BwR · Fachoberschule Bayern · Jahrgangsstufe 12 · alter Lehrplan / Übergang

ca. 27 UnterrichtsstundenVollkostenrechnungUNTERNEHMER AG

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

Mit der Vollkostenrechnung Angebotspreise und das Betriebsergebnis ermitteln

Ein Industriebetrieb muss wissen, welche Kosten seine Produkte verursachen, wie Gemeinkosten sinnvoll verteilt werden, welcher Angebotspreis wirtschaftlich tragfähig ist und ob der Betrieb tatsächlich erfolgreich gearbeitet hat. Genau diese Fragen beantwortet die Vollkostenrechnung.

Modellunternehmen: UNTERNEHMER AG
Die UNTERNEHMER AG fertigt die Anlagenserien UA-100 und UA-200. Material lässt sich einzelnen Anlagen meist direkt zurechnen. Strom für die Werkhalle, Gehälter der Verwaltung oder Raumkosten dagegen nicht. Die Kostenrechnung muss diese unterschiedlichen Kosten erfassen, verteilen und schließlich den Kostenträgern zurechnen.
Am Ende kannst du: Einzel- und Gemeinkosten unterscheiden, Vorwärts-, Rückwärts- und Differenzkalkulation durchführen, Maschinenkosten und Maschinenstundensatz berechnen, einen ein- und mehrstufigen BAB auswerten, Gemeinkostenzuschlagssätze bestimmen, Über- und Unterdeckungen analysieren.

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Vom Kostenanfall zum Betriebsergebnis
  3. Einzelkosten und Gemeinkosten
  4. Kostenträgerstückrechnung: Was kostet eine Einheit?
  5. Vorwärtskalkulation
  6. Rückwärtskalkulation
  7. Differenzkalkulation
  8. Maschinenkosten und Maschinenstundensatz
  9. Betriebsabrechnungsbogen: Gemeinkosten verteilen
  10. Mehrstufiger BAB und innerbetriebliche Leistungsverrechnung
  11. Normalzuschläge und Über-/Unterdeckung
  12. Betriebsabrechnungsbogen: Gemeinkosten verursachungsgerecht verteilen
  13. Maschinenstundensatz aus dem Skript
  14. Kalkulationsschema sicher beherrschen
  15. Normal- und Istkosten: Über- und Unterdeckung
  16. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
  17. Kostenträgerzeitrechnung und Bestandsveränderungen vertieft
  18. Kostenüber- und Kostenunterdeckung interpretieren
  19. Maschinenstundensatz vertieft
  20. Gesamtfall: vom BAB bis zum Betriebsergebnis
  21. Prüfungs- und Transfertraining
  22. Typische Fehler
  23. Das Wichtigste auf einen Blick

1. Vom Kostenanfall zum Betriebsergebnis

Die Vollkostenrechnung verrechnet sämtliche Kosten einer Abrechnungsperiode auf die betrieblichen Leistungen. Dabei werden drei miteinander verbundene Fragen beantwortet:

Stufe Frage Instrument
Kostenartenrechnung Welche Kosten sind angefallen? Gliederung der Kosten
Kostenstellenrechnung Wo sind Gemeinkosten angefallen? Betriebsabrechnungsbogen (BAB)
Kostenträgerrechnung Wofür sind Kosten angefallen? Stück- und Zeitrechnung
KostenartenWelche Kosten? KostenstellenWo entstanden? KostenträgerWofür entstanden?

2. Einzelkosten und Gemeinkosten

Für die Kalkulation ist entscheidend, ob Kosten einem Kostenträger direkt zugerechnet werden können.

Kostenart Merkmal Beispiel UNTERNEHMER AG
Einzelkosten direkte Zurechnung zum Kostenträger möglich Motor, Gehäusematerial, unmittelbar zurechenbare Fertigungslöhne
Gemeinkosten keine wirtschaftlich sinnvolle direkte Zurechnung Hallene Beleuchtung, Meistergehalt, Verwaltung, allgemeine Werbung
Beispiel: Für eine UA-100 werden Bauteile im Wert von 4.800 € eingebaut. Diese 4.800 € sind Materialeinzelkosten. Die monatliche Hallenmiete von 24.000 € betrifft dagegen viele Produkte und ist Gemeinkostenbestandteil.
Typischer Denkfehler: „Einzelkosten sind kleine Kosten.“ Falsch. Einzel beschreibt die Zurechenbarkeit, nicht die Höhe.

