Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 (Vorklasse der vierstufigen Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Wortbildung, Wortfamilie, Wortfeld sowie Ober- und Unterbegriff
Viele Wörter im Deutschen sind aus anderen Wörtern gebaut. Wer diese Bausteine kennt, versteht neue Wörter schneller und schreibt sie richtiger. Außerdem lassen sich Wörter in Gruppen ordnen: nach ihrer Herkunft aus einem gemeinsamen Stamm, nach ihrer Bedeutung oder nach ihrem Rang. Auf dieser Seite lernst du zusammengesetzte Wörter, Vorsilben und Nachsilben, Wortfamilie, Wortfeld sowie Ober- und Unterbegriff kennen. Die Beispiele kommen aus einer Schülerfirma und sind frei erfunden.
1. Zusammengesetzte Wörter
Aus zwei oder mehr Wörtern kann ein neues Wort entstehen. Man nennt es zusammengesetztes Wort oder Kompositum. Ein Beispiel ist „Klassenkasse“. Es besteht aus „Klasse“ und „Kasse“.
Das letzte Wort heißt Grundwort. Es sagt, was gemeint ist. Eine Klassenkasse ist eine Kasse. Das Wort davor heißt Bestimmungswort. Es sagt genauer, welche Art gemeint ist. Es ist die Kasse der Klasse.
der Kuchen + das Blech = das Kuchenblech
der Preis + das Schild = das Preisschild
die Pause + der Verkauf = der Pausenverkauf
Achte auf den Artikel. Er richtet sich immer nach dem Grundwort. Deshalb heißt es „das Preisschild“, obwohl „der Preis“ vorne steht.
Manchmal steht zwischen den Teilen ein Verbindungslaut, etwa ein „s“ oder ein „n“. Man nennt ihn Fugenlaut. Beispiele sind „Verkaufsstand“ und „Pausenverkauf“. Zusammengesetzte Wörter schreibt man zusammen, ohne Leerzeichen.
Ein zusammengesetztes Wort kann auch aus drei oder mehr Teilen bestehen. Ein Beispiel ist „Kuchenverkaufsstand“. Lies solche Wörter von hinten nach vorn. Es ist ein Stand, an dem Kuchen verkauft wird. So zerlegst du auch lange Wörter sicher.
Nicht nur zwei Nomen lassen sich verbinden. Auch ein Verb und ein Nomen ergeben ein neues Wort. Aus „backen“ und „Blech“ wird „Backblech“. Aus „wechseln“ und „Geld“ wird „Wechselgeld“. Das Grundwort ist auch hier immer das letzte Wort.
2. Vorsilben und Nachsilben
Wörter lassen sich auch mit Silben verändern, die allein kein eigenes Wort sind. Eine Silbe vor dem Wortstamm heißt Präfix oder Vorsilbe. Eine Silbe hinter dem Wortstamm heißt Suffix oder Nachsilbe. Der Wortstamm ist der Kern eines Wortes, der in verwandten Wörtern gleich bleibt.
| Baustein | Beispiele | Was er bewirkt |
|---|---|---|
| Präfix „ver-“ | kaufen → verkaufen | verändert die Bedeutung |
| Präfix „un-“ | freundlich → unfreundlich | bildet oft das Gegenteil |
| Suffix „-ung“ | bestellen → Bestellung | macht aus einem Verb ein Nomen |
| Suffix „-lich“ | Freund → freundlich | macht aus einem Nomen ein Adjektiv |
| Suffix „-bar“ | essen → essbar | bildet ein Adjektiv |
Nachsilben verraten dir oft die Wortart. Wörter auf „-ung“, „-heit“ und „-keit“ sind Nomen. Man schreibt sie deshalb groß. Wörter auf „-lich“, „-ig“ und „-bar“ sind meist Adjektive. Man schreibt sie klein.
Ein Wort kann mehrere Bausteine zugleich haben. „Unverkäuflich“ besteht aus dem Präfix „un-“, dem Präfix „ver-“, dem Stamm „kauf“ und dem Suffix „-lich“. Es bedeutet: Man kann es nicht verkaufen.
Diese Zerlegung hilft dir bei unbekannten Wörtern. Suche zuerst den Stamm. Prüfe dann, was die Silben davor und dahinter verändern. Oft kannst du die Bedeutung so selbst herausfinden.
3. Die Wortfamilie
Wörter mit demselben Wortstamm bilden eine Wortfamilie. Sie sind miteinander verwandt, auch wenn sie verschiedenen Wortarten angehören.
kaufen, verkaufen, einkaufen, der Kauf, der Verkauf, die Käuferin, das Kaufhaus, käuflich
Bei manchen Wörtern verändert sich ein Vokal. Aus „a“ wird dann „ä“, wie bei „Kauf“ und „Käuferin“. Der Stamm bleibt trotzdem erkennbar.
Zur Wortfamilie gehören also Verben, Nomen und Adjektive. Das unterscheidet sie von einer Liste gleicher Wortarten. Prüfe bei jedem Wort, ob wirklich derselbe Stamm darin steckt. „Kaufen“ und „Kaffee“ klingen ähnlich, gehören aber nicht zusammen.
