Deutsch Realschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Alle vier Objekte: Akkusativ, Dativ, Genitiv und Präposition

Auf der Seite zu Subjekt, Prädikat, Dativ- und Akkusativobjekt hast du bereits zwei Objektarten kennengelernt; Subjekt und Prädikat setzt diese Seite voraus. Neben dem Dativ- und dem Akkusativobjekt gibt es noch zwei weitere Objektarten: das Genitivobjekt und das Präpositionalobjekt. Zusammen bilden alle vier ein System, mit dem du fast jeden Satz vollständig beschreiben kannst. Auf dieser Seite lernst du alle vier Objektarten in einem System kennen und übst, sie im Satz zu unterscheiden.

1. Die vier Objektarten im Überblick

Jede Objektart hat eine eigene Frage, mit der du sie im Satz findest. Ein Objekt ergänzt das Prädikat und sagt genauer, wen, was, wem oder wessen die Handlung betrifft. Die folgende Tabelle stellt alle vier Objektarten nebeneinander.

Objektart Frage Beispiel
Akkusativobjekt wen oder was? Paul liest ein Buch.
Dativobjekt wem? Paul hilft seinem Freund.
Genitivobjekt wessen? Die Klasse gedenkt des Jubiläums.
Präpositionalobjekt Präposition + Fragewort Die Kinder warten auf den Bus.

Merke: Jede Objektart erkennst du an ihrer eigenen Frage. Ein Satz kann mehrere Objekte gleichzeitig enthalten, muss es aber nicht. Ein einfacher Satz ohne Objekt, zum Beispiel „Die Sonne scheint.“, ist ebenso richtig.

2. Das Genitivobjekt: die Frage wessen?

Das Genitivobjekt steht im vierten und seltensten Fall, dem Genitiv. Du findest es mit der Frage: Wessen + Subjekt + Prädikat? Nur wenige Verben verlangen ein Genitivobjekt, zum Beispiel gedenken oder sich schämen. Im Satz „Die Klasse gedenkt des Jubiläums.“ fragst du: Wessen gedenkt die Klasse? Die Antwort ist „des Jubiläums“, also ist „des Jubiläums“ das Genitivobjekt. Weil so wenige Verben das Genitivobjekt verlangen, lohnt es sich, dir die wenigen Beispiele gut zu merken, statt eine lange Liste zu lernen.

Satz Frage Genitivobjekt
Der Schüler schämt sich seines Fehlers. Wessen schämt sich der Schüler? seines Fehlers
Die Mannschaft gedenkt des früheren Kapitäns. Wessen gedenkt die Mannschaft? des früheren Kapitäns

Merke: Das Genitivobjekt beantwortet die Frage wessen? und kommt nur bei wenigen Verben vor. Im Satzbau erkennst du es oft an der Endung -es oder -er des Nomens. Verwechsle es nicht mit dem Akkusativobjekt: Die Frage wessen? unterscheidet sich deutlich von der Frage wen oder was?

3. Das Präpositionalobjekt: das Verb legt die Präposition fest

Beim Präpositionalobjekt gehört eine feste Präposition zum Verb, ohne dass sich der Sinn frei wählen lässt. Du findest es mit der Frage: Präposition + wen, was oder wem + Subjekt + Prädikat? Im Satz „Die Kinder warten auf den Bus.“ gehört auf fest zu warten, die Frage lautet: Auf wen oder was warten die Kinder? Die Antwort „auf den Bus“ ist das Präpositionalobjekt. Anders als eine freie Ortsangabe kannst du die Präposition beim Präpositionalobjekt nicht austauschen, ohne dass sich die Bedeutung des Verbs verändert. Ersetzt du „auf“ durch „neben“, ergibt der Satz keinen Sinn mehr, denn warten und auf gehören untrennbar zusammen.