3. Kostenträgerstückrechnung: Was kostet eine Einheit?

Die Kostenträgerstückrechnung ermittelt die Kosten eines einzelnen Produktes. Im Industriebetrieb führt der Weg typischerweise von Material- und Fertigungskosten über Herstell- und Selbstkosten zum Angebotspreis.

Materialkosten+ Fertigungskosten= Herstellkosten+ Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten= Selbstkosten+ Gewinn→ Verkaufskalkulation

4. Vorwärtskalkulation

Bei der Vorwärtskalkulation sind die Kosten gegeben; gesucht ist der Angebotspreis. Die Rechnung läuft „von unten aus der Produktion nach vorne zum Kundenpreis“.

Ab jetzt immer mit zwei Prozentspalten: Die linke Prozentspalte gehört zur Kosten-/Gewinnseite, die rechte zur Vertriebskonditionenseite. Dadurch siehst du sofort, welcher Zwischenwert jeweils 100 % ist. Dasselbe Schema bleibt bei Vorwärts-, Rückwärts- und Differenzkalkulation erhalten.
Kalkulationsstufe in € in % in %
Selbstkosten (SK) 48,84 100
+ Gewinn (G) 3,80 7,78
= vorläufiger Verkaufspreis (vVP) 52,64 94
+ Vertreterprovision (VP) 2,24 4
= Barverkaufspreis (BVP) 54,88 98
+ Kundenskonto 1,12 2
= Zielverkaufspreis (ZVP) 56,00 87,50 100
+ Kundenrabatt 8,00 12,50
= Angebotspreis / Listenverkaufspreis 64,00 100

Das Schema folgt der von lern.de verwendeten FOS/BOS-Darstellung: Betrag in Euro sowie zwei getrennte Prozentspalten für wechselnde Grundwerte. Bei einer Differenzkalkulation wird von beiden Enden bis zum gesuchten Gewinn gerechnet.

Kalkulationsstufe UA-100
Materialeinzelkosten 4.800,00 €
+ Materialgemeinkosten 10 % 480,00 €
= Materialkosten 5.280,00 €
Fertigungseinzelkosten 2.000,00 €
+ Fertigungsgemeinkosten 80 % 1.600,00 €
= Fertigungskosten 3.600,00 €
= Herstellkosten 8.880,00 €
+ Verwaltungsgemeinkosten 8 % 710,40 €
+ Vertriebsgemeinkosten 4 % 355,20 €
= Selbstkosten 9.945,60 €
+ Gewinn 15 % 1.491,84 €
= Barverkaufspreis 11.437,44 €
Prozentbasis beachten:
Materialgemeinkosten beziehen sich auf die Materialeinzelkosten. Fertigungsgemeinkosten beziehen sich auf die jeweilige Zuschlagsgrundlage der Fertigung. Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten werden typischerweise auf die Herstellkosten bezogen. Der Gewinnzuschlag bezieht sich auf die Selbstkosten.

Vertriebskonditionen

Sollen Kundenskonto und Kundenrabatt berücksichtigt werden, darf man die Prozentsätze nicht einfach auf den Barverkaufspreis aufschlagen. Der Barverkaufspreis entspricht nach Abzug des Skontos nur einem bestimmten Prozentsatz des Zielverkaufspreises.

Zielverkaufspreis = Barverkaufspreis ÷ (1 − Skontosatz)
Listenverkaufspreis = Zielverkaufspreis ÷ (1 − Rabattsatz)
Fortsetzung: Bei 2 % Kundenskonto und 10 % Kundenrabatt:
Zielverkaufspreis = 11.437,44 € ÷ 0,98 = 11.670,86 €
Listenverkaufspreis = 11.670,86 € ÷ 0,90 = 12.967,62 €.
SelbstkostenGewinnListenpreis Vorwärtskalkulation → ← Rückwärtskalkulation Differenzkalkulation: von beiden Seiten zur Mitte

5. Rückwärtskalkulation

Bei der Rückwärtskalkulation gibt der Markt den maximal erzielbaren Listenverkaufspreis vor. Gesucht wird beispielsweise, welche Selbstkosten oder welcher Einstandspreis höchstens zulässig sind. Jetzt wird das Kalkulationsschema rückwärts durchlaufen.

