Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 (vier- und dreistufige Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Infinitiv- und Partizipialsätze bilden und einsetzen

Nicht jeder Nebensatz braucht ein gebeugtes Verb. Mit einer Infinitivgruppe oder einer Partizipgruppe kannst du Gedanken kürzer und eleganter ausdrücken. Statt „Wir beeilen uns, damit wir pünktlich liefern“ schreibst du „Wir beeilen uns, um pünktlich zu liefern“. Auf dieser Seite lernst du, wie du solche verkürzten Nebensätze bildest, wann sie passen und welche Fehler du vermeiden musst. Die Beispiele stammen aus dem Alltag einer Auszubildenden in einem erfundenen Onlinehandel für Büromaterial.

1. Was Infinitiv- und Partizipialsätze sind

Ein gewöhnlicher Nebensatz hat ein gebeugtes Verb: „…, damit wir pünktlich liefern.“ Es gibt aber auch Satzteile, die wie ein Nebensatz wirken, jedoch kein gebeugtes Verb enthalten. Man nennt sie verkürzte Nebensätze.

Form Kern Beispiel
Infinitivsatz zu + Grundform Selin versucht, alle Bestellungen heute zu verpacken.
Partizipialsatz Partizip mit Ergänzungen Von der Kundin gelobt, packte Selin weiter.

Das amtliche Regelwerk nennt diese Formen Infinitivgruppe und Partizipgruppe. In vielen Schulbüchern heißen sie Infinitivsatz und Partizipialsatz. Gemeint ist in beiden Fällen dasselbe.

Beide Formen haben kein eigenes Subjekt. Wer handelt, ergibt sich aus dem übergeordneten Satz. In „Selin versucht, alle Bestellungen zu verpacken“ ist Selin diejenige, die verpackt.

Verkürzte Nebensätze sind kein Selbstzweck. Sie machen Texte kürzer, vermeiden Wiederholungen von Subjekt und Verb und lassen Sätze flüssiger wirken. Richtig eingesetzt, wirken sie geübt und sicher.

2. Infinitivsätze bilden

Ein Infinitivsatz besteht aus der Grundform des Verbs mit „zu“ und weiteren Wörtern. Bei Verben mit abtrennbarer Vorsilbe steht „zu“ zwischen Vorsilbe und Verb: „aufzuräumen“, „nachzubestellen“.

Viele Infinitivsätze werden durch ein Einleitewort eingeleitet. Es zeigt, welche Bedeutung der Satz hat.

Einleitewort Bedeutung Beispiel
um … zu Zweck Selin ruft an, um den Liefertermin zu bestätigen.
ohne … zu etwas geschieht nicht Er verschickte das Paket, ohne die Adresse zu prüfen.
anstatt … zu Ersatz Anstatt zu warten, fragte sie nach.
außer … zu Ausnahme Es blieb nichts übrig, außer neu zu bestellen.

Andere Infinitivsätze hängen von einem Verb oder Nomen ab: „Selin plant, morgen früher zu kommen.“ „Sie hat die Aufgabe, die Rechnungen zu prüfen.“ Hier steht kein Einleitewort.

Auch die Vergangenheit lässt sich mit einem Infinitivsatz ausdrücken. Dann verwendest du die Perfektform mit „zu haben“ oder „zu sein“: „Selin ist froh, alle Bestellungen verpackt zu haben.“ „Sie erinnert sich, gestern früher gegangen zu sein.“ Die Handlung liegt hier vor dem Zeitpunkt des Hauptsatzes.

Achte bei „um … zu“ auf die Bedeutung. Die Wendung nennt einen Zweck. „Er ging in den Vorratsraum, um festzustellen, dass nichts mehr da war“ ist deshalb unglücklich. Er ging ja nicht hin, um etwas Enttäuschendes festzustellen. Besser ist: „Er ging hin und stellte fest, dass nichts mehr da war.“

3. Partizipialsätze bilden

Ein Partizipialsatz baut auf einem Partizip auf. Das kann ein Partizip Präsens oder ein Partizip Perfekt sein. Dazu kommen weitere Wörter, die das Partizip genauer bestimmen.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Laut telefonierend, ging der Kollege durch das Büro.
Von der Kundin gelobt, packte Selin die nächste Bestellung.
Am Ende des Tages erschöpft, schaltete sie den Computer aus.

Das Partizip Präsens zeigt, dass zwei Handlungen gleichzeitig ablaufen. Der Kollege telefoniert und geht zugleich. Das Partizip Perfekt zeigt meist, dass etwas schon geschehen ist. Selin wurde gelobt und packt danach weiter.

Partizipialsätze klingen oft gehoben. Sie kommen häufiger in geschriebenen Texten vor als im Gespräch. In Berichten und Geschäftsbriefen sind sie aber nützlich, weil sie viel Information in wenige Wörter packen.

