Deutsch Realschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 bis 9 · Richtig schreiben (LehrplanPLUS)
Großschreibung und Nominalisierung
Nomen schreibst du im Deutschen immer groß. Manchmal wird aber auch ein Verb oder ein Adjektiv zu einem Nomen und muss dann ebenfalls großgeschrieben werden. Diesen Vorgang nennst du Nominalisierung. Auf dieser Seite lernst du, an welchen Signalen du eine Nominalisierung erkennst und wie du sie sicher großschreibst. Wer die Signale sicher kennt, macht bei der Großschreibung deutlich weniger Fehler.
1. Die Grundregeln der Großschreibung
Am Anfang eines Satzes schreibst du das erste Wort groß. Jedes Nomen schreibst du groß, unabhängig davon, an welcher Stelle im Satz es steht. Auch die persönliche Anrede in einem Brief, zum Beispiel Du oder Ihr, schreibst du groß. Adjektive und Verben bleiben dagegen normalerweise klein – außer, sie übernehmen die Aufgabe eines Nomens. Auch zusammengesetzte Nomen wie Klassenzimmer oder Pausenhof schreibst du als Ganzes groß, denn das Grundwort am Ende bleibt ein Nomen.
| Regel | Beispiel |
|---|---|
| Satzanfang | Die Klasse fährt am Montag los. |
| Nomen | Der Hund wartet vor der Tür. |
| Persönliche Anrede im Brief | Liebe Oma, hoffentlich geht es Dir gut. |
Ab Jahrgangsstufe 7 kommt dazu: die Schreibung von Zeitangaben. Eine Tageszeit ist ein Nomen und wird großgeschrieben, sobald sie als Nomen im Satz steht, zum Beispiel in „am Morgen“ oder „in der Nacht“. Auch nach gestern, heute und morgen bleibt sie ein Nomen: „Wir treffen uns heute Abend.“ Wird aus der Zeitangabe dagegen ein Adverb, schreibst du sie klein. Das erkennst du meist an der Endung -s, zum Beispiel in abends, morgens oder montagabends.
Ab Jahrgangsstufe 9 kommt dazu: die Großschreibung in Gliederungen. Steht ein Gliederungspunkt in einer eigenen Zeile, beginnt er mit einem großen Anfangsbuchstaben. Ein Satzschlusszeichen setzt du am Ende eines solchen Punktes nicht. Führst du eine Aufzählung dagegen innerhalb eines laufenden Satzes weiter, bleibt es bei der Kleinschreibung, sofern kein Nomen folgt. Nach einem Aufzählungszeichen gilt dieselbe Überlegung: Es ersetzt kein Satzzeichen und ändert die Schreibung des folgenden Wortes nicht.
2. Was eine Nominalisierung ist
Ein Verb oder ein Adjektiv wird zu einem Nomen, wenn es im Satz die Aufgabe eines Nomens übernimmt. Du erkennst das daran, dass ein Artikel, ein Pronomen oder eine Präposition mit Artikel davorstehen kann. Aus dem Verb lesen wird so das Lesen, aus dem Adjektiv schön wird das Schöne. Das nominalisierte Wort trägt jetzt die Merkmale eines Nomens: einen Artikel, einen Kasus und die Großschreibung. Frage dich im Zweifel: Kann ich vor das Wort einen Artikel setzen, und ergibt der Satz dann weiterhin Sinn? Ist das der Fall, liegt eine Nominalisierung vor.
Merke: Ein Wort ist nominalisiert, wenn es zwar von einem Verb oder Adjektiv stammt, im Satz aber die Stelle eines Nomens einnimmt. Dann schreibst du es groß.
