Deutsch Realschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Indirekte Rede: wann der Konjunktiv nötig ist
Wenn du berichtest, was jemand anderes gesagt hat, hast du zwei Möglichkeiten. Du gibst die Worte genau so wieder, wie sie gefallen sind, und setzt sie in Anführungszeichen. Oder du erzählst sie mit deinen eigenen Worten nach. Der zweite Weg heißt indirekte Rede. Damit deine Leser merken, dass hier eine fremde Aussage wiedergegeben wird und nicht deine eigene, wechselt das Verb vom Indikativ in den Konjunktiv. Auf dieser Seite geht es um genau diesen Gebrauch: wann du den Konjunktiv brauchst und was sich beim Umformen sonst noch ändert.
1. Wörtliche und indirekte Rede
In der wörtlichen Rede steht der ursprüngliche Satz unverändert zwischen Anführungszeichen, davor oder danach ein Begleitsatz: „Lena sagt: ‚Ich habe meinen Schlüssel verloren.‘“ In der indirekten Rede fallen die Anführungszeichen weg. Der Begleitsatz wird zum Hauptsatz, die Aussage selbst wird zum Nebensatz.
Aus dem Beispiel wird: „Lena sagt, sie habe ihren Schlüssel verloren.“ Du kannst den Nebensatz auch mit dass anschließen: „Lena sagt, dass sie ihren Schlüssel verloren habe.“ Beide Formen sind richtig. Ohne dass klingt der Satz kürzer, mit dass ist die Grenze zwischen Bericht und Aussage deutlicher zu sehen.
Merke: Die indirekte Rede steht ohne Anführungszeichen. Sie braucht immer einen Begleitsatz, der sagt, wer etwas geäußert hat, zum Beispiel sie sagt, er behauptet, die Klasse berichtet.
2. Wozu der Konjunktiv gebraucht wird
Der Konjunktiv zeigt Abstand. Er macht sichtbar, dass du eine fremde Äußerung weitergibst, ohne dich selbst für ihren Inhalt zu verbürgen. Vergleiche die beiden Sätze: „Der Torwart war verletzt.“ und „Der Trainer erklärte, der Torwart sei verletzt.“ Im ersten Satz behauptest du selbst etwas. Im zweiten berichtest du nur, was jemand gesagt hat.
Besonders wichtig ist das in Berichten, in Nachrichten und in der Schülerzeitung. Dort muss der Leser auf einen Blick erkennen können, welche Aussagen vom Verfasser stammen und welche von einer befragten Person. In der gesprochenen Alltagssprache hört man stattdessen oft den Indikativ. In schriftlichen Texten, in denen es auf Genauigkeit ankommt, ist der Konjunktiv jedoch das übliche Mittel. Klingt die Konjunktivform genauso wie die gewöhnliche Verbform und wäre der Abstand damit nicht mehr zu erkennen, weicht man auf eine Form mit würde aus, zum Beispiel „Sie berichteten, sie würden am Freitag anreisen.“ Wie die Konjunktivformen im Einzelnen gebildet werden, ist Stoff der nächsten Jahrgangsstufe; hier geht es allein um ihren Gebrauch.
3. Was sich beim Umformen mitverschiebt
Der Konjunktiv allein genügt nicht. Weil du aus einer anderen Perspektive berichtest, ändern sich auch die Pronomen. Aus ich wird er oder sie, aus mein wird sein oder ihr, aus wir wird sie.
Ebenso verschieben sich Angaben zu Zeit und Ort, wenn du nicht am selben Tag und nicht am selben Ort berichtest. Aus heute wird an diesem Tag, aus morgen wird am nächsten Tag, aus hier wird dort. Prüfe deshalb beim Umformen immer drei Dinge: das Verb, die Pronomen und die Zeit- und Ortsangaben.
