BwR Realschule Bayern · Klasse 8 · Lernbereich 3 (LehrplanPLUS)

Marketing: Marketingmix, Produktlebenszyklus und Werbung buchen

Der Marketingmix ist die Antwort auf ein einfaches Problem: Holzwerk Brandl baut gute Tische – aber gute Tische verkaufen sich nicht von allein. Katharina Brandl muss entscheiden, welche Produkte im Programm bleiben, was sie kosten, wie die Kunden davon erfahren und wie die Möbel zu ihnen kommen. Das ist Marketing. In diesem Lernbereich lernst du die vier Instrumente, die wichtigsten Analysewerkzeuge und die Buchungssätze für Werbung, Bewirtung und Provision.

Unser Betrieb auf dieser Seite: das Holzwerk Brandl e. Kfr., eine Möbelmanufaktur in Rosenheim. Inhaberin ist Katharina Brandl, eingetragene Kauffrau. Der Betrieb stellt zwei Produkte her: den Massivholztisch „Chiemsee“ und das Regalsystem „Wendelstein“. Wir sehen uns an, wie sie ihre Produkte am Markt platziert.

1. Marketingziele und der Marketingmix

Ökonomische Ziele kann man in Euro oder Prozent messen: Umsatz, Gewinn, Marktanteil. Psychologische Ziele stecken im Kopf der Kunden: Bekanntheitsgrad, Image, Zufriedenheit, Kundenbindung. Man merkt sie erst, wenn man fragt.

Zwei Sorten von Marketingzielen ökonomische Ziele psychologische Ziele Umsatz steigern Gewinn erhöhen Marktanteil ausbauen Kosten senken Bekanntheitsgrad erhöhen Image verbessern Kundenzufriedenheit Kundenbindung in Euro oder Prozent messbar nur durch Befragung messbar Zielkonflikt: Mehr Werbung hebt den Bekanntheitsgrad, senkt aber im gleichen Jahr den Gewinn.

Beide Zielarten hängen zusammen – aber nicht immer in dieselbe Richtung.

Genau darin liegt die Zielbeziehung, nach der die Prüfung fragt. Zwei Ziele können sich vertragen (mehr Bekanntheit bringt mehr Umsatz) oder sich behindern (mehr Werbung senkt sofort den Gewinn). Der Marktanteil zeigt, wie groß der eigene Anteil am Gesamtmarkt ist:

Nebenrechnung Marktanteil

eigener Umsatz 552.000,00 €
Marktvolumen der Region 6.000.000,00 €
552.000,00 € · 100 : 6.000.000,00 € 9,20 %
Der Marketingmix: vier Instrumente Marketingziel ProduktpolitikWas wird angeboten?Programm, LebenszyklusPreispolitikWas kostet es?Rabatte, StrategienKommunikations-politikWie erfährt man davon?6870 WER, 6770 RBKVertriebspolitikWie kommt es zum Kunden?6760 PROV, 6850 REK Die vier Instrumente wirken nur zusammen: Das beste Produkt verkauft sich nicht, wenn niemand davon weiß oder es nirgends zu kaufen ist.

Produkt, Preis, Kommunikation, Vertrieb – zusammen heißen sie Marketingmix.

2. Produktpolitik: Lebenszyklus und Portfolio

Kein Produkt verkauft sich ewig. Der Produktlebenszyklus beschreibt fünf Phasen – und für jede Phase gibt es andere Maßnahmen.

Der Produktlebenszyklus EinführungWachstumReifeSättigungRückgang Umsatz Zeit In der Einführung wird geworben, damit das Produkt bekannt wird. Im Rückgang wird entschieden: überarbeiten oder aus dem Programm nehmen.

Die Kurve zeigt den Umsatz im Zeitverlauf.

Phase Was passiert Was das Unternehmen tut
Einführung Umsatz niedrig, Produkt unbekannt viel Werbung, Bekanntheitsgrad steigern
Wachstum Umsatz steigt schnell Produktion ausbauen, Vertrieb erweitern
Reife Umsatz steigt langsamer, Gewinn am höchsten Preis halten, Kundenbindung
Sättigung Umsatz stagniert, Wettbewerb wächst Produkt überarbeiten, neue Varianten
Rückgang Umsatz sinkt aus dem Programm nehmen oder neu positionieren

Typische Prüfungsfrage: „Benenne die Phase, in der sich das Modell befindet, und leite eine Maßnahme ab.“ Achte auf die Kurve und auf den Text – oft steht dort ein Hinweis wie „der Umsatz stagniert seit zwei Jahren“.

Portfolio-Analyse

Während der Lebenszyklus ein Produkt über die Zeit betrachtet, vergleicht die Portfolio-Analyse alle Produkte gleichzeitig – nach Marktwachstum und Marktanteil.