Auch Partizipialsätze entstehen oft aus Nebensätzen. „Nachdem sie von der Kundin gelobt worden war, packte Selin weiter“ wird zu „Von der Kundin gelobt, packte Selin weiter“. Die Umformung spart Wörter, setzt aber voraus, dass Selin auch im verkürzten Teil gemeint ist.

4. Vom Nebensatz zum Infinitivsatz

Viele Nebensätze lassen sich in Infinitivsätze umformen. Das macht Texte kürzer und flüssiger. Allerdings gilt eine wichtige Bedingung.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Nebensatz: Selin hofft, dass sie den Termin einhält.
Infinitivsatz: Selin hofft, den Termin einzuhalten.

Die Umformung gelingt nur, wenn dieselbe Person in beiden Teilen handelt. In „Selin hofft, dass sie den Termin einhält“ ist „sie“ Selin selbst. Deshalb geht die Umformung.

In „Selin hofft, dass der Kunde zahlt“ handeln zwei verschiedene Personen. Hier ist keine Umformung möglich. „Selin hofft, zu zahlen“ hätte eine ganz andere Bedeutung.

Auch Adverbialsätze lassen sich oft verkürzen. „Damit wir pünktlich liefern“ wird zu „um pünktlich zu liefern“. „Ohne dass er die Adresse prüfte“ wird zu „ohne die Adresse zu prüfen“. Auch hier muss dieselbe Person handeln.

Nicht jede Umformung verbessert den Text. Ein „dass“-Satz kann klarer sein, wenn der Satz sonst schwer zu lesen wird. Wähle die Form, die dein Leser am schnellsten versteht.

5. Typische Fehler beim Bezug

Der häufigste Fehler betrifft den Bezug. Ein Infinitiv- oder Partizipialsatz bezieht sich immer auf das Subjekt des übergeordneten Satzes. Passt dieser Bezug nicht, entsteht ein unfreiwillig komischer Satz.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Falsch: Im Büro angekommen, klingelte das Telefon.
Richtig: Im Büro angekommen, hörte Selin das Telefon klingeln.

Im falschen Satz scheint das Telefon im Büro angekommen zu sein. Gemeint ist aber Selin. Solche Fehler fallen beim schnellen Schreiben kaum auf. Prüfe deshalb immer: Wer ist das Subjekt des Hauptsatzes? Passt die Handlung des verkürzten Satzes zu ihm?

Ein zweiter Fehler sind zu viele verkürzte Nebensätze hintereinander. „Um pünktlich zu liefern, die Ware geprüft, ohne zu zögern, packte Selin“ ist schwer zu verstehen. Ein vollständiger Nebensatz ist hier oft die bessere Wahl. Als Faustregel gilt: höchstens ein verkürzter Nebensatz pro Satz, damit der Leser nicht den Überblick verliert.

Merke: Infinitivsätze bestehen aus zu + Grundform, oft mit „um“, „ohne“, „anstatt“ oder „außer“. Partizipialsätze bauen auf einem Partizip auf. Beide haben kein eigenes Subjekt und beziehen sich auf das Subjekt des übergeordneten Satzes. Umformen ist nur möglich, wenn dieselbe Person handelt.

So brauchst du es im Beruf

In Geschäftsbriefen und Berichten helfen Infinitiv- und Partizipialsätze, Informationen knapp und genau darzustellen. Selin schreibt einem Kunden, dessen Lieferung sich verzögert.

Mustertext, für diese Seite geschrieben:
Um Ihre Bestellung vollständig zu liefern, warten wir noch auf eine Nachlieferung unseres Herstellers. Wir werden Ihnen die Ware, sorgfältig verpackt, am Donnerstag zusenden. Wir bitten Sie, die Verzögerung zu entschuldigen.
Stelle Form Was sie leistet
„Um Ihre Bestellung vollständig zu liefern“ Infinitivsatz mit „um … zu“ nennt den Zweck
„sorgfältig verpackt“ Partizipialsatz beschreibt den Zustand der Ware
„die Verzögerung zu entschuldigen“ Infinitivsatz ergänzt das Verb „bitten“

Der Brief ist kurz, enthält aber alle wichtigen Informationen. Ohne die verkürzten Nebensätze wäre er deutlich länger. Ein Kunde, der viele E-Mails bekommt, ist für jede kürzere Nachricht dankbar.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Im Büro angekommen, klingelte das Telefon. Im Büro angekommen, hörte Selin das Telefon. Der Bezug muss zum Subjekt passen.
Selin hofft, zu zahlen. (gemeint: der Kunde zahlt) Selin hofft, dass der Kunde zahlt. Umformen nur bei derselben Person.
um pünktlich liefern um pünktlich zu liefern Zum Infinitivsatz gehört „zu“.
zu aufräumen aufzuräumen Bei abtrennbaren Vorsilben steht „zu“ in der Mitte.
viele verkürzte Sätze hintereinander einen vollständigen Nebensatz verwenden Zu viele Verkürzungen machen den Satz unverständlich.

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