Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 (Vorklasse der vierstufigen Wirtschaftsschule) · Schreiben (LehrplanPLUS)
Brief und E-Mail: persönlich und sachlich schreiben, Anliegen begründen
Briefe und E-Mails schreibst du an ganz unterschiedliche Menschen. Einer Freundin erzählst du locker von deinem Tag. Der Schulleitung trägst du dagegen eine Bitte höflich und begründet vor. Je nach Empfänger ändern sich Aufbau, Anrede und Ton. Auf dieser Seite lernst du den Unterschied zwischen persönlichem und sachlichem Schreiben. Du erfährst, wie du ein Anliegen überzeugend begründest. Die Beispiele stammen aus einer Schülerfirma.
1. Persönlich oder sachlich?
Bevor du einen Brief oder eine E-Mail schreibst, stellst du dir eine Frage. Wem schreibe ich? Davon hängt ab, wie du schreibst.
Einen persönlichen Brief schreibst du an Menschen, die du gut kennst. Das sind Freunde, Verwandte oder Mitschüler. Du darfst locker schreiben, Gefühle zeigen und von Erlebnissen erzählen.
Einen sachlichen Brief schreibst du an Menschen, die du weniger gut kennst oder die eine Aufgabe für dich erledigen. Das sind zum Beispiel die Schulleitung, eine Firma oder ein Verein. Hier schreibst du höflich, klar und ohne Umgangssprache.
| Merkmal | persönlich | sachlich |
|---|---|---|
| Empfänger | Freunde, Familie | Schulleitung, Firma |
| Anrede | Liebe Oma, Hallo Mia | Sehr geehrte Frau Sommer |
| Ton | locker, herzlich | höflich, klar |
| Gruß | Viele Grüße, Bis bald | Mit freundlichen Grüßen |
Wähle den Ton passend zum Empfänger. Ein lockeres „Hey“ an die Schulleitung wirkt unhöflich. Ein steifes „Sehr geehrte Oma“ wirkt dagegen seltsam.
2. Der Aufbau eines Briefes
Jeder Brief hat einen festen Aufbau. Oben rechts stehen Ort und Datum. Darunter folgt die Anrede, nach der ein Komma steht. Nach dem Komma schreibst du klein weiter, wenn das erste Wort kein Nomen ist.
Danach kommt der eigentliche Text. Er besteht aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. In der Einleitung nennst du den Anlass. Im Hauptteil steht das Wichtigste. Im Schluss rundest du ab, zum Beispiel mit einer Bitte oder einem guten Wunsch.
Am Ende stehen der Gruß und deine Unterschrift. Nach dem Gruß steht kein Komma und kein Punkt.
Gliedere längere Briefe in Absätze. Jeder neue Gedanke beginnt in einer neuen Zeile. So kann der Empfänger deinen Brief leichter lesen. Ein Brief ohne Absätze wirkt wie ein großer Block und schreckt ab.
Musterstadt, den 14. März
Liebe Oma,
stell dir vor, unsere Schülerfirma hat am Freitag ihren ersten Verkaufstag gehabt. Wir haben über fünfzig Waffeln verkauft. Ich durfte sogar die Kasse führen. Das Rezept hast du mir ja beigebracht. Danke dafür. Wann besuchst du uns wieder?
Viele liebe Grüße
deine Lina
In diesem Brief erzählt Lina lebendig und zeigt Gefühle. Sie spricht ihre Oma direkt an und stellt am Ende eine Frage. Das passt zu einem persönlichen Brief.
3. Die E-Mail
Eine E-Mail ist schneller als ein Brief. Trotzdem gelten auch hier Regeln. Besonders wichtig ist der Betreff. Er sagt in wenigen Wörtern, worum es geht. So weiß der Empfänger sofort Bescheid.
Ort und Datum entfallen bei der E-Mail, denn das Programm speichert das Datum automatisch. Anrede, Text und Gruß bleiben aber gleich wie im Brief.
Achte bei sachlichen E-Mails besonders auf den Ton. Schreibe vollständige Sätze. Verzichte auf Abkürzungen wie „LG“ und auf Bildzeichen. Eine E-Mail an die Schulleitung ist keine Nachricht an Freunde.
Lies jede E-Mail vor dem Absenden noch einmal durch. Stimmt die Adresse? Ist der Betreff klar? Sind Anrede und Gruß vollständig? Eine abgeschickte E-Mail lässt sich nicht mehr zurückholen.