Marktsituation: Die UA-100 darf höchstens 13.500 € Listenverkaufspreis kosten. Bei 10 % Rabatt und 2 % Skonto ergibt sich:
13.500 € × 0,90 = 12.150 € Zielverkaufspreis
12.150 € × 0,98 = 11.907 € Barverkaufspreis.
Soll der Gewinn 15 % der Selbstkosten betragen, entsprechen 11.907 € = 115 %. Damit: Selbstkosten = 11.907 € ÷ 1,15 = 10.353,91 €.
Merke: Rückwärts bedeutet nicht, dass jede Rechenoperation einfach umgedreht wird. Entscheidend ist immer: Welcher Wert entspricht 100 %?

6. Differenzkalkulation

Bei der Differenzkalkulation stehen sowohl Kosten als auch ein marktbedingter Verkaufspreis fest. Gesucht ist der tatsächlich mögliche Gewinn bzw. die Gewinnspanne.

Selbstkosten: 10.200 €; erzielbarer Barverkaufspreis: 11.475 €.
Gewinn = 11.475 € − 10.200 € = 1.275 €.
Gewinnzuschlag = 1.275 € ÷ 10.200 € × 100 = 12,5 %.

Die Differenzkalkulation ist damit besonders wichtig, wenn das Unternehmen den Preis nicht frei aus seinen Kosten ableiten kann, sondern der Markt einen Preisrahmen vorgibt.

7. Maschinenkosten und Maschinenstundensatz

Eine pauschale Verteilung aller Fertigungsgemeinkosten über Fertigungslöhne kann bei automatisierter Produktion zu Verzerrungen führen. Eine teure Maschine verursacht Kosten vor allem durch ihre Nutzung – unabhängig davon, wie hoch der Fertigungslohn ist. Deshalb werden maschinenabhängige Kosten gesondert ermittelt.

Kalkulatorische Abschreibung

Die kalkulatorische Abschreibung soll den tatsächlichen Werteverzehr für die betriebliche Kostenrechnung abbilden. Nach Lehrplan wird bei den Maschinenkosten vom Wiederbeschaffungswert ausgegangen.

Kalkulatorische Abschreibung pro Jahr = Wiederbeschaffungswert ÷ Nutzungsdauer

Kalkulatorische Zinsen

Kapital, das in einer Maschine gebunden ist, steht nicht für andere Zwecke zur Verfügung. Dieser entgangene Nutzungsvorteil wird über kalkulatorische Zinsen berücksichtigt.

Weitere Maschinenkosten

Hinzu kommen insbesondere Raumkosten, Energiekosten und Instandhaltungskosten.

Maschine M7 der UNTERNEHMER AG
Wiederbeschaffungswert: 600.000 €; Nutzungsdauer: 10 Jahre → kalk. Abschreibung 60.000 € p. a.
kalk. Zinsen: 15.000 €; Raumkosten: 12.000 €; Energie: 48.000 €; Instandhaltung: 25.000 €.
Maschinenkosten pro Jahr = 160.000 €.
Bei 2.000 Maschinenstunden: Maschinenstundensatz = 160.000 € ÷ 2.000 h = 80 €/h.
AbschreibungZinsenRaumEnergieInstandhaltung60.000 €15.000 €12.000 €48.000 €25.000 €

8. Betriebsabrechnungsbogen: Gemeinkosten verteilen

Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) verteilt Gemeinkosten auf Kostenstellen. Anschließend werden Zuschlagssätze gebildet, damit die Gemeinkosten den Kostenträgern zugerechnet werden können.

Warum gibt es überhaupt einen BAB?
Gemeinkosten gehören zunächst zum Betrieb, nicht direkt zu einem einzelnen Produkt. Der BAB macht deshalb einen Zwischenschritt sichtbar: Gemeinkosten → Kostenstellen → Kostenträger. Erst nachdem wir wissen, wo die Gemeinkosten entstanden sind, können Zuschlagssätze gebildet und die Kosten den Produkten zugerechnet werden.

Einstufiger BAB – eine Verteilungsstufe

Beim einstufigen BAB werden die Gemeinkosten einer vorgelagerten Stelle unmittelbar auf die Hauptkostenstellen verteilt. Es gibt danach keine weitere Hilfskostenstelle, die nochmals umgelegt werden müsste. Deshalb genügt eine Verteilungsstufe.

FuhrparkGemeinkosten MaterialHauptkostenstelleFertigungHauptkostenstelleVerwaltung / VertriebHauptkostenstelle 1. Stufe: verteilen nach Beleg oder Schlüssel Danach: Zuschlagssätze bilden → Kosten auf Produkte verrechnen

So liest du die Zeichnung: Der Fuhrpark erbringt Leistungen für mehrere Hauptkostenstellen. Seine Kosten bleiben deshalb nicht im Fuhrpark „liegen“, sondern werden nach einem geeigneten Schlüssel weitergegeben. Danach ist die vorgelagerte Stelle vollständig entlastet.

