Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 (vierstufige Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Fremdwörter und bildhafte Redewendungen verstehen und gebrauchen

Viele Wörter im Deutschen stammen aus anderen Sprachen. Andere Ausdrücke meinen etwas ganz anderes, als sie wörtlich sagen. Beides macht die Sprache reich, kann aber auch zu Missverständnissen führen. Auf dieser Seite lernst du, Fremdwörter zu erkennen und ihre Bedeutung zu erschließen. Du erfährst, wann ein deutsches Wort die bessere Wahl ist und wie du bildhafte Redewendungen richtig verstehst und gezielt einsetzt. Viele Beispiele kommen aus dem Geschäftsalltag einer Schülerfirma.

1. Was ein Fremdwort ist

Ein Fremdwort ist ein Wort, das aus einer anderen Sprache ins Deutsche übernommen wurde. Oft erkennt man es noch an seiner Schreibung oder Aussprache. In der Geschäftswelt begegnen dir viele Fremdwörter.

Fremdwort Herkunft Bedeutung
Kalkulation aus dem Lateinischen Berechnung der Kosten und Preise
Reklamation aus dem Lateinischen Beschwerde über eine mangelhafte Ware
Budget über das Englische aus dem Französischen geplanter Geldbetrag für einen Zweck
Meeting aus dem Englischen Besprechung
Feedback aus dem Englischen Rückmeldung

Manche Fremdwörter sind so gebräuchlich, dass man sie kaum noch als fremd wahrnimmt. Dazu gehören „Büro“, „Computer“ und „Telefon“. Andere wirken noch fremd und werden nicht von allen verstanden.

Für manche Fremdwörter gibt es gar kein gleichwertiges deutsches Wort. „Computer“ oder „Software“ lassen sich kaum ersetzen. Hier ist das Fremdwort die beste Wahl, weil jeder es versteht.

Fremdwörter erkennst du oft an bestimmten Merkmalen. Dazu gehören ungewohnte Buchstabenfolgen wie „th“, „ph“ oder „y“, eine Betonung auf der letzten Silbe wie bei „Kalkulation“ oder eine Aussprache, die nicht zur Schreibung passt, wie bei „Meeting“.

2. Die Bedeutung erschließen

Begegnet dir ein unbekanntes Fremdwort, musst du nicht sofort aufgeben. Mit drei Schritten kommst du der Bedeutung oft auf die Spur.

Zuerst achtest du auf den Zusammenhang. Im Satz „Die Kundin hat eine Reklamation eingereicht, weil der Druck verwischt war“ zeigt der Rest des Satzes, dass es um eine Beschwerde geht.

Dann suchst du bekannte Teile. Wer das Verb „kalkulieren“ kennt, kann „Kalkulation“ als Berechnung erschließen. Viele Fremdwörter gehören zu einer Wortfamilie.

Wenn beides nicht hilft, schlägst du im Wörterbuch nach. Dort findest du die Bedeutung, die Aussprache und oft auch die Herkunft. So vermeidest du, ein Wort falsch zu verstehen oder falsch zu verwenden.

Probiere die Schritte an einem Beispiel aus: „Obwohl die Frist abgelaufen war, nahm der Händler die Tasche aus Kulanz zurück.“ Der Zusammenhang zeigt, dass der Händler freiwillig entgegenkommt, obwohl er nicht muss. Genau das bedeutet „Kulanz“. Das Wörterbuch bestätigt diese Vermutung.

3. Fremdwort oder deutsches Wort?

Für viele Fremdwörter gibt es ein deutsches Wort mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung. Welches du wählst, hängt vom Leser ab.

Fremdwort deutsches Wort
Meeting Besprechung
Deadline Frist, Abgabetermin
Feedback Rückmeldung
Reklamation Beanstandung
Budget Kostenrahmen

In Fachkreisen sind Fremdwörter oft üblich und genau. Unter Kaufleuten versteht jeder „Kalkulation“. Für Leser außerhalb des Fachs ist das deutsche Wort dagegen meist verständlicher.

Vermeide Fremdwörter, wenn sie nur beeindrucken sollen. Ein Satz wie „Wir haben ein Meeting zum Feedback der Deadline“ wirkt aufgebläht. Klarer ist: „Wir besprechen die Rückmeldungen zur Abgabefrist.“

Achte bei Fremdwörtern besonders auf die Schreibung. Wörter wie „Rhythmus“, „Rezept“ oder „Service“ werden oft falsch geschrieben. Im Zweifel hilft das Wörterbuch.

Auch die Aussprache kann Probleme bereiten. „Service“ sprichst du englisch aus, wenn du die Dienstleistung meinst. Bei „Budget“ endet die Aussprache dagegen französisch, ohne hörbares „t“. Hörst du ein Wort zum ersten Mal, hilft auch hier das Wörterbuch weiter.

4. Bildhafte Redewendungen

Eine bildhafte Redewendung ist eine feste Wortgruppe, deren Bedeutung sich nicht aus den einzelnen Wörtern ergibt. Sie verwendet ein Bild, das man übertragen verstehen muss.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Mit dem neuen Motiv hat Lina den Nagel auf den Kopf getroffen.
Gemeint ist: Lina hat genau das Richtige gefunden.

