Mithilfe der Geschäftsbuchführung das Gesamtergebnis einer Unternehmung ermitteln
Vom Geschäftsvorfall über Grund- und Hauptbuch bis zu Umsatzsteuer, GuV und Bilanz. Schwerpunkt ist die sichere Buchungslogik im Industriebetrieb.
Inhaltsverzeichnis
- Aufgabe der Geschäftsbuchführung
- Bilanz und Kontensystem
- Grundbuch und Hauptbuch
- Industriekontenrahmen und Buchungssatz
- Erfolgswirksame und erfolgsneutrale Vorgänge
- RHB-Stoffe und Fremdbauteile
- Jahresgesamtverbrauch
- Personalaufwand
- Verkaufserlöse
- Umsatzsteuer und Vorsteuer
- Zahllast und Vorsteuerüberhang
- Bestandsveränderungen
- Sachanlagevermögen
- Aktivierte Eigenleistungen
- Vorbereitende Abschlussbuchungen
- Erfolgskonten, GuV und Gesamtergebnis
- Bestandskonten und Bilanz
- Gesamtfall UNTERNEHMER AG
- Typische Prüfungsfehler
- Prüfungs- und Transfertraining
- Lernbereich auf einen Blick
1. Aufgabe der Geschäftsbuchführung
Die Geschäftsbuchführung dokumentiert Geschäftsvorfälle systematisch und nachvollziehbar. Jeder Buchung liegt eine wirtschaftliche Veränderung zugrunde. Sorgfalt ist deshalb keine Nebensache: Ein falscher Kontenansatz wirkt sich auf nachfolgende Auswertungen und den Abschluss aus.
2. Bilanz und Kontensystem
Bestandskonten bilden Vermögen und Kapital ab. Aktivkonten zeigen die Mittelverwendung, Passivkonten die Mittelherkunft. Erfolgskonten erfassen Aufwendungen und Erträge und verändern über das Ergebnis das Eigenkapital.
| Kontenart | Zugang | Abgang | Abschluss |
|---|---|---|---|
| Aktivkonto | Soll | Haben | SBK |
| Passivkonto | Haben | Soll | SBK |
| Aufwandskonto | Soll | — | GuV |
| Ertragskonto | — | Haben | GuV |
3. Grundbuch und Hauptbuch
Im Grundbuch werden Geschäftsvorfälle chronologisch erfasst. Im Hauptbuch werden sie sachlich nach Konten geordnet. Der Buchungssatz verbindet beide Sichtweisen.
4. Industriekontenrahmen und Buchungssatz
Der Industriekontenrahmen schafft eine einheitliche Kontenordnung. Vor jeder Buchung wird geprüft: Welche Konten sind betroffen? Um welche Kontenarten handelt es sich? Liegt eine Mehrung oder Minderung vor? Welche Seite ist deshalb Soll bzw. Haben?
5. Erfolgswirksam oder erfolgsneutral?
Ein Vorgang ist erfolgswirksam, wenn er über Aufwand oder Ertrag das Gesamtergebnis verändert. Reine Bestandsumschichtungen bzw. Kapitalvorgänge können erfolgsneutral sein. Auch Umsatzsteuer und Vorsteuer sind für das Unternehmen grundsätzlich keine Erfolgsgrößen.
6. RHB-Stoffe und Fremdbauteile
Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Fremdbauteile werden im Rahmen der betrieblichen Beschaffungsprozesse erfasst. Bei Eingangsrechnungen wird die Vorsteuer getrennt ausgewiesen.
7. Jahresgesamtverbrauch bei Vorräten
Der Jahresgesamtverbrauch verbindet Anfangsbestand, Zugänge und Endbestand:
Beispiel: 20.000 € + 95.000 € − 17.000 € = 98.000 € Jahresverbrauch.
8. Personalaufwand
Zum Lernbereich gehören Personalaufwendungen einschließlich Lohn- und Kirchensteuer sowie gesetzlicher Sozialleistungen; tarifliche und vertragliche Zusatzleistungen sind hier nicht Gegenstand. Entscheidend ist die Trennung zwischen Aufwand des Unternehmens und einbehaltenen bzw. abzuführenden Beträgen.
9. Verkaufserlöse
Bei Ausgangsrechnungen wird der Nettoerlös erfolgswirksam erfasst; die Umsatzsteuer wird als Verpflichtung gegenüber dem Finanzamt getrennt gebucht.
10. Umsatzsteuer und Vorsteuer
Umsatzsteuer entsteht bei steuerpflichtigen Ausgangsumsätzen, Vorsteuer bei entsprechenden Eingangsrechnungen. Beide werden getrennt erfasst und anschließend saldiert. Die Steuer ist deshalb nicht mit einem betrieblichen Ertrag oder Aufwand gleichzusetzen.
11. Zahllast und Vorsteuerüberhang
| Situation | Folge |
|---|---|
| Umsatzsteuer > Vorsteuer | Zahllast gegenüber dem Finanzamt |
| Vorsteuer > Umsatzsteuer | Vorsteuerüberhang / Forderungsposition gegenüber dem Finanzamt |
12. Bestandsveränderungen
Verändern sich die Bestände an unfertigen oder fertigen Erzeugnissen, müssen Produktion und Absatz für die Periodenerfolgsermittlung sachgerecht abgegrenzt werden. Eine Bestandsmehrung erhöht, eine Bestandsminderung vermindert – bei sonst gleichen Bedingungen – das Gesamtergebnis.