Portfolio-Analyse: vier Felder, vier Entscheidungen Fragezeichen neues Produkt, kleiner Anteil investieren oder lassen? Faltbarer Balkontisch Stars wachsen und verdienen weiter investieren Regalsystem „Inn“ Poor Dogs kein Wachstum, kein Anteil aus dem Programm nehmen Telefontischchen Cash-Cows großer Anteil, kaum Wachstum abschöpfen, wenig investieren Massivholztisch „Chiemsee“ hoch niedrig Marktwachstum niedriger Marktanteil hoher Marktanteil Die Analyse sagt nicht, was gut ist – sie sagt, wo Geld hin soll und wo nicht.

Die vier Felder mit Beispielen aus dem Programm von Holzwerk Brandl.

Merke: Zur Programmgestaltung gehören drei Begriffe: Produktdifferenzierung (eine Variante mehr vom gleichen Produkt – der Tisch zusätzlich in Eiche), Produktdiversifikation (etwas völlig Neues – Holzwerk Brandl baut jetzt auch Gartenhäuser) und Produktelimination (ein Produkt fliegt raus).

3. Preispolitik: differenzieren und Strategie wählen

Bei der Preisdifferenzierung kostet dieselbe Leistung unterschiedlich viel – je nach Person, Menge, Zeitpunkt oder Ort. Bei den Preisstrategien geht es um die Grundhaltung: hoch einsteigen oder billig anbieten?

Preispolitik: differenzieren und Strategie wählen Preisdifferenzierung – vier Formen personenbezogenSchüler, Seniorenmengenbezogenab 5 Stück 900,00 €zeitbezogenWinterrabattraumbezogenPreis je Region Preisstrategien Hochpreis Qualität, Marke, Handarbeit Niedrigpreis Masse, große Stückzahl Skimming hoch starten, dann senken Schwellenpreis: 999,00 € statt 1.000,00 € Ein Euro weniger – und der Kunde liest „neunhundert“ statt „tausend“.

Ab 5 Tischen kostet der „Chiemsee“ 900,00 € statt 1.000,00 € – mengenbezogene Differenzierung.

Strategie Vorgehen Wirkung beim Kunden
Hochpreisstrategie dauerhaft hoher Preis signalisiert Qualität und Handarbeit
Niedrigpreisstrategie dauerhaft niedriger Preis große Stückzahlen, Preis als Hauptargument
Skimmingstrategie hoch starten, später senken Neuheit wird abgeschöpft, Frühkäufer zahlen mehr
Dumpingpreis unter den eigenen Kosten verkaufen verdrängt Wettbewerber – kann verboten sein
Schwellenpreis knapp unter einer runden Zahl: 999,00 € wirkt deutlich billiger, als es ist

Der Lehrplan verlangt ausdrücklich die Sicht beider Seiten. Für Holzwerk Brandl ist der Schwellenpreis ein Verkaufsargument; für dich als Kunden ist er ein psychologischer Trick, der einen Euro Rabatt größer aussehen lässt, als er ist. Beides gehört in die Antwort.

4. Marketingmix in der Praxis: Werbung buchen

Jetzt wird gerechnet. Werbemittel ist das, was der Kunde sieht – Anzeige, Flyer, Spot, Plakat. Werbeträger ist das Medium, das es transportiert – Zeitung, Radio, Instagram, Plakatwand. Beides wird gern verwechselt.

Holzwerk Brandl schaltet eine Anzeigenserie in der Regionalzeitung für 3.000,00 € netto:

Buchungssatz Werbeanzeige auf Rechnung

6870 WER 3.000,00 €
2600 VORST 570,00 € an 4400 VE 3.570,00 €

Die Flyer für die Hausmesse kosten 500,00 € netto und werden bar bezahlt – gleiches Konto, andere Gegenbuchung:

Buchungssatz Flyer bar bezahlt

6870 WER 500,00 €
2600 VORST 95,00 € an 2880 KA 595,00 €

Auf der Messe bewirtet Katharina Brandl Kunden am Stand. Das ist keine Werbung, sondern Repräsentation – eigenes Konto:

Buchungssatz Bewirtung auf der Messe

6770 RBK 400,00 €
2600 VORST 76,00 € an 4400 VE 476,00 €

Neben der Werbung nennt der Lehrplan zwei weitere Instrumente. Public Relations ist Öffentlichkeitsarbeit: der Bericht über die Werkstatt in der Lokalzeitung, der Tag der offenen Tür, eine Pressemitteilung. Sponsoring ist die Unterstützung eines Vereins oder einer Veranstaltung gegen Nennung des Namens – die Trikots der TSV-Jugend mit dem Logo von Holzwerk Brandl. Der Kontenplan des Lehrplans führt dafür die Konten 6870 WER, 6770 RBK und 6820 KOM.