Gemeinkosten Material Fertigung Verwaltung Vertrieb
Hilfs-/Betriebsstoffe 8.000 22.000
Gehälter 18.000 35.000 52.000 38.000
Raumkosten 12.000 40.000 18.000 10.000
sonstige GK 7.000 23.000 10.000 12.000
Summe 45.000 120.000 80.000 60.000
Material-GK-Zuschlag = Materialgemeinkosten ÷ Materialeinzelkosten × 100
Fertigungs-GK-Zuschlag = Fertigungsgemeinkosten ÷ Fertigungseinzelkosten × 100
Verwaltungs-/Vertriebs-GK-Zuschlag = jeweilige Gemeinkosten ÷ Herstellkosten des Umsatzes × 100
Betragen die Materialeinzelkosten 450.000 €, ergibt sich: 45.000 ÷ 450.000 × 100 = 10 % MGK-Zuschlag. Bei Fertigungseinzelkosten von 150.000 €: 120.000 ÷ 150.000 × 100 = 80 % FGK-Zuschlag.

9. Mehrstufiger BAB und innerbetriebliche Leistungsverrechnung

Ein mehrstufiger BAB enthält neben Hauptkostenstellen auch Hilfskostenstellen. Deren Leistungen werden innerbetrieblich genutzt und müssen deshalb auf die Hauptkostenstellen umgelegt werden. Im Lehrplan ist eine einfache Kostenumlage ohne gegenseitige Verrechnung vorgesehen; insgesamt sind maximal fünf Hauptkostenstellen vorgesehen.

Mehrstufiger BAB – warum eine zweite Stufe nötig wird

Beim mehrstufigen BAB reicht die erste Verteilung nicht aus. Nach ihr enthält eine Hilfskostenstelle noch Kosten. Diese Stelle produziert aber keinen Kostenträger für den Absatz, sondern unterstützt andere Kostenstellen. Ihre Kosten müssen deshalb in einer zweiten Stufe weitergegeben werden.

FuhrparkHilfs-/Vorkostenstelle MaterialFertigung IHauptkostenstelleFertigung IIHauptkostenstelleVerw./Vertrieb ArbeitsvorbereitungFertigungshilfsstelle 1. Stufe → Kosten des Fuhrparks verteilen 2. Stufe ← Arbeitsvorbereitung entlasten z. B. Verhältnis 1 : 3 auf Fertigung I und Fertigung II Ergebnis: Nur die Hauptkostenstellen tragen am Ende die umgelegten Gemeinkosten.
Der Unterschied in einem Satz: Beim einstufigen BAB ist nach einer Umlage Schluss. Beim mehrstufigen BAB trägt nach der ersten Umlage noch mindestens eine Hilfskostenstelle Kosten; deshalb muss sie anschließend auf die von ihr unterstützten Hauptkostenstellen entlastet werden.
Beispiel: Die Hilfskostenstelle „Energieversorgung“ verursacht 60.000 €. Laut Verbrauchsmessung entfallen 10 % auf Material, 70 % auf Fertigung, 10 % auf Verwaltung und 10 % auf Vertrieb. Damit werden 6.000 €, 42.000 €, 6.000 € und 6.000 € auf die jeweiligen Hauptkostenstellen weiterverrechnet.
Hilfskostenstelle Energie60.000 € Material6.000 €Fertigung42.000 €Verwaltung6.000 €Vertrieb6.000 €

10. Normalzuschläge und Über-/Unterdeckung

Für Angebote kann die UNTERNEHMER AG nicht warten, bis am Periodenende sämtliche Istkosten bekannt sind. Sie kalkuliert deshalb mit Vorkalkulations- bzw. Normalzuschlagssätzen. Später werden die verrechneten Gemeinkosten mit den tatsächlich angefallenen Gemeinkosten verglichen.

verrechnete Gemeinkosten = Ist-Bezugsgröße × Normalzuschlagssatz
Ist-Materialeinzelkosten: 500.000 €; Normal-MGK-Zuschlag: 10 % → verrechnete MGK = 50.000 €.
Tatsächlich angefallene MGK: 54.000 €.
Es wurden nur 50.000 € auf Produkte verrechnet, obwohl 54.000 € entstanden sind → Unterdeckung 4.000 €.
Logik: Verrechnete Kosten > Istkosten → Überdeckung. Verrechnete Kosten < Istkosten → Unterdeckung. Nicht auswendig lernen: Frage dich, ob den Kostenträgern zu viel oder zu wenig zugerechnet wurde.

