Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 (vierstufige Wirtschaftsschule) · Lesen – mit Texten und weiteren Medien umgehen (LehrplanPLUS)
Diagramme und Grafiken in eigene Worte fassen
Im Onlineshop, in der Teambesprechung oder im Erdkundebuch werden Zahlen oft nicht als Text, sondern als Diagramm gezeigt. Ein Diagramm macht auf einen Blick sichtbar, was in einer langen Zahlenreihe verborgen bliebe. Häufig musst du aber den umgekehrten Weg gehen und ein Diagramm in Sätze übertragen, etwa am Telefon oder in einer schriftlichen Auswertung. Dieses Übertragen heißt verbalisieren. Auf dieser Seite lernst du die wichtigsten Diagrammarten kennen, liest ihre Bestandteile richtig und übst Formulierungen, mit denen du Werte, Vergleiche, Entwicklungen und Anteile genau wiedergibst. Da auf dieser Seite keine Bilder stehen, werden die Diagramme als Tabellen mit ihren Werten dargestellt. Alle Zahlen sind erfunden und gehören zur Übungsfirma.
1. Vier Diagrammarten und wofür sie sich eignen
Nicht jedes Diagramm passt zu jeder Frage. Wer weiß, welche Art vorliegt, weiß auch schon, welche Art von Aussage er treffen wird.
| Diagrammart | Wie es aussieht | Wofür es sich eignet |
|---|---|---|
| Säulendiagramm | senkrechte Säulen nebeneinander | Mengen vergleichen, oft zu mehreren Zeitpunkten |
| Balkendiagramm | waagerechte Balken untereinander | Mengen vergleichen, besonders bei langen Bezeichnungen |
| Liniendiagramm | Punkte, durch eine Linie verbunden | eine Entwicklung über die Zeit zeigen |
| Kreisdiagramm | ein Kreis, in Stücke geteilt | Anteile an einem Ganzen zeigen |
Daraus ergibt sich, welche Wörter du später brauchst. Bei Säulen und Balken vergleichst du: mehr, weniger, am meisten. Beim Liniendiagramm beschreibst du eine Entwicklung: steigt, sinkt, bleibt gleich. Beim Kreisdiagramm sprichst du über Anteile: die Hälfte, ein Viertel, der größte Teil. Ein Kreisdiagramm ergibt immer zusammen 100 Prozent. Fehlt ein Teil, stimmt die Darstellung nicht. Manche Diagramme verbinden auch zwei Arten, etwa Säulen für Mengen und eine Linie für einen Durchschnitt. Dann beschreibst du beide Teile nacheinander.
2. Die Bestandteile eines Diagramms lesen
Bevor du einen einzigen Wert nennst, verschaffst du dir einen Überblick über das ganze Diagramm. Dazu gehören fünf Bestandteile.
| Bestandteil | Was er dir verrät |
|---|---|
| Titel | worum es im Diagramm geht |
| Achsenbeschriftung | was waagerecht und was senkrecht abgetragen ist |
| Einheit | worin gezählt wird: Stück, Euro, Prozent, Minuten |
| Legende | was die Farben oder Zeichen bedeuten |
| Quelle und Stand | wer die Zahlen erhoben hat und für welchen Zeitraum sie gelten |
Besonders häufig wird die Einheit übersehen. „150“ kann 150 Bestellungen, 150 Euro oder 150 Prozent bedeuten, und jede dieser Lesarten ergibt eine ganz andere Aussage. Die Legende brauchst du, sobald mehrere Farben vorkommen. Ohne sie weißt du nicht, welche Säule zu welchem Produkt gehört. Die Quelle zeigt dir, ob die Zahlen aus dem eigenen Shop stammen oder von außen kommen, und der Stand verrät, ob sie noch aktuell sind.
