Sich im Unternehmen orientieren und betriebliche Zielsetzungen überprüfen

BwR 11 ALT · Lernbereich 1 · ca. 8 Unterrichtsstunden
Grundlage ist das lern.de-Verlagsskript „Ziele des Unternehmens“. Die Skriptinhalte werden lehrplangerecht um Operationalisierung und Kennzahlen erweitert.

Inhaltsverzeichnis

  1. Industriebetrieb als Organisation
  2. Funktionsbereiche
  3. Betriebliche Produktionsfaktoren
  4. Unternehmensziele
  5. Ökonomische Ziele
  6. Ökologische und ethisch-soziale Ziele
  7. Zielbeziehungen
  8. Zielkonflikte entscheiden
  9. Ziele operationalisieren
  10. Rentabilität
  11. Produktivität
  12. Wirtschaftlichkeit
  13. Großfall UNTERNEHMER AG
  14. Typische Prüfungsfehler
  15. Prüfungs- und Transfertraining
  16. Lernbereich auf einen Blick

1. Industriebetrieb als Organisation

Ein Industriebetrieb kombiniert menschliche Arbeitsleistung, Betriebsmittel und Werkstoffe, um marktfähige Leistungen zu erstellen. Entscheidend ist das Zusammenwirken der betrieblichen Funktionsbereiche: Eine isolierte Betrachtung einzelner Abteilungen erklärt den betrieblichen Leistungsprozess nicht.

2. Funktionsbereiche

Funktionsbereich Aufgabe Beispiel UNTERNEHMER AG
Materialwirtschaft Material bedarfsgerecht beschaffen und bereitstellen Rohstoffe und Fremdbauteile
Produktion Produktionsfaktoren kombinieren Fertigung
Absatz Leistungen vermarkten und verkaufen Vertrieb
Finanzwirtschaft Kapital beschaffen und verwenden Finanzierung von Maschinen
Rechnungswesen Werteströme erfassen, auswerten und kontrollieren GuV/Kostenrechnung
Personalwirtschaft Personal beschaffen und einsetzen Personalplanung
Unternehmensführung Ziele setzen, Entscheidungen koordinieren und kontrollieren Strategische Vorgaben

3. Betriebliche Produktionsfaktoren

Im Leistungsprozess werden Arbeitsleistung, Betriebsmittel und Werkstoffe kombiniert. Die Qualität dieser Kombination beeinflusst Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Zielerreichung.

4. Unternehmensziele

Unternehmensziele geben einen angestrebten zukünftigen Zustand vor. Das Verlagsskript unterscheidet ökonomische, ökologische und ethisch-soziale Ziele. Ziele ermöglichen Planung, Koordination und Kontrolle.

5. Ökonomische Ziele

Ökonomische Ziele sichern die wirtschaftliche Grundlage des Unternehmens. Monetäre Ziele können etwa Gewinn, Rentabilität, Umsatz oder Liquidität betreffen; nichtmonetäre ökonomische Ziele beispielsweise Marktstellung, Qualität oder Kundenbindung.

UNTERNEHMER AG: „Der Gewinn soll steigen“ ist noch nicht hinreichend operationalisiert. „Der Jahresgewinn soll bis 31.12. um 8 % gegenüber dem Vorjahr steigen“ enthält Zielinhalt, Zielausmaß und Zeitbezug.

6. Ökologische und ethisch-soziale Ziele

Ökologische Ziele beziehen sich z. B. auf Ressourcenverbrauch, Emissionen oder Abfall. Ethisch-soziale Ziele betreffen u. a. Beschäftigte, Arbeitsbedingungen, Verantwortung und faire Beziehungen zu Anspruchsgruppen. Solche Ziele können ökonomische Wirkungen auslösen, sind aber nicht auf kurzfristigen Gewinn zu reduzieren.

7. Zielbeziehungen

Beziehung Bedeutung Beispiel
komplementär Die Verfolgung eines Ziels unterstützt ein anderes. Energieeinsparung senkt Emissionen und Energiekosten.
konkurrierend Eine stärkere Zielerreichung erschwert ein anderes Ziel. Höhere kurzfristige Ausschüttung kann Investitionsspielraum verringern.
indifferent Zwischen den Zielen besteht im betrachteten Fall kein erkennbarer Zusammenhang. Die Ziele beeinflussen sich nicht wesentlich.

8. Zielkonflikte begründet entscheiden

Bei konkurrierenden Zielen reicht es nicht, den Konflikt nur zu benennen. Lernende gewichten die Ziele anhand der Unternehmenssituation, erläutern Folgen und setzen begründete Prioritäten.