| Wörtliche Rede | Indirekte Rede | Was sich ändert |
|---|---|---|
| Ich habe meinen Schlüssel verloren. | Lena sagt, sie habe ihren Schlüssel verloren. | Verb und Pronomen |
| Wir fahren morgen zum Turnier. | Sie erzählten, sie würden am nächsten Tag zum Turnier fahren. | Verb, Pronomen, Zeitangabe |
| Hier ist es viel zu laut. | Der Nachbar beschwerte sich, dort sei es viel zu laut. | Verb und Ortsangabe |
4. Fragen und Aufforderungen wiedergeben
Nicht jede Äußerung ist eine Aussage. Eine Frage, auf die man nur mit Ja oder Nein antworten kann, schließt du in der indirekten Rede mit ob an: Aus „Kommt ihr mit?“ wird „Sie fragte, ob wir mitkämen.“ Eine Frage mit Fragewort behält ihr Fragewort: Aus „Wann beginnt das Spiel?“ wird „Er wollte wissen, wann das Spiel beginne.“
Eine Aufforderung gibst du mit sollen wieder, eine höfliche Bitte mit mögen. Aus „Seid bitte pünktlich!“ wird „Der Trainer sagte, wir sollten pünktlich sein.“ Das Ausrufezeichen und das Fragezeichen fallen dabei weg, denn der ganze Satz ist nun ein Aussagesatz und endet mit einem Punkt.
Merke: Entscheidungsfragen werden mit ob angeschlossen, Ergänzungsfragen behalten ihr Fragewort. Aufforderungen gibst du mit sollen wieder. Am Ende steht immer ein Punkt.
5. Die indirekte Rede im eigenen Text
In einem längeren Bericht musst du nicht jeden Satz neu einleiten. Es genügt, den Begleitsatz einmal zu setzen und danach im Konjunktiv weiterzuschreiben; der Leser weiß dann, dass die ganze Passage die Aussage dieser Person wiedergibt. Sobald du selbst wieder etwas feststellst, kehrst du deutlich erkennbar in den Indikativ zurück.
Zwei Dinge solltest du dabei beachten. Erstens: Wechsle nicht mitten in der Wiedergabe zwischen Konjunktiv und Indikativ hin und her, sonst weiß niemand mehr, wer was behauptet. Zweitens: Kürze die Aussage sinngemäß, aber verfälsche sie nicht. Wer eine fremde Äußerung wiedergibt, ist dafür verantwortlich, dass ihr Inhalt erhalten bleibt.
So erkennst du es im Satz
Nach dem Sporttag befragte unsere Schülerzeitung die Klassensprecherin. Sie berichtete, die Vorbereitung habe drei Wochen gedauert. Viele Schüler hätten sich freiwillig gemeldet. Sie erklärte weiter, das Wetter am Vormittag sei schwierig gewesen. Auf die Frage, ob der Sporttag wiederholt werde, antwortete sie, das entscheide die Schulleitung. Wir halten fest: Die Stimmung war gut.
| Stelle | Form | Wirkung |
|---|---|---|
| die Vorbereitung habe drei Wochen gedauert | Konjunktiv | Aussage der Klassensprecherin, nicht der Redaktion |
| Viele Schüler hätten sich freiwillig gemeldet. | Konjunktiv ohne neuen Begleitsatz | die Wiedergabe läuft weiter |
| ob der Sporttag wiederholt werde | Frage mit ob | Entscheidungsfrage in indirekter Form |
| Die Stimmung war gut. | Indikativ | eigene Feststellung der Redaktion |
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum? |
|---|---|---|
| „Lena sagt, sie hat ihren Schlüssel verloren.“ | „Lena sagt, sie habe ihren Schlüssel verloren.“ | In der indirekten Rede zeigt der Konjunktiv, dass eine fremde Aussage wiedergegeben wird. |
| „Lena sagt, ich habe meinen Schlüssel verloren.“ | „Lena sagt, sie habe ihren Schlüssel verloren.“ | Beim Umformen wechselt die Perspektive, deshalb ändern sich auch die Pronomen. |
| Die indirekte Rede wird zusätzlich in Anführungszeichen gesetzt. | „Lena sagt, sie habe ihren Schlüssel verloren.“ – die Wiedergabe steht ohne Anführungszeichen | Anführungszeichen gehören nur zur wörtlichen Rede. |
| „Sie fragte, kommen wir mit?“ | „Sie fragte, ob wir mitkämen.“ | Eine Entscheidungsfrage wird mit ob angeschlossen; der Satz endet mit einem Punkt. |
| „Er erzählte, er komme morgen“, drei Tage später aufgeschrieben. | „Er erzählte, er komme am nächsten Tag.“ | Zeitangaben verschieben sich mit, wenn du später berichtest. |
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