Mithilfe der Geschäftsbuchführung das Gesamtergebnis einer Unternehmung ermitteln

BwR 11 ALT · Lernbereich 4 · ca. 20 Unterrichtsstunden
Vom Geschäftsvorfall über Grund- und Hauptbuch bis zu Umsatzsteuer, GuV und Bilanz. Schwerpunkt ist die sichere Buchungslogik im Industriebetrieb.

Inhaltsverzeichnis

  1. Aufgabe der Geschäftsbuchführung
  2. Bilanz und Kontensystem
  3. Grundbuch und Hauptbuch
  4. Industriekontenrahmen und Buchungssatz
  5. Erfolgswirksame und erfolgsneutrale Vorgänge
  6. RHB-Stoffe und Fremdbauteile
  7. Jahresgesamtverbrauch
  8. Personalaufwand
  9. Verkaufserlöse
  10. Umsatzsteuer und Vorsteuer
  11. Zahllast und Vorsteuerüberhang
  12. Bestandsveränderungen
  13. Sachanlagevermögen
  14. Aktivierte Eigenleistungen
  15. Vorbereitende Abschlussbuchungen
  16. Erfolgskonten, GuV und Gesamtergebnis
  17. Bestandskonten und Bilanz
  18. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
  19. Typische Prüfungsfehler
  20. Prüfungs- und Transfertraining
  21. Lernbereich auf einen Blick

1. Aufgabe der Geschäftsbuchführung

Die Geschäftsbuchführung dokumentiert Geschäftsvorfälle systematisch und nachvollziehbar. Jeder Buchung liegt eine wirtschaftliche Veränderung zugrunde. Sorgfalt ist deshalb keine Nebensache: Ein falscher Kontenansatz wirkt sich auf nachfolgende Auswertungen und den Abschluss aus.

2. Bilanz und Kontensystem

Bestandskonten bilden Vermögen und Kapital ab. Aktivkonten zeigen die Mittelverwendung, Passivkonten die Mittelherkunft. Erfolgskonten erfassen Aufwendungen und Erträge und verändern über das Ergebnis das Eigenkapital.

Kontenart Zugang Abgang Abschluss
Aktivkonto Soll Haben SBK
Passivkonto Haben Soll SBK
Aufwandskonto Soll GuV
Ertragskonto Haben GuV

3. Grundbuch und Hauptbuch

Im Grundbuch werden Geschäftsvorfälle chronologisch erfasst. Im Hauptbuch werden sie sachlich nach Konten geordnet. Der Buchungssatz verbindet beide Sichtweisen.

4. Industriekontenrahmen und Buchungssatz

Der Industriekontenrahmen schafft eine einheitliche Kontenordnung. Vor jeder Buchung wird geprüft: Welche Konten sind betroffen? Um welche Kontenarten handelt es sich? Liegt eine Mehrung oder Minderung vor? Welche Seite ist deshalb Soll bzw. Haben?

Buchungsregel: Erst den Geschäftsvorfall wirtschaftlich analysieren, dann buchen. Nicht vom vermeintlich bekannten Buchungssatz rückwärts raten.

5. Erfolgswirksam oder erfolgsneutral?

Ein Vorgang ist erfolgswirksam, wenn er über Aufwand oder Ertrag das Gesamtergebnis verändert. Reine Bestandsumschichtungen bzw. Kapitalvorgänge können erfolgsneutral sein. Auch Umsatzsteuer und Vorsteuer sind für das Unternehmen grundsätzlich keine Erfolgsgrößen.

6. RHB-Stoffe und Fremdbauteile

Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Fremdbauteile werden im Rahmen der betrieblichen Beschaffungsprozesse erfasst. Bei Eingangsrechnungen wird die Vorsteuer getrennt ausgewiesen.

Musterbuchung: Materialeinkauf netto 10.000 €, 19 % USt auf Ziel: Materialaufwand 10.000 € + Vorsteuer 1.900 € an Verbindlichkeiten 11.900 €.

7. Jahresgesamtverbrauch bei Vorräten

Der Jahresgesamtverbrauch verbindet Anfangsbestand, Zugänge und Endbestand:

Verbrauch = Anfangsbestand + Zugänge − Endbestand.
Beispiel: 20.000 € + 95.000 € − 17.000 € = 98.000 € Jahresverbrauch.

