Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 (vierstufige Wirtschaftsschule) · Schreiben (LehrplanPLUS)
Erzählen nach einer Vorlage: Tagebuch, Brief, eigener Schluss
Eine Geschichte ist nicht zu Ende, wenn die letzte Zeile gelesen ist. Du kannst sie aus der Sicht einer anderen Figur erzählen, ein Tagebuch für eine Figur schreiben, ihr einen Brief in den Mund legen oder einen eigenen Schluss erfinden. Auf dieser Seite lernst du, wie du nach einer Vorlage erzählst und Texte in eine andere Form umwandelst. Entscheidend ist dabei immer, dass dein Text zur Vorlage passt. Als Vorlage dient eine kurze Geschichte, die für diese Seite geschrieben wurde.
1. Die Vorlage genau lesen
Wer nach einer Vorlage schreibt, muss sie gut kennen. Deine Figuren sollen sich so verhalten, wie sie es in der Vorlage tun. Ort, Zeit und Handlung müssen zusammenpassen.
Es war der letzte Verkaufstag vor den Ferien. Mia stand allein am Stand der Schülerfirma, denn Jonas hatte sich krankgemeldet. Die Schlange wurde immer länger. Als ein Kunde mit einem großen Schein bezahlen wollte, öffnete Mia die Kasse und erschrak: Das Wechselgeld fehlte. Sie schaute sich um. Niemand konnte ihr helfen. Da trat Frau Sommer, die Schulleiterin, an den Stand. Sie lächelte, zog ihren Geldbeutel heraus und sagte: „Ich wechsle dir das schnell.“ Mia atmete auf.
Bevor du schreibst, beantwortest du einige Fragen. Wer sind die Figuren? Was wissen sie, und was wissen sie nicht? Wie fühlen sie sich an welcher Stelle? Wo und wann spielt die Geschichte?
| Frage | Antwort aus der Vorlage |
|---|---|
| Hauptfigur | Mia, allein am Stand |
| Problem | Das Wechselgeld fehlt. |
| Gefühl | Schreck, Hilflosigkeit, dann Erleichterung |
| Wendepunkt | Frau Sommer hilft. |
| Ort und Zeit | Stand der Schülerfirma, letzter Verkaufstag vor den Ferien |
Notiere dir diese Angaben in Stichpunkten. Sie sind das Gerüst, auf dem dein eigener Text aufbaut. Erfindest du etwas hinzu, darf es der Vorlage nicht widersprechen.
2. Ein Tagebucheintrag aus der Sicht einer Figur
In einem Tagebucheintrag schreibt eine Figur für sich selbst. Sie erzählt in der Ich-Form, was sie erlebt hat, und vor allem, wie es ihr dabei ging. Gedanken und Gefühle stehen im Mittelpunkt.
Freitag, letzter Schultag
Liebes Tagebuch, heute war ein verrückter Tag. Jonas war krank, und ich musste den Stand allein machen. Als der Mann mit dem Fünfzigeuroschein kam, ist mir fast das Herz stehen geblieben. Kein Wechselgeld! Ich dachte nur: Jetzt blamiere ich die ganze Schülerfirma. Und dann kam ausgerechnet Frau Sommer. Ich war so erleichtert, dass ich fast geweint hätte. Morgen frage ich Jonas, wer die Kasse zuletzt hatte.
| Merkmal | im Beispiel |
|---|---|
| Datum oder Tag | „Freitag, letzter Schultag“ |
| Anrede möglich | „Liebes Tagebuch“ |
| Ich-Form | „ich musste“, „Ich dachte“ |
| Gefühle und Gedanken | „fast das Herz stehen geblieben“, „so erleichtert“ |
| Blick nach vorn | „Morgen frage ich Jonas …“ |
Ein Tagebucheintrag darf persönlich und umgangssprachlich klingen. Die Figur schreibt ja nur für sich. Achte aber darauf, dass die Ereignisse genau zur Vorlage passen.
3. Ein Brief aus der Sicht einer Figur
Ein Brief richtet sich an einen Empfänger. Die Figur erzählt also nicht für sich, sondern für einen anderen Menschen. Deshalb wählt sie aus, was sie berichtet, und passt den Ton an.
Lieber Jonas,
ich hoffe, dir geht es schon besser. Gestern war ich am Stand allein, und stell dir vor: Das Wechselgeld war weg. Zum Glück hat Frau Sommer mir ausgeholfen. Kannst du dich erinnern, wer die Kasse zuletzt hatte? Gute Besserung!
