Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 5 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)

Die Wortarten mit lateinischen Fachbegriffen: von Numerale bis Subjunktion

Im Naturkundemuseum steht unter einem riesigen Skelett ein Schild: „Dieser gewaltige Dinosaurier lebte vor etwa siebzig Millionen Jahren in Nordamerika, und er fraß vermutlich Pflanzen, weil seine Zähne flach waren. Oh, wie groß er ist!“ Jedes Wort in diesem Text hat eine bestimmte Aufgabe. Manche benennen Dinge, andere beschreiben sie, wieder andere verbinden Sätze oder drücken ein Gefühl aus. Nach ihren Aufgaben und Formen ordnet man die Wörter in Wortarten. Am Gymnasium lernst du dafür die lateinischen Fachbegriffe, die auch in vielen anderen Sprachen verwendet werden. Auf dieser Seite lernst du alle wichtigen Wortarten kennen und übst, sie sicher zu bestimmen.

1. Wörter, die ihre Form verändern

Vergleiche: der Dinosaurier, des Dinosauriers, die Dinosaurier. Und: Er frisst, sie fraßen, wir haben gefressen. Diese Wörter verändern ihre Form, je nachdem, wie sie im Satz gebraucht werden. Solche Wörter nennt man flektierbar, also veränderbar. Zu ihnen gehören fünf Wortarten.

Das Nomen, auch Substantiv genannt, bezeichnet Lebewesen, Dinge, Orte und Gedanken: Dinosaurier, Museum, Idee. Der Artikel begleitet das Nomen: der, die, das, ein, eine. Das Pronomen steht für ein Nomen oder begleitet es: er, dieser, sein. Das Adjektiv beschreibt Eigenschaften und lässt sich meist steigern: groß, größer, am größten. Das Verb drückt Tätigkeiten, Vorgänge und Zustände aus: fressen, wachsen, leben.

Der lateinische Fachbegriff: nomen heißt Name, verbum Wort, adiectivum das Hinzugefügte, pronomen für das Nomen, numerus die Zahl, adverbium beim Verb, praepositio das Voranstellen, coniunctio die Verbindung, interiectio das Dazwischengeworfene.

Beim Artikel unterscheidest du den bestimmten Artikel der, die, das, der auf etwas Bekanntes verweist, und den unbestimmten Artikel ein, eine, der etwas Neues einführt: Ein Skelett steht im Saal. Das Skelett ist riesig. Auch beim Pronomen gibt es verschiedene Arten. Personalpronomen wie ich, du, er, sie, es stehen für Personen und Dinge, Possessivpronomen wie mein, sein, unser zeigen, wem etwas gehört, und Demonstrativpronomen wie dieser oder jener weisen mit Nachdruck auf etwas hin: Dieser Dinosaurier ist der größte im Museum.

2. Das Numerale: Wörter für Zahlen

Im Schild steht: siebzig Millionen Jahre. Im Museum hängen drei Skelette, im ersten Raum stehen zehn Vitrinen, und jeder zweite Besucher fotografiert den Dinosaurier. Wörter wie siebzig, drei, erste, zehn und zweite geben eine Zahl oder eine Reihenfolge an.

Diese Wörter heißen Numeralien, in der Einzahl Numerale, auf Deutsch Zahlwort. Man unterscheidet Grundzahlen wie eins, zwei, siebzig und Ordnungszahlen wie erste, zweite, siebzigste. Ordnungszahlen werden wie Adjektive gebeugt: der erste Raum, im ersten Raum. Auch unbestimmte Mengenangaben wie viele, einige oder wenige werden oft zu den Zahlwörtern gerechnet. Zahlwörter sind besonders in Sachtexten wichtig, weil sie Angaben überprüfbar und genau machen.

3. Wörter, die ihre Form nicht verändern

Schau dir die Wörter vermutlich, in, und, weil und oh an. Wie auch immer du den Satz umbaust, sie bleiben gleich. Solche Wörter heißen nicht flektierbar. Sie haben trotzdem wichtige Aufgaben im Satz, denn ohne sie ließen sich Gedanken kaum miteinander verbinden.

Das Adverb gibt genauere Umstände an, zum Beispiel Ort, Zeit oder Art und Weise: dort, gestern, gern, vermutlich. Die Präposition steht meist vor einem Nomen oder Pronomen und zeigt ein Verhältnis an: in Nordamerika, vor siebzig Millionen Jahren, mit dem Führer. Die Konjunktion verbindet gleichrangige Wörter oder Sätze: und, oder, aber. Die Subjunktion leitet einen Nebensatz ein: weil, dass, wenn, als. Die Interjektion drückt Gefühle aus oder ahmt Laute nach: oh, ach, pst, hui.