11. Betriebsabrechnungsbogen: Gemeinkosten verursachungsgerecht verteilen

Der BAB verbindet Kostenarten- und Kostenträgerrechnung. Gemeinkosten werden zunächst auf Kostenstellen verteilt. Anschließend werden Zuschlagssätze gebildet, damit die Gemeinkosten den Kostenträgern zugerechnet werden können.

Kostenstelle Bezugsgröße Gemeinkosten Zuschlagssatz
Material Materialeinzelkosten 240.000 € 36.000 € 15,0 %
Fertigung Fertigungslöhne 180.000 € 270.000 € 150,0 %
Verwaltung Herstellkosten 600.000 € 48.000 € 8,0 %
Vertrieb Herstellkosten 600.000 € 30.000 € 5,0 %
GemeinkostenerfassenKostenstellenbelastenBezugsgrößenbestimmenZuschlags-sätze

12. Maschinenstundensatz aus dem Skript

Bei maschinenintensiver Fertigung werden maschinenabhängige Gemeinkosten über Maschinenstunden verrechnet. Das vorhandene Skript behandelt dazu insbesondere kalkulatorische Abschreibung, kalkulatorische Zinsen, Raumkosten, Instandhaltung und Energie.

\(\text{Maschinenstundensatz}=\frac{\text{maschinenabhängige Kosten pro Jahr}}{\text{produktive Maschinenstunden pro Jahr}}\)

UNTERNEHMER AG: Maschinenabhängige Jahreskosten 144.000 €, produktive Laufzeit 2.400 h → Maschinenstundensatz = 60 €/h. Beansprucht UA-200 die Maschine 2,5 h, werden 150 € Maschinenkosten zugerechnet.
KostenartJahreskosten in €Abschr.ZinsenEnergiesonstige

13. Kalkulationsschema sicher beherrschen

Für Vorwärts-, Rückwärts- und Differenzkalkulation gilt dasselbe Grundschema. Entscheidend ist, welche Größe als 100-%-Basis dient.

Rechenschritt % %
Materialeinzelkosten 400,00 100
+ Materialgemeinkosten 60,00 15
+ Fertigungseinzelkosten 300,00 100
+ Fertigungsgemeinkosten 450,00 150
= Herstellkosten 1.210,00 100
+ Verwaltungs-GK 96,80 8
+ Vertriebs-GK 60,50 5
= Selbstkosten 1.367,30
Prüfungsregel: Vorwärts wird von oben nach unten gerechnet, rückwärts von unten nach oben. Bei der Differenzkalkulation wird von beiden bekannten Enden zur gesuchten Größe gerechnet.

14. Normal- und Istkosten: Über- und Unterdeckung

Weichen tatsächlich entstandene Gemeinkosten von den verrechneten Normalkosten ab, entsteht eine Kostenüber- oder Kostenunterdeckung.

Situation Folge
verrechnete Normalkosten > Istkosten Kostenüberdeckung
verrechnete Normalkosten < Istkosten Kostenunterdeckung
Verrechnete Gemeinkosten 420.000 €, Istgemeinkosten 438.000 € → 18.000 € Kostenunterdeckung. Die tatsächlichen Kosten lagen über den verrechneten Kosten.

15. Gesamtfall UNTERNEHMER AG

Situation: Für die Produktlinie UA-200 liegen Materialeinzelkosten von 7.200 €, Fertigungseinzelkosten von 2.800 € und eine Maschinenlaufzeit von 5 Stunden je Stück vor. Der Maschinenstundensatz beträgt 80 €. Weitere Fertigungsgemeinkosten werden mit 50 % der Fertigungseinzelkosten verrechnet. MGK 10 %, VwGK 8 %, VtGK 4 %. Der Gewinnzuschlag beträgt 12 %.

Schritt 1: Materialkosten

MEK 7.200 € + MGK 720 € = 7.920 €.

Schritt 2: Fertigungskosten

FEK 2.800 € + weitere FGK 1.400 € + Maschinenkosten (5 × 80 €) 400 € = 4.600 €.

Schritt 3: Herstellkosten

7.920 € + 4.600 € = 12.520 €.