Ob ein Wort nominalisiert ist, hängt also nicht von seiner Herkunft ab, sondern von seiner Aufgabe im jeweiligen Satz. Dasselbe Wort kann in einem Satz ein gewöhnliches Verb sein und in einem anderen Satz ein nominalisiertes Nomen, zum Beispiel „Wir schwimmen im See.“ gegenüber „Das Schwimmen im See macht Spaß.“
3. Signalwörter, die eine Nominalisierung anzeigen
Bestimmte Wörter stehen häufig direkt vor einer Nominalisierung und verraten dir, dass jetzt ein Nomen folgt.
| Art des Signals | Beispiele für Signalwörter | Beispielsatz |
|---|---|---|
| Artikel | das, ein, kein | Das Lachen steckt alle an. |
| Pronomen | mein, dein, ihr | Ihr Lachen steckt alle an. |
| Präposition mit Artikel | beim, zum, im | Beim Spielen vergisst er die Zeit. |
| Mengenwort (Menge) | viel, wenig | Sie hat wenig Neues zu berichten. |
| Mengenwort (unbestimmt) | etwas, nichts, alles | Sie erzählt etwas Neues. |
| Adjektiv davor | großes, schnelles, leises | Das laute Lachen weckt den Hund. |
Merke: Steht vor einem Wort ein Artikel, ein Pronomen, eine verschmolzene Form wie beim oder zum, oder ein Mengenwort wie etwas oder nichts, ist das Wort dahinter meist nominalisiert und wird großgeschrieben.
4. Nominalisierte Verben erkennen
Ein Verb wird nominalisiert, indem es in seiner Grundform wie ein Nomen verwendet wird. Es bekommt dann einen Artikel oder steht nach einer Präposition mit Artikel. Die Grundform eines Verbs kennst du bereits als Infinitiv, zum Beispiel lesen oder schwimmen. Genau diese Form wird bei der Nominalisierung unverändert übernommen, nur die Großschreibung kommt hinzu.
| Verb | Beispielsatz mit Nominalisierung |
|---|---|
| lesen | Das Lesen macht ihr Freude. |
| schwimmen | Beim Schwimmen entspannt sich Paul. |
| singen | Vom Singen wird Lina heiser. |
Achte besonders auf Verben, die in ihrer nominalisierten Form ohne Signalwort direkt nach der Präposition stehen. Auch dann bleiben sie großgeschrieben, denn die Präposition allein reicht als Signal für die Nominalisierung.
5. Nominalisierte Adjektive erkennen
Ein Adjektiv wird nominalisiert, wenn es die Stelle eines Nomens einnimmt. Es trägt dann oft eine Endung wie -e oder -es und wird ebenfalls großgeschrieben. Auch der Superlativ eines Adjektivs, den du bereits aus der Steigerung kennst, wird nominalisiert, sobald ein Artikel davorsteht, zum Beispiel das Schönste oder das Wichtigste.
| Adjektiv | Beispielsatz mit Nominalisierung |
|---|---|
| lustig | Sie erzählt etwas Lustiges. |
| gut | Das Beste kommt zum Schluss. |
| wichtig | Er hat nichts Wichtiges vergessen. |
Manchmal steht ein nominalisiertes Adjektiv auch nach einem weiteren Adjektiv, zum Beispiel in „etwas ganz Besonderes“. Das zusätzliche Adjektiv ganz ändert nichts an der Großschreibung von Besonderes, denn das Signalwort etwas davor bleibt entscheidend. Vergleiche dazu einen Satz ohne Nominalisierung: In „Das Wetter war besonders schön.“ bleibt besonders ein gewöhnliches Adjektiv und wird kleingeschrieben, weil kein Signalwort davorsteht und kein Nomen daraus entsteht.
Merke: Auch ein nominalisiertes Adjektiv erkennst du am Signalwort davor, zum Beispiel etwas, nichts oder das. Es wird immer großgeschrieben, egal ob es einen Artikel hat oder nicht.
