Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 7 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)

Der Konjunktiv II: Formen bilden und Vorgestelltes ausdrücken

Nach dem Besuch einer Burgausstellung schreibt die Klasse Gedankenspiele auf: „Wenn ich im Mittelalter gelebt hätte, wäre ich gern Buchmaler gewesen.“ „Ich käme mit einer Rüstung kaum die Treppe hinauf.“ „Könnten wir die Burg noch einmal besuchen?“ In all diesen Sätzen geht es nicht um das, was wirklich ist, sondern um Vorgestelltes, Gewünschtes oder höflich Erbetenes. Dafür gibt es eine eigene Verbform: den Konjunktiv II. Auf dieser Seite lernst du, wie du ihn bildest, wann du die Umschreibung mit würde verwendest und welche Aufgaben er im Satz erfüllt.

1. Indikativ und Konjunktiv

Verben stehen in verschiedenen Modi, also Aussageweisen. Der Indikativ stellt etwas als wirklich dar: „Ich lebe heute.“ Der Imperativ fordert auf: „Komm mit!“ Der Konjunktiv II zeigt, dass etwas nur vorgestellt, gewünscht oder möglich ist: „Ich lebte gern im Mittelalter.“ oder „Ich würde gern im Mittelalter leben.“

Am Gymnasium lernst du den Konjunktiv II in der Jahrgangsstufe 7 zuerst als Form der Nichtwirklichkeit und der Höflichkeit kennen. In der Jahrgangsstufe 8 untersuchst du dann ausführlich, welche Funktionen die Modi im Text haben, und lernst den Konjunktiv I für die Redewiedergabe genauer kennen.

Der lateinische Fachbegriff: modus heißt Art und Weise, indicare anzeigen, imperare befehlen und coniungere verbinden. Der Name erklärt sich wohl daher, dass der Konjunktiv im Lateinischen häufig in verbundenen, also untergeordneten Sätzen vorkam.

2. Die Formen des Konjunktivs II

Der Konjunktiv II der Gegenwart wird vom Präteritum abgeleitet. Bei vielen starken Verben erhält der Stammvokal dabei einen Umlaut, und es tritt ein e hinzu: aus kam wird käme, aus ging wird ginge, aus war wird wäre, aus hatte wird hätte, aus wusste wird wüsste. Auch die Modalverben bilden so ihren Konjunktiv II: könnte, müsste, dürfte, möchte. Bei sollen und wollen bleibt der Vokal ohne Umlaut: sollte, wollte.

Bei den schwachen Verben sieht der Konjunktiv II genauso aus wie das Präteritum: „Ich spielte.“ kann Vergangenheit oder Vorstellung bedeuten. Deshalb verwendest du hier meist die Umschreibung mit würde: „Ich würde gern Laute spielen.“ Auch bei manchen starken Verben mit altertümlich wirkenden Formen wie hülfe, stürbe oder schwömme ist die würde-Form heute üblich.

Für Vorgestelltes in der Vergangenheit bildest du den Konjunktiv II der Vergangenheit mit hätte oder wäre und dem Partizip II: „Ich hätte gern einen Ritter gesehen.“ „Wir wären fast zu spät gekommen.“ Ob hätte oder wäre richtig ist, richtet sich danach, ob das Verb im Perfekt mit haben oder mit sein gebildet wird.

Übrigens ist würde selbst eine Konjunktiv-II-Form, nämlich die von werden: aus wurde wird würde. Die Umschreibung besteht also aus dem Konjunktiv II von werden und dem Infinitiv des Verbs. Wenn du unsicher bist, ob eine Form Konjunktiv II oder Präteritum ist, hilft die Umlautprobe: Formen mit Umlaut wie käme, wäre, hätte oder könnte sind eindeutig Konjunktiv II. Formen ohne Umlaut wie spielte oder sagte können beides sein; hier entscheidet der Zusammenhang, oder du wählst zur Klarheit die würde-Form.

Indikativ Präteritum Konjunktiv II würde-Form Vergangenheit
ich war ich wäre (selten) ich würde sein ich wäre gewesen
ich hatte ich hätte (selten) ich würde haben ich hätte gehabt
ich kam ich käme ich würde kommen ich wäre gekommen
ich spielte ich spielte (gleich!) ich würde spielen ich hätte gespielt
ich konnte ich könnte – ich hätte gekonnt

3. Wozu der Konjunktiv II dient

Der Konjunktiv II hat mehrere Aufgaben. Er drückt Wünsche aus: „Wenn ich doch eine echte Burg besitzen würde!“ Er bildet irreale Bedingungssätze, also Sätze über Bedingungen, die nicht erfüllt sind: „Wenn die Burg nicht so weit weg wäre, kämen wir öfter.“ Er macht Bitten und Fragen höflicher: „Könnten Sie uns die Rüstung erklären?“ klingt freundlicher als „Erklären Sie uns die Rüstung!“

Außerdem kann er eine vorsichtige Vermutung oder Einschätzung ausdrücken: „Das dürfte etwa achthundert Jahre alt sein.“ Und in der Redewiedergabe ersetzt er den Konjunktiv I, wenn dieser genauso aussieht wie der Indikativ. Diese Aufgabe lernst du in der nächsten Jahrgangsstufe genauer kennen, wenn es um die Wiedergabe fremder Aussagen in Berichten und Inhaltsangaben geht.