8. Personalaufwand

Zum Lernbereich gehören Personalaufwendungen einschließlich Lohn- und Kirchensteuer sowie gesetzlicher Sozialleistungen; tarifliche und vertragliche Zusatzleistungen sind hier nicht Gegenstand. Entscheidend ist die Trennung zwischen Aufwand des Unternehmens und einbehaltenen bzw. abzuführenden Beträgen.

Denkstruktur: Bruttoentgelt → Arbeitnehmerabzüge → Nettoauszahlung; zusätzlich entstehen gesetzliche Arbeitgeberanteile als eigener Personalaufwand.

9. Verkaufserlöse

Bei Ausgangsrechnungen wird der Nettoerlös erfolgswirksam erfasst; die Umsatzsteuer wird als Verpflichtung gegenüber dem Finanzamt getrennt gebucht.

Muster: Verkauf auf Ziel netto 25.000 € + 4.750 € USt: Forderungen 29.750 € an Umsatzerlöse 25.000 € und Umsatzsteuer 4.750 €.

10. Umsatzsteuer und Vorsteuer

Umsatzsteuer entsteht bei steuerpflichtigen Ausgangsumsätzen, Vorsteuer bei entsprechenden Eingangsrechnungen. Beide werden getrennt erfasst und anschließend saldiert. Die Steuer ist deshalb nicht mit einem betrieblichen Ertrag oder Aufwand gleichzusetzen.

11. Zahllast und Vorsteuerüberhang

Situation Folge
Umsatzsteuer > Vorsteuer Zahllast gegenüber dem Finanzamt
Vorsteuer > Umsatzsteuer Vorsteuerüberhang / Forderungsposition gegenüber dem Finanzamt
Beispiel: Umsatzsteuer 38.000 €, Vorsteuer 27.500 € → Zahllast = 10.500 €. Der Saldo ist erfolgsneutral.

12. Bestandsveränderungen

Verändern sich die Bestände an unfertigen oder fertigen Erzeugnissen, müssen Produktion und Absatz für die Periodenerfolgsermittlung sachgerecht abgegrenzt werden. Eine Bestandsmehrung erhöht, eine Bestandsminderung vermindert – bei sonst gleichen Bedingungen – das Gesamtergebnis.

13. Sachanlagevermögen

Geschäftsvorfälle des Sachanlagevermögens werden gebucht; die Ermittlung der Anschaffungskosten gehört laut Lehrplan in diesem Lernbereich nicht zum verlangten Inhalt. Die Seite vermeidet deshalb eine unzulässige Vertiefung in die AK-Berechnung.

14. Aktivierte Eigenleistungen

Stellt das Unternehmen selbst ein Anlagegut für den eigenen Betrieb her, wird die Eigenleistung aktiviert. Dadurch wird der selbst geschaffene Vermögenswert bilanziell erfasst; im Lernbereich erfolgt dies ohne Ermittlung der Herstellungskosten.

15. Vorbereitende Abschlussbuchungen

Vor dem eigentlichen Kontenabschluss werden die für den Jahresabschluss notwendigen vorbereitenden Buchungen vorgenommen. Dazu gehören die im Lernbereich behandelten Bestands- und Verbrauchskorrekturen sowie weitere vorgegebene Abschlussvorgänge.

16. Erfolgskonten, GuV und Gesamtergebnis

Aufwands- und Ertragskonten werden über das Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen. Überwiegen die Erträge, entsteht ein Gewinn; überwiegen die Aufwendungen, ein Verlust.

Beispiel: Erträge 1.250.000 €, Aufwendungen 1.180.000 € → Gesamtergebnis = 70.000 € Gewinn. Wichtig ist nicht nur die Differenz, sondern die buchhalterische Überführung der Erfolgskonten in die GuV.

17. Bestandskonten und Bilanz

Bestandskonten werden über das Schlussbilanzkonto abgeschlossen. Die Schlussbilanz zeigt die Mittelverwendung auf der Aktivseite und die Mittelherkunft auf der Passivseite. Das Jahresergebnis wirkt über das Eigenkapital auf die Bilanz.

