Deutsch Realschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Attribute: das Nomen genauer bestimmen

Ein Nomen allein sagt oft noch nicht genug aus. „Der Rucksack liegt im Flur.“ ist richtig, aber ungenau: Welcher Rucksack? Wessen Rucksack? Mit einem Attribut fügst du dem Nomen zusätzliche Informationen hinzu, ohne einen neuen Nebensatz zu bilden. Ein Attribut ist ein Wort oder eine kurze Wortgruppe, die sich direkt auf ein Nomen bezieht und es genauer beschreibt. Auf dieser Seite lernst du drei Arten von Attributen kennen und übst, sie in eigenen Sätzen zu erkennen.

1. Was ein Attribut ist

Ein Attribut gehört nicht zu den Satzgliedern, die du bereits kennst, sondern steht innerhalb eines Satzglieds und erweitert dort ein Nomen. Du erkennst ein Attribut daran, dass es die Fragen „Welcher, welche, welches?“ oder „Was für ein?“ beantwortet. Im Satz „Der neue Schüler sitzt neben mir.“ ist „neue“ ein Attribut zum Nomen „Schüler“, denn es beantwortet die Frage „Was für ein Schüler?“. Ein Attribut kann vor dem Nomen stehen (vorangestellt) oder nach ihm (nachgestellt). Beide Stellungen lernst du in den folgenden Abschnitten kennen.

Merke: Ein Attribut bestimmt ein Nomen genauer. Es steht nicht für sich allein als Satzglied, sondern innerhalb eines Satzglieds direkt bei seinem Bezugswort.

2. Das vorangestellte Attribut: das Adjektivattribut

Das häufigste Attribut ist das Adjektivattribut. Es steht vor dem Nomen und passt sich in Kasus, Numerus und Genus an, genau wie du es von der Deklination der Adjektive kennst. Im Satz „Die müde Katze schläft auf dem warmen Kissen.“ sind „müde“ und „warmen“ Adjektivattribute. Auch ein Partizip kann diese Rolle übernehmen, zum Beispiel „der lachende Junge“ oder „das gebackene Brot“. Mehrere Adjektivattribute können zusammen vor einem Nomen stehen, wie in „die kleine, freundliche Nachbarin“.

Satz Adjektivattribut Bezugswort
Der alte Turnschuh liegt im Schrank. alte Turnschuh
Meine beste Freundin wohnt gegenüber. beste Freundin

3. Das nachgestellte Attribut: Genitivattribut und Präpositionalattribut

Ein Attribut kann auch nach seinem Bezugswort stehen. Steht ein Nomen im Genitiv direkt bei einem anderen Nomen, spricht man vom Genitivattribut. Im Satz „Das Fahrrad meines Bruders steht vor der Tür.“ ist „meines Bruders“ ein Genitivattribut zu „Fahrrad“, denn es beantwortet die Frage „Wessen Fahrrad?“. Ein Präpositionalattribut besteht aus einer Präposition mit ihrem Nomen und steht ebenfalls nach dem Bezugswort. Im Satz „Der Schlüssel zur Turnhalle liegt im Sekretariat.“ ist „zur Turnhalle“ ein Präpositionalattribut zu „Schlüssel“. Beide Attributarten erkennst du daran, dass sie sich nicht selbst umstellen lassen, ohne ihr Bezugswort mitzunehmen.

Satz Nachgestelltes Attribut Art
Der Rucksack meiner Schwester ist grün. meiner Schwester Genitivattribut
Die Freude über den Sieg war groß. über den Sieg Präpositionalattribut

Merke: Das Genitivattribut fragt „Wessen?“, das Präpositionalattribut besteht aus Präposition und Nomen. Beide stehen nach ihrem Bezugswort. Auch ein ganzer Nebensatz kann die Aufgabe eines Attributs übernehmen; diesen Attributsatz lernst du auf einer eigenen Seite kennen.

