BwR Realschule Bayern · Klasse 8 · Lernbereich 1 (LehrplanPLUS)
Industriekontenrahmen, Belege und der Abschluss über 8010 SBK
Am 1. Januar fängt Holzwerk Brandl ein neues Geschäftsjahr an. Am 31. Dezember muss feststehen, ob es ein gutes war. Dazwischen liegen hunderte Belege. In diesem Lernbereich lernst du die Ordnung, die dahintersteckt: wie der Industriekontenrahmen aufgebaut ist, wie du einen Beleg prüfst und wie du am Jahresende die Konten in der richtigen Reihenfolge abschließt. Das ist das Gerüst, auf dem alle anderen Lernbereiche stehen.
Unser Betrieb auf dieser Seite: das Holzwerk Brandl e. Kfr., eine Möbelmanufaktur in Rosenheim. Inhaberin ist Katharina Brandl, eingetragene Kauffrau. Der Betrieb stellt zwei Produkte her: den Massivholztisch „Chiemsee“ und das Regalsystem „Wendelstein“. Wir vertiefen ihre Buchführung und arbeiten ab hier mit dem Industriekontenrahmen.
1. Der Industriekontenrahmen: Ordnung nach Ziffern
Ein Industriebetrieb könnte hunderte Konten führen. Damit trotzdem jeder dasselbe meint, gibt es den Industriekontenrahmen (IKR) – ein Verzeichnis aller möglichen Konten, geordnet nach Kontenklassen. Was ein einzelnes Unternehmen davon tatsächlich benutzt, steht in seinem Kontenplan.
An der ersten Ziffer erkennst du sofort, wohin ein Konto gehört.
Merke: Zwei Begriffe, die gern verwechselt werden: Der Kontenrahmen ist das Angebot für die ganze Branche, der Kontenplan die Auswahl eines einzelnen Betriebs. Holzwerk Brandl braucht kein Konto für Wertpapiere, wenn es keine hat – im Kontenrahmen steht es trotzdem.
Der Nutzen ist praktisch: Sobald du eine Kontonummer siehst, weißt du, wie sie sich verhält. Ein Konto der Klasse 2 ist ein aktives Bestandskonto – Zunahme im Soll. Ein Konto der Klasse 4 ist passiv – Zunahme im Haben. Klasse 5 sind Erträge, Klasse 6 und 7 Aufwendungen. Diese Zuordnung ersetzt in der Prüfung eine Menge Nachdenken.
| Kontoart | Beispiel | Zunahme | Abnahme | Abschluss über |
|---|---|---|---|---|
| aktives Bestandskonto | 2800 BK | Soll | Haben | 8010 SBK |
| passives Bestandskonto | 4400 VE | Haben | Soll | 8010 SBK |
| Aufwandskonto | 6000 AWR | Soll | – | 8020 GUV |
| Ertragskonto | 5000 UEFE | Haben | – | 8020 GUV |
2. Der Buchungskreislauf
Ein Geschäftsjahr läuft immer in derselben Reihenfolge ab. Wer die fünf Schritte kennt, weiß in der Prüfung sofort, an welcher Stelle er gerade ist.
Fünf Schritte, und der letzte ist wieder der erste.
Der freie Raum auf der Passivseite ist mit der Buchhalternase abgeschlossen: Dort kann nichts mehr nachgetragen werden.
Die Anfangsbestände entnimmst du direkt der Eröffnungsbilanz: Aktivkonten beginnen mit ihrem Anfangsbestand im Soll, Passivkonten im Haben. Erfolgskonten haben nie einen Anfangsbestand – sie starten jedes Jahr bei null.
3. Belege prüfen, dann buchen
Jede Buchung braucht einen Beleg – eine Rechnung, einen Kontoauszug, einen Kassenbon. Und jeder Beleg wird vor dem Buchen geprüft.
Drei Fragen, in dieser Reihenfolge.
Ist der Beleg in Ordnung, wird er zuerst im Grundbuch erfasst – dort stehen alle Buchungen zeitlich nacheinander, mit Datum, Belegnummer und Buchungssatz. Danach werden die Beträge in die Sachkonten des Hauptbuchs übertragen, wo jedes Konto seine eigene Geschichte erzählt. Das Grundbuch beantwortet die Frage „wann“, das Hauptbuch die Frage „wo“.