9. Ziele operationalisieren

Ein überprüfbares Ziel benötigt mindestens Zielinhalt, Zielausmaß und Zeitbezug. Erst dann lässt sich die Zielerreichung anhand geeigneter Daten bzw. Kennzahlen kontrollieren.

Prüfungsfehler: „Produktivität verbessern“ ist keine vollständige Operationalisierung. Es fehlen mindestens messbares Ausmaß und Termin.

10. Rentabilität

Rentabilität setzt einen Erfolg in Beziehung zum dafür eingesetzten Kapital. Sie beantwortet damit eine andere Frage als der absolute Gewinn.

Grundlogik: Rentabilität = Erfolg / eingesetztes Kapital × 100. Ein höherer Gewinn bedeutet nicht automatisch eine höhere Rentabilität, wenn das eingesetzte Kapital überproportional steigt.

11. Produktivität

Produktivität misst das mengenmäßige Verhältnis von Output zu Input.

Beispiel: 2.400 Stück werden in 300 Arbeitsstunden gefertigt. Arbeitsproduktivität = 2.400 / 300 = 8 Stück je Arbeitsstunde.

12. Wirtschaftlichkeit

Wirtschaftlichkeit vergleicht wertmäßigen Ertrag und Aufwand. Ein Wert über 1 zeigt, dass der Ertrag den Aufwand übersteigt.

Beispiel: Ertrag 540.000 €, Aufwand 500.000 € → Wirtschaftlichkeit = 1,08.

13. Großfall UNTERNEHMER AG

Die UNTERNEHMER AG plant eine Produktionsausweitung. Gleichzeitig sollen Energieverbrauch und Krankenquote sinken. Der Vorstand erwartet höhere Rentabilität.

  1. Ordnen Sie die Ziele den Zielarten zu.
  2. Operationalisieren Sie drei Ziele vollständig.
  3. Analysieren Sie mögliche komplementäre und konkurrierende Beziehungen.
  4. Berechnen und interpretieren Sie vorgegebene Produktivitäts-, Wirtschaftlichkeits- und Rentabilitätskennzahlen.
  5. Setzen Sie in einem Zielkonflikt eine begründete Priorität.

14. Typische Prüfungsfehler

Fehler Richtig
Gewinn und Rentabilität gleichsetzen Absolute Erfolgsgröße und relative Kapitalverzinsung unterscheiden.
Produktivität mit Wirtschaftlichkeit verwechseln mengenmäßiges Input-Output-Verhältnis versus wertmäßiges Ertrag-Aufwand-Verhältnis.
Zielbeziehung nur nennen Wirkungszusammenhang am konkreten Fall erklären.
unklares Ziel als operationalisiert bezeichnen Inhalt, Ausmaß und Zeitbezug prüfen.

15. Prüfungs- und Transfertraining

  1. Ordnen Sie betriebliche Vorgänge den sieben Funktionsbereichen zu.
  2. Formulieren Sie je ein ökonomisches, ökologisches und ethisch-soziales Ziel.
  3. Operationalisieren Sie zwei unpräzise Unternehmensziele.
  4. Analysieren Sie drei Zielpaare hinsichtlich ihrer Zielbeziehung.
  5. Berechnen und interpretieren Sie Produktivität und Wirtschaftlichkeit.
  6. Beurteilen Sie einen Zielkonflikt der UNTERNEHMER AG unter Angabe einer begründeten Priorität.

16. Lernbereich auf einen Blick

  • Sieben Funktionsbereiche eines Industriebetriebs sicher unterscheiden.
  • Ökonomische, ökologische und ethisch-soziale Ziele einordnen.
  • Komplementäre, konkurrierende und indifferente Zielbeziehungen erklären.
  • Ziele über Inhalt, Ausmaß und Zeitbezug operationalisieren.
  • Rentabilität, Produktivität und Wirtschaftlichkeit berechnen und interpretieren.
  • Zielkonflikte nicht nur erkennen, sondern begründet entscheiden.
LehrplanPLUS-Hinweis: FOS Bayern, BwR 11 ALT, LB1 „Sich im Unternehmen orientieren und betriebliche Zielsetzungen überprüfen“, ca. 8 Std., gültig ab 2017/18.
Aufgabengenerator: Zielarten, Zielbeziehungen, Operationalisierung und Kennzahlen mit variierenden Unternehmensfällen trainieren.

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