Schritt 4: Selbstkosten

VwGK: 12.520 × 8 % = 1.001,60 €.
VtGK: 12.520 × 4 % = 500,80 €.
Selbstkosten = 12.520 + 1.001,60 + 500,80 = 14.022,40 €.

Schritt 5: Gewinn und Barverkaufspreis

Gewinn = 14.022,40 × 12 % = 1.682,69 €.
Barverkaufspreis = 15.705,09 €.

Didaktisch wichtig: Nicht nur rechnen. Frage nach jedem Schritt: Was wurde gerade zugerechnet und warum genau auf dieser Bezugsgröße? Wer das Kalkulationsschema versteht, braucht deutlich weniger auswendig zu lernen.

16. Kostenträgerzeitrechnung und Bestandsveränderungen vertieft

Die Kostenträgerzeitrechnung ermittelt den Erfolg einer Abrechnungsperiode. Produktions- und Absatzmenge dürfen nicht verwechselt werden. Produziert die UNTERNEHMER AG mehr als sie verkauft, entsteht eine Bestandsmehrung; bei höherem Absatz als Produktion eine Bestandsminderung.

Rechengröße Beispiel Bedeutung
Umsatzerlöse 1.260.000 € Erlöse der abgesetzten Erzeugnisse
− Herstellkosten des Umsatzes 820.000 € Herstellkosten der abgesetzten Erzeugnisse
= Bruttoergebnis 440.000 € Beitrag zu weiteren Periodenkosten
− Verwaltungs-/Vertriebskosten 310.000 € Periodenkosten
= Betriebsergebnis 130.000 € betrieblicher Erfolg
ProduktionHerstellkosten± BestandFE / UFEAbsatzverkaufte MengeHK UmsatzPeriodenerfolg
Prüfungsfalle: Herstellkosten der Produktion und Herstellkosten des Umsatzes sind nur ohne Bestandsveränderung identisch.

17. Kostenüber- und Kostenunterdeckung interpretieren

Normalzuschlagssätze beruhen auf normalisierten Größen. Die Differenz aus verrechneten und tatsächlichen Gemeinkosten zeigt Über- bzw. Unterdeckung.

\(Abweichung=verrechnete\ Gemeinkosten-Istgemeinkosten\)

18. Maschinenstundensatz vertieft

Bei automatisierter Fertigung werden maschinenabhängige Kosten auf produktive Maschinenstunden bezogen. Dazu zählen insbesondere kalkulatorische Abschreibung und Zinsen sowie Raum-, Versicherungs-, Instandhaltungs- und variable Energiekosten.

\(Maschinenstundensatz=\frac{maschinenbezogene\ fixe\ Kosten}{produktive\ Maschinenstunden}+variable\ Kosten\ je\ Stunde\)

19. Gesamtfall: vom BAB bis zum Betriebsergebnis

  1. Kosten gliedern.
  2. Gemeinkosten im BAB verteilen.
  3. Leistungsverrechnung berücksichtigen.
  4. Zuschlagssätze ermitteln.
  5. Maschinenstundensatz berechnen.
  6. Selbstkosten kalkulieren.
  7. Kalkulationsrichtung passend wählen.
  8. Bestandsveränderungen berücksichtigen.
  9. Kostenträgerzeitrechnung durchführen.
  10. Über-/Unterdeckung und Betriebsergebnis interpretieren.