Deine Mia
Im Brief steht die Beziehung zum Empfänger im Vordergrund. Mia fragt nach Jonas‘ Gesundheit, schildert das Problem knapp und bittet um Hilfe. Ein Brief an Frau Sommer wäre dagegen höflicher und sachlicher und würde vor allem einen Dank enthalten.
Prüfe beim Briefschreiben drei Dinge. Wer schreibt an wen? Was weiß der Empfänger schon? Welches Ziel hat die Figur mit ihrem Brief?
4. Einen eigenen Schluss schreiben
Manche Geschichten enden offen. Andere lassen sich weitererzählen. Beim eigenen Schluss führst du die Handlung fort. Dein Schluss muss sich logisch aus der Vorlage ergeben.
Am Montag nach den Ferien fand Jonas einen Umschlag in seinem Spind. Darin lag das Wechselgeld, sorgfältig gezählt. Er hatte die Kasse vor seiner Krankheit geleert, um sie sicher aufzubewahren, und es dann vergessen. Mit hochrotem Kopf brachte er den Umschlag zu Mia. Gemeinsam schrieben sie Frau Sommer eine Dankeskarte.
Dieser Schluss löst die offene Frage, wo das Wechselgeld geblieben ist. Er passt zu den Figuren: Jonas war krank, Mia wollte ihn fragen, Frau Sommer hatte geholfen. Nichts widerspricht der Vorlage, und jede Figur bleibt sich treu.
Ein guter Schluss ist glaubwürdig. Plötzliche Wunder oder neue Figuren, die alles lösen, wirken aufgesetzt. Besser ist ein Schluss, der aus dem Verhalten der bekannten Figuren entsteht.
5. Texte umwandeln
Du kannst eine Geschichte auch in eine andere Textform umwandeln. Dabei bleibt der Inhalt gleich, aber die Form ändert sich.
| Umwandlung | was sich ändert |
|---|---|
| Geschichte → Tagebucheintrag | Ich-Form, Gefühle im Vordergrund |
| Geschichte → Brief | Empfänger, Anrede, Gruß, Auswahl der Inhalte |
| Geschichte → Dialog | nur wörtliche Rede, Namen vor jeder Äußerung |
| Geschichte → Zeitungsmeldung | sachlich, W-Fragen, keine Gefühle |
Bei jeder Umwandlung fragst du dich: Welche Merkmale hat die neue Textform? Was muss ich weglassen, was hinzufügen? Eine Zeitungsmeldung über den Vorfall würde zum Beispiel Mias Gefühle weglassen und nur die Tatsachen nennen. Ein Dialog dagegen zeigt die Gefühle allein durch das, was die Figuren sagen.
So brauchst du es im Beruf
Sich in andere hineinzuversetzen, ist im Beruf eine wichtige Fähigkeit. Wer Kunden berät, Beschwerden beantwortet oder im Team arbeitet, muss verstehen, wie sich eine Lage aus der Sicht des anderen anfühlt. Genau das übst du, wenn du aus der Sicht einer Figur schreibst.
Sehr geehrter Herr Lang,
es tut uns leid, dass Sie am letzten Verkaufstag warten mussten. Wir verstehen, dass das ärgerlich war. Unsere Kasse war leider nicht vorbereitet. Wir haben daraus gelernt und prüfen das Wechselgeld künftig vor jedem Verkauf.
Mit freundlichen Grüßen
Mia Hofer für die Schülerfirma
| Stelle | was sie zeigt |
|---|---|
| „Wir verstehen, dass das ärgerlich war.“ | Sicht des Kunden wird ernst genommen |
| „Unsere Kasse war leider nicht vorbereitet.“ | ehrliche Erklärung |
| „prüfen … künftig vor jedem Verkauf“ | Lösung für die Zukunft |
Mia schreibt hier nicht über ihren eigenen Schreck, sondern über die Lage des Kunden. Diesen Wechsel der Sichtweise hast du beim Tagebuch und beim Brief geübt.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Im Tagebuch weiß Mia schon, wo das Geld ist. | Mia weiß nur, was sie in der Vorlage weiß. | Figuren kennen nicht mehr als in der Vorlage. |
| Tagebuch in der Er-Form | Ich-Form verwenden | Die Figur schreibt über sich selbst. |
| Brief ohne Anrede und Gruß | Anrede und Gruß ergänzen | Ein Brief richtet sich an einen Empfänger. |
| Schluss mit plötzlichem Wunder | Schluss aus dem Verhalten der Figuren entwickeln | Der Schluss muss glaubwürdig sein. |
| Zeitungsmeldung voller Gefühle | sachlich schreiben | Jede Textform hat eigene Merkmale. |
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