Merke: Werbeaufwand ist immer der Nettobetrag, die Vorsteuer wird abgezogen. Und: Aufwand mindert den Gewinn – deshalb ist Werbung eine Investition in die Zukunft, die im laufenden Jahr erst einmal Geld kostet.

Hat sich die Werbung gelohnt?

Nebenrechnung Werbeerfolg

Umsatz vor der Kampagne 480.000,00 €
Umsatz nach der Kampagne 552.000,00 €
Zuwachs: 72.000,00 € · 100 : 480.000,00 € 15 %

Der Werbeaufwand von 3.500,00 € hat einen Umsatzzuwachs von 72.000,00 € begleitet. Vorsicht bei der Antwort: Begleitet, nicht bewiesen. Der Zuwachs kann auch am Wetter, an einem Wettbewerber oder an der Messe liegen. Genau diese Einschränkung erwartet die Prüfung bei der Frage nach der Werbeerfolgskontrolle.

5. Vertriebspolitik: direkt oder indirekt?

Beim direkten Vertrieb verkauft Holzwerk Brandl selbst an den Endkunden – im Werkverkauf, über den eigenen Onlineshop oder auf der Messe. Beim indirekten Vertrieb ist jemand dazwischen: ein Möbelhaus oder ein Handelsvertreter.

Wie kommt der Tisch zum Kunden? Holzwerk Brandl stellt her Kunde kauft direkter Vertrieb Werkverkauf, Onlineshop, Messe Möbelhaus oder Handelsvertreter indirekter Vertrieb direkt: höherer Erlös, eigener Kundenkontakt, aber Aufwand für Beratung und Versand indirekt: große Reichweite ohne eigenes Personal, aber Provision und kein Kundenkontakt Provision an den Handelsvertreter: 3.000,00 € – Konto 6760 PROV

Onlineshop und Messe sind direkter Vertrieb – auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Nebenrechnung Provision

vermittelter Umsatz 60.000,00 €
Provision 5 % 3.000,00 €

Buchungssatz Provision an den Handelsvertreter

6760 PROV 3.000,00 €
2600 VORST 570,00 € an 4400 VE 3.570,00 €

Für die Reisekosten des eigenen Vertriebs führt der Kontenplan des Lehrplans zusätzlich das Konto 6850 REK.

Marketingaufwand im Überblick

Werbung (Anzeige und Flyer) 3.500,00 €
Bewirtung 400,00 €
Provision 3.000,00 €
= Marketingaufwand 6.900,00 €

6. So prüft die Abschlussprüfung

Wozu brauchst du das? Weil du jeden Tag Ziel von Marketing bist – bei jedem Schwellenpreis, jeder Influencer-Werbung, jedem „nur heute“. Wer die Instrumente kennt, erkennt sie wieder und entscheidet bewusster. Und wenn du später selbst etwas verkaufst, brauchst du genau diese vier Bausteine.

Prüfung Aufgabe Was verlangt wurde
2023 Haupttermin Aufgabe 1 Phase im Produktlebenszyklus benennen, Maßnahmen ableiten, Produktdifferenzierung erkennen und begründen
2024 Haupttermin Aufgaben 1 und 4 Portfolio-Analyse anwenden und Begriffe zuordnen, Buchungssatz Werbeaufwand über 6870 WER gegen 2880 KA
2025 Haupttermin Aufgaben 3 und 8 Buchungssatz Werbung 6870 WER mit Vorsteuer, Vertriebswege als direkt oder indirekt einordnen, Buchungssatz Provision über 6760 PROV
2026 Haupttermin Aufgaben 2 und 3 Wirkung von Sponsoring beurteilen, Aussagen zur Portfolio-Analyse bewerten, Buchungssatz Werbeaufwand 6870 WER 4.735,00 € mit Vorsteuer gegen 4400 VE

Merke: Vier Dinge aus dem Marketingmix musst du sicher können: (1) ökonomische und psychologische Ziele unterscheiden und einen Zielkonflikt benennen, (2) die fünf Phasen des Produktlebenszyklus und die vier Portfolio-Felder, (3) Werbemittel gegen Werbeträger und direkter gegen indirekter Vertrieb, (4) die Buchungssätze mit 6870 WER, 6770 RBK und 6760 PROV – immer netto plus Vorsteuer.

Die Buchungssätze im Marketingmix sind dieselben wie in Lernbereich 2 und 4: Aufwand netto, Vorsteuer dazu, Verbindlichkeit oder Kasse im Haben. Wenn dir das noch schwerfällt, wiederhole zuerst die Umsatzsteuer-Systematik – danach ist Marketing der leichteste Lernbereich der Jahrgangsstufe.

Weiterlernen: Der Marketingmix wirkt in diese Lernbereiche hinein:

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

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