20. Prüfungs- und Transfertraining

Zusatzaufgabe 1. Einzel- und Gemeinkosten zuordnen.
Zusatzaufgabe 2. Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung abgrenzen.
Zusatzaufgabe 3. Einstufigen BAB vervollständigen.
Zusatzaufgabe 4. Mehrstufigen BAB auswerten.
Zusatzaufgabe 5. Innerbetriebliche Leistungsverrechnung nachvollziehen.
Zusatzaufgabe 6. Materialgemeinkostenzuschlag berechnen.
Zusatzaufgabe 7. Fertigungsgemeinkostenzuschlag berechnen.
Zusatzaufgabe 8. Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschläge bestimmen.
Zusatzaufgabe 9. Vorwärtskalkulation im Schema € | % | % durchführen.
Zusatzaufgabe 10. Rückwärtskalkulation durchführen.
Zusatzaufgabe 11. Differenzkalkulation durchführen.
Zusatzaufgabe 12. Fehlerhaftes Kalkulationsschema korrigieren.
Zusatzaufgabe 13. Kalkulatorische Abschreibung berechnen.
Zusatzaufgabe 14. Kalkulatorische Zinsen bestimmen.
Zusatzaufgabe 15. Variable Stromkosten je Maschinenstunde berechnen.
Zusatzaufgabe 16. Maschinenstundensatz vollständig berechnen.
Zusatzaufgabe 17. Maschinenkosten einem Auftrag zurechnen.
Zusatzaufgabe 18. Fertigungslöhne als Zuschlagsbasis bei Automatisierung kritisch beurteilen.
Zusatzaufgabe 19. Normal- und Istgemeinkosten unterscheiden.
Zusatzaufgabe 20. Verrechnete und tatsächliche Gemeinkosten vergleichen.
Zusatzaufgabe 21. Kostenüberdeckung berechnen und interpretieren.
Zusatzaufgabe 22. Kostenunterdeckung berechnen und interpretieren.
Zusatzaufgabe 23. Ursachen von Abweichungen analysieren.
Zusatzaufgabe 24. Bestandsmehrung erkennen.
Zusatzaufgabe 25. Bestandsminderung erkennen.
Zusatzaufgabe 26. Herstellkosten einer Bestandsveränderung berechnen.
Zusatzaufgabe 27. Herstellkosten des Umsatzes bestimmen.
Zusatzaufgabe 28. Umsatzergebnis und Betriebsergebnis abgrenzen.
Zusatzaufgabe 29. Kostenträgerzeitrechnung vollständig durchführen.
Zusatzaufgabe 30. Vorkalkuliertes und tatsächliches Betriebsergebnis vergleichen.
Zusatzaufgabe 31. Wirtschaftliche Ursachen aus der Zeitrechnung ableiten.
Zusatzaufgabe 32. Angebotspreis aus Selbstkosten ermitteln.
Zusatzaufgabe 33. Vom Listenverkaufspreis rückwärts zu den Selbstkosten rechnen.
Zusatzaufgabe 34. BAB-Ergebnis in die Stückrechnung übernehmen.
Zusatzaufgabe 35. Stück- und Zeitrechnung verbinden.
Zusatzaufgabe 36. Fehlerhafte Bestandsveränderungsrechnung korrigieren.
Zusatzaufgabe 37. Fehlerhafte Maschinenkostenrechnung korrigieren.
Zusatzaufgabe 38. Fehlerhafte Überdeckungsrechnung korrigieren.
Zusatzaufgabe 39. Kostenrechnungsprozess der UNTERNEHMER AG erläutern.
Zusatzaufgabe 40. Integrierten Prüfungsfall vom BAB bis zum Betriebsergebnis lösen.
Aufgabe 1 – Zurechenbarkeit: Ordne folgende Kosten der UNTERNEHMER AG als Einzel- oder Gemeinkosten ein und begründe: Spezialmotor einer UA-200, Gehalt der Geschäftsleitung, Strom einer separat gemessenen Produktionsmaschine, allgemeine Hallenbeleuchtung.
Aufgabe 2 – Kalkulation: MEK 5.000 €, MGK 12 %, FEK 2.400 €, FGK 75 %, VwGK 7 %, VtGK 3 %, Gewinn 10 %. Ermittle Selbstkosten und Barverkaufspreis.
Aufgabe 3 – Maschinenstundensatz: Wiederbeschaffungswert 720.000 €, Nutzungsdauer 12 Jahre, kalkulatorische Zinsen 18.000 €, Raumkosten 15.000 €, Energie 54.000 €, Instandhaltung 33.000 €, Laufzeit 2.400 h. Ermittle den Maschinenstundensatz.
Aufgabe 4 – Abweichungsanalyse: Normal-MGK 11 %, Ist-MEK 600.000 €, tatsächliche MGK 70.000 €. Ermittle die verrechneten MGK und entscheide, ob Über- oder Unterdeckung vorliegt.
Aufgabe 5 – Beurteilen: Erkläre, warum eine pauschale Verrechnung hoher Maschinenkosten über Fertigungslöhne zu Fehlkalkulationen führen kann.

Lösungskontrolle

Aufgabe 2: MK = 5.600 €; FK = 4.200 €; HK = 9.800 €; VwGK = 686 €; VtGK = 294 €; SK = 10.780 €; Gewinn = 1.078 €; BVP = 11.858 €.

Aufgabe 3: Abschreibung 60.000 €; gesamte Maschinenkosten 180.000 €; Maschinenstundensatz = 75 €/h.