Besonders nützlich sind die Konjunktiv-II-Formen der Modalverben. Mit solltest gibst du einen Rat: „Du solltest die Ausstellung unbedingt besuchen.“ Mit müsste drückst du eine Erwartung aus: „Der Bus müsste gleich kommen.“ Mit könnte nennst du eine Möglichkeit: „Das könnte ein Wappen sein.“ Solche Formen helfen dir, Aussagen genau abzustufen, statt sie vorschnell als ganz sicher hinzustellen, obwohl du es gar nicht genau weißt.

4. Der Konjunktiv II im eigenen Text

In Erzählungen und Gedankenspielen erlaubt dir der Konjunktiv II, Möglichkeiten durchzuspielen: Was wäre, wenn? Gerade Fantasiegeschichten, Tagebucheinträge einer Figur oder Briefe an eine historische Person leben davon. In Bitten und Anfragen, etwa an ein Museum, wirkt er höflich und angemessen. Ein Brief, in dem eine Klasse um eine Führung bittet, klingt mit Formulierungen wie Wir würden uns freuen oder Wäre es möglich deutlich freundlicher als mit direkten Aufforderungen.

Achte auf zwei Stilregeln. Erstens: Verwende in einem irrealen Bedingungssatz möglichst nicht zweimal würde. Statt „Wenn ich Zeit haben würde, würde ich mitkommen.“ schreibst du besser „Wenn ich Zeit hätte, würde ich mitkommen.“ oder „Wenn ich Zeit hätte, käme ich mit.“ Zweitens: Bei häufigen Verben wie sein, haben, werden, können und wissen benutzt du die einfachen Formen wäre, hätte, würde, könnte und wüsste, nicht die Umschreibung.

Form und Wirkung: So deutest du es im Text

In einer kurzen Geschichte über einen Museumsbesuch steht ein Mädchen vor einem alten Schwert. Sie denkt: Wenn dieses Schwert sprechen könnte, würde es von Schlachten erzählen. Hätte ich damals gelebt, wäre ich vielleicht Knappe geworden. Dann ruft die Lehrerin, und das Mädchen kehrt in die Gegenwart zurück.

Beobachtung Form Wirkung
wenn dieses Schwert sprechen könnte Konjunktiv II, irreale Bedingung ein Gedankenspiel beginnt
würde es von Schlachten erzählen würde-Form die Vorstellung wird ausgemalt
hätte ich damals gelebt Konjunktiv II der Vergangenheit Traum von einem anderen Leben
wäre ich vielleicht Knappe geworden Konjunktiv II der Vergangenheit Möglichkeit, keine Wirklichkeit
dann ruft die Lehrerin Indikativ Rückkehr in die Wirklichkeit

Der Wechsel vom Konjunktiv in den Indikativ markiert die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. So kann die Verbform allein zeigen, wo eine Figur sich gerade gedanklich befindet. Probiere das in einer eigenen kleinen Geschichte aus: Lass eine Figur vor einem Ausstellungsstück ins Träumen geraten, erzähle den Traum im Konjunktiv II und hole sie mit einem plötzlichen Ereignis im Indikativ in die Wirklichkeit zurück. Achte darauf, dass der Wechsel der Verbform genau an der Stelle geschieht, an der sich auch die Situation ändert.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Wenn ich Zeit haben würde, würde ich kommen. Wenn ich Zeit hätte, würde ich kommen. Bei haben die einfache Form verwenden.
Ich würde es wissen, wenn … Ich wüsste es, wenn … Bei wissen ist wüsste üblich.
Ich hätte gestern gekommen. Ich wäre gestern gekommen. Kommen bildet das Perfekt mit sein.
Der Konjunktiv II zeigt eine Tatsache. Der Konjunktiv II zeigt Vorgestelltes oder Gewünschtes. Tatsachen stehen im Indikativ.
Ich spielte gern Laute. (als Wunsch, missverständlich) Ich würde gern Laute spielen. Bei schwachen Verben die würde-Form wählen.

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