Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 (Vorklasse der vierstufigen Wirtschaftsschule) · Richtig schreiben (LehrplanPLUS)
Groß- und Kleinschreibung: Nominalisierungen und Höflichkeitsanrede
Im Deutschen schreibt man Nomen groß. Das klingt einfach. Schwierig wird es, wenn ein Verb oder ein Adjektiv plötzlich wie ein Nomen gebraucht wird. Auch bei der Anrede in Briefen und E-Mails gibt es feste Regeln. Auf dieser Seite lernst du, wie du großzuschreibende Wörter sicher erkennst. Du übst Signalwörter, mit denen du Nominalisierungen findest, und die richtige Schreibung der Höflichkeitsanrede. Die Beispiele stammen aus einer Schülerfirma.
1. Die Grundregeln der Großschreibung
Drei Grundregeln kennst du sicher schon. Großgeschrieben werden das erste Wort eines Satzes, alle Nomen und alle Eigennamen.
| Was? | Beispiel |
|---|---|
| Satzanfang | Der Stand öffnet um zehn Uhr. |
| Nomen | Wir verkaufen Waffeln und Saft. |
| Eigennamen | Die Schülerfirma heißt Pausenglück. |
Ein Nomen erkennst du mit der Artikelprobe. Kannst du „der“, „die“ oder „das“ davorsetzen, ist das Wort meist ein Nomen. „Die Waffel“, „der Saft“, „das Geld“ passen. „Der schnell“ passt dagegen nicht.
Auch nach einem Doppelpunkt kann großgeschrieben werden. Folgt ein ganzer Satz, beginnt er mit einem Großbuchstaben: „Wichtig ist: Der Stand muss sauber sein.“ Folgt nur ein einzelnes Wort oder eine Aufzählung, schreibst du klein weiter: „Wir brauchen: zwei Tische, drei Stühle.“
Auch bestimmte Endungen zeigen dir ein Nomen an. Wörter auf „-ung“, „-heit“, „-keit“, „-nis“ und „-schaft“ sind immer Nomen. Beispiele sind „die Bestellung“, „die Sauberkeit“, „das Ergebnis“ und „die Kundschaft“.
2. Verben als Nomen
Ein Verb kann wie ein Nomen gebraucht werden. Dann schreibt man es groß. Man spricht von einer Nominalisierung oder Substantivierung.
Das Backen macht allen Spaß.
Beim Zählen des Geldes hilft Lina.
Zum Verkaufen brauchen wir einen Tisch.
In allen drei Sätzen ist das Verb zu einem Nomen geworden. Du erkennst es an einem Signalwort davor. Signalwörter sind kleine Wörter, die ein Nomen ankündigen.
| Signalwort | Beispiel |
|---|---|
| Artikel | das Backen, ein Rufen |
| Präposition mit Artikel | beim Zählen, zum Verkaufen, im Stehen |
| Possessivpronomen | unser Lachen, dein Warten |
| Adjektiv | lautes Rufen, langes Warten |
Manchmal fehlt das Signalwort. Dann hilft die Artikelprobe. „Backen macht Spaß“ kannst du umformen zu „Das Backen macht Spaß“. Der Satz bleibt richtig. Also schreibst du „Backen“ groß.
Vergleiche zwei Sätze. „Wir backen heute Waffeln.“ Hier ist „backen“ ein Verb und wird kleingeschrieben. „Das Backen dauert eine Stunde.“ Hier ist „Backen“ ein Nomen und wird großgeschrieben. Entscheidend ist also nicht das Wort selbst. Entscheidend ist, wie es im Satz gebraucht wird.
3. Adjektive als Nomen
Auch Adjektive können zu Nomen werden. Das geschieht oft nach den Wörtern „etwas“, „nichts“, „viel“, „wenig“ und „alles“.
Wir bieten etwas Neues an.
Am Stand gab es nichts Besonderes.
Wir wünschen allen Kunden alles Gute.
Nach „etwas“, „nichts“ und „viel“ steht das Adjektiv meist mit der Endung „-es“. Diese Endung ist ein guter Hinweis auf die Großschreibung.
Auch nach einem Artikel wird ein Adjektiv zum Nomen. „Das Beste kommt zum Schluss.“ „Die Neuen helfen beim Aufbau.“ Hier steht das Adjektiv allein. Es bezieht sich nicht auf ein folgendes Nomen.
Achte auf den Unterschied. In „der neue Tisch“ gehört „neue“ zum Nomen „Tisch“. Deshalb bleibt es klein. In „die Neuen“ steht kein Nomen dahinter. Deshalb schreibt man es groß.
Auch Farbbezeichnungen können zu Nomen werden. „Die Becher sind grün“ schreibst du klein. „Das Grün der Becher gefällt uns“ schreibst du groß. Der Artikel „das“ zeigt dir die Nominalisierung an.