Ab Jahrgangsstufe 7 kommt dazu: Farbbezeichnungen und Zahlen folgen genau derselben Überlegung. Eine Farbe bleibt klein, solange sie ein gewöhnliches Adjektiv ist, etwa in „Sie trägt eine blaue Jacke.“ Sobald sie die Stelle eines Nomens einnimmt, wird sie großgeschrieben: „Das Blau des Himmels leuchtet.“ oder „Bei Rot bleibst du stehen.“ Ebenso ist es bei Zahlen. Eine Grundzahl unter einer Million schreibst du klein, zum Beispiel acht oder hundert. Nimmt die Zahl die Stelle eines Nomens ein, wird sie groß: „Lena hat eine Zwei geschrieben.“ Unbestimmte Mengenangaben wie viele, wenige oder die beiden bleiben dagegen klein.
Ab Jahrgangsstufe 8 kommt dazu: zwei Fälle, die man leicht verwechselt. Der erste betrifft den Superlativ mit am. Fragst du nach ihm mit „Wie?“, bleibt er klein, denn er ist dann keine Nominalisierung: „Jonas läuft am schnellsten.“ Fragst du dagegen mit „Was?“, liegt eine Nominalisierung vor und du schreibst groß: „Das Schnellste war der letzte Lauf.“ Der zweite Fall betrifft Adjektive und Partizipien, die fest zu einem Eigennamen gehören. Sie werden großgeschrieben, weil sie Teil des Namens sind, zum Beispiel in Karl der Große oder der Stille Ozean.
| Klein | Groß | Grund |
|---|---|---|
| eine blaue Jacke | das Blau des Himmels | Farbe als Adjektiv oder als Nomen |
| acht Kinder | eine Zwei schreiben | Grundzahl oder nominalisierte Zahl |
| am schnellsten laufen | das Schnellste war der Lauf | Frage nach Wie? oder nach Was? |
| ein großer König | Karl der Große | Adjektiv als fester Teil eines Eigennamens |
So erkennst du es im Satz
Am Freitag freut sich die ganze Klasse auf das Lesen der neuen Geschichte. Beim Zuhören sitzen alle mucksmäuschenstill auf ihren Plätzen. Die Lehrerin erklärt zum Schluss der Stunde etwas Wichtiges. Nach dem Lesen diskutieren die Schüler über das Beste an der Geschichte. Manche mögen das Spannende an der Handlung besonders gern. Am Ende will niemand mit dem Lesen aufhören.
| Wort im Text | Nominalisierung von | Signal |
|---|---|---|
| das Lesen | Verb lesen | Artikel das |
| Beim Zuhören | Verb zuhören | Präposition mit Artikel beim |
| etwas Wichtiges | Adjektiv wichtig | Mengenwort etwas |
| das Beste | Adjektiv gut | Artikel das |
| das Spannende | Adjektiv spannend | Artikel das |
| dem Lesen | Verb lesen | Präposition mit Artikel mit dem |
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum? |
|---|---|---|
| Er hat große Freude am schwimmen. | Er hat große Freude am Schwimmen. | Nach der verschmolzenen Form am steht ein nominalisiertes Verb, das großgeschrieben wird. |
| Sie erzählt etwas lustiges. | Sie erzählt etwas Lustiges. | Nach dem Mengenwort etwas steht ein nominalisiertes Adjektiv. |
| Das beste kommt zum Schluss. | Das Beste kommt zum Schluss. | Nach dem Artikel das steht hier ein nominalisiertes Adjektiv, kein bloßes Adjektiv vor einem Nomen. |
| Beim lesen wird es ruhig in der Klasse. | Beim Lesen wird es ruhig in der Klasse. | Nach der verschmolzenen Form beim steht ein nominalisiertes Verb. |
| lesen wird ohne Artikel kleingeschrieben. | Lesen macht ihr Freude – auch ganz ohne Artikel davor bleibt es groß. | Ein nominalisiertes Verb bleibt ein Nomen, auch wenn kein Signalwort direkt davorsteht. |
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