Niemand denkt hier an einen echten Hammer oder Nagel. Das Bild vom genau getroffenen Nagel steht für eine treffende Lösung.

Redewendung Bedeutung
den Nagel auf den Kopf treffen genau das Richtige sagen oder tun
ins Fettnäpfchen treten aus Versehen etwas Peinliches sagen oder tun
grünes Licht geben etwas erlauben
etwas unter den Tisch fallen lassen etwas nicht beachten oder vergessen
das Handtuch werfen aufgeben
schwarz auf weiß schriftlich und damit verbindlich

Bei manchen Redewendungen ist die Herkunft bekannt. „Das Handtuch werfen“ stammt aus dem Boxsport. Dort zeigt der Trainer mit dem geworfenen Handtuch, dass sein Boxer aufgibt. Bei vielen anderen Wendungen ist die Herkunft dagegen unsicher.

Manche Redewendungen haben im Geschäftsleben eine ganz handfeste Bedeutung. „Das hätte ich gern schwarz auf weiß“ heißt: Die Zusage soll schriftlich vorliegen. Eine schriftliche Bestätigung lässt sich später nachweisen, eine mündliche Zusage oft nicht.

5. Redewendungen gezielt einsetzen

Redewendungen machen Texte anschaulich und lebendig. Sie passen gut in Gespräche, Erzählungen und persönliche Briefe. In sachlichen Texten solltest du sie sparsam verwenden.

Prüfe beim Einsatz drei Fragen. Kennt der Leser die Wendung? Passt sie zur Lage? Ist sie richtig zusammengesetzt? Falsch gemischte Wendungen wirken unfreiwillig komisch. Wer „den Nagel ins Fettnäpfchen trifft“, hat zwei Bilder verwechselt.

Menschen, die Deutsch erst lernen, verstehen Redewendungen oft wörtlich. Im Gespräch mit ihnen erklärst du die Bedeutung oder wählst eine einfache Formulierung. Statt „Die Schulleitung hat grünes Licht gegeben“ sagst du dann: „Die Schulleitung hat es erlaubt.“

Vermeide außerdem abgenutzte Wendungen, die in jedem zweiten Satz stehen. Wenn alles „in trockenen Tüchern“ ist und jede Idee „den Nagel auf den Kopf trifft“, verlieren die Bilder ihre Wirkung. Eine gut gewählte Redewendung an der richtigen Stelle wirkt stärker als viele.

Merke: Fremdwörter stammen aus anderen Sprachen. Ihre Bedeutung erschließt du aus dem Zusammenhang, aus bekannten Teilen oder mit dem Wörterbuch. Wähle das Wort, das dein Leser versteht. Bildhafte Redewendungen meinen dagegen etwas anderes, als sie wörtlich sagen. Setze sie gezielt ein und vermische keine Bilder.

So brauchst du es im Beruf

Im Beruf triffst du auf viele Fremdwörter und Redewendungen. Du musst sie verstehen und selbst passend einsetzen. Die Schülerfirma bereitet eine Nachricht an eine neue Mitschülerin vor, die gerade Deutsch lernt.

Mustertext, für diese Seite geschrieben:
Fassung mit Fremdwörtern und Redewendungen: Nach dem Meeting hat die Schulleitung grünes Licht gegeben. Bitte gib uns bis Freitag dein Feedback.
Verständliche Fassung: Nach unserer Besprechung hat die Schulleitung den Verkauf erlaubt. Bitte sag uns bis Freitag, was du davon hältst.
Ausdruck ersetzt durch warum
„Meeting“ „Besprechung“ verständlicher für Lernende
„grünes Licht gegeben“ „erlaubt“ Redewendung wörtlich schwer verständlich
„Feedback“ „was du davon hältst“ einfache, klare Formulierung

Die zweite Fassung enthält dieselben Informationen. Sie ist aber für alle verständlich. Genau diese Rücksicht auf den Leser ist im Beruf eine wichtige Stärke.

Umgekehrt gilt: Im Gespräch mit Fachleuten darfst du übliche Fremdwörter ruhig verwenden. Unter Kaufleuten wirkt „Kalkulation“ natürlicher als „Kostenberechnung“. Entscheidend ist immer, wer deinen Text liest.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
„Wir haben ein Meeting zum Feedback der Deadline.“ „Wir besprechen die Rückmeldungen zur Frist.“ Zu viele Fremdwörter machen den Satz unklar.
„Rythmus“ „Rhythmus“ Fremdwörter haben oft eine ungewohnte Schreibung.
„den Nagel ins Fettnäpfchen treffen“ „den Nagel auf den Kopf treffen“ Bilder dürfen nicht vermischt werden.
Redewendung wörtlich verstehen übertragene Bedeutung suchen Das Bild steht für etwas anderes.
Fremdwort raten im Wörterbuch nachschlagen Raten führt leicht zu Fehlern.

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