Aufgabe 4: verrechnete MGK = 66.000 €; Ist-MGK = 70.000 € → Unterdeckung 4.000 €.

Zusatzaufgabe 1. Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung voneinander abgrenzen.
Zusatzaufgabe 2. Einzelkosten und Gemeinkosten anhand von Industriebetriebsfällen klassifizieren.
Zusatzaufgabe 3. einen Materialgemeinkostenzuschlagssatz aus BAB-Daten berechnen.
Zusatzaufgabe 4. einen Fertigungsgemeinkostenzuschlagssatz bestimmen.
Zusatzaufgabe 5. Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschläge berechnen.
Zusatzaufgabe 6. einen einstufigen BAB auswerten.
Zusatzaufgabe 7. eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung in einem mehrstufigen BAB nachvollziehen.
Zusatzaufgabe 8. Herstellkosten aus Material- und Fertigungskosten ermitteln.
Zusatzaufgabe 9. Selbstkosten eines Kostenträgers berechnen.
Zusatzaufgabe 10. eine Vorwärtskalkulation vollständig durchführen.
Zusatzaufgabe 11. eine Rückwärtskalkulation vom Listenverkaufspreis aus durchführen.
Zusatzaufgabe 12. eine Differenzkalkulation mit unbekanntem Gewinnzuschlag lösen.
Zusatzaufgabe 13. kalkulatorische Abschreibung einer Maschine bestimmen.
Zusatzaufgabe 14. kalkulatorische Zinsen für das durchschnittlich gebundene Kapital berechnen.
Zusatzaufgabe 15. produktive Maschinenstunden bestimmen.
Zusatzaufgabe 16. einen Maschinenstundensatz berechnen.
Zusatzaufgabe 17. Maschinenkosten einem Auftrag zurechnen.
Zusatzaufgabe 18. eine Kostenüberdeckung berechnen und interpretieren.
Zusatzaufgabe 19. eine Kostenunterdeckung berechnen und interpretieren.
Zusatzaufgabe 20. eine vollständige Kalkulationsentscheidung der UNTERNEHMER AG begründen.

21. Typische Fehler

Fehler Richtig denken
Einzelkosten mit „kleinen Kosten“ verwechseln Es geht um direkte Zurechenbarkeit.
Prozentsätze auf die falsche Basis anwenden Vor jeder Prozentrechnung die Bezugsgröße bestimmen.
Rabatt und Skonto vorwärts einfach addieren Die Verkaufskalkulation stufenweise durchführen.
kalkulatorische Abschreibung vom historischen Anschaffungswert berechnen Bei den Maschinenkosten nach Lehrplan den Wiederbeschaffungswert beachten.
BAB als reine Tabelle auswendig lernen Verstehen: Gemeinkosten werden zuerst Kostenstellen, dann Kostenträgern zugerechnet.
Über-/Unterdeckung vertauschen Verrechnete Gemeinkosten mit tatsächlich angefallenen Gemeinkosten vergleichen.
Bestandsveränderungen ignorieren Produktion ist nicht automatisch gleich Absatz.

22. Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Vollkostenrechnung verrechnet sämtliche Kosten auf betriebliche Leistungen.
  • Einzelkosten sind direkt zurechenbar; Gemeinkosten werden über Kostenstellen und Zuschlagssätze verteilt.
  • Vorwärtskalkulation ermittelt aus Kosten den Angebotspreis; Rückwärtskalkulation rechnet vom Marktpreis zurück; Differenzkalkulation bestimmt den verbleibenden Gewinn.
  • Maschinenstundensätze ermöglichen eine verursachungsgerechtere Verrechnung maschinenabhängiger Kosten.
  • Der BAB verteilt Gemeinkosten auf Kostenstellen und liefert Zuschlagssätze.
  • Normal- und Istkosten können zu Über- oder Unterdeckungen führen.
  • Bestandsveränderungen trennen Herstellkosten der Erzeugung von Herstellkosten des Umsatzes.
  • Die Kostenträgerzeitrechnung ermittelt den Erfolg der Abrechnungsperiode.
  • Gute Lösungen zeigen nicht nur Rechenwege, sondern erklären die betriebswirtschaftliche Bedeutung der Ergebnisse.

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Persönlich sind wir vom 31.07. bis 14.09.2026 nicht erreichbar. E-Mails beantworten wir ab dem 15.09.2026 in der Reihenfolge des Eingangs. Terminvereinbarungen sind ab dann wieder möglich.

Ihr lern.de – Team