Die Wortfamilie hilft dir beim Schreiben. Wenn du unsicher bist, suchst du ein verwandtes Wort. „Verkäufer“ schreibt man mit „äu“, weil es von „kaufen“ kommt. Diese Hilfe nennt man Stammprinzip: Der Stamm wird in der ganzen Familie möglichst gleich geschrieben.
Ein zweites Beispiel ist die Wortfamilie „zahlen“. Dazu gehören „bezahlen“, „die Zahlung“, „die Zahl“ und „zahlbar“. In allen Wörtern steht der Stamm „zahl“ mit „h“. Wer weiß, dass „Zahlung“ zu „zahlen“ gehört, vergisst das „h“ nicht.
4. Das Wortfeld
Ein Wortfeld besteht aus Wörtern mit ähnlicher Bedeutung. Anders als bei der Wortfamilie haben diese Wörter meist verschiedene Stämme.
sagen, fragen, antworten, rufen, flüstern, erklären, erzählen, bitten
Alle diese Verben drücken aus, dass jemand spricht. Jedes Wort zeigt aber eine besondere Art des Sprechens. Wer „flüstern“ schreibt, sagt mehr als mit „sagen“.
Wortfelder helfen dir, abwechslungsreich und genau zu schreiben. In einem Bericht über den Verkaufstag wirkt es eintönig, wenn jeder Satz „sagte“ enthält. Mit „fragte“, „antwortete“ oder „erklärte“ wird der Text lebendiger und genauer.
Es gibt auch Wortfelder für Adjektive. Statt immer „gut“ zu schreiben, kannst du genauer werden. Ein Muffin kann „lecker“, „frisch“ oder „saftig“ sein. Ein Verkauf kann „erfolgreich“ oder „gelungen“ sein. Jedes Wort sagt etwas anderes aus. Wähle das Wort, das am besten passt.
5. Ober- und Unterbegriff
Wörter lassen sich auch nach ihrem Rang ordnen. Ein Oberbegriff fasst mehrere Dinge zu einer Gruppe zusammen. Die Wörter, die zu dieser Gruppe gehören, heißen Unterbegriffe.
| Oberbegriff | Unterbegriffe |
|---|---|
| Getränke | Apfelsaft, Wasser, Tee |
| Gebäck | Muffin, Waffel, Brezel |
| Schreibwaren | Bleistift, Heft, Radiergummi |
Ein Oberbegriff kann selbst wieder Unterbegriff sein. „Getränke“ ist ein Oberbegriff für „Apfelsaft“. Zugleich ist es ein Unterbegriff von „Lebensmittel“.
Ober- und Unterbegriffe helfen beim Ordnen. Du kannst damit Listen übersichtlich gliedern. In einem Text vermeidest du Wiederholungen, wenn du statt „Waffeln, Muffins und Brezeln“ einmal „das Gebäck“ schreibst.
Mit Ober- und Unterbegriffen kannst du außerdem Wörter erklären. Du nennst zuerst den Oberbegriff und dann ein besonderes Merkmal. Ein Beispiel: „Eine Brezel ist ein Gebäck in Form einer Schleife.“ So entsteht eine kurze, klare Erklärung. Auch Wörterbücher erklären viele Wörter auf diese Weise.
So brauchst du es im Beruf
Wer einkauft oder bestellt, muss Listen ordnen. Die Schülerfirma schreibt eine Einkaufsliste für den nächsten Verkaufstag.
Für den Pausenverkauf brauchen wir Getränke: Apfelsaft und Wasser. Beim Gebäck fehlen Muffins und Brezeln. Außerdem kaufen wir Verpackungen: Papiertüten und Servietten. Die Einkäuferin bringt die Quittung zur Klassenkasse.
| Stelle im Text | Fachbegriff | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| „Getränke“, „Gebäck“, „Verpackungen“ | Oberbegriffe | Sie fassen mehrere Dinge zusammen. |
| „Apfelsaft“, „Muffins“, „Papiertüten“ | Unterbegriffe | Sie gehören zu einer Gruppe. |
| „Pausenverkauf“, „Klassenkasse“ | zusammengesetzte Wörter | Grundwort und Bestimmungswort |
| „Einkäuferin“ | Wortfamilie „kaufen“ | gleicher Stamm, Vokal „äu“ |
Die Oberbegriffe gliedern die Liste. So findet die Einkäuferin im Laden schnell, was sie braucht. Fehlt ein Unterbegriff, fällt das beim Abhaken sofort auf. Die zusammengesetzten Wörter machen jede Angabe kurz und trotzdem genau.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| der Preisschild | das Preisschild | Der Artikel richtet sich nach dem Grundwort. |
| Verkeufer | Verkäufer | Der Stamm „kauf“ steckt darin, deshalb „äu“. |
| „sagen“ und „Sage“ gehören zum Wortfeld. | Sie gehören zur Wortfamilie. | Gleicher Stamm bedeutet Wortfamilie. |
| Apfelsaft ist ein Oberbegriff für Getränke. | Getränke ist der Oberbegriff für Apfelsaft. | Der Oberbegriff ist die Gruppe. |
| die bestellung | die Bestellung | Wörter auf „-ung“ sind Nomen und werden großgeschrieben. |
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