Deutsch Realschule Bayern · Jahrgangsstufe 5 und 6 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Das Verb: finite und infinite Formen, starke Verben, Stammformen

Das Verb ist das Zentrum jedes Satzes: Ohne Verb fehlt die Handlung. Damit ein Verb zum Subjekt passt, verändert es seine Form – du sagst ich spiele, aber du spielst. Es gibt aber auch Verbformen, die sich nicht verändern und in jedem Wörterbuch als Grundform stehen. Auf dieser Seite lernst du den Unterschied zwischen diesen beiden Formen und wie du zu jedem Verb seine wichtigsten Grundbausteine findest. Diese Grundbausteine brauchst du später auch, wenn du erzählst, was jetzt, früher oder erst noch passiert.

1. Finite Formen – das Verb passt sich an

Eine finite Form ist eine Verbform, die sich nach der Person (ich, du, er …) und nach der Zahl (Einzahl oder Mehrzahl) richtet. Man nennt sie deshalb auch Personalform. An der Endung erkennst du, wer etwas tut: ich spiele, du spielst, er spielt, wir spielen. Jeder vollständige Satz braucht genau eine finite Form, denn sie verbindet das Verb mit seinem Subjekt. Ohne diese Form fehlt dem Satz das Rückgrat, auch wenn alle anderen Wörter schon dastehen.

Person Finite Form von spielen
ich spiele
du spielst
er/sie/es spielt
wir spielen

Merke: Eine finite Form passt sich an das Subjekt an. Sie heißt deshalb auch Personalform und steht in jedem vollständigen Satz genau einmal.

2. Infinite Formen: der Infinitiv und das Partizip Perfekt

Infinite Formen verändern sich nicht nach der Person. Dazu gehören der Infinitiv, die Grundform des Verbs, die im Wörterbuch steht und meist auf -en oder -n endet, zum Beispiel spielen, gehen oder sammeln. Dazu gehört außerdem das Partizip Perfekt, eine weitere unveränderliche Form wie gespielt oder gegangen. Infinite Formen stehen oft zusammen mit einer finiten Form im selben Satz: Er will heute Fußball spielen. Hier ist will die finite Form, die zu er passt, und spielen bleibt als Infinitiv unverändert. Auch in Kochrezepten und Bastelanleitungen steht oft nur der Infinitiv, zum Beispiel Zwiebeln schneiden, weil dort nicht wichtig ist, wer die Handlung ausführt.

Merke: Infinite Formen ändern sich nicht nach der Person. Der Infinitiv ist die Grundform, das Partizip Perfekt eine zweite, ebenfalls unveränderliche Form.

3. Starke und schwache Verben

Verben unterscheiden sich darin, wie sie ihre Formen bilden. Schwache Verben behalten ihren Stammvokal, also den Vokal im Wortstamm, und hängen nur Endungen an, zum Beispiel spielen → spielte → gespielt. Starke Verben dagegen verändern den Stammvokal, zum Beispiel singen → sang → gesungen. Ihr Partizip Perfekt endet meist auf -en statt auf -t. Beide Verbtypen kommen im Deutschen sehr häufig vor, deshalb lohnt es sich, sie schon früh auseinanderzuhalten. Daneben gibt es einige unregelmäßige Verben, die eine Mischung aus beidem zeigen, wie bringen → brachte → gebracht: Hier ändert sich der Stammvokal und trotzdem kommt die Endung -te dazu. Ob ein Verb schwach, stark oder unregelmäßig ist, kannst du nicht an der Grundform allein erkennen, sondern nur, wenn du seine weiteren Formen kennst.

Verbtyp Beispiel Merkmal
schwach spielen → spielte → gespielt Stammvokal bleibt gleich
stark singen → sang → gesungen Stammvokal wechselt
unregelmäßig bringen → brachte → gebracht Stammvokal wechselt und Endung -te

Merke: Schwache Verben verändern nur die Endung, starke Verben verändern den Stammvokal. Unregelmäßige Verben tun beides gleichzeitig.