18. Gesamtfall UNTERNEHMER AG

Die UNTERNEHMER AG kauft RHB-Stoffe und Fremdbauteile, zahlt Löhne und gesetzliche Sozialleistungen, verkauft Erzeugnisse, weist Umsatzsteuer aus, produziert teilweise auf Lager und erstellt eine betriebliche Anlage selbst.

  1. Analysieren und buchen Sie die vorgegebenen Eingangs- und Ausgangsrechnungen.
  2. Ermitteln Sie den Jahresgesamtverbrauch der Vorräte.
  3. Erfassen Sie vorgegebene Personalaufwendungen sachgerecht.
  4. Ermitteln Sie Umsatzsteuer-/Vorsteuersaldo und buchen Sie den Ausgleich.
  5. Berücksichtigen Sie eine Bestandsveränderung.
  6. Erfassen Sie eine aktivierte Eigenleistung ohne HK-Ermittlung.
  7. Schließen Sie Erfolgskonten über GuV ab und ermitteln Sie das Gesamtergebnis.
  8. Schließen Sie Bestandskonten und erläutern Sie Mittelverwendung und Mittelherkunft.

19. Typische Prüfungsfehler

Fehler Richtig
Vorsteuer als Aufwand buchen Vorsteuer getrennt und grundsätzlich erfolgsneutral erfassen.
Bruttoverkauf als Umsatzerlös Nettoerlös und Umsatzsteuer trennen.
Zahllast als Aufwand behandeln Saldo aus Umsatzsteuer und Vorsteuer ist erfolgsneutral.
Verbrauch = Einkäufe Anfangs- und Endbestand berücksichtigen.
Bestandsmehrung als Aufwand behandeln Wirkung auf Periodenergebnis korrekt analysieren.
GuV und Bilanz vermischen Erfolgskonten über GuV, Bestandskonten über SBK abschließen.
Anschaffungs-/Herstellungskosten ausrechnen In diesem LB ausdrücklich nicht erforderlich.

20. Prüfungs- und Transfertraining

  1. Ordnen Sie zwölf Konten Bestands- oder Erfolgskonten zu.
  2. Analysieren Sie zehn Geschäftsvorfälle auf Erfolgswirksamkeit.
  3. Buchen Sie Materialeinkäufe und Verkäufe mit Umsatzsteuer.
  4. Ermitteln Sie aus Anfangsbestand, Zugängen und Endbestand den Jahresgesamtverbrauch.
  5. Ermitteln Sie aus mehreren Eingangs- und Ausgangsrechnungen Zahllast oder Vorsteuerüberhang.
  6. Erklären Sie die Ergebniswirkung einer Bestandsmehrung.
  7. Schließen Sie eine Gruppe von Aufwands- und Ertragskonten über GuV ab.
  8. Ermitteln und interpretieren Sie das Gesamtergebnis.
  9. Schließen Sie ausgewählte Bestandskonten über das SBK ab.
  10. Bearbeiten Sie den Gesamtfall UNTERNEHMER AG vom Beleg bis zum Abschluss.

21. Lernbereich auf einen Blick

  • Geschäftsvorfälle mit dem Industriekontenrahmen im Grund- und Hauptbuch erfassen.
  • Erfolgswirksame und erfolgsneutrale Vorgänge unterscheiden.
  • RHB-/Fremdbauteilaufwand und Jahresgesamtverbrauch sicher erfassen.
  • Personalaufwand einschließlich gesetzlicher Abgaben einordnen.
  • Verkaufserlöse, Umsatzsteuer und Vorsteuer getrennt buchen.
  • Zahllast bzw. Vorsteuerüberhang erfolgsneutral ermitteln.
  • Bestandsveränderungen, Sachanlagevermögen und aktivierte Eigenleistungen korrekt behandeln.
  • Erfolgskonten über GuV und Bestandskonten über SBK abschließen.
  • Gesamtergebnis ermitteln und Bilanz als Mittelverwendung/Mittelherkunft interpretieren.
LehrplanPLUS-Hinweis: FOS Bayern, BwR 11 ALT, LB4 „Mithilfe der Geschäftsbuchführung das Gesamtergebnis einer Unternehmung ermitteln“, ca. 20 Std., gültig ab 2017/18.
Aufgabengenerator: Buchungssätze, Umsatzsteuer/Vorsteuer, Verbrauch, Abschlussbuchungen, GuV und Gesamtergebnis mit variierenden Geschäftsfällen trainieren.

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