Einige Wörter schreibt man in der Regel klein, auch wenn ein Artikel davorsteht. Dazu gehören „viel“, „wenig“, „eine“ und „andere“. Es heißt also „die vielen“, „die wenigsten“ und „die anderen“.
4. Die Höflichkeitsanrede
In Briefen und E-Mails sprichst du deine Leser direkt an. Wer jemanden siezt, schreibt die Höflichkeitsanrede groß. Das gilt für „Sie“, „Ihnen“, „Ihr“ und „Ihre“ in allen Formen.
Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir liefern Ihnen die Waffeln am Freitag. Bitte melden Sie sich, wenn Sie Fragen haben.
Achte auf ein kleines Wort: „sich“ schreibt man immer klein. Es heißt also „melden Sie sich“, nicht „melden Sie Sich“.
Wer jemanden duzt, kann in Briefen und E-Mails zwischen Klein- und Großschreibung wählen. „du“ und „Du“ sind beide richtig, ebenso „dein“ und „Dein“. Bleib aber innerhalb eines Textes bei einer Schreibweise.
Unterscheide die Höflichkeitsform von „sie“ in der Mehrzahl. „Sie“ für die angesprochene Person schreibst du groß. „sie“ für mehrere andere Personen schreibst du klein. „Die Kunden kommen bald. Sie warten schon.“ Hier steht „Sie“ nur groß, weil es am Satzanfang steht.
5. Sicher werden mit Proben
Bei unsicheren Wörtern helfen dir drei Fragen. Steht ein Signalwort davor? Kannst du einen Artikel davorsetzen? Steht das Wort allein, ohne dass ein Nomen folgt? Wenn du eine Frage mit Ja beantwortest, schreibst du meist groß.
Lies deinen Text am Schluss gezielt durch. Achte dabei nur auf die Großschreibung. Markiere alle Signalwörter und prüfe das folgende Wort. So findest du die meisten Fehler schnell. Besonders häufig sind Fehler nach „beim“ und „zum“. Nach diesen beiden Wörtern folgt fast immer ein Nomen. Achte deshalb an diesen Stellen besonders genau auf die Großschreibung.
Ein Wörterbuch hilft dir in Zweifelsfällen weiter. Dort findest du auch feste Wendungen. Bei manchen ist Groß- und Kleinschreibung erlaubt.
So brauchst du es im Beruf
Im Beruf schreibst du oft an Kundinnen und Kunden. Fehler bei der Anrede wirken unhöflich. Die Schülerfirma bestätigt eine Bestellung der Schulsekretärin.
Sehr geehrte Frau Albrecht,
vielen Dank für Ihre Bestellung. Zum Elternabend liefern wir Ihnen dreißig Waffeln. Beim Verpacken achten wir auf Sauberkeit. Für diesen Anlass haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht. Bitte melden Sie sich bei Fragen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Schülerfirma Pausenglück
| Stelle | Schreibung | Regel |
|---|---|---|
| „Ihre Bestellung“, „Ihnen“ | groß | Höflichkeitsanrede |
| „Beim Verpacken“ | groß | Verb als Nomen nach „beim“ |
| „etwas Besonderes“ | groß | Adjektiv als Nomen nach „etwas“ |
| „melden Sie sich“ | „sich“ klein | „sich“ immer klein |
Eine fehlerfreie Anrede zeigt Respekt. Sie hinterlässt einen guten Eindruck bei der Kundschaft. Das gilt in der Schülerfirma genauso wie später im Betrieb.
Auch in kurzen E-Mails lohnt sich ein genauer Blick. Viele Kunden lesen eine Nachricht nur einmal. Ein kleingeschriebenes „ihnen“ fällt sofort auf. Lies deshalb jede Nachricht vor dem Absenden noch einmal durch.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Beim zählen hilft Lina. | Beim Zählen hilft Lina. | „beim“ ist ein Signalwort. |
| Wir bieten etwas neues an. | Wir bieten etwas Neues an. | Nach „etwas“ wird das Adjektiv zum Nomen. |
| Vielen Dank für ihre Bestellung. | Vielen Dank für Ihre Bestellung. | Die Höflichkeitsanrede schreibt man groß. |
| Bitte melden Sie Sich. | Bitte melden Sie sich. | „sich“ schreibt man immer klein. |
| der Neue Tisch | der neue Tisch | Das Adjektiv gehört zum Nomen „Tisch“. |
✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator
Erzeuge dir zu diesem Thema beliebig viele Übungsaufgaben mit Lösung – passend zu Deutsch Wirtschaftsschule Bayern und deiner Jahrgangsstufe.
Aufgaben erzeugen →🎮 Live-Quiz für die Klasse
Teste dein Wissen im interaktiven Quiz – mit Sofort-Erklärung nach jeder Frage. Für Lehrkräfte: eigenes Klassen-Quiz starten.
Live-Quiz entdecken →💡 Mehr auf lern.de
Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:
