Lieferantenmatrix verbindet mehrere Kriterien. Gewichtung und Bewertung müssen nachvollziehbar sein; ein rechnerischer Gesamtscore ersetzt die fachliche Begründung nicht.
| Kriterium | Gewicht | Lieferant A (1–5) | gewichtet | Lieferant B (1–5) | gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Preis | 35 % | 5 | 1,75 | 4 | 1,40 |
| Qualität | 30 % | 3 | 0,90 | 5 | 1,50 |
| Termintreue | 20 % | 3 | 0,60 | 5 | 1,00 |
| Service | 15 % | 4 | 0,60 | 4 | 0,60 |
| Gesamt | 100 % | 3,85 | 4,50 |
19. Gesamtfall: Beschaffung bei der UNTERNEHMER AG
- Bedarf ermitteln und Verfahren begründen.
- Meldebestand aus Tagesverbrauch, Beschaffungszeit und Sicherheitsbestand berechnen.
- Bestellmenge unter Kostenaspekten untersuchen.
- Lagerumschlag, Lagerdauer und Kapitalbindung interpretieren.
- Materialien nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung klassifizieren.
- Angebote quantitativ bis zum Bezugspreis vergleichen.
- Qualitative Kriterien in einer Lieferantenmatrix bewerten.
- Beschaffungsentscheidung abschließend unter Kosten-, Sicherheits-, Qualitäts- und Kapitalbindungszielen begründen.
12. Prüfungstraining
13. Zusammenfassung
✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator
Erzeuge dir zu Materialwirtschaft, Lagerkennzahlen, Bestellpunktverfahren, optimaler Bestellmenge, ABC-Analyse und Lieferantenauswahl weitere Aufgaben mit Lösungsweg.
Quellenbasis: lern.de-Skript Materialwirtschaft12BWR.tex. Die SVG-Darstellungen übernehmen die didaktische Logik der dort vorhandenen TikZ-Skizzen: magisches Fünfeck, Bestellpunkt/Lagerbestand, Kostenverläufe der optimalen Bestellmenge und ABC-Kumulation.
20. Lernbereich auf einen Blick
- Materialbedarf, Lieferbereitschaft und Kapitalbindung als Zielkonflikt verstehen.
- Bestellpunkt, Meldebestand und Lagerkennzahlen zur Steuerung der Versorgung einsetzen.
- Optimale Bestellmenge als Ausgleich von Bestell- und Lagerhaltungskosten bestimmen.
- ABC-Analyse zur Priorisierung von Materialien nutzen.
- Angebotsvergleich und Lieferantenmatrix zur transparenten Beschaffungsentscheidung einsetzen.
Einordnung: Dieser Stoff gehört im alten FOS-Lehrplan zu BwR 11, Lernbereich 2, nicht zu einem BwR-12-Lernbereich.