Wortart Beispiele aus dem Museum veränderbar?
Nomen (Substantiv) Dinosaurier, Skelett, Museum ja
Verb fressen, leben, staunen ja
Adjektiv gewaltig, flach, groß ja
Numerale siebzig, drei, erste teilweise
Subjunktion weil, dass, als nein

4. Wortarten sicher bestimmen

Im Satz „Der Führer erklärt uns die Knochen genau.“ ist genau ein Adverb, denn es beschreibt, wie er erklärt. Im Satz „Die genauen Erklärungen gefallen uns.“ ist genaue ein Adjektiv, denn es beschreibt ein Nomen und wird gebeugt. Dasselbe Wort kann also je nach Gebrauch zu verschiedenen Wortarten gehören. Entscheidend ist immer seine genaue Aufgabe im konkreten Satz.

Deshalb hilft es, mit Proben zu arbeiten. Ein Nomen erkennst du daran, dass du einen Artikel davorsetzen kannst. Ein Verb kannst du in verschiedene Zeiten setzen. Ein Adjektiv kannst du zwischen Artikel und Nomen stellen und meist steigern. Bei den nicht veränderbaren Wörtern hilft die Frage nach der Aufgabe: Verbindet das Wort Sätze, steht es vor einem Nomen, oder drückt es ein Gefühl aus? Bei Konjunktion und Subjunktion hilft die Stellung des Verbs: Nach weil steht das gebeugte Verb am Ende, nach und nicht.

Gehe beim Bestimmen Schritt für Schritt vor. Nimm den Satz „Gestern zeigte uns die Führerin drei riesige Knochen, weil wir neugierig waren.“ Zuerst suchst du die Verben: zeigte und waren. Dann die Nomen mit der Artikelprobe: Führerin und Knochen. Dann die Begleiter und Stellvertreter: die ist ein Artikel, uns und wir sind Pronomen. Riesige und neugierig beschreiben Eigenschaften und sind Adjektive, drei ist ein Numerale. Übrig bleiben gestern, ein Adverb, und weil, eine Subjunktion. So hast du jedes Wort eingeordnet.

Die lateinischen Fachbegriffe sind übrigens nicht nur für den Deutschunterricht nützlich. In Latein, Englisch, Französisch und vielen anderen Sprachen begegnen sie dir wieder. Wer sie jetzt sicher beherrscht, hat es später beim Lernen jeder neuen Fremdsprache deutlich leichter.

Form und Wirkung: So deutest du es im Text

Zwei Fassungen eines Museumsschildes: Die erste lautet: Dinosaurier. Pflanzenfresser. Nordamerika. Die zweite: Dieser gewaltige Dinosaurier lebte vor siebzig Millionen Jahren in Nordamerika und fraß vermutlich Pflanzen. Oh, wie groß er ist!

Beobachtung Wortart Wirkung
nur Nomen in Fassung eins Nomen knapp, aber leblos
gewaltige Adjektiv Größe wird anschaulich
vor siebzig Millionen Jahren Präposition und Numerale Zeit wird genau angegeben
vermutlich Adverb zeigt, dass es eine Annahme ist
Oh! Interjektion Staunen wird spürbar

So siehst du, dass jede Wortart zur Wirkung eines Textes beiträgt. Adjektive machen anschaulich, Zahlwörter genau, Adverbien vorsichtig, Interjektionen lebendig. Ein Museumstext, der nur aus Nomen besteht, liefert zwar Stichworte, aber kein Bild. Erst die anderen Wortarten verbinden die Informationen, ordnen sie zeitlich ein und lassen den Leser staunen. Wenn du selbst einen Ausstellungstext oder eine Beschreibung schreibst, achte deshalb darauf, die Wortarten gezielt einzusetzen: genaue Adjektive statt allgemeiner, Zahlwörter dort, wo es auf Genauigkeit ankommt, und Subjunktionen wie weil oder damit, um Zusammenhänge zu erklären.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Weil ist eine Konjunktion. Weil ist eine Subjunktion. Weil leitet einen Nebensatz ein.
Drei ist ein Adjektiv. Drei ist ein Numerale. Es gibt eine Zahl an.
Ein Wort gehört immer zur selben Wortart. Die Wortart hängt vom Gebrauch ab. Genau kann Adjektiv oder Adverb sein.
Oh ist ein Adverb. Oh ist eine Interjektion. Es drückt ein Gefühl aus.
Präpositionen verändern ihre Form. Präpositionen sind nicht flektierbar. Sie bleiben immer gleich.

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