3. Ein Säulendiagramm Schritt für Schritt verbalisieren
Die Übungsfirma hat die Bestellungen ihres Onlineshops für ein halbes Jahr in einem Säulendiagramm dargestellt. Die Werte der sechs Säulen lauten:
| Monat | Januar | Februar | März | April | Mai | Juni |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bestellungen (Stück) | 120 | 150 | 150 | 180 | 240 | 210 |
Eine gute Verbalisierung folgt einer festen Ordnung. Am Anfang steht ein Satz, der sagt, um welche Art Diagramm es sich handelt und worüber es Auskunft gibt. Danach nennst du den Ausgangswert und beschreibst, wie sich die Zahlen verändern. Höchst- und Tiefstwert hebst du hervor. Zum Schluss fasst du den Gesamteindruck in einem Satz zusammen. Die Verbalisierung steht im Präsens, weil du beschreibst, was im Diagramm zu sehen ist.
Das Säulendiagramm zeigt, wie viele Bestellungen im Onlineshop der Übungsfirma von Januar bis Juni eingehen. Im Januar sind es 120 Bestellungen. Bis Mai steigt die Zahl fast jeden Monat an, nur von Februar auf März bleibt sie bei 150. Im Mai erreicht sie mit 240 Bestellungen ihren Höchstwert, das ist doppelt so viel wie im Januar. Im Juni sinkt die Zahl auf 210. Insgesamt nehmen die Bestellungen im ersten Halbjahr deutlich zu, auch wenn der letzte Monat etwas schwächer ausfällt.
Achte darauf, dass jede Aussage zu den Werten passt. „Bis Mai steigt die Zahl jeden Monat“ wäre falsch, weil der März genau so viele Bestellungen hat wie der Februar. Deshalb steht im Mustertext „fast jeden Monat“ und dazu die Ausnahme. Prüfe auch jede Rechnung: Doppelt so viel wie 120 sind 240, die Angabe stimmt also.
4. Formulierungen für Vergleiche, Entwicklungen und Anteile
Treffende Verben und Vergleichswörter machen deine Verbalisierung genau. Die folgende Übersicht hilft dir, nicht immer dasselbe Wort zu verwenden.
| Was du ausdrückst | passende Formulierungen |
|---|---|
| Anstieg | steigt, nimmt zu, wächst von … auf … |
| Rückgang | sinkt, nimmt ab, geht zurück auf … |
| Gleichstand | bleibt gleich, verändert sich nicht |
| Vergleich | doppelt so viel wie, halb so viel wie, mehr als, weniger als |
| Anteil | die Hälfte, ein Viertel, der größte Anteil |
| Spitzenwerte | erreicht den Höchstwert, liegt am niedrigsten |
Wie das bei einem Kreisdiagramm klingt, zeigt ein zweites Beispiel. Die Übungsfirma hat ausgewertet, wie ihre Kundschaft bezahlt: 50 Prozent auf Rechnung, 25 Prozent per Lastschrift, 15 Prozent per Vorkasse und 10 Prozent auf anderen Wegen. Zusammen ergibt das 100 Prozent. In Worten heißt das: Die Hälfte der Kundschaft zahlt auf Rechnung, ein Viertel nutzt die Lastschrift. Mit 15 Prozent folgt die Vorkasse, die übrigen 10 Prozent entfallen auf andere Zahlungswege. Die Rechnung ist damit doppelt so beliebt wie die Lastschrift.
Vermeide dabei Wörter, die nur einen ungefähren Eindruck geben. „Viele zahlen auf Rechnung“ verschweigt, dass es genau die Hälfte ist. Wer das Diagramm nicht vor sich hat, kann mit „viele“ nichts anfangen.