Manchmal schickst du mit einer E-Mail eine Datei mit, zum Beispiel ein Plakat oder eine Liste. Diese Datei heißt Anhang. Weise im Text darauf hin: „Im Anhang finden Sie unser Plakat.“ Prüfe vor dem Absenden, ob der Anhang wirklich dabei ist.
4. Ein Anliegen begründen
Oft schreibst du, weil du etwas möchtest. Dieses Anliegen musst du begründen. Wer nur eine Bitte äußert, überzeugt selten. Wer gute Gründe nennt, hat bessere Chancen.
Gehe in drei Schritten vor. Nenne zuerst klar dein Anliegen. Begründe es dann mit zwei oder drei Argumenten. Bitte zum Schluss höflich um eine Antwort oder eine Entscheidung.
Betreff: Verkaufsstand beim Elternsprechtag
Sehr geehrte Frau Sommer,
die Schülerfirma Pausenglück möchte beim Elternsprechtag einen Verkaufsstand im Foyer aufbauen. Viele Eltern warten dort lange auf ihre Gespräche. Mit Waffeln und Saft könnten wir ihnen die Wartezeit angenehmer machen. Außerdem sammeln wir so Geld für ein neues Waffeleisen. Wir würden uns sehr über Ihre Erlaubnis freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Tom Berger für die Schülerfirma Pausenglück
Die E-Mail nennt das Anliegen gleich im ersten Satz. Danach folgen zwei Gründe: Die Eltern profitieren, und die Schülerfirma erreicht ein Ziel. Am Ende steht eine höfliche Bitte.
Verbinde deine Gründe mit passenden Wörtern. „Außerdem“, „deshalb“ und „weil“ zeigen, wie die Gedanken zusammenhängen. So wirkt deine Begründung überzeugend.
5. Briefe und E-Mails überarbeiten
Bevor du einen Brief abschickst, prüfst du ihn mit einer Checkliste. Passt der Ton zum Empfänger? Ist der Aufbau vollständig? Steht das Anliegen klar am Anfang? Sind die Gründe überzeugend?
Prüfe dann die Rechtschreibung. Achte besonders auf die Anrede. In sachlichen Briefen schreibst du „Sie“, „Ihnen“ und „Ihr“ groß. In persönlichen Briefen darfst du „du“ und „dein“ klein oder groß schreiben.
Lass deinen Text bei wichtigen Anliegen von jemandem gegenlesen. Eine zweite Person findet Fehler, die du selbst übersiehst.
So brauchst du es im Beruf
Im Berufsleben schreibst du täglich E-Mails. Du fragst Kollegen um Rat, bittest Vorgesetzte um etwas oder antwortest Kunden. Eine klare, höfliche und begründete E-Mail spart Zeit und Missverständnisse.
Betreff: Bitte um zwei weitere Tische
Sehr geehrter Herr Kühn,
für den Verkauf beim Schulfest benötigt die Schülerfirma zwei weitere Tische. Wir erwarten mehr Gäste als sonst und brauchen Platz für die Kasse. Könnten Sie uns die Tische bis Freitag in das Foyer stellen?
Mit freundlichen Grüßen
Lina Hofmann
| Teil | Stelle im Text |
|---|---|
| Betreff | „Bitte um zwei weitere Tische“ |
| Anliegen | „benötigt die Schülerfirma zwei weitere Tische“ |
| Begründung | „Wir erwarten mehr Gäste … Platz für die Kasse“ |
| höfliche Bitte | „Könnten Sie uns die Tische …“ |
Herr Kühn weiß nach wenigen Sekunden, was gebraucht wird, warum und bis wann. Genau so sollen auch E-Mails im Betrieb aufgebaut sein.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| „Hey Frau Sommer“ | „Sehr geehrte Frau Sommer,“ | Sachliche Briefe brauchen eine höfliche Anrede. |
| E-Mail ohne Betreff | klaren Betreff angeben | Der Empfänger soll sofort wissen, worum es geht. |
| „Mit freundlichen Grüßen,“ | „Mit freundlichen Grüßen“ | Nach dem Gruß steht kein Komma. |
| Bitte ohne Begründung | zwei oder drei Gründe nennen | Gründe überzeugen den Empfänger. |
| „LG“ in einer E-Mail an die Schulleitung | den Gruß ausschreiben | Abkürzungen wirken unhöflich. |
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