Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 (vier- und dreistufige Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Alle Flexionsformen sicher bilden; Synonym, Antonym und Wortfeld

Wörter verändern ihre Form, je nachdem, wie sie im Satz gebraucht werden. Verben richten sich nach Person und Zeit, Nomen nach dem Fall, Adjektive nach dem Wort davor. Diese Veränderung heißt Flexion. Auf dieser Seite wiederholst und vertiefst du alle wichtigen Flexionsformen von Verb, Nomen, Adjektiv und Pronomen. Außerdem lernst du, wie du mit Synonymen, Antonymen und Wortfeldern abwechslungsreich und genau formulierst. Als Übungsfeld dient die Kundenkorrespondenz, die Selin in ihrer Ausbildung erledigt.

1. Flexion: Überblick

Unter Flexion versteht man die Veränderung der Form eines Wortes. Sie zeigt, welche Aufgabe das Wort im Satz hat. Nicht alle Wortarten werden aber flektiert. Präpositionen, Konjunktionen und Adverbien bleiben in der Regel unverändert.

Wortart Art der Flexion wonach sie sich richtet
Verb Konjugation Person, Zahl, Zeit, Modus, Aktiv oder Passiv
Nomen Deklination Fall und Zahl, Geschlecht ist fest
Adjektiv Deklination und Steigerung Fall, Zahl, Geschlecht, Begleiter
Pronomen Deklination Fall, Zahl, Geschlecht

Fehler bei der Flexion fallen in Geschäftstexten sofort auf. „Wegen dem Termin“ statt „wegen des Termins“ oder „mit freundliche Grüße“ wirken nachlässig. Wer die Formen sicher beherrscht, schreibt korrekte und überzeugende Texte.

Flexion sorgt auch dafür, dass Wörter im Satz zusammenpassen. Subjekt und Prädikat stimmen in Person und Zahl überein: „Die Kundin bestellt“, aber „Die Kundin und ihr Mann bestellen“. Ebenso passen Artikel, Adjektiv und Nomen zusammen: „mit dem neuen Katalog“. Diese Übereinstimmung heißt Kongruenz.

2. Das Verb konjugieren

Das Verb verändert seine Form nach Person und Zahl: ich bestelle, du bestellst, sie bestellt, wir bestellen. Außerdem zeigt es die Zeit, den Modus und ob ein Satz im Aktiv oder Passiv steht.

Merkmal Formen Beispiel
Zeit Präsens bis Futur II sie bestellt, bestellte, hat bestellt, hatte bestellt
Modus Indikativ, Konjunktiv, Imperativ sie bestellt, sie bestelle, bestell!
Handlungsrichtung Aktiv, Passiv Selin verschickt das Paket. Das Paket wird verschickt.

Im Passiv steht nicht der Handelnde im Mittelpunkt, sondern das, was geschieht. „Das Paket wird heute verschickt“ ist sachlich und sagt nicht, wer es tut. Deshalb ist das Passiv in Geschäftstexten häufig. Gebildet wird es mit „werden“ und dem Partizip Perfekt.

Neben diesem Vorgangspassiv gibt es das Zustandspassiv mit „sein“. „Das Paket wird verpackt“ beschreibt den Vorgang. „Das Paket ist verpackt“ beschreibt das Ergebnis. In Statusmeldungen an Kunden ist das Zustandspassiv besonders nützlich: „Ihre Bestellung ist versandt.“

Beim Imperativ der Du-Form sind oft zwei Formen richtig: „Bestell!“ und „Bestelle!“. In Geschäftstexten wählst du aber meist die höfliche Sie-Form: „Bestellen Sie bis Freitag.“

Achte bei starken Verben auf den Wechsel des Stammvokals: „liefern“ ist schwach (lieferte, geliefert), „senden“ hat zwei Formen (sandte und sendete, gesandt und gesendet). Im Zweifel hilft das Wörterbuch weiter.

3. Nomen und Adjektive deklinieren

Nomen stehen in einem der vier Fälle. Den Fall erkennst du mit der passenden Frage und am Begleiter.

Fall Frage Beispiel
Nominativ Wer oder was? der Kunde
Genitiv Wessen? des Kunden
Akkusativ Wen oder was? den Kunden
Dativ Wem? dem Kunden

Nach den Präpositionen „wegen“, „trotz“, „während“ und „aufgrund“ steht in der Standardsprache der Genitiv: „wegen des Feiertags“, „trotz des Regens“. Der Dativ ist umgangssprachlich verbreitet, in Geschäftstexten aber zu vermeiden.

Einige männliche Nomen haben in allen Fällen außer dem Nominativ die Endung „-en“ oder „-n“. Dazu gehören „der Kunde“, „der Kollege“ und „der Lieferant“. Es heißt also „des Kunden“, „dem Kunden“, „den Kunden“. „Wir schreiben dem Kunde“ ist ein häufiger, aber deutlicher Fehler.

Adjektive richten ihre Endung nach dem Begleiter. Steht ein bestimmter Artikel davor, ist die Endung meist schwach: „der neue Katalog“. Steht kein Begleiter davor, übernimmt das Adjektiv die starke Endung: „neuer Katalog“. Nach „ein“ ist die Endung gemischt: „ein neuer Katalog“, „mit einem neuen Katalog“.

Adjektive lassen sich außerdem steigern: günstig, günstiger, am günstigsten. Einige Adjektive sind unregelmäßig: gut, besser, am besten; viel, mehr, am meisten. Manche Adjektive lassen sich nicht sinnvoll steigern, etwa „einzig“ oder „optimal“. „Die optimalste Lösung“ ist deshalb falsch.