5. Einen Routenplan in Worte fassen
Auch ein Routenplan ist ein diskontinuierlicher Text, also ein Text, den man nicht Zeile für Zeile von oben nach unten liest. Er zeigt Abschnitte eines Weges mit Verkehrsmittel, Strecke und Dauer. Beim Verbalisieren gehst du die Abschnitte in der richtigen Reihenfolge durch und nennst am Ende die Gesamtzeit. Die Klasse der Übungsfirma fährt zu einer Ausbildungsmesse. Der Plan sieht so aus:
| Abschnitt | von | nach | Verkehrsmittel | Strecke | Dauer |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Schule | Haltestelle Rathaus | zu Fuß | 400 Meter | 5 Minuten |
| 2 | Haltestelle Rathaus | Messegelände Nord | Bus Linie 3 | sechs Haltestellen | 12 Minuten |
| 3 | Messegelände Nord | Halle 2 | zu Fuß | 300 Meter | 4 Minuten |
Verbalisiert lautet der Plan: Die Klasse geht zuerst 400 Meter zu Fuß zur Haltestelle Rathaus. Von dort fährt sie mit dem Bus der Linie 3 sechs Haltestellen bis zum Messegelände Nord. Die letzten 300 Meter bis zur Halle 2 legt sie wieder zu Fuß zurück. Insgesamt dauert der Weg 21 Minuten, davon 9 Minuten zu Fuß. Wörter wie zuerst, von dort und zuletzt machen die Reihenfolge hörbar, und die Gesamtzeit am Schluss beantwortet die Frage, die die meisten zuerst stellen. Achte außerdem auf die Umstiege: An jeder Stelle, an der das Verkehrsmittel wechselt, beginnt in deiner Verbalisierung ein neuer Satz.
So brauchst du es im Beruf
In der Teambesprechung der Übungsfirma soll Lara ein Balkendiagramm vorstellen, das nur sie auf ihrem Bildschirm hat. Es zeigt die Gründe für 100 Rücksendungen im letzten Quartal: Größe passt nicht 45, Farbe anders als erwartet 30, beim Versand beschädigt 15, sonstige Gründe 10. Lara liest vor:
Das Balkendiagramm zeigt, aus welchen Gründen im letzten Quartal 100 Artikel zurückgeschickt wurden. Der häufigste Grund ist mit 45 Fällen, dass die Größe nicht passt. An zweiter Stelle folgt mit 30 Fällen eine Farbe, die anders aussieht als erwartet. Beschädigungen beim Versand kommen mit 15 Fällen halb so oft vor. Zusammen machen Größe und Farbe drei Viertel aller Rücksendungen aus.
| Satz | Bestandteil des Diagramms | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Das Balkendiagramm zeigt, aus welchen Gründen … | Diagrammart, Titel, Zeitraum | Einleitung vor den Zahlen |
| Der häufigste Grund ist mit 45 Fällen … | längster Balken | Höchstwert mit genauer Zahl |
| … mit 15 Fällen halb so oft … | Vergleich zweier Balken | Vergleichswort und Zahl |
| Zusammen machen Größe und Farbe drei Viertel … | Gesamteindruck | Zusammenfassung als Anteil |
Weil Lara genaue Zahlen und klare Vergleiche nennt, kann das Team sofort entscheiden, wo es ansetzt: zuerst bei genaueren Größenangaben und farbgetreueren Fotos im Shop, erst danach beim Verpacken.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Bis Mai steigt die Zahl jeden Monat. | Bis Mai steigt die Zahl fast jeden Monat, von Februar auf März bleibt sie gleich. | Jede Aussage muss zu allen Werten passen. |
| Im Mai sind es 240. | Im Mai sind es 240 Bestellungen. | Ohne Einheit ist die Zahl nicht verständlich. |
| Viele zahlen auf Rechnung. | Die Hälfte der Kundschaft zahlt auf Rechnung. | Genaue Anteile statt ungefährer Wörter. |
| Die blaue Säule ist am höchsten. | Produkt A hat mit 80 Stück den höchsten Wert. | Die Legende verrät, wofür eine Farbe steht. |
| Anteile mit einem Liniendiagramm zeigen. | Anteile mit einem Kreisdiagramm zeigen. | Jede Diagrammart passt zu einer bestimmten Frage. |
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