Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 (Vorklasse der vierstufigen Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Zeitformen und Verben: vom Präsens bis zum Futur II
Mit Verben sagst du, was jemand tut. Mit der Zeitform zeigst du, wann es geschieht. Im Deutschen gibt es sechs Zeitformen. Auf dieser Seite lernst du alle sechs kennen. Du erfährst, wie du sie bildest und wann du welche Form brauchst. Außerdem lernst du starke, schwache und unregelmäßige Verben zu unterscheiden. Die Beispiele stammen aus einer Schülerfirma, die Waffeln und Getränke verkauft.
1. Sechs Zeitformen im Überblick
Verben verändern ihre Form, je nachdem, wann etwas geschieht. Diese Formen heißen Zeitformen oder Tempusformen. Es gibt eine Zeitform für die Gegenwart, drei für die Vergangenheit und zwei für die Zukunft.
| Zeitform | Beispiel mit „kaufen“ | Zeit |
|---|---|---|
| Präsens | Lina kauft Mehl. | Gegenwart |
| Präteritum | Lina kaufte Mehl. | Vergangenheit |
| Perfekt | Lina hat Mehl gekauft. | Vergangenheit |
| Plusquamperfekt | Lina hatte Mehl gekauft. | Vorvergangenheit |
| Futur I | Lina wird Mehl kaufen. | Zukunft |
| Futur II | Lina wird Mehl gekauft haben. | vollendete Zukunft |
Präsens und Präteritum bestehen aus einem einzigen Wort. Man nennt sie einfache Zeitformen. Die anderen vier brauchen ein Hilfsverb wie „haben“, „sein“ oder „werden“. Sie heißen zusammengesetzte Zeitformen.
Beim Bestimmen der Zeitform hilft dir eine Frage. Wann geschieht die Handlung? Achte dann auf die Hilfsverben. Sie verraten dir meist schon, welche Zeitform vorliegt.
In jeder Zeitform passt sich das Verb außerdem an die Person an. Es heißt „ich kaufe“, „du kaufst“ und „sie kauft“. Bei den zusammengesetzten Zeitformen verändert sich dabei nur das Hilfsverb: „ich habe gekauft“, „du hast gekauft“. Die Form „gekauft“ bleibt immer gleich.
2. Starke, schwache und unregelmäßige Verben
Nicht alle Verben bilden ihre Formen auf die gleiche Weise. Man unterscheidet drei Gruppen.
Schwache Verben sind regelmäßig. Ihr Wortstamm bleibt gleich. Im Präteritum bekommen sie die Endung „-te“. Aus „kaufen“ wird „kaufte“, aus „backen“ wird heute meist „backte“. Weitere Beispiele sind „sagen – sagte“ und „zählen – zählte“.
Starke Verben ändern im Präteritum ihren Stammvokal. Eine Endung mit „-te“ bekommen sie nicht. Aus „finden“ wird „fand“, aus „schreiben“ wird „schrieb“. Auch die Form im Perfekt klingt anders: „gefunden“, „geschrieben“.
Unregelmäßige Verben mischen beide Merkmale. Ihr Stammvokal ändert sich, und trotzdem bekommen sie die Endung „-te“. Beispiele sind „bringen – brachte“, „denken – dachte“ und „kennen – kannte“.
| Gruppe | Grundform | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| schwach | zählen | zählte | hat gezählt |
| stark | finden | fand | hat gefunden |
| stark | laufen | lief | ist gelaufen |
| unregelmäßig | bringen | brachte | hat gebracht |
Starke und unregelmäßige Verben musst du lernen. Im Zweifel hilft ein Wörterbuch. Dort stehen die Formen oft gleich beim Stichwort.
3. Perfekt und Plusquamperfekt
Das Perfekt bildest du mit einer Form von „haben“ oder „sein“ und einer besonderen Form des Verbs. Diese Form beginnt oft mit „ge-“, etwa „gekauft“ oder „gelaufen“. Das Perfekt verwendest du vor allem, wenn du mündlich von Vergangenem erzählst.
Die meisten Verben bilden das Perfekt mit „haben“. Mit „sein“ stehen viele Verben der Bewegung und der Veränderung. Dazu gehören „gehen“, „fahren“, „laufen“ und „wachsen“.
Nicht jede Perfektform beginnt mit „ge-“. Bei Verben mit den Vorsilben „be-“, „ver-“ oder „er-“ fällt es weg. Es heißt „hat verkauft“, „hat bestellt“ und „hat erklärt“. Bei Verben mit einer abtrennbaren Vorsilbe rutscht „ge“ in die Mitte. Aus „aufhängen“ wird „aufgehängt“, aus „einkaufen“ wird „eingekauft“.
Wir haben heute vierzig Waffeln verkauft.