13. Sachanlagevermögen
Geschäftsvorfälle des Sachanlagevermögens werden gebucht; die Ermittlung der Anschaffungskosten gehört laut Lehrplan in diesem Lernbereich nicht zum verlangten Inhalt. Die Seite vermeidet deshalb eine unzulässige Vertiefung in die AK-Berechnung.
14. Aktivierte Eigenleistungen
Stellt das Unternehmen selbst ein Anlagegut für den eigenen Betrieb her, wird die Eigenleistung aktiviert. Dadurch wird der selbst geschaffene Vermögenswert bilanziell erfasst; im Lernbereich erfolgt dies ohne Ermittlung der Herstellungskosten.
15. Vorbereitende Abschlussbuchungen
Vor dem eigentlichen Kontenabschluss werden die für den Jahresabschluss notwendigen vorbereitenden Buchungen vorgenommen. Dazu gehören die im Lernbereich behandelten Bestands- und Verbrauchskorrekturen sowie weitere vorgegebene Abschlussvorgänge.
16. Erfolgskonten, GuV und Gesamtergebnis
Aufwands- und Ertragskonten werden über das Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen. Überwiegen die Erträge, entsteht ein Gewinn; überwiegen die Aufwendungen, ein Verlust.
17. Bestandskonten und Bilanz
Bestandskonten werden über das Schlussbilanzkonto abgeschlossen. Die Schlussbilanz zeigt die Mittelverwendung auf der Aktivseite und die Mittelherkunft auf der Passivseite. Das Jahresergebnis wirkt über das Eigenkapital auf die Bilanz.
18. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
Die UNTERNEHMER AG kauft RHB-Stoffe und Fremdbauteile, zahlt Löhne und gesetzliche Sozialleistungen, verkauft Erzeugnisse, weist Umsatzsteuer aus, produziert teilweise auf Lager und erstellt eine betriebliche Anlage selbst.
- Analysieren und buchen Sie die vorgegebenen Eingangs- und Ausgangsrechnungen.
- Ermitteln Sie den Jahresgesamtverbrauch der Vorräte.
- Erfassen Sie vorgegebene Personalaufwendungen sachgerecht.
- Ermitteln Sie Umsatzsteuer-/Vorsteuersaldo und buchen Sie den Ausgleich.
- Berücksichtigen Sie eine Bestandsveränderung.
- Erfassen Sie eine aktivierte Eigenleistung ohne HK-Ermittlung.
- Schließen Sie Erfolgskonten über GuV ab und ermitteln Sie das Gesamtergebnis.
- Schließen Sie Bestandskonten und erläutern Sie Mittelverwendung und Mittelherkunft.
19. Typische Prüfungsfehler
| Fehler | Richtig |
|---|---|
| Vorsteuer als Aufwand buchen | Vorsteuer getrennt und grundsätzlich erfolgsneutral erfassen. |
| Bruttoverkauf als Umsatzerlös | Nettoerlös und Umsatzsteuer trennen. |
| Zahllast als Aufwand behandeln | Saldo aus Umsatzsteuer und Vorsteuer ist erfolgsneutral. |
| Verbrauch = Einkäufe | Anfangs- und Endbestand berücksichtigen. |
| Bestandsmehrung als Aufwand behandeln | Wirkung auf Periodenergebnis korrekt analysieren. |
| GuV und Bilanz vermischen | Erfolgskonten über GuV, Bestandskonten über SBK abschließen. |
| Anschaffungs-/Herstellungskosten ausrechnen | In diesem LB ausdrücklich nicht erforderlich. |
20. Prüfungs- und Transfertraining
- Ordnen Sie zwölf Konten Bestands- oder Erfolgskonten zu.
- Analysieren Sie zehn Geschäftsvorfälle auf Erfolgswirksamkeit.
- Buchen Sie Materialeinkäufe und Verkäufe mit Umsatzsteuer.
- Ermitteln Sie aus Anfangsbestand, Zugängen und Endbestand den Jahresgesamtverbrauch.
- Ermitteln Sie aus mehreren Eingangs- und Ausgangsrechnungen Zahllast oder Vorsteuerüberhang.
- Erklären Sie die Ergebniswirkung einer Bestandsmehrung.
- Schließen Sie eine Gruppe von Aufwands- und Ertragskonten über GuV ab.
- Ermitteln und interpretieren Sie das Gesamtergebnis.
- Schließen Sie ausgewählte Bestandskonten über das SBK ab.
- Bearbeiten Sie den Gesamtfall UNTERNEHMER AG vom Beleg bis zum Abschluss.
21. Lernbereich auf einen Blick
- Geschäftsvorfälle mit dem Industriekontenrahmen im Grund- und Hauptbuch erfassen.
- Erfolgswirksame und erfolgsneutrale Vorgänge unterscheiden.
- RHB-/Fremdbauteilaufwand und Jahresgesamtverbrauch sicher erfassen.
- Personalaufwand einschließlich gesetzlicher Abgaben einordnen.
- Verkaufserlöse, Umsatzsteuer und Vorsteuer getrennt buchen.
- Zahllast bzw. Vorsteuerüberhang erfolgsneutral ermitteln.
- Bestandsveränderungen, Sachanlagevermögen und aktivierte Eigenleistungen korrekt behandeln.
- Erfolgskonten über GuV und Bestandskonten über SBK abschließen.
- Gesamtergebnis ermitteln und Bilanz als Mittelverwendung/Mittelherkunft interpretieren.