Satz Frage Präpositionalobjekt
Die Klasse freut sich auf die Klassenfahrt. Auf was freut sich die Klasse? auf die Klassenfahrt
Lena denkt an ihre Großmutter. An wen denkt Lena? an ihre Großmutter

Merke: Beim Präpositionalobjekt legt das Verb fest, welche Präposition steht. Warten geht nur mit auf, denken nur mit an – das Verb und seine Präposition gehören fest zusammen. Am besten lernst du solche Verben immer zusammen mit ihrer Präposition, so wie ein festes Wortpaar.

4. Welches Verb welches Objekt verlangt

Ob ein Satz ein Akkusativ-, Dativ-, Genitiv- oder Präpositionalobjekt braucht, entscheidet allein das Verb. Manche Verben verlangen sogar zwei Objekte gleichzeitig, zum Beispiel ein Dativ- und ein Akkusativobjekt nebeneinander. Am sichersten prüfst du das, indem du die passende Frage an das Verb stellst und schaust, welche Antwort der Satz hergibt. Ein Wörterbuch kann dir außerdem zeigen, welchen Fall ein Verb verlangt, wenn du dir unsicher bist.

Verb verlangt Beispiel
sehen Akkusativobjekt Sie sieht den Vogel.
danken Dativobjekt Er dankt seinem Lehrer.
bedürfen Genitivobjekt Das Projekt bedarf großer Geduld.
sich freuen auf Präpositionalobjekt Wir freuen uns auf die Ferien.

Ein sicherer Weg, ein Objekt zu bestimmen, ist immer derselbe: Suche zuerst das Prädikat, stelle dann die passende Frage und prüfe deine Antwort noch einmal im ganzen Satz. So findest du auch in längeren Sätzen mit mehreren Objekten schnell die richtige Zuordnung.

So erkennst du es im Satz

Am Freitag hilft Paul seiner Schwester bei den Hausaufgaben. Danach liest er ein spannendes Buch. Die ganze Familie freut sich auf das Wochenende. Am Sonntag gedenkt die Familie des verstorbenen Hundes, der viele Jahre bei ihnen lebte. Paul denkt oft an die gemeinsamen Spaziergänge. Seine Schwester dankt ihm für die Hilfe bei den Hausaufgaben.

Fundstelle im Text Objektart Woran du sie erkennst
seiner Schwester Dativobjekt Frage: Wem hilft Paul?
ein spannendes Buch Akkusativobjekt Frage: Was liest er?
auf das Wochenende Präpositionalobjekt Feste Präposition auf zu sich freuen
des verstorbenen Hundes Genitivobjekt Frage: Wessen gedenkt die Familie?
an die gemeinsamen Spaziergänge Präpositionalobjekt Feste Präposition an zu denken
für die Hilfe Präpositionalobjekt Feste Präposition für zu danken für

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum?
„des Jubiläums“ wird als Akkusativobjekt bestimmt. „des Jubiläums“ ist das Genitivobjekt (Wessen gedenkt die Klasse?). Die Endung -s und die Frage wessen zeigen den Genitiv.
Die Kinder warten den Bus. Die Kinder warten auf den Bus. warten verlangt zwingend die Präposition auf, sie darf nicht wegfallen.
„auf die Klassenfahrt“ wird für eine freie Ortsangabe gehalten. „auf die Klassenfahrt“ ist ein Präpositionalobjekt, da sich freuen fest mit auf verbunden ist. Die Präposition lässt sich bei sich freuen auf nicht durch eine andere ersetzen.
Er dankt sein Lehrer. Er dankt seinem Lehrer. danken verlangt den Dativ, erkennbar an der Frage wem.
In „Er dankt seinem Lehrer für die Hilfe.“ wird nur ein Objekt gefunden. Der Satz enthält zwei Objekte: seinem Lehrer (Dativ) und für die Hilfe (Präposition). Ein Satz kann mehrere Objektarten gleichzeitig enthalten, jede mit ihrer eigenen Frage.

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