BwR · FOS/BOS Bayern · Klasse 11 · Materialwirtschaft

Materialwirtschaft: Beschaffung, Bestellpunkt, optimale Bestellmenge und Lagerkennzahlen

Die Materialwirtschaft sorgt dafür, dass die richtigen Werkstoffe in der richtigen Menge zur richtigen Zeit bereitstehen – zu möglichst geringen Kosten. Diese Seite zeigt den Angebotsvergleich, das Bestellpunktverfahren (Meldebestand), die optimale Bestellmenge und die wichtigsten Lagerkennzahlen.

Unser Betrieb: die UNTERNEHMER AG beschafft den Rohstoff für ihre Produktion.

Inhaltsverzeichnis

  1. Beschaffung: Angebotsvergleich & Lieferantenmatrix
  2. Bestellpunktverfahren (Meldebestand)
  3. Optimale Bestellmenge (Andler)
  4. ABC-Analyse
  5. Lagerkennzahlen
  6. Typische Prüfungsfehler
  7. Auf einen Blick

1. Beschaffung: Angebotsvergleich & Lieferantenmatrix

Vor dem Einkauf werden die Angebote verglichen. Beim quantitativen Angebotsvergleich zählt der günstigste Bezugspreis (Listenpreis − Rabatt − Skonto + Bezugskosten). Beim qualitativen Vergleich (Lieferantenmatrix) werden zusätzlich Qualität, Lieferzuverlässigkeit, Service und Zahlungsbedingungen gewichtet.

Bezugspreis (netto): Listeneinkaufspreis − Liefererrabatt = Zieleinkaufspreis − Liefererskonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Bezugspreis. Der niedrigste Bezugspreis gewinnt den quantitativen Vergleich.

2. Bestellpunktverfahren (Meldebestand)

Beim Bestellpunktverfahren wird bestellt, sobald der Lagerbestand den Meldebestand erreicht. So trifft die neue Ware ein, bevor der Sicherheitsbestand angetastet wird:

\( \text{Meldebestand} = \text{Tagesverbrauch} \cdot \text{Beschaffungszeit} + \text{Sicherheitsbestand} \)
ZeitLagerbestandMeldebestandSicherheitsbestandBestellungBeschaffungszeit

Beispiel: Jahresverbrauch 10.000 Stück, 250 Arbeitstage → Tagesverbrauch 40 Stück. Beschaffungszeit 10 Tage, Sicherheitsbestand 100 Stück.
Meldebestand = 40 × 10 + 100 = 500 Stück.

3. Optimale Bestellmenge (Andler)

Die optimale Bestellmenge minimiert die Summe aus Bestellkosten (sinken bei großen Mengen) und Lagerkosten (steigen bei großen Mengen) – mit der Andler-Formel:

\( x_{opt} = \sqrt{\dfrac{200 \cdot \text{Jahresbedarf} \cdot \text{fixe Bestellkosten}}{\text{Einstandspreis} \cdot \text{Lagerhaltungskostensatz}}} \)

Beispiel: Jahresbedarf 10.000 Stück, fixe Bestellkosten 40 €, Einstandspreis 5 €, Lagerhaltungskostensatz 16 %.
\( x_{opt}=\sqrt{\dfrac{2 \cdot 10.000 \cdot 40}{5 \cdot 0{,}16}}=\sqrt{1.000.000}= \) 1.000 Stück.

Lagerhaltungskostensatz = Zinssatz + Lagerkostensatz. Bei Just-in-Time-Beschaffung entfällt die Lagerhaltung weitgehend.

4. ABC-Analyse

Die ABC-Analyse ordnet alle Werkstoffe nach ihrem Anteil am Gesamtverbrauchswert in drei Gruppen:

Beispiel: Die UNTERNEHMER AG hat 200 verschiedene Materialien. Die 20 A-Güter (10 % der Güter) machen 85 % des Verbrauchswerts aus, die 60 B-Güter weitere 10 % (zusammen 95 %), die 120 C-Güter nur 5 % (zusammen 100 %).

Grafisch ergibt sich die typische ABC-Kurve (Lorenzkurve): wenige Güter (A) tragen den Großteil des Werts – die Kurve steigt zuerst steil, dann flach:

002020404060608080100100ABCkumulierter Mengenanteil (%)kumulierter Wertanteil (%)
Gruppe Wertanteil Mengenanteil Behandlung
A-Güter ca. 75–80 % wenige Güter genaue Disposition & Kontrolle
B-Güter ca. 15 % mittel normale Beobachtung
C-Güter ca. 5 % viele Güter vereinfachte Disposition

5. Lagerkennzahlen

Mit Lagerkennzahlen steuert der Betrieb die Lagerhaltung:

Kennzahl Formel Beispiel
Ø Lagerbestand (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2 (1.400 + 600) ÷ 2 = 1.000
Umschlagshäufigkeit Jahresverbrauch ÷ Ø Lagerbestand 10.000 ÷ 1.000 = 10 ×
Ø Lagerdauer 360 ÷ Umschlagshäufigkeit 360 ÷ 10 = 36 Tage
💡 Faustregel: hohe Umschlagshäufigkeit = kurze Lagerdauer = weniger Kapitalbindung und Lagerkosten.

6. Typische Prüfungsfehler

✗ Falsch

Sicherheitsbestand beim Meldebestand vergessen.

✓ Richtig

Meldebestand = Tagesverbrauch × Beschaffungszeit + Sicherheitsbestand.

✗ Falsch

ABC nach Mengenanteil statt Wertanteil bilden.

✓ Richtig

Maßgeblich ist der Wertanteil am Gesamtverbrauch (A = hoher Wert, wenige Güter).

✗ Falsch

Ø Lagerdauer mit 365 statt 360 rechnen.

✓ Richtig

In der BwR wird kaufmännisch mit 360 Tagen gerechnet.

7. Auf einen Blick

  • Angebotsvergleich: quantitativ (Bezugspreis) + qualitativ (Lieferantenmatrix).
  • Meldebestand = Tagesverbrauch × Beschaffungszeit + Sicherheitsbestand.
  • Optimale Bestellmenge (Andler): Bestell- vs. Lagerkosten im Minimum.
  • ABC-Analyse nach Wertanteil (A 75–80 %).
  • Lagerkennzahlen: Ø-Lagerbestand, Umschlagshäufigkeit, Ø-Lagerdauer (360 Tage).

✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator

Erzeuge dir Materialwirtschafts-Aufgaben (Meldebestand, optimale Bestellmenge, ABC-Analyse, Lagerkennzahlen) mit vollständigem Lösungsweg.

Aufgaben erzeugen →

🎮 Live-Quiz für die Klasse

Teste dein Wissen im interaktiven Quiz – mit Sofort-Erklärung nach jeder Frage. Für Lehrkräfte: eigenes Klassen-Quiz starten.

Live-Quiz entdecken →
Nach oben scrollen

Betriebsferien vom
31.07. bis 14.09.2026

Liebe Kunden/Besucher,

Ihre digitalen Zugänge funktionieren wie gewohnt. Nach der Buchung erhalten Sie den Zugang sofort und automatisch – dafür ist keine Bearbeitung durch uns nötig.

Persönlich sind wir vom 31.07. bis 14.09.2026 nicht erreichbar. E-Mails beantworten wir ab dem 15.09.2026 in der Reihenfolge des Eingangs. Terminvereinbarungen sind ab dann wieder möglich.

Ihr lern.de – Team