Tom ist schnell zum Kiosk gelaufen.
Das Plusquamperfekt heißt auch Vorvergangenheit. Du brauchst es, wenn zwei Ereignisse in der Vergangenheit liegen. Was früher geschah, steht im Plusquamperfekt. Du bildest es mit „hatte“ oder „war“ und derselben besonderen Form des Verbs.
Nachdem wir die Waffeln verkauft hatten, zählten wir das Geld.
Zuerst wurden die Waffeln verkauft. Danach zählte die Gruppe das Geld. Das frühere Ereignis steht deshalb im Plusquamperfekt. Das spätere steht im Präteritum.
4. Futur I und Futur II
Das Futur I drückt aus, dass etwas in der Zukunft geschieht. Du bildest es mit „werden“ und der Grundform des Verbs: „Wir werden am Freitag Waffeln backen.“
Oft verwendest du für die Zukunft aber einfach das Präsens. Eine Zeitangabe zeigt dann, dass etwas später geschieht: „Am Freitag backen wir Waffeln.“ Beide Sätze sind richtig.
Das Futur II drückt aus, dass etwas zu einem Zeitpunkt in der Zukunft schon abgeschlossen ist. Du bildest es mit „werden“, der besonderen Form des Verbs und „haben“ oder „sein“.
Bis Freitag werden wir alle Plakate aufgehängt haben.
Am Freitag ist die Arbeit also schon erledigt. Das Futur II kann auch eine Vermutung ausdrücken: „Lina wird den Schlüssel vergessen haben.“
Beim Planen sind Futur I und Futur II besonders nützlich. Mit dem Futur I sagst du, was geschehen wird. Mit dem Futur II sagst du, was bis zu einem Termin fertig sein soll. So wird klar, wer bis wann was erledigt.
5. Zeitformen richtig verwenden
Beim schriftlichen Erzählen verwendest du meist das Präteritum. Es klingt in Geschichten flüssig und angemessen. Beim mündlichen Erzählen verwendest du dagegen meist das Perfekt.
Bleib in einem Text bei einer Zeitform. Ein ungeplanter Wechsel verwirrt die Leser. „Wir backten Waffeln, und dann kommt Tom herein“ ist falsch. Richtig heißt es: „Wir backten Waffeln, und dann kam Tom herein.“
Nur wenn sich die Zeit wirklich ändert, wechselst du die Zeitform. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du von etwas Früherem berichtest. Dann nutzt du das Plusquamperfekt.
Prüfe beim Überarbeiten jedes Verb. Frage dich: Wann geschieht das? Passt die Zeitform dazu? So findest du Fehler schnell.
Eine kleine Hilfe ist das Unterstreichen. Markiere in deinem Text alle Verben mit einer Farbe. Dann siehst du auf einen Blick, ob die Zeitformen zusammenpassen. Besonders bei langen Texten lohnt sich dieser Schritt.
So brauchst du es im Beruf
Im Beruf schreibt man oft kurze Berichte. Darin stehen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nebeneinander. Die Schülerfirma schickt nach dem Verkaufstag eine Nachricht an die betreuende Lehrkraft.
Heute haben wir sechzig Waffeln verkauft. Bevor der Verkauf begann, hatten wir alle Preise gut sichtbar angebracht. Im Moment fehlt uns Mehl. Wir werden nächste Woche zwei Packungen bestellen.
| Satz | Zeitform | Warum diese Zeitform |
|---|---|---|
| „Heute haben wir sechzig Waffeln verkauft.“ | Perfekt | abgeschlossen, Mitteilung an eine Person |
| „hatten wir alle Preise gut sichtbar angebracht“ | Plusquamperfekt | geschah vor dem Verkauf |
| „Im Moment fehlt uns Mehl.“ | Präsens | gilt jetzt |
| „Wir werden nächste Woche zwei Packungen bestellen.“ | Futur I | geplant für die Zukunft |
Die Lehrkraft versteht sofort, was erledigt ist, was jetzt gilt und was als Nächstes geplant ist. Genau so klar sollen Berichte im Betrieb sein.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Er bringte das Wechselgeld. | Er brachte das Wechselgeld. | „bringen“ ist unregelmäßig. |
| Sie hat schnell zum Kiosk gelaufen. | Sie ist schnell zum Kiosk gelaufen. | Verben der Bewegung bilden das Perfekt oft mit „sein“. |
| Wir backten Waffeln, dann kommt Tom. | Wir backten Waffeln, dann kam Tom. | Die Zeitform bleibt gleich. |
| Nachdem wir verkauften, zählten wir. | Nachdem wir verkauft hatten, zählten wir. | Das frühere Ereignis steht im Plusquamperfekt. |
| Er findete den Schlüssel. | Er fand den Schlüssel. | „finden“ ist ein starkes Verb. |
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