4. Mehrere Attribute zu einem Nomen

Ein Nomen kann gleichzeitig mehrere Attribute tragen, auch verschiedene Arten davon. Im Satz „Das neue Fahrrad meines Onkels mit dem roten Rahmen steht in der Garage.“ hat „Fahrrad“ drei Attribute: das vorangestellte Adjektivattribut „neue“, das nachgestellte Genitivattribut „meines Onkels“ und das nachgestellte Präpositionalattribut „mit dem roten Rahmen“. Innerhalb des Präpositionalattributs steckt sogar noch ein weiteres Adjektivattribut, nämlich „roten“ zu „Rahmen“. Attribute können sich also auch ineinander verschachteln. Beim genauen Lesen hilft es, zuerst das Kernwort des Satzglieds zu suchen und danach zu fragen, welche Wörter dieses Kernwort näher bestimmen. Je mehr Attribute ein Nomen trägt, desto genauer wird die Beschreibung, aber desto länger wird auch das Satzglied. In eigenen Texten lohnt es sich deshalb, nicht wahllos viele Attribute aneinanderzureihen, sondern nur die Informationen zu ergänzen, die für den Leser wirklich wichtig sind.

5. Attribute erkennen: die Weglassprobe

Ein zuverlässiges Werkzeug, um ein Attribut von seinem Bezugswort zu unterscheiden, ist die Weglassprobe. Streichst du ein Attribut aus dem Satz, bleibt der Satz grammatisch vollständig und richtig, nur weniger genau. Im Satz „Das neue Fahrrad meines Onkels steht in der Garage.“ kannst du sowohl „neue“ als auch „meines Onkels“ weglassen, ohne dass der Satz falsch wird: „Das Fahrrad steht in der Garage.“ bleibt ein vollständiger Satz. Lässt du dagegen das Bezugswort selbst weg, entsteht kein sinnvoller Satz mehr, zum Beispiel „Das neue meines Onkels steht in der Garage.“ Diese Probe zeigt dir, dass Attribute zusätzliche, aber nicht notwendige Informationen liefern, während das Bezugswort selbst zum Kern des Satzglieds gehört.

Merke: Ein Satzglied bleibt nach dem Weglassen eines Attributs grammatisch korrekt, nur ungenauer. Fehlt dagegen das Bezugswort, wird der Satz unvollständig. So unterscheidest du sicher zwischen einem Attribut und dem Wort, auf das es sich bezieht.

So erkennst du es im Satz

Am Samstag holt Paul das alte Zelt seines Opas aus dem Keller. Das Zelt mit den blauen Stangen ist immer noch dicht. Seine jüngere Schwester packt die warmen Schlafsäcke ihrer ganzen Familie in den Kofferraum. Der lange Weg zum Campingplatz führt an einem kleinen See vorbei. Am Abend sitzt die müde Gruppe am wärmenden Lagerfeuer.

Attribut Bezugswort Art
alte Zelt Adjektivattribut
seines Opas Zelt Genitivattribut
mit den blauen Stangen Zelt Präpositionalattribut
ihrer ganzen Familie Schlafsäcke Genitivattribut
zum Campingplatz Weg Präpositionalattribut

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum?
„meines Bruders“ wird als eigenes Satzglied gezählt. „meines Bruders“ ist ein Attribut innerhalb des Satzglieds „das Fahrrad meines Bruders“. Ein Attribut steht nicht für sich, sondern erweitert ein Nomen innerhalb eines Satzglieds.
„zur Turnhalle“ wird als Adjektivattribut bezeichnet. „zur Turnhalle“ ist ein Präpositionalattribut. Präposition mit Nomen bilden zusammen ein Präpositionalattribut, kein Adjektivattribut.
Beim Genitivattribut wird nur nach „wem?“ gefragt. Das Genitivattribut fragt „Wessen?“. Die Frage „wem?“ gehört zum Dativobjekt, nicht zum Genitivattribut.
Ein Adjektivattribut wird als eigenständiges Satzglied verschoben. Das ganze Satzglied mit seinem Attribut wird gemeinsam verschoben. Ein Attribut hängt fest an seinem Bezugswort und lässt sich nicht allein umstellen.

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