BwR · FOS/BOS Bayern · Klasse 11 · Geschäftsbuchführung

Geschäftsbuchführung: von der Bilanz über die Konten zum Buchungssatz

Die Geschäftsbuchführung zeichnet alle Geschäftsfälle lückenlos auf und ermittelt am Jahresende das Gesamtergebnis. Diese Seite zeigt den Weg von Inventur & Bilanz über die Bestands- und Erfolgskonten bis zum Buchungssatz (Soll an Haben) – und wie Umsatz- und Vorsteuer behandelt werden.

Unser Betrieb: die UNTERNEHMER AG bucht ihre laufenden Geschäftsfälle.

Inhaltsverzeichnis

  1. Aufgabe der Geschäftsbuchführung
  2. Inventur, Inventar und Bilanz
  3. Bestandskonten: Soll und Haben
  4. Die vier Wertveränderungen der Bilanz
  5. Buchungssatz, Grund- und Hauptbuch
  6. Erfolgskonten: erfolgswirksam oder -neutral
  7. Umsatzsteuer und Vorsteuer
  8. Typische Prüfungsfehler
  9. Auf einen Blick

1. Aufgabe der Geschäftsbuchführung

Die Geschäftsbuchführung erfasst alle Geschäftsfälle lückenlos, zeitgerecht und belegmäßig (Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, GoB). Daraus entstehen Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung – die Grundlage für das Gesamtergebnis und den Jahresabschluss.

2. Inventur, Inventar und Bilanz

Am Ende des Geschäftsjahres steht die Inventur (körperliche Bestandsaufnahme) → das Inventar (ausführliches Verzeichnis) → die Bilanz (Kurzfassung in Konto-/T-Form).

BilanzAKTIVA(Mittelverwendung)PASSIVA(Mittelherkunft)AnlagevermögenUmlaufvermögenEigenkapitalFremdkapital (Schulden)Summe Aktiva = Summe Passiva
Bilanz: links Aktiva = Mittelverwendung (Anlage-/Umlaufvermögen), rechts Passiva = Mittelherkunft (Eigen-/Fremdkapital). Beide Seiten sind immer gleich hoch: Summe Aktiva = Summe Passiva.

3. Bestandskonten: Soll und Haben

Aus der Bilanz werden Bestandskonten abgeleitet. Jede Seite bucht Anfangsbestand und Zugänge auf der „eigenen“ Seite:

Konto Anfangsbestand / Zugang Abgang / Schlussbestand
Aktivkonto im Soll (links) im Haben (rechts)
Passivkonto im Haben (rechts) im Soll (links)

4. Die vier Wertveränderungen der Bilanz

Jeder Geschäftsfall verändert mindestens zwei Bilanzposten. Es gibt genau vier Grundfälle:

Beispiel Aktivtausch (Kunde zahlt Rechnung per Bank): Bank nimmt zu (Soll), Forderungen nehmen ab (Haben):

Bank (Aktiv)
Soll
an Ford.5.000
Haben

 

Forderungen aLL (Aktiv)
Soll

 

Haben
Bank5.000
Fall Wirkung Bilanzsumme Beispiel
Aktivtausch Aktivposten ↑, anderer Aktivposten ↓ unverändert Kunde zahlt Rechnung bar (Kasse ↑, Forderung ↓)
Passivtausch Passivposten ↑, anderer Passivposten ↓ unverändert Umwandlung einer Verbindlichkeit in ein Darlehen
Aktiv-Passiv-Mehrung Aktivposten ↑ und Passivposten ↑ Bilanzverlängerung Kauf einer Maschine auf Ziel (Maschine ↑, Verbindlichkeit ↑)
Aktiv-Passiv-Minderung Aktivposten ↓ und Passivposten ↓ Bilanzverkürzung Tilgung einer Verbindlichkeit per Bank (Bank ↓, Verbindlichkeit ↓)

5. Buchungssatz, Grund- und Hauptbuch

Jeder Geschäftsfall wird als Buchungssatz festgehalten – immer „Soll an Haben“:

Buchungssatz: Sollkonto an Habenkonto, Betrag.
Beispiel (Zielkauf Rohstoffe, netto 10.000 € + 19 % USt): Rohstoffe 10.000 und Vorsteuer 1.900 an Verbindlichkeiten aLL 11.900.

Auf den T-Konten sieht derselbe Geschäftsfall so aus \(Soll = links, Haben = rechts\):

Rohstoffe (Aktiv)
Soll
an Verb.10.000
Haben

 

Vorsteuer (Aktiv)
Soll
an Verb.1.900
Haben

 

Verbindlichkeiten aLL (Passiv)
Soll

 

Haben
Rohstoffe/VSt11.900
💡 Lesehilfe T-Konto: Bei Aktivkonten steht der Zugang im Soll (links), bei Passivkonten im Haben (rechts). Die Summe der Soll-Buchungen = Summe der Haben-Buchungen (hier je 11.900 €).
Buch Rolle
Grundbuch (Journal) Geschäftsfälle in zeitlicher Reihenfolge
Hauptbuch (Konten) Geschäftsfälle sachlich auf den Konten
Industriekontenrahmen (IKR) einheitliche Gliederung aller Konten nach Kontenklassen

6. Erfolgskonten: erfolgswirksam oder -neutral

Neben den Bestandskonten gibt es Erfolgskonten: Aufwendungen (mindern den Gewinn) und Erträge (erhöhen den Gewinn). Sie werden über die GuV abgeschlossen.

erfolgswirksam erfolgsneutral
Wirkung verändert den Gewinn verändert den Gewinn nicht
Beispiel Lohnzahlung (Aufwand), Verkaufserlös (Ertrag) Barkauf einer Maschine (nur Aktivtausch)

7. Umsatzsteuer und Vorsteuer

Beim Einkauf zahlt der Betrieb Vorsteuer (Forderung an das Finanzamt), beim Verkauf nimmt er Umsatzsteuer ein (Schuld an das Finanzamt). Die Differenz ist die Zahllast.

\( \text{Zahllast} = \text{Umsatzsteuer} – \text{Vorsteuer} \)
💡 Ist die Umsatzsteuer größer als die Vorsteuer, entsteht eine Zahllast (an das Finanzamt). Ist die Vorsteuer größer, ergibt sich ein Vorsteuerüberhang (Erstattung).

8. Typische Prüfungsfehler

✗ Falsch

Soll und Haben vertauschen.

✓ Richtig

Buchungssatz immer „Soll an Haben“; beim Aktivkonto steht der Zugang im Soll, beim Passivkonto im Haben.

✗ Falsch

Bilanzverlängerung und -verkürzung verwechseln.

✓ Richtig

Aktiv-Passiv-Mehrung = Verlängerung; Aktiv-Passiv-Minderung = Verkürzung.

✗ Falsch

Umsatz- und Vorsteuer vertauschen.

✓ Richtig

Vorsteuer beim Einkauf (Forderung), Umsatzsteuer beim Verkauf (Schuld).

9. Auf einen Blick

  • Weg: Inventur → Inventar → Bilanz \(Aktiva = Passiva\).
  • Bestandskonten: Aktiv = Zugang Soll; Passiv = Zugang Haben.
  • Vier Wertveränderungen: Aktivtausch, Passivtausch, Bilanzverlängerung, Bilanzverkürzung.
  • Buchungssatz „Soll an Haben“; Grundbuch (zeitlich) + Hauptbuch (sachlich), IKR.
  • Erfolgskonten (Aufwand/Ertrag) → GuV; Zahllast = USt − VSt.

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