4. Pronomen richtig verwenden

Auch Pronomen werden dekliniert. Besonders wichtig sind Personal-, Possessiv-, Demonstrativ- und Relativpronomen.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Selin schreibt dem Kunden. Sie bedankt sich bei ihm. (Personalpronomen)
Ihre Antwort ist freundlich. (Possessivpronomen)
Dieser Kunde bestellt regelmäßig. (Demonstrativpronomen)
Der Kunde, dessen Bestellung fehlt, hat angerufen. (Relativpronomen)

Achte darauf, dass jedes Pronomen eindeutig auf ein Nomen verweist. „Selin schrieb der Kundin, dass sie die Rechnung erhalten habe“ ist mehrdeutig. Hat Selin die Rechnung erhalten oder die Kundin? Besser ist ein Nomen statt des Pronomens: „Selin schrieb der Kundin, dass die Kundin die Rechnung erhalten habe.“ Noch eleganter ist eine Umformulierung.

In Geschäftsbriefen schreibst du die Pronomen der Höflichkeitsanrede groß: „Sie“, „Ihnen“, „Ihr“. Das Reflexivpronomen „sich“ bleibt dagegen immer klein. Auch die Possessivpronomen der Anrede werden dekliniert: „Ihre Bestellung“, „mit Ihrer Bestellung“, „wegen Ihrer Bestellung“.

5. Synonym, Antonym und Wortfeld

Ein Synonym ist ein Wort mit gleicher oder sehr ähnlicher Bedeutung: „bestellen“ und „ordern“, „liefern“ und „zustellen“. Ein Antonym ist ein Wort mit gegenteiliger Bedeutung: „kaufen“ und „verkaufen“, „Gewinn“ und „Verlust“.

Ein Wortfeld umfasst alle Wörter, die einen gemeinsamen Bedeutungsbereich abdecken. Zum Wortfeld „mitteilen“ gehören etwa „informieren“, „benachrichtigen“, „bestätigen“, „hinweisen“ und „ankündigen“.

Begriff Bedeutung Beispiel
Synonym gleiche oder ähnliche Bedeutung liefern – zustellen
Antonym gegenteilige Bedeutung Gewinn – Verlust
Wortfeld Wörter eines Bedeutungsbereichs informieren, benachrichtigen, bestätigen

Synonyme sind selten völlig gleich. „Bestellen“ ist neutral, „ordern“ klingt fachlich. „Beschwerde“ und „Reklamation“ meinen Ähnliches, doch die Reklamation bezieht sich meist auf eine mangelhafte Ware. Wähle deshalb immer das Wort, das am genauesten passt.

Viele Antonyme entstehen durch Vorsilben: „zufrieden“ und „unzufrieden“, „Import“ und „Export“, „Einnahme“ und „Ausgabe“. Andere sind ganz eigene Wörter: „Angebot“ und „Nachfrage“, „billig“ und „teuer“.

Sei vorsichtig mit Synonymwörterbüchern und den Synonymvorschlägen von Schreibprogrammen. Sie schlagen oft Wörter vor, die nicht in den Zusammenhang passen. Prüfe jeden Vorschlag, bevor du ihn übernimmst.

Merke: Verben werden nach Person, Zahl, Zeit, Modus und Aktiv oder Passiv konjugiert. Nomen, Adjektive und Pronomen werden nach Fall, Zahl und Geschlecht dekliniert. Nach „wegen“ und „trotz“ steht der Genitiv. Synonyme haben ähnliche, Antonyme gegenteilige Bedeutung. Ein Wortfeld bündelt Wörter eines Bedeutungsbereichs.

So brauchst du es im Beruf

In Geschäftsbriefen zählen korrekte Formen und treffende Wörter. Wiederholungen wirken eintönig, falsche Endungen nachlässig. Selin überarbeitet eine kurze Kundenmitteilung.

Mustertext, für diese Seite geschrieben:
Entwurf: Wegen dem Feiertag wird Ihre Bestellung später geliefert. Wir liefern am Dienstag. Die Lieferung erfolgt mit dem neuen Paketdienst.
Überarbeitung: Wegen des Feiertags wird Ihre Bestellung erst am Dienstag zugestellt. Wir verschicken sie mit unserem neuen Paketdienst.
Stelle Änderung Grund
„Wegen dem Feiertag“ „Wegen des Feiertags“ Genitiv nach „wegen“
„geliefert … liefern … Lieferung“ „zugestellt“, „verschicken“ Synonyme vermeiden Wiederholungen
„wird … zugestellt“ Passiv Der Vorgang steht im Mittelpunkt.

Die überarbeitete Mitteilung ist kürzer, grammatisch korrekt und sprachlich abwechslungsreich. Genau diese Sorgfalt erwarten Kunden zu Recht von einem Unternehmen.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
wegen dem Termin wegen des Termins Nach „wegen“ steht der Genitiv.
mit freundliche Grüße mit freundlichen Grüßen Nach „mit“ steht der Dativ.
die optimalste Lösung die optimale Lösung „optimal“ lässt sich nicht steigern.
Sie bedankt sich bei sie. Sie bedankt sich bei ihr. Nach „bei“ steht der Dativ.
dreimal „liefern“ in drei Sätzen Synonyme verwenden Wiederholungen wirken eintönig.

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