Der Geschäftsgang von Holzwerk Brandl
Fünf Belege, fünf Buchungssätze:
Beleg 1: Eingangsrechnung für Rohstoffe, 10.000,00 € netto
| 6000 AWR | 10.000,00 € | |||
| 2600 VORST | 1.900,00 € | an | 4400 VE | 11.900,00 € |
Beleg 2: Ausgangsrechnung für Tische, 30.000,00 € netto
| 2400 FO | 35.700,00 € | an | 5000 UEFE | 30.000,00 € |
| 4800 UST | 5.700,00 € |
Beleg 3: Banküberweisung an den Lieferer
| 4400 VE | 11.900,00 € | an | 2800 BK | 11.900,00 € |
Beleg 4: Zahlungseingang des Kunden
| 2800 BK | 35.700,00 € | an | 2400 FO | 35.700,00 € |
Beleg 5: Barkauf von Betriebsstoffen, 1.000,00 € netto
| 6030 AWB | 1.000,00 € | |||
| 2600 VORST | 190,00 € | an | 2880 KA | 1.190,00 € |
Beleg 3 und 4 verändern nur Bestände – sie berühren den Erfolg nicht. Beleg 1 und 5 sind Aufwand, Beleg 2 ist Ertrag. Diese Unterscheidung entscheidet später darüber, ob ein Konto über 8010 SBK oder über 8020 GUV abgeschlossen wird.
4. Der Abschluss in der richtigen Reihenfolge
Am 31. Dezember wird abgeschlossen, und die Reihenfolge ist nicht beliebig:
| Schritt | Was passiert | Warum in dieser Reihenfolge |
|---|---|---|
| 1 | Erfolgskonten über 8020 GUV abschließen | erst dann steht der Gewinn fest |
| 2 | 8020 GUV über 3000 EK abschließen | der Gewinn gehört dem Inhaber, er erhöht das Eigenkapital |
| 3 | Bestandskonten über 8010 SBK abschließen | das Eigenkapital muss vorher stimmen, sonst geht die Bilanz nicht auf |
| 4 | Schlussbilanz aufstellen | 8010 SBK ist die Schlussbilanz in Kontoform |
Nebenrechnung Erfolg
| Erträge (5000 UEFE) | 30.000,00 € |
| – Aufwendungen (6000 AWR und 6030 AWB) | 11.000,00 € |
| = Gewinn | 19.000,00 € |
Die kleinere Seite wird durch den Saldo ausgeglichen – hier die Sollseite.
Abschluss des GuV-Kontos
| 8020 GUV | 19.000,00 € | an | 3000 EK | 19.000,00 € |
Nebenrechnung Eigenkapital
| Eigenkapital am 01.01. | 150.000,00 € |
| + Gewinn | 19.000,00 € |
| = Eigenkapital am 31.12. | 169.000,00 € |
Der Gewinn ist kein Geld auf dem Konto – er ist die Zunahme des Eigenkapitals.
Die Schlussbilanz sieht damit so aus:
Auch hier schließt die Buchhalternase den freien Raum ab.
Merke: Die Kontrolle am Ende: Aktiva = Passiva. Stimmt die Bilanz nicht, liegt der Fehler fast immer an einer Buchung, bei der nur eine Seite erfasst wurde – oder daran, dass der Gewinn nicht auf 3000 EK gebucht wurde.
5. So prüft die Abschlussprüfung
Wozu brauchst du das? Weil dieser Lernbereich in jeder anderen Aufgabe mitläuft. Jeder Buchungssatz, den du in Klasse 8, 9 und 10 bildest, folgt genau diesen Regeln: Kontoart erkennen, Soll und Haben festlegen, Beleg prüfen. Wer hier sicher ist, spart in der Prüfung Zeit – und außerhalb der Schule versteht er, was der Steuerberater eigentlich macht.
Ein eigener Aufgabenblock zu diesem Lernbereich kommt selten vor – dafür steckt er in fast jeder anderen Aufgabe. Geprüft wird er regelmäßig über diese drei Zugriffe:
| Zugriff | So klingt die Frage |
|---|---|
| Kontoart und Kontenklasse bestimmen | Nenne die Kontoart des Kontos 2400 FO und begründe, auf welcher Seite eine Zunahme gebucht wird. |
| Abschlussbuchung bilden | Bilde den Buchungssatz zum Abschluss des Kontos 6000 AWR. |
| Erfolg ermitteln und beurteilen | Ermittle den Erfolg des Geschäftsjahres und erläutere seine Wirkung auf das Eigenkapital. |
Merke: Vier Dinge musst du sicher können: (1) die Kontenklassen 0 bis 8 des Industriekontenrahmens und was sie bedeuten, (2) aktive Konten nehmen im Soll zu, passive im Haben, (3) Erfolgskonten über 8020 GUV, Bestandskonten über 8010 SBK, (4) der Gewinn geht auf 3000 EK und erhöht es.
Damit ist Klasse 8 vollständig. Wenn du hier sicher bist, sind die Buchungssätze der anderen Lernbereiche nur noch eine Frage der richtigen Kontonummer – die Systematik ist immer dieselbe.
Weiterlernen: Der Industriekontenrahmen verbindet diese Lernbereiche:
- Bilanz und erste Buchungssätze – Klasse 7
- Abschluss über GUV und SBK – Klasse 7
- Einstandspreis berechnen – Klasse 8
- Abschreibung berechnen – Klasse 9
Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.
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