Ab Jahrgangsstufe 6 kommt dazu: Du unterscheidest schwache und starke Verben jetzt systematisch, vor allem an ihrer Präteritumsform. Bei schwachen Verben bleibt der Stammvokal im Präteritum gleich, und die Form endet auf -te. Bei starken Verben wechselt dagegen der Stammvokal im Präteritum, und es gibt keine Endung -te. Mit dieser Regel kannst du bei einem Verb, das du noch nicht kennst, schon am Präteritum entscheiden, zu welcher Gruppe es gehört, ohne das Partizip Perfekt abzuwarten.

Schwache Verben (Stamm bleibt, Präteritum auf -te) Starke Verben (Vokalwechsel, keine Endung -te)
ich mache → ich machte ich fahre → ich fuhr
ich lache → ich lachte ich finde → ich fand
ich suche → ich suchte ich fliege → ich flog
ich wohne → ich wohnte ich treffe → ich traf

4. Die drei Stammformen

Zu jedem Verb gehören drei Grundbausteine, die man Stammformen nennt. Die 1. Stammform ist der Infinitiv, zum Beispiel gehen. Die 2. Stammform ist eine veränderte Form, an der du bei starken Verben den gewechselten Stammvokal erkennst, zum Beispiel ging. Die 3. Stammform ist das Partizip Perfekt, zum Beispiel gegangen. Kennst du diese drei Formen eines Verbs, kannst du fast jede Verbform im Deutschen richtig bilden. Viele Wörterbücher und Grammatikhefte listen deshalb zu schwierigen Verben immer alle drei Stammformen zusammen auf.

1. Stammform (Infinitiv) 2. Stammform 3. Stammform (Partizip Perfekt)
spielen spielte gespielt
singen sang gesungen
gehen ging gegangen
lesen las gelesen
bringen brachte gebracht

Merke: Infinitiv, 2. Stammform und Partizip Perfekt sind die drei Grundbausteine eines Verbs. Wie du diese Formen benutzt, um von jetzt, früher oder später zu berichten, erfährst du auf der Seite zu den Zeitformen.

So erkennst du es im Satz

Am Samstag will meine Familie zusammen kochen. Meine kleine Schwester schneidet das Gemüse, und mein Vater rührt die Soße. Später hat meine Mutter den Tisch gedeckt, und wir haben alle geholfen. Nach dem Essen wollen wir noch ein Spiel spielen. Mein Bruder hat das Spiel schon letzte Woche mitgebracht. Meine Eltern lachen viel, während wir am Tisch sitzen.

Fundstelle im Text Form Woran du sie erkennst
will … kochen finite Form + Infinitiv will passt zu meine Familie, kochen bleibt unverändert
schneidet finite Form Endung -et passt zu meine Schwester
rührt finite Form Endung -t passt zu mein Vater
hat … gedeckt finite Form + Partizip Perfekt gedeckt beginnt mit ge- und endet auf -t (schwaches Verb)
haben … geholfen finite Form + Partizip Perfekt geholfen: Stammvokal verändert (starkes Verb helfen)
hat … mitgebracht finite Form + Partizip Perfekt unregelmäßiges Verb: bringen → brachte → gebracht
lachen finite Form Endung -en passt zu meine Eltern (Mehrzahl)

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum?
Er spielen Fußball. Er spielt Fußball. Die finite Form muss zum Subjekt er passen, die Endung -t fehlte.
Ich habe das Buch gelest. Ich habe das Buch gelesen. lesen ist ein starkes Verb, das Partizip Perfekt lautet gelesen.
Sie hat die Geschichte geschreibt. Sie hat die Geschichte geschrieben. schreiben ist ein starkes Verb: schreiben, schrieb, geschrieben.
Er will spielt Fußball. Er will Fußball spielen. Nach will steht die Grundform, keine zweite finite Form.
Er gehte nach Hause. Er ging nach Hause. gehen ist stark, die 2. Stammform lautet ging, nicht gehte.
Er hat geschwimmt. Er hat geschwommen. schwimmen wechselt den Stammvokal zu o: schwimmen, schwamm, geschwommen.

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