Mathematik · Mittelschule Bayern · Klasse 8 · Regelklasse und M-Zug · Lernbereich 6: Zufallsexperimente · LehrplanPLUS

Zufallsexperimente: relative Häufigkeit und das Gesetz der großen Zahl

Warum gewinnt die Bank auf Dauer immer? Warum sagt eine Wettervorhersage „30 % Regenwahrscheinlichkeit“? In diesem Lernbereich lernst Du den Unterschied zwischen dem, was Du erwartest, und dem, was beim Ausprobieren tatsächlich herauskommt – und warum sich beides bei vielen Versuchen annähert.

Du bist an einer anderen Schulart? Dasselbe Thema gibt es auf dem jeweiligen Niveau auch für Realschule Klasse 8 · Wirtschaftsschule Klasse 6.

Regelklasse oder M-Zug? Dieser Lernbereich ist für beide Züge gleich. Diese Seite gilt für Dich, egal in welcher Klasse Du bist.

1. Was ein Zufallsexperiment ist

Merke

Ein Zufallsexperiment erfüllt drei Bedingungen:

  1. Es lässt sich beliebig oft wiederholen.
  2. Alle möglichen Ergebnisse sind vorher bekannt.
  3. Welches Ergebnis eintritt, ist nicht vorhersagbar.

Würfeln, Münzwurf, Glücksrad, Ziehen aus einer Urne – alles Zufallsexperimente. Das Ergebnis eines Fußballspiels dagegen nicht: Es lässt sich nicht unter gleichen Bedingungen wiederholen.

Merke: das Laplace-Experiment

Sind alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich, spricht man von einem Laplace-Experiment. Dann gilt:

\( P(E) = \dfrac{\text{Anzahl der günstigen Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}} \)

Ein fairer Würfel ist ein Laplace-Experiment, ein gezinkter nicht. Ein Glücksrad mit gleich großen Feldern ist eines, mit unterschiedlich großen nicht.

Laplace: 8 gleiche Felder P(rot) = 3/8 = 0,375 kein Laplace: ungleiche Felder Abzählen reicht hier nicht.

2. Relative Häufigkeit

Merke: der Unterschied zur absoluten Häufigkeit

Die absolute Häufigkeit ist die reine Anzahl. Die relative Häufigkeit setzt sie ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Versuche:

relative Häufigkeit \( = \dfrac{\text{absolute Häufigkeit}}{\text{Anzahl der Versuche}} \)

Sie liegt immer zwischen 0 und 1 und lässt sich als Bruch, Dezimalzahl oder Prozentwert angeben. Nur so kannst Du Versuchsreihen unterschiedlicher Länge vergleichen.

Beispiel: zwei Versuchsreihen vergleichen

Klasse A wirft eine Reiszwecke 200-mal, sie landet 37-mal auf dem Kopf. Klasse B wirft 50-mal, davon 12-mal Kopf. Welche Klasse hatte den höheren Anteil?

Klasse A: \( \dfrac{37}{200} = 0{,}185 = 18{,}5\ \% \)

Klasse B: \( \dfrac{12}{50} = 0{,}24 = 24\ \% \)

Antwort: Klasse B hatte den höheren Anteil – obwohl sie weniger Treffer hatte. Genau dafür braucht man die relative Häufigkeit. Der Wert von Klasse A ist allerdings verlässlicher, weil er auf viermal so vielen Versuchen beruht.

3. Das Gesetz der großen Zahl

1/6 101004001000 Anzahl der Würfe relative Häufigkeit von „6“ Je mehr Würfe, desto ruhiger die Kurve.

Merke

Bei wenigen Versuchen schwankt die relative Häufigkeit stark. Bei vielen Versuchen pendelt sie sich immer näher am theoretischen Wert ein. Das ist das Gesetz der großen Zahl.

Beim Würfeln ist \( P(6) = \frac{1}{6} \approx 0{,}167 \). Nach 10 Würfen kann alles Mögliche herauskommen; nach 1000 Würfen liegt der Anteil fast sicher nahe bei 16,7 %.

Aber Achtung: Der Würfel hat kein Gedächtnis. Wenn fünfmal keine 6 kam, ist sie beim nächsten Wurf nicht wahrscheinlicher. Diese Fehlannahme kostet Menschen im Spielsalon viel Geld.

Beispiel: Erwartung und Wirklichkeit

Ein Würfel wird 600-mal geworfen. Wie viele Sechsen sind zu erwarten?

\( 600 \cdot \dfrac{1}{6} = 100 \)

Antwort: Etwa 100 Sechsen. Werden es 94 oder 108, ist das völlig normal. Kämen 300 Sechsen heraus, wäre der Würfel mit großer Sicherheit gezinkt.

Der erwartete Wert ist also eine Prognose, keine Garantie.

4. Gewinnchancen einschätzen

Beispiel: Glücksrad auf dem Schulfest

Ein Glücksrad hat 8 gleich große Felder, 3 davon sind rot (Gewinn).

\( P(\text{Gewinn}) = \dfrac{3}{8} = 0{,}375 = 37{,}5\ \% \)

\( P(\text{kein Gewinn}) = 1 – 0{,}375 = 0{,}625 = 62{,}5\ \% \)

Bei 200 Drehungen sind rund \( 200 \cdot 0{,}375 = 75 \) Gewinne zu erwarten.

Kostet eine Drehung 1 € und der Preis hat einen Wert von 2 €, nimmt der Stand 200 € ein und gibt Preise im Wert von 150 € aus. Genau so rechnen Betreiber von Glücksspielen – nur mit deutlich größerem Abstand.

Beispiel: Bedingungen vergleichen

In Urne A liegen 3 rote und 5 blaue Kugeln, in Urne B 6 rote und 10 blaue. Bei welcher Urne ist die Chance auf Rot größer?

Urne A: \( \dfrac{3}{8} = 0{,}375 \qquad \) Urne B: \( \dfrac{6}{16} = \dfrac{3}{8} = 0{,}375 \)

Antwort: Die Chance ist bei beiden gleich groß. Nicht die Anzahl entscheidet, sondern das Verhältnis – Urne B enthält einfach von allem doppelt so viel.

Typische Fehler

  • Versuchsreihen über die absolute Häufigkeit verglichen.
  • Geglaubt, nach vielen Nieten müsse ein Gewinn kommen.
  • Die Laplace-Formel bei ungleich großen Feldern benutzt.
  • Den erwarteten Wert als sicheres Ergebnis verstanden.
  • Eine Wahrscheinlichkeit größer als 1 angegeben.

So machst Du es richtig

  • Immer durch die Anzahl der Versuche teilen.
  • Jeder Versuch beginnt bei null – kein Gedächtnis.
  • Erst prüfen, ob alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind.
  • Von einer Erwartung sprechen, nicht von einem Ergebnis.
  • Kontrolle: \( P \) liegt zwischen 0 und 1.

Die Formeln dieser Seite auf einen Blick

\( P(E) = \dfrac{\text{Anzahl der günstigen Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}} \)

Schreib Dir diese Formeln heraus. In der Prüfung gibt es schon Punkte für die richtig hingeschriebene Formel – auch dann, wenn sich beim Rechnen ein Fehler einschleicht.

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Grundlage: LehrplanPLUS Bayern, Mittelschule, Jahrgangsstufe 8, Lernbereich 6 „Zufallsexperimente“ (Fachlehrplan Mathematik, Regelklasse und Mittlere-Reife-Klasse). Alle Rechenbeispiele sind eigene Aufgaben und maschinell gegengerechnet.

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